Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

           

123 Street Avenue, City Town, 99999

(123) 555-6789

email@address.com

 

You can set your address, phone number, email and site description in the settings tab.
Link to read me page with more information.

«Zürichs» gewilderte Elefanten

News

«Zürichs» gewilderte Elefanten

Ruedi R. Suter

Sie geben neue Rätsel auf: Die Überreste der gegen 50 tansanischen Elefanten, die am 6. Juli 2015 am Zürich-Flughafen aus acht Koffern beschlagnahmt wurden. Der Rekordfund ist zu einem Politikum geworden. Der Schweiz, Sitz der Cites, wird mutloses Verhalten vorgeworfen. Und Tansania tut, als sei es übergangen worden. Versuch einer Klärung.

Von Ruedi Suter – FSS

Elfenbein kann schnell schwer werden. Sehr schwer sogar. Da lohnt es sich allemal, mit einem Rollkoffer zu reisen. Sieht auch geschäftsmässiger aus als eine einfache Holzkiste. Aber 262 Kilogramm Elefanten-Stosszähne können nicht in einen einzigen Koffer gepackt werden, auch zersägt nicht. Die drei Passagiere aus Dar es Salaam brauchten dafür acht Koffer – mit Rädern, versteht sich.

Das ist schon etwas auffälliger. Vor allem wenn man aus Tansania kommt, ungehindert durch den Julius Nyerere International Airport spazierte, unweit des Selous-Wildreservat, wo die grössten Elefantenmassaker der Neuzeit stattgefunden haben. Und wenn man überdies noch die chinesische Staatsbürgerschaft hat und rasch nach Beijing in die Volksrepublik China weiterreisen will, wo wie nirgendwo sonst die Körperteile afrikanischer Elefanten und Nashörner für Prunk und Aberglauben weiterverarbeitet werdent.

Zoll: Noch nie so viel Elfenbein gesehenElfenbein

Die Schweizer Zollbeamten folgerten an diesem 6. Juli 2015 richtig: Da war womöglich etwas faul, da musste etwas genauer hingeguckt werden. Röntgenstrahlen und Kofferöffnungen brachten es an den Tag: Elfenbein en masse, teils zersägt, eingewickelt in Alufolie, verteilt in den acht Koffern, alles im Schwarzmarktwert von zirka 400 000 Franken. Dazwischen rund ein Kilogramm Krallen und Fangzähne von Löwen, die unterdessen auch vom Aussterben bedroht sind.

So viel illegales Elfenbein auf einen Haufen hatten die Zollbeamten in Zürich noch nie bei einem einzigen Schmuggelversuch gesehen. Dagegen waren die 75, 6 Kilo aufgeflogenen Elfenbeins vom 23. September 2001 vergleichsweise ein Klacks. Sie lagen, zusammen mit zwei Rhino-Hörnern, in einer Holzkiste, die in Nairobi auf den Swissair-Kurs SR 293 gehievt wurde. Damals sprachen die Medien auch vom «grössten Fall von Elfenbeinschmuggel» auf dem Airport Zürich.

Chinas neue Rolle

Jetzt gibt’s einen neuen Rekord. Allerdings machte die eidgenössische Zolldirektion diesen erst einen Monat später publik. Mit globalem Medienecho. Aus den drei Passagieren Hu Yang (33), Hao Wu (21) and Qi Liu (37) wurden «Kuriere», «Schmuggler» oder «Verbrecher». Dennoch waren sie nach ihrer Verhaftung und dem Verhör eilig in ihre Heimat weiterspediert worden. Ohne Freiheitsstrafe (laut Cites-Bundesgesetz bis drei Jahre), ohne Geldbusse (bis eine Million Franken). Sie hatten nur eine vergleichsweise bescheidene Kaution zu hinterlegen. Warum?

Mathias Lörtscher ist hierzulande der Mann für einschlägige Antworten. Der Leiter der Cites-Vollzugsbehörde Schweiz im Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen meinte gegenüber den Medien, die drei Männer seien zu kleine Fische. Relevantes und Hinweise auf die mächtigen Hintermänner hätten diese niemals preisgeben können.

Sanfte Strafen für die Schmuggler

Jetzt hofft man im Strafverfahren und in Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden auf neue Erkenntnisse. Das offizielle China bemüht sich neuerdings, entschieden gegen den illegalen Elfenbeinhandel vorzugehen, unter anderem mit der Vernichtung beschlagnahmter Elfenbeingüter. Mit neuen Gesetzen wird Wilderern sogar eine lebenslange Haft in Aussicht gestellt. Wie hart und ob überhaupt die drei Abgeschobenen in China büssen müssen, wird sich erst zeigen müssen.

Dem Trio drohen in der Schweiz pro Nase eine Geldstrafe von höchstens 100 000 Franken. Ob das Geld je eingetrieben werden kann, steht in den Sternen. Waren die Schweizer Behörden zu nachgiebig, zu zögerlich? Und machten sie vor dem einflussreichen China einen voreiligen Kotau?

Wie auch immer, das rasche Abschieben führte zu Protesten von Naturschützenden und Wilderei-Kenner. Der Internationale Tierschutz-Fonds (Ifaw) gab seiner «Verwunderung» Ausdruck. Da würden afrikanische Staaten kritisiert, sie gingen zu sanft mit den Elefantenkillern um; die Schweiz aber fasse die Verbrecher scheinheilig mit Samthandschuhen an.

Haben die Schweizer Behörden versagt?

Weitere Kritiker meinen, die drei Männer hätten gleich hinter Schloss und Riegel gesperrt werden müssen. Die Soft-Strategie der Eidgenossenschaft ringe den Drahtziehern der Wilderei-Syndikate höchstens ein amüsiertes Lächeln ab. Und für den investigativen Schweizer Tierfilmer und Bushmeat-Spezialisten Karl Ammann müsste die Schweiz als Sitz des Cites-Artenschutzabkommens (Depositärstaat) ohnehin längst schon entschieden klare Zeichen setzen.

Just in diesem Fall hätten die Schweizer Behörden exemplarisch durchgreifen müssen. Aber selbst diese Chance sei verpasst worden, meint der vielfache Augenzeuge ungebremster Wilderei: «Bei der Durchsetzung der Cites-Konvention lebt die zuständige Schweizer Behörde ihren Pflichten nicht nach», kritisierte Ammann gegenüber unserem Magazin. Die Kritik geht auch an den Schweizer «Mr Cites» Mathis Lörtscher, bei dem Ammann eine fatale Bisshemmung zu Lasten der gehetzten Wildtiere diagnostiziert.

Verschiedene Einschätzungen

Lörtscher verteidigte sich früher schon gegenüber dem HABARI, ihm seien als Beamter die Hände gebunden, vorab durch Politik und Gesetze. Ob er durch mehr persönliche Courage das oft als zu passiv empfundene Verhalten der Cites ändern könnte, ist schwer zu beurteilen. Lörtscher wie Ammann kann jedenfalls zugute gehalten werden, dass sie miteinander reden.

Doch die beiden werden in der Sache nie Freunde werden können, auch wenn sie am Ende das gleiche Ziel haben: Hier, der in seinem Amt vielseitigen Begehren und Zwängen ausgesetzte Chefbeamte und Leiter Cites Schweiz, dort der freie Dokumentalist und Frontkämpfer, dem es angesichts der Massaker im Busch nicht schnell genug gehen kann, der Vernichtung der Wildtiere einen Riegel zu schieben.

«Erstaunter» Minister in Tansania

Das Auffliegen des aus Tansania eingeflogenen Elfenbeinschatzes in Zürich beschäftigt auch die tansanischen Behörden. Und zwar auf seltsame Weise. So gab sich der zuständige Minister Lazaro Nyalandu gemäss Medienberichten fast drei Wochen nach der Pressekonferenz in Zürich «überrascht», dass das verhaftete Trio nach China überführt worden sei.

«Das ist nicht möglich, wir haben keine Meldung von den Schweizer Behörden erhalten», erklärte er gegenüber der Zeitung The Citizen. Er habe erwartet, dass das Trio nach Tansania zurückgeschafft werde, wo es hätte helfen können, die Drahtzieher zu entlarven. Was war da geschehen?

Behörden mauern, Politiker geben sich ahnungslos

Unser Nachfragen bei der Schweizer Bundesbehörde stossen auf wohl dosiertes Schweigen. Mit Rücksicht auf das laufende Verfahren könnten «leider keine detaillierten Aussagen» gemacht werden, bedeutete BLF-Mediensprecher Stefan Kunfermann gegenüber dem HABARI.

Und: «Die Behörden in Tansania wie auch die chinesischen Behörden waren und sind im Rahmen dieser Abklärungen mit involviert. Dazu gehört auch der gegenseitige Informationsaustausch.» Was so viel heisst, dass der für die Anti-Wilderei zuständige Minister Nyalandu über den weltweit Wellen werfenden Fall hätte informiert sein müssen.

Aber Lazaro Nyalandu steht im Wahlkampf, er will Präsident werden, und entsprechend viel hat er um die Ohren. Möglich, dass er das Dossier nicht genau kannte. Möglich auch, dass er einmal mehr beweisen wollte, wie entschlossen er gegen die Wilderei vorgeht. In einer Regierung unter dem Noch-Präsidenten Jakaya Mrisho Kikwete, von der nationale und internationale Stimmen sagen, sie beherberge die einflussreichsten Drahtzieher der ostafrikanischen Elefantenwilderei. Wie auch immer: Die in den Rollkoffern verstaute Elefantenherde von Zürich wird so rasch keine Ruhe geben.

© Foto by BLV: Beschlagnahmtes Elfenbein am Airport Zürich