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«Arche Noah» für die Rhino-Rettung

News

«Arche Noah» für die Rhino-Rettung

Ruedi R. Suter

Die überall bedrohten Nashörner Afrikas sollen in einem riesigen Schutzgebiet Botswanas in die Zukunft gerettet werden. Und tatsächlich: Die Vision des Wildhüters Map Ives wird Wirklichkeit — mit tatkräftiger Hilfe aus der Schweiz.

Von Ruedi Suter – FSS

Er habe Angst, gesteht der Bärtige frei heraus. Angst, «dass sie alle verschwinden», weg von dieser Erde. Sein erstes Nashorn hat er mit 18 Jahren gesehen, in Simbabwe, wo er aufgewachsen ist. Eine schicksalhafte Begegnung. Martin Ives, den heute alle «Map» nennen, wurde Wildhüter, kam vor 35 Jahren nach Botswana und ist heute dessen «Rhinoman».

Als nationaler Nashorn-Koordinator, als Direktor der international wirkenden Schutzorganisation «Rhino Conservation Botswana» (RCB) und als Repräsentant des Landes bei derWeltnaturschutzunion (IUCN). Auf deren Rote Liste steht das Spitzmaulnashorn (Schwarzes Nashorn). Von diesem lebten im vorletzten Jahrhundert noch Hundert-
tausende, und laut IUCN schrumpfte der Bestand um fast 98 Prozent. Jetzt sind es nicht einmal mehr 5000 – Map Ives' Angst ist nachvollziehbar. 

Eine Vision als Beruhigungsmittel

Mit ihr hat der Wildhüter inzwischen umzugehen gelernt. Er setzt ihr eine Idee entgegen – die Vision von einer riesigen Rettungszone für Nashörner im südlichen Afrika. Und zwar in Botswana, im schwer zugänglichen, mit Sümpfen gesegneten Okavango-Delta. Die Vision ist sein Beruhigungsmittel. Für sie setzt er sich ein, auf allen Ebenen, draussen im Busch, in den Sümpfen, im RCB-Hauptquartier in Maun, in den Teppichetagen der Geldgebenden, Unternehmen und Organisationen dieser Welt, denen das Überleben der Nashörner ebenfalls zum Anliegen geworden ist.

Und jetzt auch in Basel, wo er am 26. Juni 2017 über seine Arbeit und seine Vision gesprochen hat. Zuerst sinnigerweise an der Medienkonferenz am Totengässlein im Pharmazie-Historischen Museum der Universität, das die Nicht-Wirkung des angeblichen Medikaments und Potenzmittels von Nashörnern untermauern kann. 

«Diese Wilderei hat uns völlig überrascht» 

Das Thema Rhino-Rettung bewegt Map Ives sichtlich. Er spricht mit Leidenschaft, mit den Händen, mit dem ganzen Körper. Zunächst nicht etwa über Botswana mit seinen gerade nur zwei Millionen EinwohnerInnen, aber über Südafrika und das dortige Abschlachten der Nashörner: 2007 «nur» 13, 2011 schon 448 und 2014 erschreckende 1215 Tiere. 2016 verlor man am Kap der Guten Hoffnung rund 1200 Tiere, plus 80 in Simbabwe und 50 in Namibia. 

«Wir wurden von der ausartenden Wilderei völlig überrascht», erinnert sich der Chef-Wildhüter. «Da waren plötzlich hoch organisierte Syndikate am Werk, wie wir sie bisher nicht gekannt haben.» Als Südafrika 2015 die Rangertruppe mit Militärs verstärkte, verlagerte sich die Wilderei etwas nach Namibia. «Die schlimmste Waffe der Wilderer ist nicht das Gewehr», stellt Ives klar, «es sind Drohungen, Bestechungen und die Korruption. Dabei geht es einzig um Geld!»

«Wir geben keine Standorte bekannt»

Die Massaker in Südafrika und die Ohnmacht der redlichen Ranger im Kampf gegen die Wilderei nährten Map Ives' Vision: eine Art Arche Noah für die Nashörner in Afrika. Realisiert in einem weitläufigen Gebiet, in dem die Tiere sicher sind und sich ohne Inzucht fortpflanzen können. So, dass den nachfolgenden Menschen-Generationen ein gesunder Bestand übergeben werden kann. 

Klar, dass Map Ives seine Arche in den mit zahlreichen Inseln versehenen Sümpfen des Okavango verwirklichen will – just in der Gegend, wohin er mit seinem Team schon etliche Spitzmaulnashörner (Diceros bicornis) aus den Nachbarländern eingeflogen hat. Wohin genau und wie viele? «Zahlen und die exakten Orte geben wir nicht bekannt», entschuldigt sich der Wildhüter. Geheimsache, um die Verbrecher-Syndikate im Dunkeln zu lassen.

Ausgeklügeltes Pflege- und Überwachungsprogramm

Ihretwegen wurden auch Fang- und Transportmethoden optimiert. Rhinos in gefährdeten Gebieten der Nachbarländer werden vom Helikopter mit Gewehren, Pfeilgeschossen und Beruhigungsmitteln immobilisiert, transportfähig «verpackt» und so rasch wie möglich Richtung Nord-Botswana ausgeflogen. Mit einer Militärtransportmaschine des Typs Lockheed C1, in der vier Nashorn-Transportkisten Platz haben. 

In ihrer neuen Umgebung kommen die bereits umgesiedelten Tiere in den Genuss eines ausgeklügelten Pflege- und Bewachungsprogramms, inklusive eines elektronischen Senders am Fuss. Diese hilft den RangerInnen später, täglich und über drei Jahre den Standort jedes Tieres in den Weiten des Okavango-Deltas zu orten. Eine Rund-um-die-Uhr-Kontrolle hilft, den Bestand abzusichern.

«Botswanas Bedingungen einmalig günstig»

In seinem Team beschäftigt Ives auch jene Mitarbeiter,  welche die über Generationen gesammelten Erfahrungen im Spurenlesen nutzen – Ureinwohner der San-Ethnien. «Das sind alles Profis, und ich bin dankbar, mit ihnen arbeiten zu können», versichert Map Ives. «Ich bin ein guter Spurenleser, aber an die komme ich nie heran.»

So gut, wie er es mit den Indigenen kann, kann er es offensichtlich auch mit so genannten VIPs. Mit Prinz Harry von Wales etwa, den er bei sich im Projekt schon in die Geheimnisse der Nashornpsyche eingeweiht hat. «Prinz Harry setzt sich jetzt bei uns als Schirmherr ein! Ebenso der Bruder unseres Landespräsidenten Tshekedi Khama, Minister für Umwelt, Naturschutz und Tourismus», schwärmt der Ranger.

Mit gleicher Inbrunst fegt er alle Bedenken weg, dass die modern ausgerüsteten, vorab aus Asien gesteuerten Verbrecher-Syndikate seinen Schutzbefohlenen bald auch in Botswana nachstellen könnten – so, wie anderswo in Afrika auch. «Nein, eben nicht, die Bedingungen in Botswana sind einmalig günstig», kontert Botswanas Rhino-Koordinator energisch. 

«Afrikas sicherste Region»

Das Schutzgebiet sei rund 45 000 Quadratkilometer gross, voller Wildtiere, schwer zugänglich, noch weniger besiedelt als anderswo. Mehr noch und ebenso wichtig: «Wir haben eine der demokratischsten Regierungen Afrikas, kaum Korruption, strenge Anti-Wilderei-Gesetze und mit Präsident Ian Khama einen überaus aktiven Naturschützer.» 

Zuverlässige Hilfe bei Überwachung und Logistik erfahre man zudem von den Verteidigungsstreitkräften, die auch das Transportflugzeug für die Nashörner zur Verfügung stellten. Alle diese Faktoren sowie die Tatsache, dass das Land – zu 70 Prozent Nationalpark – mit über 350 000 Elefanten die grösste Population Afrikas besitze, lassen ihn hoffen, in den nächsten Jahren Afrikas grösste und sicherste Rhino-Schutzregion vollenden zu können. 

Das kostet viel Energie, viel Know-how, viel Geld auch. Energie haben Ives und sein Team zweifelsohne. Know-how ebenfalls, was den Umgang mit den Nashörnern, deren Arterhaltung sowie die Bewahrung und Verbesserung ihrer genetischen Vielfalt angeht. Wo es hapert, ist beim organisatorischen Ausbau, dem Fundraising und der Bekanntmachung der Organisation. Die Rhino Conservation Botswana ist noch zu wenig bekannt, braucht auf internationaler Ebene mehr Unterstützung und mehr Finanzen – für Kommunikations- und Überwachungsmittel, Autos, Boote und Flugzeuge beispielsweise, mit denen das riesige Gebiet überwacht werden kann.

Umfassende Hilfe aus Basel

Ein unglaubliches Glück für die RCB und Map Ives, dass 2015 eine Kunsthistorikerin aus Basel auf ihrer ersten Schwarzafrika-Reise überhaupt in Botswana dem Charme der so mächtigen, aber auch verletzlich wirkenden Nashörner erlag, den Ernst der Lage erkannte und sich für sie einzusetzen schwor – zusammen mit Map Ives und seinem Team. Zurück am Rheinknie, gründete Angela Berney Preiswerk die «Friends of Rhino Conservation Botswana, Switzerland». Im Vorstand erhielt sie gleich prominente Unterstützung – seitens der Basler Schwestern Catherine und Beatrice Oeri. 

2016 nahm Angela Berney auf Ives' Vorschlag auch Platz im Stiftungsrat der Rhino Conservation Botswana. Seither baut sie zusammen mit fünf anderen Stiftungsräten, worunter auch renommierte Manager grosser Unternehmen, RCB Schritt für Schritt zu einer sinnvoll strukturierten, transparenten und international vernetzten Rhinoschutz-Organisation auf. So kam Map Ives auch nach Basel, dessen viele Verbindungen zu Afrika übrigenshistorisch wie
aktuell ganze Bücher füllen könnten. 

Der Botswaner Chef-Wildhüter fühlt sich in seiner Arbeit bestärkt. «So können wir schützen, was übrig ist – und erneuern, was verloren ging», untermalt Ives seinen Optimismus mit einem Leitspruch Jane Goodalls. Auf die Zusammenarbeit mit Angela Berney angesprochen, lässt der «Rhinoman» umgehend seinen Charme sprühen. Sie sei wohl, lächelt er, sein Rettungsengel: «Angela is my Angel.»

 

«Es war eine Offenbarung»

Die Kunsthistorikerin Angela Berney haben die Nashörner derart fasziniert, dass sie in Basel die Organisation «Friends of Rhino Conservation Botswana, Switzerland» aus der Taufe hob. Jetzt hilft sie mit Leib und Seele Map Yves bei Aufbau und Organisation des Schutzgebietes im Okavango. Ein gutes Beispiel, wie ein reiches Land via Privatinitiative einem armen Land helfen kann, Natur und Wildtiere zu schützen.

Sie wirkt bescheiden, schüchtern fast, jedenfalls der Diskretion verpflichtet. Wenn sie spricht,  in bestem Hochdeutsch mit einem Hauch Französisch von ihrem aktuellen «Fulltime-Job» und ihrer Passion erzählt, ertönen überraschend offene, gefühlvolle und klar gemeisselte Sätze.

Diese Begegnungen damals 2015 in Botswana mit Map Ives, dessen Team und den Problemen der bedrohten Nashörner seien für sie wegweisend gewesen, erklärte Angela Berney gegenüber dem HABARI. «Es war eine Offenbarung!» Ives habe für sie eine Tür aufgestossen, sei ihr unterdessen auch zum «Lehrmeister» geworden.

Er wisse viel, könne zum Beispiel vom Spurenleser über die Dorfbewohner bis zu den PoltikerInnen in der Hauptstadt Gaborone viele für den Schutz der Nashörner motivieren und seinen Enthusiasmus mit strategischem Vorgehen bündeln.

Angela Berney kann sich auf ihre langjährige internationale Management-Erfahrung verlassen, wenn sie – im Stiftungsrat für Finanzen und Marketing-Kommunikation zuständig – zusammen mit ihren Stiftungsratkollegen die Struktur von RCB analysiert und aufbaut. Die Organisation soll für das anvisierte Wachstum klar und transparent werden, um auch weitere internationale GeldgeberInnen überzeugen zu können.

Diese Tätigkeit trennt sie klar von jener als Präsidentin der «Friends of Rhino Conservation Botswana, Switzerland». Mittlerweile hat sich Angela Berney auch in Themen wie Artenschutz, Wilderei, Menschenrechte und Biodiversität eingearbeitet. Bereits beherrscht sie Begriffe und Argumente, als stehe sie seit Jahren schon einer Umweltorganisation vor.

Das sei wohl auf ihre Leidenschaft für die Nashörner zurückzuführen, winkt sie ab: «Wissen Sie, diese Tiere berühren mich zutiefst. Diese machtvolle körperliche Präsenz – und gleichzeitig diese Sensibilität! Und dann haben Rhinos für mich doch auch immer etwas Mystisches, aber auch etwas Schutzbedürftiges an sich.» Wie wahr doch! rs

© Foto by Friends of Rhino Conservation Botswana: Spitzmaulnashorn wird in sicheres Gebiet verlegt