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Wayne Lotter: Ermordung eines Unerschrockenen

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Wayne Lotter: Ermordung eines Unerschrockenen

Ruedi R. Suter

Kugeln setzten seinem Leben in Dar-es-Salaam ein brutales Ende: Wayne Lotter starb am 16. August 2017 auf dem Hintersitz eines Taxis. Mit ihm wurde einer der bekanntesten Wildschützer und Verfolger der Elefantenwilderer und Elfenbeinschmuggler Tansanias ausgeschaltet.

Von Ruedi Suter – FSS

Seine Ermordung war ihm angedroht worden, mehrmals schon. Doch ihn schien dies nicht zu beeindrucken. Dauernd in Todesangst zu leben, das lähmt. Diesen Gefallen wollte er seinen Gegnern offenbar nicht tun – den Wilderern und Schmugglern, den korrupten Beamten und Drahtziehern im Land und den internationalen Verbrechersyndikaten, die sich lange beinahe ungehindert am Naturerbe Tansanias bereichert und Abertausende von Elefanten abgeschlachtet hatten. 

Lieber gab er sich gelassen, verzichtete auf Leibwächter oder andere Sicherheitsmassnahmen, wie sie andernorts manche exponierte Umwelt- und Tierschützer seines Wirkungsgrades täglich vorkehren. Die aufsehenerregenden Erfolge der letzten Zeit bei der Aufklärung der Wilderei-Verbrechen in Tansania wurden publik gemacht und wohl zu oft mit ihm in Verbindung gebracht. Jetzt ist Wayne Lotter (51) tot. Und die Verteidiger der Elefanten in Tansania haben einen ihrer erfolgreichsten Strategen verloren.

Gezielte Tötung

Der südafrikanische Mitbegründer und Präsident der gegen die Wilderei gegründeten Pams-Foundation war am 16. August nachts mit der «Precision Air» von Arusha herkommend auf dem Julius Nyerere International Airport gelandet, um sich zusammen mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Krissie Clark per Taxi zur Herberge «Baobab Village»im Stadtteil Masaki fahren zu lassen. Die beiden hatten am nächsten Tag ein Meeting vorgesehen mit Verantwortlichen der tansanischen Antiwilderei-Eliteeinheit «National and Transnational Serious Crimes Investigation Unit» (Ntsciu), die in letzter Zeit auch dank der Unterstützung durch Pams verblüffende Erfolge bei der Bekämpfung von Wilderei und Elfenbeinschmuggel erzielte.

Am Steuer sass jener Taxifahrer, der Lotter seit Jahren umherfuhr. Kurz vor Mitternacht wurde das Taxi an der Strassenkreuzung Haile Selassie-Kaole Road von einem Wagen gestoppt. Männer sprangen heraus, einer befahl dem Fahrer den Motor abzustellen, ein anderer öffnete die Hintertüre, wo die Fahrgäste sassen und schrie nach Geld. Hierauf wurde Wayne Lotter erschossen. Die Angreifer zwangen die geschockte Krissie Clark zur Herausgabe der drei Computer und zweier Gepäcktaschen. Dann verschwanden sie in der Nacht.

«Treibende Kraft gegen Elefanten-Massaker»

Der Mord an Wayne Lotter erregte in Artenschutzkreisen weltweit Entsetzen. Sein Tod wird als herber Rückschlag für den Wildtierschutz empfunden. Inger Andersen, Generaldirektor der Weltnaturschutzunion Iucn, kondolierte Waynes Frau Ingwe und den Töchtern Cara Jayne und Tamsin. Er nannte Lotter einen «Naturschützer, dessen furchtloser Fronteinsatz einen riesigen Beitrag in der Schlacht gegen den illegalen Wildtierhandel bedeutete».

Kathy MacKinnon, Vorsitzende der Weltkommission für Schutzgebiete (Wcpa) mahnte: «Sein Tod ist ein tragischer Verlust und eine traurige Erinnerung daran, dass die Verbrechen am Wildlife eine der härtesten Herausforderungen für den Naturschutz bedeuten.» Betroffen zeigte sich auch Jumanne Maghembe, der tansanische Umwelt- und Tourismusminister. Lotters Tod treffe alle, die sich «im Krieg gegen die Wilderei» einsetzten: «Wir werden seine Arbeit weiterführen!» Primatenforscherin Jane Goodall klagte, einen persönlichen Helden verloren zu haben.

Für Azzedine Downes, Leiter des gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel spezialisierten Internationalen Tierschutz-Fonds (Ifaw) wurde mit Wayne Lotter gar «einer der führenden und engagiertesten Naturschützer Afrikas» getötet: «Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung im Wildlife Management und Naturschutz war er die treibende Kraft, die das skrupellose Abschlachten der tansanischen Elefanten beendete.» 

Wichtige Vernetzung

Wayne Lotter wurde 1965 in Johannesburg geboren. Er studierte in Südafrika Ökologie, arbeitete rund 25 Jahre im Naturschutz und als Ranger in der Wildereibekämpfung, die meiste Zeit im Kruger-Nationalpark. Ab 2007 kümmerte er sich in Südtansania als «International Team Leader» um das KfW-Schutzprojekt, das für die Wildtiere den Korridor zwischen dem tansanischen Selous Game Reserve und dem auf der anderen Seite des Grenzflusses Rovuma in Mosambik liegenden Niassa-Schutzgebiet zu sichern versuchte.

Laut einem langjährigen Selous-Kenner seien dort Lotters Bemühungen, bereits unterstützt von Mitarbeiterin Krissie Clark, «nicht zielführend und wenig erfolgreich gewesen». Vielstimmig bestätigt wird hingegen der Erfolg Lotters mit der 2009 zusammen mit Krissie Clark und Ally Namangaya gegründeten «Protected Area Management Solutions (Pams)» Foundation. Ein wesentlicher Beweggrund dafür waren die täglichen Massaker im Elefantenparadies Selous, dessen Bestand zwischen 2009 und 2014 um die 60 Prozent durch Wilderer-Syndikate, die mit dem Elfenbeinhandel nach Asien ihre Bombengeschäfte machten, dezimiert wurden. 

Bezahlte Informanten

Beim Aufbau von Pams soll Wayne Lotter, auch Vizepräsident der internationalen Ranger-Föderation, dem Ratschlag eines südafrikanischen Polizeibeamten gefolgt sein: «Arbeite mit den Menschen vor Ort zusammen, motiviere sie mit anständigen Löhnen und guter Ausrüstung und baue ein Netz von Informanten auf.» Dieses System bezahlter InformantInnen sei effektiv, ist der investigative Tierfilmer Karl Ammann überzeugt: «In Nepal hat man so über Jahre kein Nashorn mehr verloren.» Pams betrieb überdies Aufklärung in den Schulen und zeigte den Bauern, wie Elefanten, anstatt sie zu töten, mit Pfefferpflanzen und Bienenstöcken vom Abfressen der Felder ferngehalten werden können. 

Ein nicht minder wichtiger Pfeiler von Lotters ganzheitlichem Schutzansatz bildete die Unterstützung einer professionalisierten Ausbildung der RangerInnen in Tansania sowie die aktive Zusammenarbeit mit hohen Regierungsbeamten, Richtern, Entscheidungsträgern und Polizeioffizieren, welche die Pams-Foundation einzubinden versuchte. Dabei dürften Lotter und seinem Team der Regierungswechsel zu Präsident John Magufuli geholfen haben, welcher der grassierenden Korruption im Lande unverblümt den Kampf ansagte. Hinzu kam der internationale Druck auf Tansania, endlich die Elefantenmassaker zu stoppen. 

Frappante Erfolge

Pams unterstützte insbesondere die Antiwilderei-Sondereinheit «National and Transnational Serious Crimes Investigation Unit» (Ntsciu) mit Finanzen und wichtigen Informationen. Das Geld soll von betuchten DonatorInnen stammen; die Informationen sollen auch mit tatkräftiger Hilfe westlicher Geheimdienste, vor allem US-amerikanischen, zusammengetragen und geliefert worden sein. Wie auch immer – die Erfolge waren mit dem Aufdecken wichtiger Wilderei- und Schmuggelstrukturen frappant.

Die Ntsciu konnte so seit 2012 – wie im HABARI 4/15 geschildert – der chinesischen «Queen of Ivory» Yang Feng Glan oder dem Elefantenkiller und Geschäftsmann Boniface Methew Malyango («Der Teufel») Hunderten – je nach Quelle zwischen 900 und 2000 – Wilderern und Elfenbeinhändlern das Handwerk legen. Entsprechend massiv gingen auch die Elefantentötungen zurück. Eine Bilanz, die dem Zusammenspiel der neu motivierten tansanischen ErmittlerInnen und ihren ausländischen KollegInnen zu verdanken ist. 

Der Erfolg liess Hollywoodstar Leonardo DiCaprio den Pams-Direktor anfragen,  in seinem aufklärerischen Netflix-Dokumentarfilm «The Ivory Game» aufzutreten. Wayne Lotter, den Bekannte als einen humorvollen und bescheidenen Zeitgenossen beschreiben, soll mit dem Vorschlag abgelehnt haben, doch besser die tansanischen RangerInnen zu filmen. 

Pams macht weiter

Wer ihn umgebracht hatte, zufällige Raubmörder oder von einem Wilderei-Kartell oder anderen Feinden beauftragte Killer, wurde bis Redaktionsschluss nicht geklärt. Am 8. September meldete Associated Press lediglich die Verhaftung von Männern in Dodoma, welche im Besitz einiger Sachen Lotters gewesen sein sollen.

Für einen intimen Kenner der Verhältnisse Ostafrikas sei der Angriff auf das Taxi Lotters «geradezu bilderbuchartig»: «Wer in der Wilderei- und Korruptionsbekämpfung aktiv ist, der sollte die notwendigen Vorkehrungen treffen, anstatt in diese Nullachtfünfzehn-Falle zu tapsen.» 

Nun wird sich zeigen müssen, ob die Pams Foundation auch ohne ihren ermordeten Direktor dessen Strategie weiterführen und zusammen mit den tansanischen und anderen PartnerInnen neue Erfolge im Kampf gegen Wilderei und Elfenbeinhandel erzielen kann. Und zwar mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen für ihre Mitarbeitenden.

Darauf setzt auch FSS-Afrika-delegierter Alex Rechsteiner: «Waynes Tod ist ein massiver Rückschlag für das Land und seine Wildtiere. Wir hatten mit ihm bereits eine mögliche Zusammenarbeit besprochen. Jetzt müssen wir abwarten, bis sich seine MitarbeiterInnen neu organisiert haben.» Dass Pams weitermacht, ist für Direktorin Krissie Clark fraglos. Sie erklärte am 15. September gegenüber dem FSS: «Wir sind jetzt noch entschlossener, Wayne Lotters Erbe weiterzutragen!»

 

Artenschützer im Visier

Die Verteidigung der Wildtiere kostet auch in Afrika immer mehr Ranger- und TierschützerInnen das Leben. Derweil ArtenschützerInnen weisser Hautfarbe Schlagzeilen machen, bleiben die farbigen Opfer häufig unerwähnt. 

Nur zwei Tage vor Wayne Lotters Ermordung, am 14. August 2017, starben im kongolesischen Virunga-Nationalpark drei Wildhüter: Pacifique Musubao Fikirni, Charles Paluku Syaira und Jonals Paluku Malyani. Die drei Beschützer der Berggorillas wurden auf einer Patrouille von «Mai Mai-Rebellen» erschossen. Den internationalen Medien war ihre Ermordung, mit Ausnahme des «The Guardian», kaum eine oder gar keine Zeile wert. Die drei Familienväter hinterlassen ihre Frauen und 17 Kinder.

Die Zahl der bis 2017 im Virunga-Weltnaturerbe umgebrachten Naturhüter beträgt jetzt acht Ranger. Erst am 16. Juli starb Patrick Muhayira und letzten Dezember Dudunyabo Machongani Célestin durch Schüsse von Mai Mai-Marodeuren. Im Gorillaland um die Virunga-Vulkane wurde im Dezember 1985 übrigens auch die Zoologin Dian Fossey ermordet.

Den Schutz der afrikanischen Fauna bezahlten noch weitere Tierschützer- und ForscherInnen weisser Hautfarbe mit ihrem Leben. So etwa Joy Adamson, Autorin der Löwinnen-Biografie Elsa («Born Free»), die in Kenia im Januar 1980 ermordet wurde. Ihren einstigen Ehemann, den «Vater der Löwen» George Adamson, erschossen neun Jahre später Somali-Banditen im von ihm aufgebauten kenianischen Kora-Nationalpark. Und im Januar 2006 ermordeten vier Bewaffnete die Filmerin und Tierschützerin Joan Wells Root in ihrem Haus im kenianischen Naivasha.

Diese Verbrechen fanden stets ein grosses mediales Echo. Dies im Gegensatz zu den Hunderten von afrikanischen WildtierschützerInnen, die im Einsatz ihr Leben verloren. Wir erinnern uns an HABARI-Autor Mathew Maige von der Wildschutzbehörde Tansanias und Leiter der staatlichen Nashorn- und Elefantenschutzstelle. 2003 sprangen Männer über seine Gartenmauer und erschossen ihn. Die Ermittlungen verliefen im Nichts.

Einem möglichen Auftragsmord fiel 2010 in Mosambik auch der Reservatsleiter Gilberte Vincente zum Opfer. Sein Wagen geriet in einen Hinterhalt. Die Attentäter, vermutlich Wilderer, töteten ihn mit acht Schüssen. 2012 kamen Ranger und Zivilisten in der kongolesischen Okapi-Station Epulu bei einem Angriff der Mai Mai-Wilderer um (HABARI 3/2012). Die Schweizer Leiterin Rosmarie Ruf überlebte nur, weil sie nicht anwesend war.

In der Gegend starben diesen Juli auch die Wildhüter Antopo Selemani, Gukiya Ngbekusa, Kisembo N’singa, Sudi Koko und Lokana Tingiti bei einem Gefecht mit Wilderern. Zurück nach Tansania: Im Januar 2016 wurde der Helikopterpilot Roger Gower im tansanischen Maswa-Wildschutzgebiet bei einem Überwachungsflug von Wilderern abgeschossen.

Selbst der FSSMitbegründer und langjährige Afrikadelegierte David Rechsteiner geriet in den frühen 1980-er Jahren einmal in akute Lebensgefahr: Ein Wilderer stiess ihm in der Serengeti durch das offene Wagenfenster einen Speer in die Flanke. Der Stich verletzte die Leber, doch Rechsteiner überlebte. Der Täter entkam.

In Afrika sterben verhältnismässig viele WildschützerInnen. Nicht weil sich der Kontinent durch besondere Brutalitäten auszeichnet, sondern weil er noch von den meisten — zu schützenden — Wildtieren belebt wird. rs

© Foto by PAMS: Wayne Lotter in Tansania