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UNO erklärt Wilderei den Krieg

News

UNO erklärt Wilderei den Krieg

Ruedi R. Suter

Sie gilt bereits als «historisch»: Die erste Resolution gegen die globale Wilderei, welche die UNO in diesem Sommer 2015 beschlossen hat. Doch damit ist der Kampf gegen die Kriminellen längst nicht gewonnen. Die Wilderei und der illegale Handel mit Wildtieren sind ein Bombengeschäft – sie stehen weltweit an vierter Stelle der einträglichsten Verbrechen. 

Von Ruedi Suter – FSS

Alle Warnungen aus Kreisen der Ranger, Naturschützer und  Forscher beider Geschlechter fruchteten bislang kaum etwas. Alles ging weitgehend ungehindert weiter: Die Wilderei, der Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten, und die illegale Jagd mit ihren kaum absehbaren Folgen für den Lebenskreislauf der Ursprungsländer.

Vor allem das jüngste und massenhafte Abschlachten von Elefanten und Nashörnern in Afrika durch effiziente Verbrechersyndikate hat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Tragödien gelenkt.

Die lange verkannten Dimensionen des Wildtiergeschäfts veranschaulichen Nichtregierungs-Organisationen und die Vereinigten Nationen mit einem Vergleich: Es besetzt Platz vier der finanziell einträglichsten Global-Verbrechen.

Gegen 20 Milliarden US-Dollar sollen Kriminelle mit dem Töten, dem Fangen oder Verkaufen von Wildtieren und ihren Körperteilen einstecken. Überrundet werden Gewinne aus dem illegalen Tier- und Pflanzenhandel nur noch durch das Drogengeschäft, den Handel mit Menschen und der Fälschung von Geld und Produkten.

«Signal gegen schweres Verbrechen»

Jetzt hat also die UNO-Generalversammlung ihre erste Resolution gegen den kriminellen Wildtierhandel verabschiedet. Sie kommt als entschlossene Kampfansage der Staaten an die Wilderei-Netzwerke und für die Verteidigung des Artenschutzes daher. «Die Resolution der Generalversammlung ist ein historischer Schritt nach vorne», erklärte am 31. Juli Achim Steiner, Direktor der in Nairobi stationierten UNO-Umweltbehörde UNEP.

Dank des «klaren Signals» an die kriminellen Netzwerke habe die Staatengemeinschaft klar gemacht, dass die Tötung oder Gefangennahme und Verschleppung wilder Tiere von nun an «als schweres Verbrechen» behandelt werden.

Mit der Resolution werden auch die Behörden aller Stufen aufgefordert, alles zu tun, um auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene entschlossen gegen das Leerwildern der Lebensräume vorzugehen. Er hoffe auch, so Steiner, dass die Resolution helfe, der Vernichtung der Elefanten und Nashörner einen Riegel zu schieben.

Bedrohte Wildbestände allüberall

Ironie des Schicksals: Tage später wurden im kenianischen Tsavo-Nationalpark bereits wieder fünf Elefanten gewildert. Darunter auch alte «Tusker», jene letzten Elefanten mit ihren auffallend langen Stosszähnen. Bereits der Abschuss des besonders prächtigen Bullen «Satao» durch Wilderer im letzten Jahr hatte einen internationalen Aufschrei ausgelöst (siehe Ausgabe HABARI 2-15). 

Selbst wenn die Bezifferung wild lebender Tiere heikel ist, geben die Zahlen zumindest einen groben Anhaltspunkt. So wird davon ausgegangen, dass in Afrika zurzeit jährlich bis zu 25 000 Elefanten umgebracht werden.

Nur schon der Bestand der (kleineren) Waldelefanten im Kongobecken soll zwischen 2002 und 2011 um 60 Prozent dezimiert worden sein – zum Beispiel durch Armeen, Rebellenbewegungen und Milizen wie die somalische Al Shabab. Sie füllen – wie früher schon die Kriegsparteien in Angola, Mosambik oder Kongo-Kinshasa – mit dem Erlös aus Elfenbein ihre Kriegskasse auf.

Insgesamt dürften in den Savannen und Wäldern Afrikas noch zwischen 420 000 und 650 000 Elefanten leben. Allein zwischen 2010 und 2012 haben laut der amerikanischen Akademie für Wissenschaften (NAS) rund 100 000 Elefanten des Elfenbeins wegen ihr Leben verloren.

Tansania, in dessen Weltnaturerbe und Wildreservat Selous (52 000 Quadratkilometer) die weitaus meisten Dickhäuter umgebracht wurden, sieht sich mit wohl kaum herbei fantasierten Vorwürfen konfrontiert, dass die Hintermänner der Wilderei auch in der Regierung sitzen. Ohne hochrangige Unterstützung hätten niemals so viele Dickhäuter in so kurzer Zeit abgeschossen werden können, lautet eine Begründung.

Helikopter, Präzisionsgewehre, Kettensägen

Selbst am Kap der Guten Hoffnung hat man die Lage längst nicht mehr im Griff. In Südafrika, das über die am besten ausgebildeten Ranger-Einheiten Afrikas verfügt, könnte die entfesselte Wilderei der Nashörner auch nicht ohne korrupte Beamte oder Insider stattfinden. Die nicht selten mit Helikoptern, Präzisionsgewehren und Kettensägen jagenden Verbrecher wilderten gemäss dem Washingtoner Artenschutz-Abkommen Cites allein 2014 insgesamt 1'215 Rhinos.

Das heisst: Alle acht Stunden starb in diesem Jahr in Südafrika ein Tier seines Nasenhorns wegen. Als grösster Absatzmarkt für Elfenbein und Nasenhorn gilt nach wie vor China, wo der wachsende Wohlstand die Nachfrage nach den «heilenden» oder prestigeträchtigen Tierbestandteilen aus Afrika in die Höhe treibt. Der zunehmende Einfluss Chinas in Afrika wie auch einige seiner sich in Afrika niederlassenden Bürger – Mitglieder von Verbrechersyndikaten – sollen laut Beobachtern die Wilderei «modernisiert und professionalisiert» haben.

Aber auch in anderen afrikanischen Ländern sind korrupte Behördenmitglieder in die Wilderei involviert, die zunehmend auch bislang nicht bedrohte Tierarten dezimiert. Die Gründe reichen von massloser Bereicherung über Hunger und Armut bis hin zum florierenden Buschfleischhandel, Korruption, Statusdenken und der Besiedlung bislang unbewohnter Gegenden. Hinzu kommen die Exzesse unverantwortlicher Jäger und Jagdhelfer.

Löwe «Cecil» - kein Einzelfall

Das Herauslocken des schwarzmähnigen Vorzeige-Löwen Cecil aus einem Reservat in Simbabwe und dessen Abschuss durch einen amerikanischen Zahnarzt hat weltweites Entsetzen und massive Überreaktionen ausgelöst. Nur: Solches und Ähnliches geschieht regelmässig und völlig unbeobachtet in den kaum kontrollierten Jagdgebieten des afrikanischen Buschs.

Cecils Schicksal ist bei weitem kein Einzelfall. Und bereits erregt ein neuer Fall die Öffentlichkeit, obwohl dort kein Jagdvergehen vorzuliegen scheint. Aber die stolz und wie ein Fotomodell hinter einer tot geschossenen Giraffe posierende US-Jägerin Sabrina Corgatelli lässt die Emotionen hochkochen. Auf Facebook erklärt sie sich überglücklich, die harmlose Giraffe erlegt zu haben. 

Neben Wilderei, illegaler Jagd und verbotenem Tier- und Buschfleischhandel setzen aber den Wildtieren überall auf der Erde auch noch weitere Entwicklungen zu: Abholzungen, die Ausbreitung menschlicher Siedlungen und Agrarflächen, Überfischung, Umweltverschmutzungen, Klimawandel und Krankheiten.

Waffenschwemme ohne Ende

Ein wachsendes Problem gerade in Afrika ist ausserdem das Fluten vieler Länder mit Kriegswaffen. Sie ersetzen die herkömmlichen Waffen wie Speer, Pfeil, Buschmesser, Karabiner, Giftköder oder Drahtschlingen. Und sie führen in Ländern wie Sudan, Somalia, Äthiopien, Kenia, Zentralafrikanische Republik und den beiden Kongo zu einer weiteren Eskalation der Wilderei, die auch den Beruf der Wildhüter immer gefährlicher werden lassen. 

So warnte im Juni das in Genf stationierte Institut und Waffen-Kompetenzzentrum"Small Arms Survey" vor der wachsenden Militarisierung der Wilderei: "Neben der Ermordung von Tausenden von Menschen in den aktuellen militärischen Konflikten, zeigen sich die wohl verheerendsten Auswirkungen von Handfeuerwaffen und Leichten Waffen bei der Zerstörung der Tierwelt."

Im Busch werden Kriege ausgetragen

Die Folgen sind heute schon spürbar: Um die Wildtiere toben (kaum je thematisierte) Buschkriege zwischen Wildhütern und Wilderern, mit wachsender Aggressivität und mit mehr und mehr Toten.

Die Obama-Administration hat auch deshalb schon vor einiger Zeit den Einsatz von Geheimdiensten, US-Satelliten und Drohnen zur Bekämpfung der Wilderei bekannt gemacht. Und beim G-7-Gipfel im Juni auf Schloss Elmau in Deutschland wurde die Wilderei als Besorgnis erregendes Problem ins Abschlussdokument aufgenommen.

Ein Lichtblick, dass sich jetzt die UNO-Vollversammlung nach dreijähriger Vorarbeit immerhin zu ihrer Resolution durchringen konnte. Das wird aber nicht genügen. Denn die Wilderei und der verbotene Handel mit Tieren und Pflanzen kann nur mit Kooperationswillen, Entschlossenheit und mit der vereinten Kraft aller Staaten und auf allen Ebenen eingedämmt werden.

Eine Mammutaufgabe für eine Staatengemeinschaft, die sich schon bei der Lösung anderer Konflikte nicht einig werden kann. Scheitert das ambitionierte Vorhaben, wird Afrika nicht nur bald keine Wildtiere mehr haben. Der Kontinent wird auch einen Teil seiner Seele und seiner kulturellen Identität verlieren.

Wildtiere verhindern Katastrophen

Afrika wird in vielen Ländern auch sein Safari-Tourismus einbrechen, weil Elefanten, Giraffen, Gorillas, Löwen, Zebras, Büffel, Krokodile und Flusspferde ebenso verschwunden sind wie Strausse, Pythons, Schuppentiere, Trappen und viele weitere Wildtiere.

Und er wird mit neuen Problemen zu kämpfen haben, die ihm bislang dank dem Wild erspart blieben. Denn jedes Lebewesen – vom Mistkäfer bis zum Nashorn – hat seine wichtige, vielfach noch nicht einmal erkannte Aufgabe im afrikanischen Ökosystem.

Die Dezimierung der Nashörner und Elefanten in Ostafrika etwa haben zur Überwucherung ganzer Landstriche mit dornbewehrten Akazien geführt. Da gibt es kaum mehr ein Durchkommen. Auch für Wilderer nicht. Aber die bleiben eh fern. Denn wo es nichts mehr zu holen gibt, da geht auch keiner mehr hin.

(Erstpublikation dieses Artikels im August 2015: www.onlinereports.ch)

© Foto by Ruedi Suter: Elefant im Ngorongoro-Krater, Tansania.