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Wilderei: Mörderische Drahtschlingen

News

Wilderei: Mörderische Drahtschlingen

Ruedi R. Suter

Die effektivsten Tötungsmethoden der Wilderer sind Gift oder Drahtschlingen. Also nicht die Hightech-Wilderei, mit der vorab Elefanten und Rhinos der Ausrottung entgegengetrieben werden. Jetzt alarmieren die Drahtfallen in Tansania sogar die Tourismusindustrie.

Von Ruedi Suter - FSS

Es war ein qualvolles Sterben. Irgendwo musste sie in eine Schlinge geraten sein, die Giraffe im nordtansanischen Arusha-Nationalpark. Wilderer hatten die Drahtschlaufe hoch oben in einem Baum oder an einem Busch angebracht, dort also, wo hungrige Giraffen mit ihrer Zunge die Äste ins Maul ziehen und die Blätter mit einer Kopfbewegung abstreifen.

Da musste sich die Schlinge zugezogen haben, musste das Tier in Panik geraten sein und sich mit aller Kraft zu befreien versucht haben. Stattdessen würgte die Schlaufe, enger und enger, bis die Giraffe nach einem entsetzlichen Todeskampf starb.

Versteckte Kamera

Davon gehen wir aus, denn als die RangerInnen das Tier entdeckten, liessen sie es diesen Frühling wider der bisherigen Praxis hängen. Dafür befestigten sie getarnte Kameras mit Selbstauslöser, welche den oder die Wilderer beim Bergen der Beute fotografieren sollten. 

Diese illegalen Fallensteller zu stoppen, ist dringend notwendig. Der vielerorts bewaldete Park am Fusse des Mount Meru ist heute von Siedlungen umzingelt. Er droht zur entleerten Schutzzone zu verkommen, die wilden Tiere können nicht mehr ein- und auswandern, im Park selbst wird Holz gestohlen und gewildert. Die RangerInnen verteidigen ihn so gut wie möglich, und diesmal sogar erfolgreich: Die Kamera hatte einen Mann fotografiert. 

Der ist bald identifiziert, wohnt im nahen Ngare Nanyuki, gleich neben dem Haus unseres Informanten. Dieser ist fassungslos, als sein Nachbar von den Wildhütern verhaftet wird. Er kann es nicht glauben, dass sein Bekannter einer der schlimmsten Giraffenwilderer der Region ist. Er wird ihn wohl über Jahrzehnte nicht mehr sehen: Die Giraffe ist das Wappentier Tansanias, und wer sie tötet, muss mit drakonischen Gefängnisstrafen rechnen. 

Effizienteste Waffe des «kleinen Mannes»

Doch im Arusha-Park werden durch die Wildhüter weiterhin Schlingen entschärft werden müssen, wie überall in den Schutzgebieten Afrikas. Das Schlingenlegen ist eine uralte und die am meisten verwendete Fangmethode.

Mit der unaufhörlichen Zunahme der Menschen und seiner Siedlungen, mit dem Ersetzen von Pflanzen- durch unzerstörbare Drahtschlingen und dank des geringen Aufwandes sie auszulegen, konnte sich die Schlingenfalle zur weltweit effizientesten Waffe des kleinen Mannes entwickeln.

Mit ihr deckt er den kostenlosen Fleischbedarf für seine Familie (Bushmeat), ohne an das Tierschicksal oder den Artenschutz zu denken. Mit Schlingen fangen viele aber auch geschützte Tiere, die sie lebend verkaufen können. 

Todeszone Nationalpark

Vor Drahtschleifen, vorzugsweise an Bäumen und Büschen bei Wasserstellen oder Wildpfaden montiert, bleibt allerdings kein Wildtier verschont. Wahllos fallen ihnen alle zum Opfer – Antilopen jeder Grösse, Hyänen, Pangoline, Vögel, Warane, Affen, aber auch Grosskatzen wie Löwen und Leoparden, Büffel, Flusspferde, Nashörner und Elefanten. Kommt niemand vorbei, verdursten die Tiere. Oder sie verenden nach tagelanger Agonie an Infektionen, hervorgerufen durch den Draht, der sich bei jedem Befreiungsversuch etwas mehr ins Fleisch und hin zum Knochen geschnitten hat. 

Es sind weniger die Gewehre, Speere, Giftpfeile, Fallgruben oder Fangnetze, mit denen Afrikas Wildtiere zusehends der Ausrottung entgegengetrieben werden, es sind die Giftköder und Schlingen, die zum massenweisen Tod von Millionen Tieren führen. «Es gibt kaum eine Fuss-Safari in der Serengeti, auf der wir nicht Schlingen entdecken oder auf Wilderer-Verstecke mit ausgeschlachteten Wildtieren stossen», erklärte im Juni der tansanische Führer eines Safari-Unternehmens im Luxussegment gegenüber HABARI.

Er bestätigt, was der FSS seit Jahren klarzustellen versucht: Das Bild einer von Menschen «unberührten» Parklandschaft ist falsch. Auch in den häufig sehr weitläufigen Parks grasen zunehmend Rinderherden, werden Bäume gefällt und treiben Wilderer vielfach nahezu ungestört ihr Unwesen, oft sogar in unmittelbarer Nähe der Touristenlodges.

«Schlingenfreie Serengeti»

Aber jetzt reagieren sogar Safari-UnternehmerInnen. Denn diesen Frühsommer, kurz vor dem Beginn der grossen Gnu-Wanderung, wurde in der Serengeti eine besondere Aktion gegen die Schlingenleger gestartet. Zum ersten Mal kommt sie aus der tansanischen Tourismusindustrie, die mit dem Verschwinden der Wildtiere die eigene Zukunft gefährdet sieht.

Treibende Kraft ist der Unternehmer Willbard Chambulo, Besitzer von Tanganyika Wilderness Camps (TWC) und Vorsitzender der Tanzania Association of Tour Operators (Tato). Das von ihm angestossene Programm «Schlingenfreie Serengeti» (De-Snaring Serengeti), mitfinanziert von freiwilligen Zuwendungen der TouristInnen, soll später auf alle 16 Nationalparks des Landes ausgeweitet werden. 

Unterstützt und ausgeführt wird die Aktion von der tansanischen Nationalparkbehörde (Tanapa), der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und der Behörde des Serengeti- Nationalparks (Senapa). Angepeilt sind für das Ökosystem acht Teams, bestehend aus Rangern und Bewohnern der umliegenden Dörfer, welche die Schlingen einsammeln sollen. Die ersten Teams haben ihre Arbeit bereits aufgenommen, mit dem zu erwartenden Erfolg. Innert drei Wochen, so meldete die Anti-Wilderei-Einheit der Tanapa, seien fünf Wilderer-Camps und 350 Schlingen gefunden worden.

Konsequente Überwachung nötig

Als Initiative bildet die Aktion «De-Snaring Serengeti» mit dem Zusammenrücken touristischer, privater und staatlicher Kräfte gegen die Wilderei einen hoffnungsvollen Ansatz, zumal die aktuelle Regierung hart gegen die Korruption vorgeht. Wenn die Initiative konsequent weitergeführt und ausgebaut wird, könnte sie das Montieren des Massenkillers Schlinge und den Tod oder die Verwundung zahlloser Wildtiere in den von ihr kontrollierten Gebieten spürbar verringern.

Versanden aber ihre Bemühungen und verkommt die Aktion zur blossen Werbemasche, wird auch in der Serengeti der Busch schnell wieder mit Drahtschlaufen bestückt sein. Das lehrt uns leider die Geschichte aller Schutzzonen, die nicht permanent und konsequent kontrolliert werden. 

© Foto by Ruedi Suter: Ranger löst Schlinge von erdrosseltem Gnu, Serengeti, Tansania