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Wildtier-Kriminelle infiltrieren ins Web

News

Wildtier-Kriminelle infiltrieren ins Web

Ruedi R. Suter

Längst werden illegale Wildtierprodukte im Internet feilgeboten. Jetzt haben rund 70 Online-Anbieter der Wildtierkriminalität den Kampf angesagt. Mit dabei Giganten wie Google, Alibaba, Facebook und E-Bay. Doch nun weichen die Kriminellen ins ungleich grössere Deep Web aus - diesem versteckten, noch kaum bekannten Teil des World Wide Web.

Von Ruedi Suter – FSS

Kriminelle sind einfallsreich. Sie wissen: Wer illegal mit Wildtieren handelt oder diese für Elfenbein, Felle, Organe oder Nasenhörner umbringen lässt, macht sich eines schweren Verbrechens schuldig. Also muss im Versteckten operiert werden, wenn möglich ohne die geringste Spur zu hinterlassen – im Busch, beim Transport, auf den Märkten der Städte. Und natürlich im Internet, über das immer mehr  tierischen Ware feilgeboten wird..

Um zuerst in freier Wildbahn überhaupt an ihre Beute zu kommen, brauchen Wilderer und ihre Drahtzieher Bestechungsgelder für Informanten, dann aber auch  moderne Kommunikations- , Späh- und Ortungstechniken: Mobiltelefone, Ferngläser, Nachtsichtgeräte, GPS oder Drohnen etwa. 

Alles beginnt im Busch

Zum Töten oder Betäuben der Wildtiere werden wenn möglich Gewehre eingesetzt. Auch kommen immer noch Giftpfeile, Speere, Schlingen, Gifte oder Dynamit für das Fischen zum Einsatz. Das «Ernten» erfolgt mit Sägen, Äxten, Macheten, Messern oder Fanggeräten wie Netze, Leimfallen oder Käfige.

Zum Wegschaffen von Körperteilen oder von  lebenden Tieren – worunter auch Vögel, Reptilien und Zierfische – kommt alles zum Einsatz – Helikopter,  Geländewagen, Laster, Personenautos, Fahr- und Motorräder oder Schiffe.

Was nach Aufbewahrung in Hütten, Hinterhöfen, Kellern, Lagerräumen oder Fahrzeugen nicht auf den Inlandmärkten unter der Hand weiterverkauft wird und ausser Landes geschafft werden soll, findet sich als falsch deklariertes Transportgut  in Kisten, Koffern, Kühltruhen, Taschen, Säcken und Kleidern wieder, die allein oder mit Passagieren in Flugzeugen und Schiffen den Kontinent wechseln. 

Digitales  «Buschversteck» – das World Wide Web

Der Weiterverkauf der «Ware» in Europa, Asien oder Nordamerika erledigen die kriminelle Gruppen mit getarnten Netzwerken und in unscheinbaren Läden. Der illegale Wildtierhandel soll jährlich und weltweit eine Summe von gegen 20 Milliarden Dollar einbringen.

Fliegt ein Umschlagplatz auf, können die grossen Drahtzieher ihre Köpfe zumeist aus der Schlinge ziehen. Die Bosse des Schwarzmarkthandels tauchen weg, bleiben unentdeckt und bauen sich ein neues Netzwerk mit neuen Verkaufskanälen auf. 

Als besonders sicheres und einträgliches Terrain für den Schwarzmarkthandel und den Schmuggel mit lebenden Wildtieren, Elfenbein, Nasenhorn und weiteren Tierkörperteilen hat sich bislang das Internet erwiesen. 

 Hanko: Elfenbein-Siegel als Geschenk für verdiente Manager in Japan           (Screenshot) 

Hanko: Elfenbein-Siegel als Geschenk für verdiente Manager in Japan           (Screenshot) 

Die Artenschutz-Verbrecher nutzen den gewaltigen Online-Markt, loggen sich im Schutze der Anonymität ins Web, bieten dort im Meer der Verkaufsangebote (For-Sale-Postings) ihre verbotene Ware an, machen offensichtlich schnell viel Geld und wechseln bei einem Verdacht auf Enttarnung einfach die Plattform. Von eBay zu Google, von Facebook zu Alibaba beispielsweise.

Google, Facebook und Co werden aktiv

Damit soll jetzt Schluss sein. Dies hat sich eine anfangs 2018 gegründete Koalition auf die Fahne geschrieben – die «Global Coalition to End Wildlife Trafficking Online». Ins Leben gerufen wurde sie vom WWF und den internationalen Artenschutzorganisationen Traffic und International Fund for Animal Welfare (IFAW). 

Ihr Ziel: Das Sensibilisieren der Internet-Akteure, um zusammen mit den Unternehmen im Bereich neue Technologien, E-Commerce und Social Media ein Bollwerk gegen den illegalen Handel mit lebenden und toten Wildtieren zu errichten.

Über siebzig Firmen haben sich bereits angeschlossen, worunter die Giganten Google, Microsoft, Facebook, Alibaba, Baidu, Baixing, eBay, Etsy, Huaxia Collection, Instagram, Kuaishou, Mall for Africa, Microsoft, Pinterest, Qyer, Ruby Lane, Shengshi Collection, Tencent, Wen Wan Tian Xia, Zhongyikupai, Zhuanzhuan und 58 weitere Gruppen.

Aufruf an User: «Helft mit, späht aus, meldet Verdächtiges»

Man will mit verstärkter Überwachung verdächtige Anzeigen aufstöbern – noch bevor sie überhaupt veröffentlicht werden. Hierzu dienen spezielle Algorithmen, die Schlüsselwörter erkennen und Beiträge markieren, zitiert National Geographic etwa Giavanna Grein, die Programmbeauftragte für Wildtierkriminalität bei Traffic.

Von den Unternehmen eingesetzt werden aber auch Teams, die selbst Ausschau nach verbotenen Handelsversuchen halten. Crawford Allan, erster Direktor für die Bekämpfung der Wildlife-Kriminalität bei Traffic und beim WWF, betonte  gegenüber National Geographic das nicht minder wichtige Engagement der Internet-NutzerInnen als «Wildlife Crime Cyber-Spotter». Ihre Augen und Ohren könnten mithelfen, jene Gangster zu enttarnen, die durch die technischen Filter geschlüpft sind. 

 E-Bay-Angebot, März 2018 im Internet: «Antike» Elfenbeinfigur für 65 Dollar (Screenshot)

E-Bay-Angebot, März 2018 im Internet: «Antike» Elfenbeinfigur für 65 Dollar (Screenshot)

«Ein echter Augenöffner»

Konkret sollen rechtswidrig handelnde KäuferInnen also keinen Schmuck, keine Essstäbchen und keine Schnitzereien aus Elfenbein, keine Trinkschalen und kein Pulver aus Rhino-Horn, keine Schuppen von Pangolinen, keine Tigerklauen oder Haarkämme aus Meeresschildkrötenpanzern, keine Felle bedrohter Tiere und keine gefährdeten und noch lebende Reptilien, Vögel oder Fische aus allen Kontinenten mehr via Internet bestellen können.

Mut machte den beiden «Wildlife-Kriminalisten» Crawford Allan und Giavanna Grein die Reaktionen der um Mithilfe angesprochenen Internet-Unternehmen: Sie seien alle erfreulich kooperativ. Und dies sei für die ArtenschützerInnen «ein echter Augenöffner» gewesen. 

Unheimliches Darknet

Nicht thematisiert wurde allerdings das Darknet, auf das die Wildtier-Kriminellen auszuweichen beginnen. Dieser nur mit einem speziellen Browser und nicht frei zugängliche Teil des Internets hat wie alles zwei Seiten.

Einerseits hilft er Menschenrechtsorganisationen und investigativen JournalistInnen dank seiner Sicherheitsmechanismen ihre Arbeit ohne Repressionen durchzuführen. Anderseits aber ist das «Dunkle Netz» seiner grossen Anonymität wegen auch ein Tummelplatz für AgentInnen, KinderschänderInnen, Drogen-, Waffen- und MenschenhändlerInnen. 

 Unkontrollierbares Darknet: Flucht-Universum für Wildtier-Verbrecher           (Screenshot)

Unkontrollierbares Darknet: Flucht-Universum für Wildtier-Verbrecher           (Screenshot)

Interpol warnt vor illegalen Wildtiergeschäften

Im Juni 2017 veröffentlichte nun Interpol eine besorgniserregende Studie seines Instituts Global Complex for Innovation. Erkenntnis: Kriminelle bedienen sich offenbar immer mehr des Darknets, um illegale Produkte sogar stark bedrohter Arten wie Tiger, Nashorn und Elefant zu verhökern. Dabei soll ein Grossteil des Handels in so genannten Kryptowährungen (Bitcoins etc.) abgewickelt werden. 

Was tun, um diese digitale Bedrohung der Wildtiere und die globale Biodiversität zu schützen? David Higgins, Direktor des Interpol-Programms für Umweltschutz, sieht es als dringend an, die Strafverfolgungsbehörden mit Finanzen und professionellen Fahndern zu verstärken. Nur so könne die Wildtierkriminalität auf den physischen Märkten wie auch auf den virtuellen Märkten erfolgreich bekämpft werden. 

Gewaltige Herausforderungen für Artenschützende

Die Herausforderungen sind gigantisch – auch im Darknet, das ja nur ein Teil des so genannten Deep Webs («Verstecktes Web») ist, wo keine normale Suchmaschine etwas finden hilft.  Das Deep Web, ebenfalls Teil des World Wide Webs, ist so  undurchdringlich wie es wohl keine afrikanische Wildnis je war: Es  soll bis 550 mal grösser sein wie das «Oberflächen-Web» oder von uns verwendete Surface Web. 

Kommt hinzu, dass die Fahndung nach Wildtier-Kriminellen durch das rasante Wachstum des Deep Web erschwert wird. Kein anderes Web, das so rasch wächst! Brisant: Das riesige Deep, Hidden oder Invisible Web ist den weitaus meisten unter uns gewöhnlichen Internet-NutzerInnen noch nicht einmal ein Begriff.

© Titelbild by RS/FSS: Nashorn-Figur aus Elfenbein