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Im Weltnaturerbe Virunga & Salonga droht die Ölflut

News

Im Weltnaturerbe Virunga & Salonga droht die Ölflut

Ruedi R. Suter

Parks mit Weltnaturerbe-Status sind nicht mehr heilig: Ihr Schutz wird aufgeweicht, um Grossprojekte wie Dämme, Minen, Abholzungen oder Ölexplorationen zu ermöglichen. Jüngste Beispiele in Afrika sind die Weltnaturerbe-Inseln Virunga, Salonga und Selous. 

Von Ruedi Suter – FSS

Neue Hiobsbotschaft zum ostkongolesischen Virunga-Nationalpark: Nach den  tödlichen Attacken auf Ranger und Rangerinnen in diesem Jahr soll von nun an das geschehen, was bislang durch weltweite Proteste verhindert werden konnte: die Förderung von Erdöl im  Weltnaturerbe. Dies beschloss nach Berichten der BBC und von Reuters die Regierung der Demokratischen Republik Kongo (DRC) in der Hauptstadt Kinshasa. 

Das gleiche Schicksal droht dem in der Mitte des Kongobeckens gelegenen Salonga-Nationalpark, seit 1984 ebenfalls ein Unesco-Weltnaturerbe in Kongo-Kinshasa. Der Salonga, Heimat der Bonobo-Zwergschimpansen, ist mit rund 33'500 Quadratkilometern etwa so gross wie Belgien. Er gilt als das zweitgrösste Regenwaldschutzgebiet der Welt und ist Afrikas grösster geschützter Regenurwald. Doch nun soll in seinem fast nur per Boot oder Flugzeug erreichbaren Innern Erdöl gefördert werden können. 

Kabila-Regierung verhöhnt Unesco-Regeln

Unter der Regierung des langjährigen Diktators Joseph-Désiré Mobutu (1930-1997) war der Schutz beider Parks noch eher garantiert als heute. Die Regierung des aktuellen Präsidenten Joseph Kabila Kabange (47) nahm sich Ende Juni das Recht heraus, in einem Weltnaturerbe Bohrungen zu genehmigen. 

Man werde dabei Tiere und Pflanzen zu schützen wissen, heisst es aus Kinshasa. Das Kabinett hat nun eine Kommission genehmigt, welche Pläne zur Deklassierung der ölreichen Parkgebiete ausarbeiten soll.

Dies wird den Widerstand der globalen Umweltorganisationen neu aufflammen lassen. Sie hatten sich unter der Federführung des WWF bereits 2012 in St. Petersburg beim Unesco-Weltnaturerbe-Komitee für die Unantastbarkeit des Virunga eingesetzt. 

Grund: Kongo-Kinshasa hatte rund 85 Prozent der Nationalparkfläche zur Ölexploration freigegeben, was drei Konzerne aus Mitgliedstaaten der Welterbe-Konvention sofort nutzen wollten – SacOil (Südafrika), Total (Frankreich) und Soco International (England). 

Jetzt ist auch der Salonga dran

Die Rettungsaktion für den ältesten Park Afrikas gelang, Soco International stoppte seine  seismischen Untersuchungen im Virunga und liess die Lizenz 2015 erlöschen. Mit dem neuen Beschluss der Kabila-Regierung, die sich Neuwahlen verweigert, werden die alten Befürchtungen der Umweltschützer wieder aktiviert. 

 Salonga-Nationalpark: Weltweit zweitgrösstes Regenwaldgebiet                          © Karte by ZSM

Salonga-Nationalpark: Weltweit zweitgrösstes Regenwaldgebiet                         © Karte by ZSM

Mit dem Unterschied, dass diesmal auch noch der Salonga-Nationalpark zum Begierde-Objekt einer Industrie wurde, die gemäss Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen mit  masslosen Ölexplorationen z. B.  in Nigeria (Nigerdelta: Shell) und Equador (Amazonas: Texaco/Chevron) die Lebensgrundlage der Einheimischen zerstörten und ganze Landstriche verwüsteten.

Lebensraum für seltene Tierarten

Rund ein Drittel des südlichen Salonga wird von Pygmäen-Völkern belebt. Wie im Virunga leben im Salonga – er ist durch einen Korridor in zwei Teile getrennt –  zahlreiche bedrohte Tierarten wie Waldelefanten, Panzerkrokodile und Kongopfauen. Beobachtet wurden unter anderem auch Okapis, die nur dort lebende Dryasmeerkatze, weiters Stummelaffen, Bongos, Sitatungas und im mittleren und südlicheren Teil des Parks auch Bonobos.

 Salonga-Nationalpark: Grösste Tropenwaldfläche der Welt                                   ©  Foto: Moyogo

Salonga-Nationalpark: Grösste Tropenwaldfläche der Welt                                   © Foto: Moyogo

Wie der Virunga wird auch der Salonga von allen Seiten bedroht. Und zwar so, dass er 1999 auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt wurde. Die anhaltenden Kriege und Wirren in der DRC, so gross wie ganz Westeuropa, verunmöglichen einen anhaltenden Schutz. Überfälle auf Wildhüter, Wilderei, illegales Baumfällen und die Gefährdung der Gewässer durch Fischer, die Gifte einsetzen, gehören zum Alltag. 

Nicht auszumalende «Öl-Zukunft»

Und nun drohen dem Salonga zusätzlich die Gefahren durch die Öl-Industrie. Sollte diese mit Hilfe der kongolesischen Regierung tatsächlich Fuss fassen und mit der Ausbeutung beginnen können, muss aufgrund der Erfahrungen in anderen Weltregionen mit dem Schlimmsten gerechnet werden. 

Nicht nur würden die bislang nur schwer erreichbaren Nationalparks im Kongo mit neuen Strassen und Pipelines für Siedler und Wilderer geöffnet, auch der Natur drohen kaum wieder gut zu machende Schäden wie die grossflächige Verschmutzung der Gewässer, das Leerwildern und Abholzen der Wälder sowie das Verschwinden der bereits bedrohten Tierarten. 

Vorsätzlich gefährdete Lebensgrundlagen

Das entspricht dem profitorientierten Zeitgeist: Die Schutzgebiete dieser Welt und ihr Status geraten zunehmend unter Druck. Das zeigt sich auch im tansanischen Selous-Schutzgebiet, ebenfalls ein Weltnaturerbe, welches das Unesco-Welterbe-Komitee vor einer Uran-Mine, einem Dammbau und der Abholzung eines riesigen Gebiets zu schützen versucht. 

Der Hintergrund ist stets der gleiche: Konzerne wollen im Verbund mit den Regierungen die Schätze heben, welche in den letzten, noch weitgehend unberührten Schutzgebieten lagern. Die ökonomischen Interessen verdrängen und vernichten zusehends die ökologischen Grundvoraussetzungen, welche es Menschen und Tieren überhaupt ermöglichen, auf dieser Erde zu leben. 

© Titelbild by RS/FSS: Virunga- und Salonga-Bewohner Okapi, Zoo Basel

Weiterführende Themen:
Der Konfliktforscher Patrick Edmond  und der Entwicklungsexperte Kristof Titeca vertreten die Auffassung, den Machthabenden in Kongo-Kinshasa gehe es gar nicht primär um Ölgewinnung. Vielmehr sei der Entscheid  vorab  aus politischen Gründen gefällt worden. Mehr dazu:

Why Congo’s decision to open national parks to drilling isn’t really about oil

Rodungen drohen im Weltnaturerbe Selous