Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

           

123 Street Avenue, City Town, 99999

(123) 555-6789

email@address.com

 

You can set your address, phone number, email and site description in the settings tab.
Link to read me page with more information.

Vom Potenz- zum Protzmittel

News

Vom Potenz- zum Protzmittel

Ruedi R. Suter

Jetzt wollen asiatische Konsumenten mit dem Nasenhorn der Rhinos lieber protzen als Potenz und Gesundheit fördern. Dadurch wird die Tierart noch mehr bedroht. Dokumentiert wurde der Wandel vom  Heilmittelmarkt zum Luxus-Sektor durch den  investigativen Schweizer Journalisten und Filmemacher Karl Ammann. Er befürchtet nun einen steilen Anstieg der Nachfrage nach Rhino-Horn. Dies auch darum, weil Regierungen, Grenzschutz und selbst die Artenschutzbehörde CITES allzu oft schlampen würden. Hier sein Bericht.

Von Karl Ammann - Nanyuki

Zahlreiche Ökonomen und Naturschützer haben Berichte über die Wege und das Angebot beim Handel mit Nasen-Horn verfasst. Wie die Handelskette funktioniert, darüber herrscht weitgehend Klarheit. Weit weniger klar sind die Mechanismen der Nachfrage. Und wie diese von den Endverbrauchern gesteuert wird. Solange die Verbraucher das Nasenhorn des Nashorns verlangen, wird Südafrika die Nashorn-Wilderei nicht stoppen können. 

Meine Recherchen zusammen mit dem südafrikanischen Filmemacher Phil Hattingh «The Hanoi Connection», unsere abendfüllende Dokumentation über die treibenden Kräfte hinter den Nashorn-Massakern, begannen vor etwa sechs Jahren mit der Suche nach Produkten in traditionellen chinesischen und vietnamesischen Apotheken in Vietnam. Um uns die nötige Akzeptanz zu sichern und keinen Verdacht zu erregen, haben wir mehrere Reisen nach Vietnams Hauptstadt Hanoi unternommen. Wir gaben uns als Kunden aus, indem wir Proben von pulverisiertem Nashorn oder kleinen Hornstücken kauften.

Massenweise Fake-Nasenhörner 

Als ein abgehacktes Stück auf die Strasse flog, während ein Händler angebliches Nasenhorn auf seinem Ladenpflaster zerlegte, wurde uns klar, dass die Kunden wahrscheinlich mit allen möglichen Falsch-Produkten getäuscht wurden, die als echtes Nasenhorn feilgeboten wurden. Uns war schnell klar: Ein echtes Stück Nasenhorn würde nicht so sorglos behandelt - und auch nicht zu dem vergleichsweise tiefen Preis an uns verkauft, den wir für das fliegende Fragment bezahlten.

 Strassenhandel: Haufenweise gefälschtes Rhino-Horn | © Alle Fotos Karl Ammann

Strassenhandel: Haufenweise gefälschtes Rhino-Horn | © Alle Fotos Karl Ammann

Ausserhalb Hanois filmten wir eine Produktionsstätte für gefälschte Hörner und Jagdtrophäen mit angepassten Hörnern von Wasserbüffeln. Dann dokumentierten wir Tausende von gefälschten Hörnern, die auf einem spezialisierten Markt für Wildtier-Artefakte in Guangzhou, China, verkauft wurden.

Probleme mit den Diagnose-Labors

Allerdings wurde die Kontaktierung  mehrerer auf Wildtiere spezialisierten Genetiklabors im Jahr 2014 mit Proben aus diesen ersten Reisen zu einer  Herausforderung: Die meisten waren zwar damit einverstanden, sie für uns zu analysieren - aber sie hatten Bedenken, die Daten ohne die notwendigen Import- und Exportgenehmigungen zu veröffentlichen.

Im Jahr zuvor hatten die Vertragsparteien des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten (CITES) in Bangkok beschlossen, dass beschlagnahmte Proben von Nasenhorn- oder Hornprodukten direkt an anerkannte Labors abgegeben werden sollten. Es war klar geworden, dass es kaum sichere Lagerungsmöglichkeiten für Nasenhorn in Liefer- und Verbraucherzentren gab. Dies schien vor allem für vietnamesische Beamte zu gelten. Diese wollten den Austausch von Proben zu Durchsetzung der Verbote auf ein Minimum beschränken. 

Rechtsgutachten für legales Recherchieren

In einem Fall sollen die Beamten gar versucht haben, Proben nach Südafrika zu transportieren. Diese wurden dann unterwegs «gestohlen». Das grösste Problem bei unserem Umgang mit Laboratorien war natürlich, dass wir als Filmemacher und Ermittler nicht im Auftrag von CITES handelten. Der Versuch, Export- und Importdokumente zu beschaffen und genau auszufüllen, wäre eine komplette Zeitverschwendung gewesen - wir konnten die Produkte nicht einmal positiv identifizieren, bis die DNA-Ergebnisse vorliegen.

Die Untersuchung  von gefälschten Tigerknochen für unseren Dokumentarfilm «The Tiger Mafia» (2016) half wenigstens, die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Ein Schweizer Universitätslabor stützte sich auf ein Rechtsgutachten, welches besagt, dass es kein Gesetz verletze, wenn es Analysen zur Bestimmung einer bestimmten Spezies durchführe. Auch dann nicht, wenn sich herausstellen sollte, dass solche Proben von CITES-gelisteten Arten stammen.

DNA-Proben von Rhinos gesammelt

Wir standen aber noch vor einer weiteren Herausforderung: Zu früh unsere Proben an die Labore freizugeben oder die entsprechenden Ergebnisse bekannt zu machen, könnte zukünftige Untersuchungen gefährden. Für diese heikle Phase unserer Untersuchungen auf der Nachfrageseite würde sich das Veterinärgenetische Labor der Universität Pretoria als Testlösung einsetzen. 

Das Rhino DNA Indexing System (RhODIS) des Labors ist von Dr. Cindy Harper und ihrem Team als Instrument zur Unterstützung der Durchsetzung  des südafrikanischen Biodiversitätsgesetzes entwickelt worden. RhODIS wurde 2010 erstmals in einem Rhino-Fall  eingesetzt. Seither analysiert es so viele tote oder lebende Nashörner wie möglich. Die DNA der Nashörner werden kontinuierlich aus den südlichen und ostafrikanischen Staaten gesammelt und getestet. Die Datenbank des Systems enthält heute DNA-Profile von mehr als 20 000 Nashörnern.

 Labor: Auf Identitätssuche per Rhino-DNA-Analyse

Labor: Auf Identitätssuche per Rhino-DNA-Analyse

Unsere Proben wurden von verschiedenen Personen, die nach Südafrika reisten, an das Labor geliefert. Wenn irgendwelche CITES-Probleme auftreten sollten, könnten wir berechtigterweise argumentieren, dass wir uns nie sicher waren, was wir da genau  erworben hatten.

90 Prozent waren Fälschungen

Wie sich herausstellte, zeigten die RhODIS-Testergebnisse, dass etwa 90 Prozent der Fragment- und Pulverproben aus traditionellen chinesischen Apotheken nicht einmal im entferntesten Nasenhorn enthielten. Stattdessen hatten wir Hornsubstanz von Saiga-Antilopen (eine vom Aussterben bedrohte Antilope in Südosteuropa und Zentralasien), von Kudus, Schafen und eine ganze Menge Wasserbüffeln.

Als nächstes nahmen wir Schmuck- und Artefakte-Läden in China, Myanmar, Laos und den gehobenen Tourismusgebieten Vietnams unter die Lupe. Und was stellten wir fest? Die meisten echten Nasenhörner, die in diesen Nachfragestaaten vermarktet werden, gehen offensichtlich als Luxusartikel über den Ladentisch. 

Händler erklärten uns, dass Käufer, die das Äquivalent von Hunderttausenden von US-Dollar für Rohhorn wollen, würden lieber ihre eigenen Experten mitbringen, um die Qualität des Produkts zu überprüfen. Der Versuch, Käufer auf dieser Ebene zu betrügen, wäre sicherlich ein riskantes Unternehmen. Einige Geschäfte verkauften auch medizinische Späne - Nebenprodukte, die beim Mahlen von echtem Nasenhorn zu hochwertigen Armreifen, Trankopfer und Signatur-Siegeln verarbeitet werden.

Chinesen als Strippenzieher

Basierend auf unseren persönlichen Beobachtungen und Interviews waren die Einkäufer zu fast hundert Prozent chinesischer Abstammung. Ebenso die Ladenbesitzer, die von der geographischen Nähe Chinas profitierten.

Viele Käufer, so unsere Informanten, würden Stücke für ihre Freunde und Verwandten zu Hause erwerben und diese Produkte über die chinesische Messaging-Anwendung WeChat ( entspricht WhatsApp) anbieten –  ein informelles System, das durch kostenlose Instore-Wi-Fi-Verbindungen schnell aufgespürt werden kann und in einigen Fällen selbst von von unseren versteckten Kameras erfasst werden konnte.

Unserer Einschätzung nach ist der Handel mit gefälschten Fragmenten von jeweils wenigen Gramm für Betrüger besonders verlockend. Weil dadurch eine weniger mächtige, weniger wohlhabende und weniger sachkundige Kundschaft angezogen werden konnte. Händler von authentischen Rhino-Horn-Produkten schienen auch immer mehr Produkte zu entwickeln, um dieses weniger anspruchsvolle Segment befriedigen zu können.

Pro Gramm 80 bis 160 Dollar

Beim rohen Nasenhorn sind die Kilopreise  gemäss jüngsten Berichten dramatisch gefallen.  Im Jahr 2017 notierten die Händler größtenteils 20 000 – 28 000  Dollar pro Kilo. Vier Jahre zuvor wurde pro Kilo noch rund 60 000 Dollar hingeblättert. Es gibt keine explizite Antwort auf diesen Trend, aber einige Händler vermuten, dass entweder Spekulanten aus dem Markt ausgeschieden sind  oder zusätzliche Angebote den Markt überschwemmten.

 Illegale Verkaufsstelle: Jedes Gramm Nasenhornspan kostet

Illegale Verkaufsstelle: Jedes Gramm Nasenhornspan kostet

Doch auf der Einzelhandelsebene haben sich die Preise nicht wirklich geändert: Produkte werden in der Regel für einen Ring, ein Karma-Armband, ein Medaillon, einen Kamm, einen Trinkbecher usw. mit etwa 80 bis 160 Dollar pro Gramm angegeben. Verglichen mit Elfenbein bei 2 bis 4 Dollar pro Gramm liegt der Preis für Nasenhornspäne aus der Werkstatt bei 10 bis 20 pro Gramm - etwa achtmal niedriger als der Preis pro Gramm für fertige Luxus-Hornartikel.

Klar ist jedenfalls, dass die traditionelle chinesische Medizin nicht mehr die dominierende Marktmacht ist: Die Späne und das Pulver sind zu blossen Nebenprodukten geworden. Unsere Schlussfolgerung: Die Nachfrage nach Nasenhorn ist von «Gesundheit» zur «Luxus-Show»  prunkvollen Reichtums übergegangen.

Wie Löwen- zu Tigerknochen mutieren

Der Status - insbesondere die soziale Bedeutung teurer und verbotener Güter - treibt die Nachfrage an, derweil in Teilen Südostasiens auch auf diesem Niveau weiterhin Fälschungen verkauft werden.

Das gleiche Blendwerk scheint nun auch für Löwenknochenexporte von Südafrika nach Laos zu gelten. Diese Knochen bleiben nicht in Laos. Unsere versteckten Kameras dokumentierten, dass sie stattdessen nach China und Vietnam geschmuggelt wurden. Hier werden sie als «Tigerknochen» verkauft, was ein klares CITES-Vergehen ist.

Während unsere Arzneimittelproben aus Apotheken für traditionelle chinesische Medizin stammten, welche gefälschte Produkte verkaufen, haben sich unsere Muster aus Luxusschmuck- und Artefakte-Läden als genau das Gegenteil erwiesen: 90 Prozent der Proben aus diesen Quellen haben sich als echt herausgestellt.

Die in den letzten drei Jahren gesammelten Proben haben etwa 40 echte, individuelle Rhino-DNA-Profile ergeben. Meistens fanden RhODIS-Techniker weisse Nashorn-DNA, aber auch einige schwarze. Der interessanteste Befund ergab, dass 90 Prozent der Proben nicht einmal mit den RhODIS-Datenbankprofilen für gewilderte Nashörner übereinstimmten.

Interessante Frage:  Woher stammen die anderen Lieferungen?

Südafrika verfügt über ein Kontrollsystem, das alle lebenden Nashörner in Privatbesitz registriert und eventuell vermisste Exemplare markiert. Es deutet darauf hin, dass dieses System bei weitem nicht wasserdicht ist und skrupellose Besitzer Wege finden können, das Horn versteckt zu verkaufen, ohne Angst vor Konsequenzen. Lokale private Nashornbesitzer erzählten uns, dass sie regelmässig Anrufe von potentiellen Kunden erhielten, die Horn kaufen wollten. Es gab keine Fälle von privaten Nashornbesitzern, die wegen «vermisster» Nashörner auf ihrem Grundstück verfolgt wurden.

 Die Frage nach dem Woher: Filmer, Journalist und Ökonom Karl Amman

Die Frage nach dem Woher: Filmer, Journalist und Ökonom Karl Amman

Da es in Südafrika nur wenige lokale Verbraucher gibt, ist der gegenwärtige Schritt zur Legalisierung des Binnenhandels von Nasenhörnern lediglich eine Möglichkeit, einen Binnenmarkt zu regeln, dessen Produkte bereits heute - wie unsere Stichproben zeigen - weltweit gehandelt werden und gegen die CITES-Regeln verstossen.

Einbruch im Lager der Regierung

2016 wurde in ein Lager der sambischen Regierung eingebrochen. Diverse Hörner wurden gestohlen, die nicht von der RhODIS-Datenbank abgedeckt wurden. Bislang haben die meisten Regierungen der Länder, wie z.B. die sambische Regierung, keine Einbeziehung ihrer Bestände gefordert. Wenn eine Instanz sie dazu zwingen könnte, müsste es das CITES-Sekretariat mit Sitz in Genf sein.

Der in Kenia ermordete Naturschützer Esmond Bradley Martin hatte 1992 einen Bericht in der Zeitschrift Pachyderm veröffentlicht, wonach die chinesische Regierung damals fast 10 Tonnen Nasenhorn auf Lager hatte. Allein ein Pharmaunternehmen verfügte über rund vier Tonnen. Natürlich ist auch davon nichts in der RhODIS-Datenbank. Wird das CITES-Sekretariat die Überprüfung dieser Bestände verlangen?

Nachfrage vermutlich weit grösser als nachgewiesen

Könnte dieses Angebot auf den Markt gekommen sein, als der Preis für Rohhorn vor einigen Jahren etwa 60 000 Dollar pro Kilo erreichte? In riesigen Gebieten wie dem südafrikanischen Krüger-Nationalpark werden einige Nashörner vielleicht gewildert, jedoch nie gefunden.

Ausserdem gibt es Gerüchte, dass die Proben von Nashörnern, die im Park gewildert wurden, manchmal drei Jahre benötigen, um das Labor in Pretoria zu erreichen. Haben wir also Proben von Endprodukten aus Südostasien mitgebracht, derweil die Proben aus der Wilderei-Szene noch in irgendeiner Schublade im Hauptquartier des Parks waren?

Es gibt auch Hinweise darauf, dass das Labor auf einer erheblichen Menge an zu analysierenden Proben sitzt, die noch diagnostiziert werden müssen. All diese unbekannten Quellen deuten darauf hin, dass die Nachfrage und das Angebot viel grösser sein könnten als die Nasenhörner der registrierten 1 000 bis 1 200 Rhinos, welche jedes Jahr offiziell in Südafrika gewildert werden. Und dass es weitere, nicht erfasste Bezugsquellen geben könnte.

Heikle Nachforschungen

Auf der 17. CITES-Vertragsstaatenkonferenz in Johannesburg vom September 2016 diskutierten wir mit mehreren Landesvertretern über die Bedeutung unserer Nachforschungen sowie die Einschränkungen und möglichen Auswirkungen auf die Durchsetzung.

 Rhino-Horn zu Spänen verkleinert: Einer davon ist unecht

Rhino-Horn zu Spänen verkleinert: Einer davon ist unecht

Eine der wichtigsten südafrikanischen Vollzugsbehörden entschied, dass eine Möglichkeit gefunden werden sollte, um Nasenhorn-Proben unter kontrollierten Bedingungen an das Labor in Pretoria zurückzugeben: Wir erhielten Interpol-Kontakte in Südostasien, an die wir die Proben weitergeben konnten und die sie nach Pretoria bringen sollten. Obwohl wir immer noch darüber besorgt waren, dass wir während unserer letzten Abholung von CITES herausgefordert wurden, wussten wir zumindest, dass der Interpol-Deal dazu gedacht war, ein klareres Szenario für die Labors zu schaffen, die die Arbeit machen.

Als wir mit Phil Hattingh als Kameramann nach Südostasien reisten, folgten wir dem vorgeschriebenen Sammelverfahren - mit speziellen Beweisbeuteln und Containern - und etablierten die Chain of Custody, indem wir auch die Aussen-Ansichten der Geschäfte fotografierten.

Beweissicherung mit versteckten Kameras

Als wir nach Südafrika zurückkehrten, hatte uns Interpol noch keine Kontakte vermittelt, an die wir die Proben weitergeben konnten. Auf dieser Reise flog ich dann mit einigen der Proben über Zürich zurück. Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen wurde ich zur Seite gezogen. Verschiedene Gegenstände meines Handgepäcks wurden auf Drogenspuren untersucht. Natürlich gab es kein Problem. Nasenhorn ist weder Kokain noch Heroin.

Ich habe jedoch wenig Zweifel, dass ähnliche Tests nicht nur für Nasenhorn, sondern auch für Elfenbein und Tigerknochen sowie andere hochkarätige Wildtierprodukte entwickelt werden könnten. Südafrikanische und chinesische Behörden könnten regelmässig Handgepäck auf Flügen aus den Lieferländern an den Zielorten der Nachfrage testen. Kenia setzt Schnüffelhunde ein, die auf dem Gepäckband laufen, aber ich habe das noch nie irgendwo in Südostasien gesehen.

Problemlose Grenzübertritte mit Rhino-Hörnern - auch in Zürich

Ich bin auch über ein halbes Dutzend Grenzen gereist, mit sehr gut gefertigten, gefälschten Rhinozeros-Hörnern für Präsentationen, wobei ich mir voll bewusst war, dass sie auf Röntgenbildschirmen auftauchen würden. Tatsächlich freute ich mich darauf, geschnappt zu werden. Ich hatte sogar die Rechnung, die die Herkunft der gefälschten Produkte belegt: von Bone Clones, einem US-Unternehmen.

 Antilopenhörner zuhauf: Wird zerhackt oder zerrieben als Rhino-Nasenhorn verkauft

Antilopenhörner zuhauf: Wird zerhackt oder zerrieben als Rhino-Nasenhorn verkauft

Nicht ein einziges Mal - in Zürich, Nairobi, New York oder Johannesburg - hat mich jemand gebeten, diese Hörner herauszunehmen. Ich hoffe, dass einige dieser Beweise, die auch für die bevorstehende Veröffentlichung durch DNA-Experten in einem Peer-Review-Journal vorgesehen sind, Ökonomen und Naturschützern helfen könnten, ihre Position zu den allgemeinen Nachfrage- und Angebotseigenschaften von Rhino-Horn neu zu bewerten.

Will man lieber gar nichts wissen?

Werden jedoch sowohl die Vollzugsbehörden der Nachfrage- als auch der Lieferländer, von denen viele mit gravierenden Regierungs- und Korruptionsproblemen zu kämpfen haben, daran interessiert sein, die entsprechenden Ergebnisse im Rahmen der Planung von Vollzugsmassnahmen zu nutzen? Oder wollen sie es lieber gar nicht wissen?

Wenn einige Länder grössere Probleme bei der Einhaltung der Vorschriften haben,  würde das CITES-Sekretariat und der Ständige Ausschuss diese Parteien schliesslich die Aussetzung des gesamten kommerziellen und nichtkommerziellen Handels empfehlen - ein wichtiges Durchsetzungsinstrument, das von den CITES-Entscheidungsträgern kaum je genutzt wird?

Seit dem CITES-Handelsverbot für Nasenhorn im Jahr 1976 sind schätzungsweise mehr als 100 000 Nashörner durch die Wilderei verloren gegangen. Selbst das Binnenhandelverbot Chinas im Jahr 1993 hat keine Besserung gezeitigt. Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich die CITES-Politiker tiefer in ihre Durchsetzungsinstrumente einarbeiten – und diese vor allem auch nutzen.

Die südafrikanische Umweltministerin Edna Molewa kündigte 2013 in Bangkok an, dass das Land nun die Legalisierung des Handels mit Nasenhorn prüfen werde, da  «alles andere versucht» worden sei...

© Titelbild by Gian Schachenmann / Andere Fotos by Karl Ammann

***

Weiterführende Links

Rhino-Wilderei im Rückwärtsgang?