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Wilderer-Kill jetzt auch im Zoo

News

Wilderer-Kill jetzt auch im Zoo

Ruedi R. Suter

Die Premiere alarmiert: Mit dem Umbringen von Rhino "Vince" in Frankreich ist erstmals in einem europäischen Zoo ein Nashorn gewildert worden. Schweizer Zoos haben längst Abwehrmassnahmen ergriffen. Aber genügen sie?

Von Ruedi Suter – FSS

Jetzt ist es doch passiert: Wilderer haben in einem französischen Zoo ein Nashorn umgebracht. So geschehen in der Nacht auf den 7. März 2017 im Parc Zoologique des Städtchens Thoiry westlich von Paris. Dieser Zoo besteht neben den typischen Gebäuden aus einem Schloss und einem weitläufigen Park mit Wald, in dem die wilden Tiere frei herumlaufen können. Der afrikanische Teil kann auf einer acht Kilometern langen Safari-Route im eigenen Wagen befahren werden.

Den Besuchenden begegnen im "Réserve africaine" allerdings auch Braunbären, Bisons oder Brillenbären. Sichten werden sie aber auch Giraffen, Zebras, Strausse, Flusspferde, Spring- und Wasserböcke, Kudus, Oryx-Antilopen, Warzenschweine, Elefanten und die Breitmaulnashörner "Gracie" (37) und "Bruno" (5). Ein Rhino aber wird fehlen – "Vince" (5), der Bulle aus dem niederländischen Burgers' Zoo. Sein Tod schockte das Personal ebenso wie die internationale Zoo-Gemeinschaft. Parkdirektor Thierry Duguet erklärte gegenüber den Medien: "Ein Akt derartiger Brutalität hat in Europa noch kein Zoo erlebt."

Die Killer brachen - so der Wissensstand kurz vor unserem Redaktionsschluss – nachts in das weitläufige und eigentlich gut gesicherte Gelände ein, pirschten sich an den Stall des ahnungslosen "Vince" heran und schossen ihm drei Kugeln in den Schädel. Dann warfen sie angeblich eine Kettensäge an und sägten dem zusammengebrochenen Tier eines seiner Nasenhörner weg. Auf dem Schwarzmarkt dürften sie dafür von asiatischen Käufern zwischen 30 000 und 40 000 Euro pro Kilo kassieren.

Zoos waren gewarnt

Als sich die Wilderer an das zweite Nasenhorn zu schaffen machten, mussten sie durch etwas gestört worden sein. Jedenfalls liessen sie vom Weitersägen ab und flohen mit dem bereits abgetrennten Horn. Ein Glück für die beiden anderen Weissen Nashörner. Am Morgen entdeckte der Pfleger seinen umgebrachten Pflegling. Er soll zutiefst erschüttert gewesen sein. Denn der ihm ans Herz gewachsene "Vince" sei ein sehr zutrauliches und attraktives Tier gewesen sein. Weshalb die fünf auf dem Gelände lebenden Kollegen nichts bemerkt haben, wird nun von der Polizei abgeklärt. Ihr stehen zur möglichen Aufklärung der Horrortat auch Videoaufnahmen der Überwachungskameras zur Verfügung.

Überraschend ist der Überfall in Europa auf in Gefangenschaft gehaltene Nashörner allerdings nicht. Die Zoo-Welt ist sich dieser Gefahr seit einigen Jahren schon bewusst. Denn wo immer es heute noch Nasenhörner gibt, sind sie für Kriminelle ein Begierde-Objekt. Davor warnte HABARI schon vor Jahren (Ausgabe 1/12: "Mit Hightech auf Nashorn-Wilderei"). Das Jahr 2011 zeigte besonders krass, mit was in Zukunft zu rechnen ist. Damals wurden in acht europäischen Ländern, worunter Frankreich und Deutschland, an rund 20 Orten über 30 Rhino-Nasenhörner geklaut – aus Museen, Privatsammlungen, Instituten, Auktionshäusern und Antiquitätensammlungen.

Kein totaler Schutz

Seitdem ist die "Ware Nasenhorn" noch knapper geworden, bei gleichzeitig wachsender Nachfrage in Asien. Doch unterdessen sind auch die Nashornbestände im südlichen Afrika durch modern ausgerüstete Wilderer-Syndikate massiv dezimiert worden. Der Trend ist klar: Je weniger Nashörner in der Wildnis überleben, desto mehr nimmt die organisierte Kriminalität die Zoos und Tierparks ins Visier.

Unsere damaligen Recherchen bei den Schweizer Zoos in Basel und Zürich ergaben ein recht beruhigendes Bild: Die Zoo-Verantwortlichen haben – auch in Zusammenarbeit mit der Polizei – wichtige und natürlich geheim gehaltene Massnahmen getroffen, um die Panzernashörner in Basel oder die Spitzmaulnashörner in Zürich bis zu einem gewissen Grad vor Attacken zu schützen. Ob sie aber zu allem entschlossene Kriminelle davor abhalten können, bewaffnet und in einer nächtlichen Blitzaktion in die Zoos einzudringen und den Nashörnern Leid anzutun, dies kann naturgemäss und nicht mit absoluter Sicherheit garantiert werden.

© Foto by Ruedi Suter: Aufklärung im Zoo Zürich