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Giraffen: Die Hochbeinigen in Not

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Giraffen: Die Hochbeinigen in Not

Ruedi R. Suter

Giraffen wird viel zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt. Sie verschwinden, ohne gross wahrgenommen zu werden. Dies im Gegensatz zu Grosstieren wie Elefanten, Nashörnern und Löwen.

Neuste Zählungen bei den wild lebenden Giraffen lassen nun Artenschützende Alarm schlagen. Der Schutzstatus für das höchste Landtier der Erde soll bei der nächsten CITES-Konferenz in Genf diesen August verschärft werden.

Von Ruedi Suter – FSS

Man hat es lange nur vermutet, jetzt ist es sicher: Auch die Massai-Giraffe ist als zahlenmässig stärkste Unterart gefährdet. Erstmals wurde ihr Bestand eingehend untersucht, das Resultat ist besorgniserregend.

In den letzten 30 Jahren dürften die Massai-Giraffen um die Hälfte zurückgegangen sein. Das heisst, so das amerikanischen Zentrum für Biologische Diversität: es leben heute schätzungsweise gerade noch etwa 35'000 Tiere in der afrikanischen Wildnis. Insgesamt sollen es, alle Unterarten zusammengenommen, keine 100'000 wild lebende Giraffen mehr auf dieser Welt geben.

Realer Lebensraumverlust, angedichtete Heilkräfte

Warum dieser Rückgang? Ausschlaggebend ist einmal mehr der Mensch mit seinem unaufhörlich wachsenden Landbedarf, seiner Raffgier und seinem Aberglauben. Wie die Elefanten ihres Elfenbeins oder die Rhinos ihrer Nasenhörner wegen, so werden die imposanten Langhälse zunehmend ihrer Körperteile wegen umgebracht.

Massai-Giraffen : Futtern in den Baumwipfeln |  © Foto Ruedi Suter-FSS

Massai-Giraffen: Futtern in den Baumwipfeln | © Foto Ruedi Suter-FSS

In Afrika, wo sich der Hunger wieder vermehrt ausbreitet, liefert eine Giraffe viel Fleisch, weshalb sie mit Drahtschlingen, Giftpfeilen, Speeren und Gewehren gewildert wird.

Ihre Häute und Schwänze mit den langen drahtigen Haaren gelten im Kongo und anderen Ländern aber auch als Statussymbol. Ein so grosses Tier, das höchstgewachsene aller Landtiere, verleitetet überdies schneller zu verhängnisvollen Fantasien.

In Tansania etwa, wo «Twiga» das Nationaltier ist und einen besonderen Schutzstatus geniesst, wird die Giraffe etwa im Serengeti-Ökosystem regelmässig gewildert, um neben dem Fleisch beispielsweise auch an Organe, Knochenmark oder ans Gehirn zu kommen.

Letzteres soll HIV/Aids heilen, wird laut «National Geographic» geglaubt. Keine Überraschung in einem Land, wo selbst Albino-Menschen für die Herstellung von «Heilmitteln» ermordet werden.

«Giraffen gehören zur vergessenen Megafauna»

Aber auch der internationale Wildtierhandel setzt den Giraffen zu. Was etwa die Vereinigten Staaten von Amerika mit getöteten Giraffen zu tun haben, versuchten 2018 die Humane Society USA und die Humane Society International herauszufinden.

Ergebnis: in der letzten Dekade wurden «Produkte» von rund 4'000 Tieren eingeführt. Nun will das zuständige Amt – der I.S. Fish and Wildlife Service» – prüfen, ob Giraffen für die USA auf die Liste der gefährdeten Arten gesetzt werden sollen.

Arusha-Nationalpark,  Tansania: Üppiges Grünfutter |  © Foto Ruedi Suter - FSS

Arusha-Nationalpark, Tansania: Üppiges Grünfutter | © Foto Ruedi Suter - FSS

Es gibt heute schon weniger Giraffen als Elefanten, und den ebenfalls bedrohten Löwen oder Nashörner wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den langbeinigen Paarhufern. «Giraffen», meint Julian Fenessy als Co-Direktor der Giraffe Conservation Foundation, seien sozusagen «die vergessene Megafauna.»

So gelten alle neun Giraffenarten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN nicht als «bedroht», sondern seit Dezember 2016 erst als «gefährdet». Nur die Kordofan- und Nubischen Giraffen sind als «stark gefährdet» eingestuft. Anders gesagt: Noch fehlen IUCN-Vorschriften für den Kauf oder Verkauf von Giraffen-Körperteilen.

«Mit aller Macht schützen»

Das Problem ist, dass sich auch die Dezimierung der Wildtiere stetig beschleunigt. Was heute noch als «gefährdet» gilt, müsste bei genauer Betrachtung oftmals schon als «bedroht» eingestuft werden.

Die neuen alarmierenden Zahlen zum Bestand der Massai-Giraffen dürften ebenfalls dazu führen, dass an der nächsten Konferenz von CITES in Genf (16. bis 28. August) der Schutzstatus für Giraffen verschärft wird – von Anhang II auf Anhang I.

Selfie mit erlegter Giraffe:  Jägerin Tess Talley |  Foto Social Media - «The Interdependent»

Selfie mit erlegter Giraffe: Jägerin Tess Talley | Foto Social Media - «The Interdependent»

Dies wollen unter anderem die 32 afrikanischen Nationen der African Elephant Coalition durchsetzen, mit der Aufforderung an die Europäische Union, da mitzumachen. Dies begründet der Afrikaner Abba Sonko so: « Wir wollen alles in unserer Macht Stehende tun, um die Giraffen in unseren Ländern zu schützen und das Aussterben der Art zu verhindern.»

Abba Sonko stammt aus Senegal, wo Giraffen nur noch in den Erinnerungen älterer Menschen weiterleben. Und wie überall sind die sanften Prachtstiere mit ihren eleganten Bewegungen nicht «ausgestorben», sondern schlicht ausgerottet worden.

Titelbild: Flüchten statt sterben - Massai-Giraffen | © Foto by Hans Trüb