Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

«OP Thunderstorm» lässt Wildtier-Kriminelle zittern

News

«OP Thunderstorm» lässt Wildtier-Kriminelle zittern

Ruedi R. Suter

Überraschend grosse Erfolge wurden in letzter Zeit bei der Bekämpfung des illegalen Handels mit Wildtieren vermeldet. Dies vor allem Dank der «Operation Thunderstorm», welche Interpol in Zusammenarbeit mit der Weltzollorganisation in über 100 Ländern durchführte. Abertausende Wildtiere wurden befreit, 600 Täter gefasst und neue Erkenntnisse gesammelt, die zu weiteren Polizeiaktionen führten.

Diesen Good News steht eine ständig wachsende Wildtierkriminalität mit Milliarden schweren Umsätzen gegenüber. Sie bedroht das Überleben von Fauna und Flora auf unserem Planeten. Die beste Gegenwehr ist ein koordiniertes und entschlossenes Vorgehen der Staaten gegen die plündernde Wildtier-Mafia. Die jüngsten Verhaftungen und Beschlagnahmungen sind dafür ein Hoffnung stiftendes Beispiel.

Von Ruedi Suter – FSS

Es sind Erfolgsmeldungen im Krieg gegen die Vernichtung der Wildtiere, aber ein echtes Glücksgefühl mag nie aufzukommen. Denn jedes Auffliegen eines Schmuggeltransports, jede Beschlagnahmung, jede Verhaftung von Tätern, die dieses Multimilliarden-Dollargeschäft mit Totschlag, Gefangennahme, Schmuggel, Einfallsreichtum und viel krimineller Energie zum Brummen bringt, lassen automatisch auch erahnen, was von den Fahndern alles übersehen und nicht entdeckt wird: Der Grossteil des schmutzigen Handels mit jeder Art von Wildtieren.

Beschlagnahmt: Elfenbein in Kenia |  © Foto by Interpol / WZO

Beschlagnahmt: Elfenbein in Kenia | © Foto by Interpol / WZO

Weil die Verbrechersyndikate mit allen Wassern gewachsen sind, weil sie ständig ihre Transportmethoden ändern, ständig die Mittel wechseln, und neue Verstecke für ihre falsch deklarierten «Güter» verwenden – zum Beispiels in Containern, Kisten, ausgehöhlten Bäumen, in Säcken, Plastikbehältern und Schachteln, in den Hohlräumen der Schiffe, Flug- und Fahrzeuge, auf den Köpern und in den Kleidern der Kuriere - der Fantasie für die absonderlichsten Verstecke sind keine Grenzen gesetzt.

Und die Wildhüter*innen, die Zollbeamt*innen, die Polizei wie auch die verdeckt recherchierenden Artenschützer*innen und Journalist*innen brauchen stets auch viel Glück, um wenigstens hin und wieder einem illegalen Transport lebender oder toter Wildtiere oder deren Körperteile auf die Spur zu kommen.

Beschlagnahmt: Getrocknete Seepferdchen aus Indonesien |  © Foto by Interpol / WZO

Beschlagnahmt: Getrocknete Seepferdchen aus Indonesien | © Foto by Interpol / WZO

Auffallend sind jetzt aber die Erfolge der letzten Wochen im Kampf gegen die Wildtierkriminalität. Allein was seit Beginn dieses Sommers für verbotene «Ware» an geschützten Tieren und Pflanzen entdeckt wurde, ist atemberaubend. Kein Zufall, wurde doch diesen Juni nach intensiven und geheimen Vorbereitungen die «Operation Thunderball» («Feuerball») durchgeführt.

Bisher umfangreichste Operation gegen die organisierte Wildtierkriminalität

Gemeinsam umgesetzt von Interpol und der Weltzollorganisation (WZO), umspannte die mehrwöchige Aktion insgesamt 109 Staaten auf allen Kontinenten. So entwickelte sich «Operation Feuerball» zur bisher umfangreichsten Offensive gegen die Umweltkriminalität überhaupt. Weltweit erlebten laut Interpol gegen 600 mutmassliche Umweltkriminelle ihre Festnahme, weitere sollen noch erfolgen.

Beschlagnahmt beziehungsweise befreit wurden 23 Menschenaffen, 30 Grosskatzen oder deren Körperteile in Form von Mänteln und «Heilmitteln», 440 Elefantenstosszähne plus 545 Kilogramm Elfenbein; fünf Rhino-Nasenhörner; über 4'300 Vögel; 1'500 Reptilien; rund 10'000 Land-und Meeresschildkröten, gegen 10'000 Teile von Meereslebewesen wie Korallen, Seepferdchen, Delphinen oder Haien; weitere 7'700 Teile von Wildtieren jeder Art plus 30 Kilo Buschfleisch sowie geschützte Holzarten im Umfang von rund 74 vollen Lastwagen und 2'600 geschützten Pflanzen.

Statistik des Grauens: Beschlagnahmungen|  © Grafik by Interpol / WZO

Statistik des Grauens: Beschlagnahmungen| © Grafik by Interpol / WZO

«Wildtierkriminalität entzieht nicht nur unserer Umwelt ihre Ressourcen, sie schadet auch durch die mit ihr verbundenen Gewalt, Geldwäsche und Betrug», folgerte Jürgen Stock, der Generalsekretär von Interpol.

«Umweltkriminelle werden büssen müssten»

Operationen wie «Thunderball» seien konkrete Aktionen, welche sich gegen die transnationalen Kriminalsysteme richten und die von diesen illegalen Aktivitäten profitierten. Für den deutschen Juristen und Kriminologen Stock ist klar: «Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen. Und wir werden sicherstellen, dass Kriminelle für die Raubzüge an unserer Umwelt büssen müssen.» Jedenfalls sei die Wildtierkriminalität eng mit der organisierten Kriminalität verzahnt –und immer noch am Wachsen, sagte der Interpol-Chef.

Beschlagnahmt: Container mit 4’100 Vierzehenschildkröten in Russland |  © Foto by Interpol / WZO

Beschlagnahmt: Container mit 4’100 Vierzehenschildkröten in Russland | © Foto by Interpol / WZO

300 Kongo-Elefanten «in» einem Container

Mit der «Operation Thunderball» dürften Fahnder an Informationen gelangt sein, die auch nach Beendigung des Rundumschlags verwendet werden können. Denn seither sind im Juli zwei weitere Schmuggelversuche riesigen Ausmasses aufgeflogen, welche flugs auch ihren Niederschlag in der Weltpresse fanden.

Grund: Der 21. Juli, ein Sonntag, verhalf den Behörden im Hafen von Singapur zum bislang grössten im Stadtstaat je gemachten Elfenbeinfund. Ein harmlos wirkender Container, deklariert als Transportbehälter für Tropenholz, entpuppte sich als ein «Grab» von rund 300 Elefanten. 8,8 Tonnen Elfenbein im Wert von gegen 13 Millionen Dollar stellten die verblüfften Zollbeamten sicher.

Beschlagnahmt: Elfenbein-Stosszähne in Singapur |  © Foto Zoll Singapur

Beschlagnahmt: Elfenbein-Stosszähne in Singapur | © Foto Zoll Singapur

Doch sie stiessen beim Durchsuchen des Containers aus Kongo-Kinshasa noch auf einen weiteren Fund mit tragischem Ursprung: die in Säcken verstauten Schuppen von rund 2'000 der hoch gefährdeten Schuppentiere. Das Gewicht der Schuppen: 11, 9 Tonnen. Ihr Wert: 35,7 Millionen Dollar, wie die Behörden ausgerechnet haben.

375 Tonnen Pangolin-Schuppen

In Singapur zeigte sich die Tragödie der vor der Ausrottung stehenden Pangoline von einer besonders dramatischen Seite. Denn seit April wurden gemäss Behördenangaben schon andere Sendungen mit Pangolin-Schuppen abgefangen. Resultat: Bis Ende diesen Juli beschlagnahmte der Zoll insgesamt 37.5 Tonnen Schuppen im Wert von beinahe 113 Millionen Dollar.

Beschlagnahmt: Pangolin-Schuppen in Singapur |  © Foto Zoll Singapur

Beschlagnahmt: Pangolin-Schuppen in Singapur | © Foto Zoll Singapur

Es ist schlicht unvorstellbar, wie viele dieser faszinierenden Tiere allein nur schon für die in Singapur aufgeflogenen Ladungen ihr Leben lassen mussten – von jenen gar nicht zu sprechen, welche sonst wo problemlos die Landesgrenzen nach Asien passieren, wo sie ihres Fleisches und ihrer – eingebildeten – Heilkräfte wegen reissenden Absatz finden.

Beschlagnahmt: Nahansicht Pangolin-Schuppen in Singapur |  © Foto Zoll Singapur

Beschlagnahmt: Nahansicht Pangolin-Schuppen in Singapur | © Foto Zoll Singapur

Hanoi: Keine Chance mit dem Gipstrick

Auf den Coup in Singapur flog in Vietnams Hauptstadt Hanoi ein Schmuggel mit Nasenhörnern auf, der als Beispiel die vielfältigen Tricks der Gangstersyndikate offenlegte. Gleichzeitig liess der Fund der Behörden einmal mehr die bange Frage nach der Überlebenschancen der letzten Nashörner dieser Welt hochkommen.

Diesmal landete die auf 7, 5 Millionen Dollar geschätzte Schmuggelware in einem Jet der nationalen Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (Ethihad Airways) auf der Landepiste des Flughafens Noi Bai. Weshalb die Zollbeamten ausgerechnet die 14 Kartonschachteln mit den Gipsplatten untersuchten, wurde von den Behörden nicht mitgeteilt.

Beschlagnahmt: In Gips versteckte Nasenhörner am Airport von Hanoi |  ©   Foto by Zoll, customsnews.vn

Beschlagnahmt: In Gips versteckte Nasenhörner am Airport von Hanoi | © Foto by Zoll, customsnews.vn

Jedenfalls wurden die Gipsgebilde von den Beamten in mühsamer Arbeit aufgemeisselt. Zum Vorschein kamen weiss verstaubt 55 Teile oder ganze Rhino-Nasenhörner mit einem Gesamtgewicht von 125 Kilogramm, gedacht für Verarbeitung und Verkauf als Pseudomedizin oder Statussymbole. Der Fund, so folgerten die Behörden, habe eine der grössten Beschlagnahmungen ermöglicht, die je in Südostasien erfolgt sei.

Bis zu 60’000 Dollar pro Kilo Rhino-Horn

In Asien kann ein Kilo des Nasenhorns von Rhinos bis zu 60'000 Dollar einbringen. Nachdem China strenger gegen Schmuggler, Händler und Schnitzer von Elfenbein und Nasenhorn vorging, verlagerten sich die illegalen Aktivitäten nach Vietnam. Das Land hat sich zu einem Knotenpunkt entwickelt, geht unterdessen aber ebenfalls rabiater gegen das offensichtlich riesige Netzwerk von Schwarzhändlern mit Wildtieren vor.

Beschlagnahmt: Papagai in Chile / Zebrafische aus Brasilien |  © Foto by Interpol / WZO

Beschlagnahmt: Papagai in Chile / Zebrafische aus Brasilien | © Foto by Interpol / WZO

Davon zeugen die vermehrten Beschlagnahmungen von Elfenbein, Pangolin-Teilen, Bushmeat, Nasenhörnern oder Tigerhäuten. Tage vor der Landung der Ethihad Airways-Maschine mit den eingegipsten Rhino-Hörnern hatte die Polizei in Hanoi einen Autofahrer gestoppt, bei dem sieben gefrorene Leichen von Jung-Tigern gefunden wurden.

Asiens Hunger nach Wildtierteilen nimmt stetig zu

Woher diese stammten, ob aus freier Wildbahn oder einer der Zuchten, wurde nicht mitgeteilt. Klar ist nur, dass in Asien auch die Nachfrage nach Tigerteilen (Fleisch, Fell, Klauen, Zähne etc) steigt, um als «Medizin», Schmuck oder Statussymbol herhalten zu müssen.

Nicht beschlagnahmt: So wie es sein soll, ein Elefant in der Wildnis, in Freiheit |  © Foto by Hans Trueb

Nicht beschlagnahmt: So wie es sein soll, ein Elefant in der Wildnis, in Freiheit | © Foto by Hans Trueb

Wildtiere gewinnen, je mächtiger oder seltsamer sie wirken und je seltener sie werden, immer mehr an «Ansehen», was sie noch mehr zu Opfern einer steigenden Nachfrage macht. Mit ein Grund, weshalb viele bedrohte Arten aus Afrika vor allem nach Ostasien geschmuggelt werden. Die UNO bezeichnete kürzlich Südostasien mit Ländern wie Vietnam, Kambodscha und vor allem Laos als eine «wichtige globale Drehscheibe für den Handel mit hochwertigen und stark bedrohten Arten in andere asiatische Märkte».

Die neulich aufgeflogenen illegalen Wildtiertransporte werden gewiss nicht die letzten entdeckten Verbrechen dieser Art sein. Auch darum nicht, weil die internationalen Bemühungen um mehr Wildtierschutz selbst in den Zielländern die Behörden zu härterem Durchgreifen motiviert zu haben scheinen.

Titelbild: Weisser Tiger als Handelsobjekt, befreit durch die Operation «Thunderball» | © by Interpol

Weiterführende Themen:

«Ivory Queen»: Zu milde Haftstrafe

Wildtiere – auch Opfer des Totschweigens

Afrikas Wildtierschutz beginnt – in der Schweiz

INTERPOL - Umweltverbrechen