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Filtering by Category: SCHUTZGEBIETE

Neuer «Nyerere-Park» killt Selous-Weltnaturerbe

Ruedi R. Suter

Das grossartige Selous-Weltnaturerbe der Unesco im Süden Tansanias ist in seiner jetzigen Form als eines der grössten Wildschutzreservate der Welt bald Vergangenheit. Die tansanische Regierung unter John Magufuli trennt im Eilverfahren einen Teil ab und bastelt aus ihm den «Nyerere-Nationalpark».

Überraschen kann das kaum: Im Selous sind Minen-, Holz- und Bauunternehmen schon am Graben, Abholzen und Errichten eines Mega-Damms. Allerdings sehen nicht alle nur schwarz. Gleichzeitig hat heute das Parlament mit der Gründung zweier weiterer Nationalparks deren Zahl auf insgesamt 24 erhöht.

«Innerhalb weniger Tage und ohne nennenswerte Planung hat die Regierung von Tansania entschieden, aus dem bisher über 50’000 Quadratkilometer grossen Selous-Wildreservat 31’000 Quadratkilometer herauszuschneiden. Dieser Teil wird der Nyerere-Nationalpark». Das meldete der deutsche Selous-Spezialist Rolf D. Baldus heute dem Verein der Freunde Serengeti Schweiz (FSS).

Das Parlament habe den Vorschlag einstimmig angenommen. Als Begründung seien ein besserer Schutz der Wildtiere und höhere erwartete Einnahmen durch den Tourismus angegeben worden.

Baldus, der sich seit über 30 Jahren mit dem Selous befasst und sechs Jahre lang im Reservat selbst arbeitete, zeigt sich skeptisch: «Dies könnte eine Bauchlandung werden, da sich der grösste Teil des neuen Nationalparks nur bedingt für Fototourismus eignet.» Dieser habe sich bislang nicht einmal in den attraktiven und seit 20 Jahren jagdfreien Gebieten im Norden des Reservats (Kinjanguru und Matambwe) entwickeln können.

Happige Jagd-Einnahmen für den Wildschutz werden fehlen

Der Selous war bislang ein Wildreservat, dessen Wildbestand sich – neben dem eher bescheidenen Fototourismus – auch dank der Einnahmen aus der Jagd schützen liess.

Ein grosser Teil dieses Geldes werde auch nicht mehr hereinkommen. Denn statt der bislang 40 Jagdblocks wird es laut Rolf Baldus in Zukunft nur noch 10 in den Sektoren Kingupira und Miguruwe im Osten des bisherigen Selous Wildreservats geben.

Ende eines UNESCO-Weltnaturerbes:  Start zum Dammbau im Selous |  © Foto by Ndege

Ende eines UNESCO-Weltnaturerbes: Start zum Dammbau im Selous | © Foto by Ndege

Chancen durch die Parkgründung nicht ausgeschlossen

Optimistischer ist da Markus Borner, der ehemalige Afrika-Verantwortliche für die ebenfalls im Selous engagierte Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF).

Borner, der als Nachfolger von Bernhard Grzimek viele Jahre in Tansania lebte, die nationale Schutzpolitik wesentlich mitprägte und damals bereits einen Plan für die Umwandlung des Selous in einen Nationalpark entwarf, erklärte gegenüber dem FSS: «Ein Nationalpark könnte auch die Chance sein, den Kern des Selous zu erhalten. Wenn der Stausee und die umgebenden Gebiete unter dem Nationalpark-Status geregelt sind, so könnten - nach meiner Ansicht - das Gebiet viel besser kontrolliert und die Langzeit-Schäden des Dammes reduziert werden.»

Ungewisse Zukunft mit vielen Fragen

Der neue, aus dem Selous herausgeschnittene Park wird nach dem «Vater der Nation» benannt – dem früheren Präsidenten Julius Nyerere, soll der nationalen Parkbehörde «Tanzania National Parks» (TANAPA) unterstellt werden.

Von den bislang 22 Nationalparks des Landes erwirtschaften laut Baldus nur gerade drei (Kilimandscharo, Serengeti und Tarangire) Überschüsse. Die anderen schreiben rote Zahlen. Der Nyerere-Nationalpark wird nun zum grössten des Landes.

Ob die Nationalparkbehörde, finanziell und personell chronisch unterdotiert, die neue Belastung stemmen kann, ist Experten zufolge mehr als fragwürdig. Laut Baldus habe hingegen der einst im Selous erwirtschaftete Jagdtourismus «hohe Überschüsse» eingefahren.

Was die tansanische Regierung genau antreibe, sei «undurchsichtig». Der sich im Bau befindliche Mega-Staudamm im Herzen des Selous, der weltweite Proteste auslöste, wurde ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und wirklich abgesicherte Finanzierung gestartet. Mitarbeitende des FSS überflogen Ende August das Baugebiet wie auch Teile der von Soldaten durchgeführten Abholzungen. 1’000 Quadratkilometer sollen insgesamt den Kettensägen zum Opfer fallen – die zurzeit weltweit grösste Waldvernichtung.

Angriff auf den Trockenwald des Weltnaturerbes:  Umgehauene Bäume (bläulich) |  © Foto by Ndege

Angriff auf den Trockenwald des Weltnaturerbes: Umgehauene Bäume (bläulich) | © Foto by Ndege

Rolf Baldus verweist überdies auf «geheime» Planvorhaben der Regierung für den Selous. Dazu gehörten ein teils geteertes Strassennetz sowie mehrere Brücken, beide nutzbar für den Fernverkehr. «Das Gebiet wird damit seinen Wildnischarakter verlieren», prophezeit Baldus.

«Es steht zu befürchten, dass der autokratisch regierende Präsident Magufuli, der die Entwicklung seines Landes durch Grossprojekte beschleunigen will und für Umweltschutz wenig übrig hat, das riesengroße Schutzgebiet verkleinern will, um an die vorhandenen Bodenschätze – Gold, Uran, Diamanten, seltene Erden, Erze – heranzukommen. Für den Selous sind – anders als manche jetzt erhoffen – düstere Zeiten angebrochen.»

Tansania im Nationalpark-Gründungsfieber

Wie inländische Medien am heutigen 11. September 2019 mitteilen, hat Tansanias Parlament zwei weitere Nationalparks aus der Taufe gehoben – den «Kigosi-» (Shinyanga-Tabora-Region) und den «River-Ugalla-Nationalpark» (Zentral-Tansania). Beide Gebiete waren bislang Wildschutzgebiete, die vor allem von Jagdeinnahmen lebten.

Hamis Kigwangallah, der zuständige Minister für Bodenschätze und Tourismus, zeigte sich als Tansanier stolz, derart viele Gebiete als Nationalparks ausweisen zu können. Mit den nun insgesamt 24 Nationalparks gehöre Tansania auf der Skala der Nationalparks definitiv zur Weltspitze.

FSS-Präsident Schläpfer sieht die Nationalpark-Euphorie auch kritisch

FSS-Präsident Adrian Schläpfer anerkennt den Willen der tansanischen Regierung, einen wesentlichen Teil des ostafrikanischen Landes unter Schutz zu stellen. Allerdings ist der ehemalige Schweizer Botschafter in Tansania über das «äusserst rasche Vorgehen» und die ungenügende Prüfung der Umweltverträglichkeit beim Dammbau in der Stieglers-Schlucht des Selous-Weltnaturerbes besorgt.

Schläpfer fragt sich überdies, ob im «Nyerere-Nationalpark» wie auch in den beiden anderen neuen Parks genügend Ranger und Finanzen vorhanden sein werden: «Wir hoffen angesichts der bereits in der Serengeti fehlenden Ressourcen, dass in den neuen und riesigen Schutzgebieten auch das notwendige Geld für den Einsatz zusätzlicher Wildhüter, für ihre Ausrüstung, den Wagenpark und die ganze Infrastruktur zur Verfügung stehen wird. Denn ohne den professionellen Schutz sind die neuen Nationalparks rasch leer gewildert.»

r.s. | rdb | fss

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«Der Tarangire darf nicht sterben!»

Ruedi R. Suter

 Die Vogelperspektive verrät es: Wo der wildreiche und von Siedlungen umzingelte Tarangire-Nationalpark in Nordtansania bedrängt wird, aber auch wie ihm geholfen werden kann. Eine Reportage mit geschichtlichem Rückblick – aus dem Cockpit.

 Von Ruedi Suter – FSS 

Das Flugzeug kippt abrupt in eine steile Schräglage. So, als müsste es einem direkt auf uns zufliegenden Geier ausweichen. Gleich wie es damals der 25-jährige Michael Grzimek über der Serengeti versucht hatte. Vergebens: Sein zebragestreiftes Kleinflugzeug schmierte ab, und der Sohn des berühmten Verhaltensforschers Bernhard Grzimek überlebte nicht.

Das geschah, fast auf den Januartag genau, vor 59 Jahren. Die Dornier Do 27 war mit einem Geier kollidiert. Ironie des Schicksals: Michael starb, weil er wollte, dass die Serengeti überlebt. Er schrieb an einem Buch, dass sein Vater vollenden musste und sich, zusammen mit dem gleichnamigen Film, weltweit zum Weckruf für den Naturschutz in Afrika entwickelte: «Die Serengeti darf nicht sterben».

Cessna Skylane 182Q:  Überflug in der Regenzeit macht möglich, was mit Auto unmöglich wäre |  © RS

Cessna Skylane 182Q: Überflug in der Regenzeit macht möglich, was mit Auto unmöglich wäre | © RS

Unser Pilot muss keinem grossen Vogel ausweichen. Das Abkippen seiner Cessna Skylane 182Q nach rechts hat einen anderen Grund. Jetzt, wo meine rechte Schulter von der Schwerkraft ans Fenster Richtung Erde gezwungen wird, tönt es im Kopfhörer: «Siehst du die Parkgrenze?» Und wie ich sie sehe!

Die kritische Grenze:  Unten der Nationalpark, oben kultiviertes Land |  © Foto RS

Die kritische Grenze: Unten der Nationalpark, oben kultiviertes Land | © Foto RS

Unter uns durchschneidet eine fadengrade Linie die Landschaft. Sie endet am Horizont, und sie löst Unbehagen aus. Denn hier kollidieren zwei Welten: Links die Wildnis mit ihrer Vielfalt an Wildtieren, Wildpflanzen und kaum berührten Landschaften, rechts die Zivilisation mit ihren Siedlungen, Feldern, Strassen, Rinder-, Schafs- und Ziegenherden.

Alex Rechsteiner, FSS-Afrikadelegierter:  «Der Tarangire darf nicht sterben!» |  © Foto RS

Alex Rechsteiner, FSS-Afrikadelegierter: «Der Tarangire darf nicht sterben!» | © Foto RS

Unter Druck der umliegenden Bevölkerungen

Alex Rechsteiner (49), der Pilot, legt die Cessna zurück in die Horizontale und fliegt sie der Linie entlang. Jetzt zeigt sich, wie diese zaunlose Südgrenze des Tarangires durchbrochen ist, wie da und dort im Park Siedlungen und kleine Felder angelegt wurden und wie Hirten ihre Rinderherden unbekümmert weiden lassen. Alles verboten, nichts davon wurde je gestattet.

Wir sind Zeugen des wachsenden Druck der Menschen auf den Tarangire, ähnlichem jenem auf die Serengeti und alle Naturschutzgebiete des Kontinents. Die Nationalparks und Wildschutzgebiete werden angeknabbert, besiedelt, ihre Tiere bejagt, ihre Bäume gefällt, ihre Früchte und der Honig geplündert, wenn die Behörden nicht dauerhaft und energisch durchgreifen.

Eine kostspielige Herkulesaufgabe, schwer zu bewältigen bei der ungezügelten Bevölkerungszunahme, der Wilderei, dem illegalen Wildtierfang aber auch beim Klimawandel mit seinen zerstörenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft sowie dem chronischen Mangel an Geld und Ausrüstungen. Immerhin: Die Magufuli-Regierung beginnt jetzt auch im Tarangire die Gesetze durchzusetzen.

Regenzeit im Tarangire-Nationalpark:  Krasser Gegensatz zur wasserlosen, beigen Trockenzeit |  © Foto RS

Regenzeit im Tarangire-Nationalpark: Krasser Gegensatz zur wasserlosen, beigen Trockenzeit | © Foto RS

37 Würgeschlangen in den Bäumen

Die Cessna dreht ab, nimmt Kurs ins Parkinnere. «Der Tarangire darf nicht sterben» hatte mir Alex Rechsteiner den Flug von Usa River zum Tarangire-Nationalpark in seiner wortkargen Art begründet. Ein mehrdeutiger Satz, der auch über die Familiengeschichte des in Tansania aufgewachsenen Managers und Afrikadelegierten der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) zu verstehen ist.

Denn er und sein Bruder Daniel (51) verbrachten als Kinder zusammen mit den Eltern David (85) und Lilian Rechsteiner (77) ganze Wochen im Busch unter uns. Man erreichte ihn Anfangs der 1970-ger Jahre in mühsamen Schritttempo-Fahrten durch die damals unbesiedelte Massai-Ebene, in der noch zahlreiche Wildtiere lebten – Zebras, Gnus, Giraffen und Gazellen, Büffel, Hyänen und Grosskatzen, Elefanten – und Spitzmaulnashörner. 37 begegneten sie allein an einem Abend nahe des Tarangire-Flusses.

Dank Niederschlägen Grünfutter im Überfluss… Kaffernbüffel im Tarangire |  © Foto RS

Dank Niederschlägen Grünfutter im Überfluss… Kaffernbüffel im Tarangire | © Foto RS

Schweizer gaben die Idee zur Parkgründung

Doch seit Ende der siebziger Jahre durchstreifen keine Rhinos mehr die unter uns vorbeiziehende Savanne. Alle weggewildert. Dabei war «Kifaru», wie das Tier auf Suaheli heisst, der Ursprung dieses 2’850 Quadratkilometer grossen Nationalparks.

Dass es ihn gibt, ist vorab der Initiative der FSS-MitbegründerInnen David und Lilian Rechsteiner zu verdanken. Sie, die im vormaligen Wildreservat viel zu Fuss unterwegs waren, alarmierten Ende der sechziger Jahre die ausufernde Wilderei und das rasche Verschwinden ihres Lieblingstiers, welches später auch das Logo des FSS schmücken sollte.

Ihre Vorstellung: Die Umwandlung des noch wildreichen Reservates in einen besser geschützten Nationalpark. Bernhard Grzimek liess sich von der Idee begeistern. Ebenso dessen Freund Julius Nyerere. Der erste Präsident Tansanias versprach seine Unterstützung – 1970 wurde der Tarangire-Nationalpark aus der Taufe gehoben.

T arangire-Gründung 1970:  Extreme Gegensätze zwischen Trocken- und Regenzeit |  © Foto RS

Tarangire-Gründung 1970: Extreme Gegensätze zwischen Trocken- und Regenzeit | © Foto RS

Kein Durchkommen mit Geländefahrzeugen

Alex Rechsteiner kennt Nordtansania wie sein Cockpit. Kaum ein Gebiet, welches er nicht auch mit dem Geländewagen erkundet hätte. Heute aber wäre ein Durchkommen am Boden unmöglich gewesen. Ungewohnte Regenfälle haben weite Teile unter Wasser gesetzt, haben das sonst knochentrockene Gebiete in bezaubernde Landschaften mit schimmernden Wasseradern verwandelt.

Hier unten wären wir mit dem Wagen schnell im Schlamm versackt! Und wir hätten nie diese kleinen Seen erreicht, welche die Cessna eben überfliegt. Es sind die Dämme von Mkungunero, diese mit Hilfe des FSS ausgebaggerten Senken. Sie retten Tierleben, sie ermöglichen es dem Wild während der Trockenzeit im Park zu bleiben. Denn ausserhalb des Parks, in den unterdessen fast überall besiedelten Gebieten, lauert der Tod – durch Wilderer oder Bauern und Hirten, die ihre Felder und Herden verteidigen.

Strausse auf Augenhöhe : Tarangire-Nationalpark, weites Land mit vielen Wildtierarten |  © Foto RS

Strausse auf Augenhöhe: Tarangire-Nationalpark, weites Land mit vielen Wildtierarten | © Foto RS

Wo können notwendige Wasserstellen angelegt werden?

Im frischen Grün des Busches unter uns sichten wir nur wenige Tiere, doch Rechsteiner schaut eh nach etwas anderem. Er drückt den Flieger Richtung Erde, um die Strömungen der temporären Wasserstrassen besser zu erkennen. «Ich möchte wissen, wo wir für die Trockenzeiten eine weitere Senke ausheben können.» Je mehr Wasserstellen, je besser für die Wildtiere.

Der Afrikadelegierte erinnert mich an seinen Vorgänger, seinen Vater David, mit dem ich vor 30 Jahren erstmals unterwegs war, um in den abgeschiedensten Gebieten der West-Serengeti und des Tarangire nach Lösungen für die Bedürfnisse der WildhüterInnen und Wildtiere zu suchen.

Tarangire, 2’850 Quadratkilometer we it: Letzte Zuflucht für Elefanten |  © Foto RS

Tarangire, 2’850 Quadratkilometer weit: Letzte Zuflucht für Elefanten | © Foto RS

Vorteile des Beobachtens am Himmel oder vom Boden

Das gleiche Engagement, die gleiche Liebe zum Land. Nur die Mittel haben sich etwas geändert: Der Sohn hat sich in seiner Freizeit zum Buschpiloten ausbilden lassen. Die Vogelperspektive hat es ihm angetan: «Du siehst schneller mehr.»

Das stimmt. Es stimmt aber auch, was sein Vater gerne sagte: «Am Boden spürst du mehr.» Alex Rechsteiner kennt beides. Zum Glück für ihn, den FSS und den Tarangire, der als Tierparadies noch lange leben soll.

Titelbild: Alex Rechsteiner bringt das Flugzeug zur besseren Beobachtung in Schräglage | © Foto Ruedi Suter
Erstpublikation dieser Reportage: HABARI , Magazin der Freunde Serengeti Schweiz (FSS)

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Rhinos: Heikle Luftreisen

Ruedi R. Suter

«Sambesi» hat die anstrengende Luftreise nicht überlebt. Wie der Grumeti Fund jetzt mitteilt, ist das Spitzmaulnashorn aus dem Port Lympne-Reservat auf dem Transport vom englischen Kent nach Tansania in den Westkorridor der Serengeti gestorben. Nicht so das Ende letztes Jahr aus dem Zoo Zürich stammende Rhinoweibchen «Olmoti», das heil in Afrika landete.

Weshalb «Sambesi» den Flug nach Ostafrika trotz professioneller Betreuung nicht überlebte, weiss man nicht. Die Todesursache soll nun aber untersucht werden. Der Grumeti Fund hat die von einem erfahrenen Team durchgeführte Aktion zusammen mit der Aspinall Foundation organisiert.

Die Stiftung hat bereits acht Spitzmaulnashörner aus ihren Wildtierparks bei Kent nach Afrika geflogen, um die auf wenige Exemplare zusammengeschrumpften Bestände in der Wildnis zu beleben. 2018 landete der aus dem kalifornischen San Diego Safari-Park eingeflogene «Eric» zur Auswilderung in der westlichen Serengeti.

Rhino-Blutauffrischung ohne «Sambesi»

«Sambesi» hätte im paramilitärisch und mit modernsten Methoden gesicherten Gebiet des Grumeti Fund für Blutauffrischung sorgen sollen. Auch die nördlich vom Grumeti-Fluss gelegene Gegend war einst von zahlreichen Rhinos bevölkert worden, die wie anderswo in Tansania mit Ausnahme von wenigen Exemplaren alle umgebracht worden waren.

Vogelperspektive: Spitzmaulnashorn im Grumeti-Gebiet |  Screenshot from Grumeti Fund

Vogelperspektive: Spitzmaulnashorn im Grumeti-Gebiet | Screenshot from Grumeti Fund

Unterdessen gibt es iim ostafrikanischen Land wieder ein paar kleine Nashorn-Populationen: an drei Orten in der Serengeti, worunter jene vom Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) mit geschützte Gruppe bei den Moru-Kopjes, dann im Ngorongoro-Gebiet und in dem vom FSS ebenfalls unterstützten Gehege des Mkomazi-Nationalparks.

Der Tod von «Sambesi» werde den Wiederaufbau einer genetisch gesunden Nashornpopulation im eigenen Schutzgebiet nicht stoppen, schrieb Stephen Cunliffe, Exekutivdirektor des Grumeti Fund, in einer Medienmitteilung; «Wir dürfen den Mut oder den Blick auf das Gesamtbild und die Vision einer neuen Brutpopulation von frei lebenden Ostafrikanischen Spitzmaulnashörnern in der West-Serengeti nicht verlieren. Wir werden weiterhin eng mit der Aspinall Foundation zusammenzuarbeiten, um die Probleme zu verstehen, die zum frühzeitigen Tod von <Sambesi> beigetragen haben.»


Keine Transportprobleme bei der Zürcherin «Olmoti»

Glücklicher verlief der Transport von «Olmoti», der Spitzmaulnashornkuh, die bis 2015 im Zürcher Zoo lebte. 2014 geboren, wurde Sie zusammen mit der Mutter «Samira» aufgrund des Umbaus des damaligen Afrikahauses zuerst nach England ins Flamingo Land und später in den Zoo von Dvur Králové verlegt.

Im November 2018 wurde «Olmoti» im Rahmen des Europäischen Rhino-Erhaltungszuchtprogramms zusammen mit vier weiteren Ostafrikanischen Spitzmaulnashörnern nach Ruanda in den Akagera-Nationalpark geflogen. Der Transfer der fünf Rhinos wurde als der grösste Nashorntransport aller Zeiten von Europa nach Afrika bejubelt.

Rhino-Flug 3 Grumeti-WEB©GrumetiShot.jpg

Wildtiere werden zunehmend herum transportiert

Auch in Tansania selbst wird das immer mit grossem Stress verbundene Betäuben, Verladen, Transportieren und wieder Auswildern von Wildtieren zunehmend als etwas Normales betrachtet. So erklärte Hamisi Kigwangalla, der Minister für Natürliche Ressourcen und Tourismus, laut «The Citizen» (9. Juni 2019), der kritisierte Transfer von Wildtieren von einem Park in den anderen sei eine wissenschaftlich abgesicherte Methode.

Sie werden überall angewendet: «Wir haben dies schon in der Vergangenheit gemacht, und wir erwarten zehn Rhinos aus dem Ausland, welche eine Blutauffrischung ermöglichen.» Die bisherigen Überführungen seien erfolgreich verlaufen und das Wild gewöhne sich an seine neue Umgebung, versuchte der Minister die Bedenken zu zerstreuen.

Aktuell soll der neu erstellte Burigi-Chato-Nationalpark mit diversen Wildtieren aus anderen Parks belebt werden. Dass die Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden, spielt offensichtlich keine Rolle. Der geplante Transfer wird als Spezialaktion angepriesen: Präsident John Magufuli stammt aus dem Gebiet. fss

Titelbild: Luftaufnahme Rhino | Screenshot von der Website Grumetifonds

Verdammter Selous-Dammbau

Ruedi R. Suter

Vom Ausland aus will man die Zerstörung des Selous-Weltnaturerbes in Tansania durch einen Mega-Staudamm stoppen. Der WWF versucht plötzlich energisch Unternehmen wachzurütteln, Cyber-Aktivisten verlangen via Avaaz-Petition den Stopp der Bauarbeiten.

Und das Komitee für Weltkulturerbe der UNESCO droht, dem tansanischen Wildschutzreservat seinen Welterbe-Status zu entziehen. Weltweit sind 54 ähnliche Schutzgebiete durch industrielle Angriffe bedroht, aber keines ist so gross wie der 52’000 Quadratkilometer weite Selous.

Sie gerät zusehends unter internationalen Druck, die tansanische Regierung von Präsident John «Bulldozer» Magufuli. Grund: Die bereits gestartete Zerstörung des Weltnaturerbes und Wildschutzgebietes Selous durch den Bau eines gigantischen Staudammes im Rufiji-Fluss bei der Stiegler-Schlucht. Die begonnen Vorbereitungen erfordern schon jetzt Infrastrukturen wie Gebäude und Strassen sowie die Abholzung grosser Gebiete in der Umgebung.

Protest im Klartext kommt von der Weltnaturschutzunion IUCN , die auch das UNESCO-Welterbe-Zentrum berät. Gemeinsam wird in einer am 27. Juni publizierten Stellungnahme von der tansanischen Regierung die «sofortige Einstellung des Holzeinschlags und anderer Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Damm-Projekt» gefordert.

Bedrohtes Paradies: Büffel am Rufiji-Fluss |  © Foto by Helen Kimali Markwalder

Bedrohtes Paradies: Büffel am Rufiji-Fluss | © Foto by Helen Kimali Markwalder

Peter Shadie, Leiter des Welterbeprogramms der IUCN, nimmt kein Blatt vor den Mund: «Das Staudammprojekt Stiegler's Gorge ist inakzeptabel. Es würde das Herz aus dem Selous-Reservat reissen, mit katastrophalen Auswirkungen auf die Wildtiere und Lebensräume des Gebietes.»

Das Engagement für den Schutz von Weltnaturerbe-Stätten zum Wohle der zukünftigen Generationen sei «ein kollektives, das weder Tansania noch ein anderes Land ignorieren» könne, stellt Shadie klar.

Deutschland fühlt sich besonders verpflichtet

Starke Bemühungen, das aus Umweltsicht verheerende Bauvorhaben im ältesten Schutzgebiet Afrikas zu stoppen, sind in Deutschland auszumachen. Kein Wunder, konnte der Selous - einmal abgesehen von den Elefantenmassakern Mitte dieses Jahrzehnts – vor allem auch mit deutscher Staats- und Privathilfe über Jahrzehnte mehr oder weniger erfolgreich gegen Wilderei und Grossprojekte geschützt werden.

Gestern nun, so meldet uns der deutsche Selous-Kenner Rolf D. Baldus, hat der WWF Deutschland für 76'600 Euro mit einem ganzseitigen Inserat die Wirtschaft aufgefordert, bei keiner Zerstörung des globalen Welterbes mitzumachen. Laut IUCN sind heute insgesamt 55 Schutzgebiete mit Weltnaturerbe-Status durch industrielle Projekte bedroht.

UNESCO: «Weltnaturerbe in Gefahr»

Zwar geht die Umweltorganisation mit keinem Wort auf den zurzeit besonders stossenden «Fall Selous» ein, den die UNESCO unterdessen als «Weltnaturerbe in Gefahr» einstuft. Hingegen erinnert der WWF in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)» die Unternehmer und Unternehmerinnen mahnend an ihre Verantwortung: «UNESCO-Welterbestätten stehen unter dem Schutz internationaler Abkommen und nationaler Gesetze - trotzdem sind sie durch die Industrialisierung bedroht.»

Appell an die Wirtschaft: WWF-Inserat in der FAZ |

Appell an die Wirtschaft: WWF-Inserat in der FAZ |

Zudem stellt die öfters als zu wirtschaftsfreundlich kritisierte Panda-Organisation eine überraschend kecke Frage: «Leisten Finanzierungsentscheidungen und Versicherungslösungen für Unternehmen und Projekte in Ihren Portfolios dieser Zerstörung zentralen Vorschub?»

Die Antwort wird gleich mitgeliefert: «Prüfen und bereinigen Sie Ihre Portfolios und entwickeln Sie Leitlinien und Vorgaben zur Steuerung zukünftiger Entscheidungen.» Denn Welterbestätten seien «die kostbarsten Schätze der Menschheit» sowie «Lebensgrundlage für Millionen Menschen und Tiere».

Baldus, der als deutscher Entwicklungs- und Naturschutzexperte sechs Jahre im Selous Game Reserve arbeitete und diesen zusammen mit den tansanischen Partnern stabilisierte, begrüsst grundsätzlich die Aktion der Umweltschutzorganisation, meint aber: «Der WWF engagiert sich seit Jahren für den Schutz des Selous – allerdings völlig ergebnislos.» 

Online-Petition: Aavaaz organisiert  Selous-Web-Protest  |  Screenshot

Online-Petition: Aavaaz organisiert Selous-Web-Protest | Screenshot

Tansania baut zurzeit ungerührt weiter an ihrem Projekt, dessen Vollendung und Nutzen Kennern des Landes zufolge in Frage gestellt werden müsse. Die aktuelle Bauphase wird durch ägyptische Banken und die nigerianische UBA-Bank in der Höhe von einer halben Milliarde Euro finanziert.

Gegen den Weiterbau haben jetzt auch die Cyber-Aktivisten der sozialen Bewegung Avaaz («Stimme») mobil gemacht. Ihre Online-Petition «Tanzania: Don't Dam Paradise!» spricht zwar noch von der (bereits überholten) Damm-Planung, will nun aber eine Million Stimmen gegen den Weiterbau sammeln: «Wir können sie nicht das Paradies fluten lassen – unterschreibe jetzt und erzähle es allen!» fss

Hintergrund zum Selous Game Reserve:

Afrikas Schutzgebiete in Gefahr - das Beispiel Welterbe «Selous»
Avaaz-Petition: Tanzania: Don’t Dam Paradise!
VIDEO: Rolf D. Baldus – Der Selous im März 2017

Rodungen drohen im Weltnaturerbe Selous
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«Darum wildere ich Tiere»

David Rechsteiners letzte Safari

Ruedi R. Suter

David Rechsteiner hat seine letzte Safari angetreten. Der Schweizer Artenschützer, Kaffeeproduzent und Tansaniakenner ist am 31. März 2019 kurz nach seiner Rückkehr ins Zürcher Oberland nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren verstorben.

Als treibende Urkraft des Vereins Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) hat er zusammen mit seiner Frau Lilian der Organisation in Tansania nachhaltig Respekt verschafft. Wir erinnern uns an einen aussergewöhnlich vielseitigen Manager, Buschläufer, Tier- und Menschenfreund.

David Rechsteiner war ein Kämpfer. Und er hätte in Afrika schon viele Tode sterben können. Aber das Schicksal war ihm hold. Immer entkam er auf seinen zahllosen Märschen durch die Wildnis Elefanten, Nashörnern, Flusspferden oder Grosskatzen, denen er unbeabsichtigt zu nahe kam. Er überlebte den giftigen Biss einer Puffotter und erwachte wieder aus einem tagelangen Koma.

Schlangen faszinierten ihn besonders, und wenn er den Kopf einer aufgerichteten Python aus dem hohen Gras ragen sah, packte er sie wenn möglich am Hals, um sie näher betrachten zu können. Einmal mussten ihn Ranger aus der Umschlingung einer in der Grösse unterschätzten Würgeschlange herauswinden, natürlich ohne die Schlange zu verletzen.

Er trank das Leben in grossen Zügen und hatte viel Glück auf seinen vielen Reisen durch alle Kontinente, vor allem aber in Afrika. David Rechsteiner überlebte auch Tropenkrankheiten, den Speerstich eines Wilderers in die Flanke, lange Märsche unter sengender Sonne ohne einen Schluck Wasser, weil der Wagen zusammengebrochen war. Viel mehr wissen wir nicht, weil er solche Geschichten nicht von sich aus erzählte. Man musste sie ihm «entwinden». Klar war jedoch, das Blut des Abenteuers pulste in seinen Adern.

Auch Zweifelnder und Suchender

Aber er hatte auch ein grosses Herz. Dies war auf Anhieb nicht immer gleich spürbar. Der Sensible und Vielbegabte hatte sich eine raue Schale zugelegt, seine Sprache war ungeschminkt und klar, die Wortwahl oftmals radikal. Wer ihn näher kennenlernen konnte, der erfuhr einen Mann, dem das Wohl der Mitmenschen und die Liebe zu den Tieren und der Natur ein zentrales Anliegen war.

David Rechsteiner, 2007 |  © Foto by Ruedi Suter

David Rechsteiner, 2007 | © Foto by Ruedi Suter

Auf seinen vielen Buschexpeditionen, bei denen ihn oft auch seine Gattin Lilian Rechsteiner begleitete, nahm er nie eine Waffe mit. Gewalt war ihm zuwider, beschäftigte ihn aber dauernd, besonders abends am Lagerfeuer. Hier wandelte sich der Buschläufer zum Philosophen, zum Fragenden, zum Zweifelnden und nach Antworten Suchenden.

Das Anders-Sein der Afrikaner und Afrikanerinnen faszinierte ihn und bewunderte er, vor allem jenes der letzten Jäger- und Sammlervölker oder der Rindernomaden wie die Massai. Ihnen fühlte er sich irgendwie verwandt.

Fragen nach den Widersprüchen des Seins

Gleichzeitig konnte er, der Macher und Organisator, sich aufregen über den Fatalismus und das Laissez-faire, mit dem sich so viele afrikanischer Menschen durch das Leben bewegen. Das passte nicht zu seinem Temperament. Doch zum Rassisten wurde David Rechsteiner deswegen nie, im Gegensatz zu anderen Europäern. Vielmehr interessierten ihn mit zunehmendem Alter grundlegende Fragen des Menschseins.

«Warum sind wir Menschen nicht fähig, friedlicher zu leben? Warum gehen wir aufeinander los und warum zerstören wir unsere Lebensgrundlagen? Warum sehen wir die Wildtiere als unsere Feinde an?». Fragen dieser Art beschäftigten, nein, plagten David Rechsteiner in besinnlichen Momenten.

Die grösste aller Fragen, was nach dem Tode sei, blieb auch unbeantwortet. «Dave», wie ihn seine Freunde nannten, hat in der Wildnis mit ihrem Fressen und Gefressenwerden oftmals den Tod gesehen. Wildhunde zu beobachten, wenn sie als Rudel ein Gnu bei lebendigem Leib in Stücke reissen und verschlingen, lehrt uns den Gang der Dinge zu akzeptieren. Leben heisst auch töten.

Humor und Geschäftssinn

Aber wo «Dave» ein Tier in Not sah, da griff er gezielt auch ein. Keine Frage beim Loslösen eine Zebras aus einer Drahtschlinge, keine Frage beim Herausziehen eines jungen Elefanten oder Gnus aus einem Sumpf. Da spielte er selbst Schicksal.

Es gab aber auch noch den «anderen» David Rechsteiner. Beispielsweise den von den Tansaniern respektierten «Mzee», den Alten, der einerseits streng war, andererseits mit seinem Humor und seinen Sprüchen regelmässig für schallendes Gelächter sorgte.

Und schliesslich galt der Schweizer aus dem Zürcher Oberland in Tansania als einer der erfolgreichsten Kaffeefarmer. Jahrzehnte führte er die grösste Kaffeefarm des Landes, die Burka nahe der nordtansanischen Stadt Arusha. Er baute aber auch selbst Farmen auf.

Vom Gärtner zum Farmbesitzer und Naturschützer

Als mittelloser Gärtner aus dem Zürcher Oberland war er vor 60 Jahren nach Arusha gekommen, um im Laufe der Jahrzehnte und trotz Rückschlägen wie die Verstaatlichung seiner kleinen Farm am Kilimanjaro zu einem erfolgreichen Unternehmer und engagierten Tier- und Naturschützer zu werden. 

Dies in Teamarbeit mit seiner schweizerischen Gattin Lilian, die nicht zuletzt auch daheim, in der mit einem Tiergarten belebten Kaffeefarm Valhalla am Fuss des Berges Mount Meru in Usa River, zum Rechten sah.

Dem Ehepaar ist unter anderem die Initiative zur Umwandlung des tierreichen Tarangire-Gebietes in einen der schönsten Nationalparks Ostafrikas zu verdanken. Ihre beiden in Ostafrika aufgewachsenen Söhne Alex und Daniel engagieren sich unterdessen ebenfalls für die Bewahrung der tansanischen Fauna und Flora – Alex als Afrikadelegierter der Organisation Freunde der Serengeti Schweiz (FSS).

Zentrale Mitbegründer des FSS anno 1984

David und Lilian Rechsteiner sind Mitbegründer des 1984 ins Leben gerufenen Vereins Freunde der Serengeti Schweiz (FSS). Sie haben via die Wildschutzorganisation einen beachtlichen Teil ihres Vermögens in die Bewahrung und Rettung von Naturschutzgebieten wie die des Serengeti-Westkorridors, des Tarangire-Nationalparks, des Arusha-Nationalparks und des Mkomazi-Nationalparks investiert.

Dem Paar kam seine natürliche und humorvolle Art im Umgang mit den Afrikanerinnen und Afrikanern zugute. Mit unzähligen Fahrten in den Busch und regelmässigen Besuchen und Gesprächen haben sie auch die Bedürfnisse der Wildhüter und ihrer Familien in Erfahrung gebracht und damit gezielte und sinnvolle Hilfe leisten können. David Rechsteiner motivierte die Ranger auf den abgelegenen Aussenposten, indem er ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand, sie auf Patrouillen begleitete und ihnen mit Geschenken unter die Arme griff. 

Mit Rangern Wilderer gestellt

Während den Überwachungsfahrten durch den Busch wurden auch schon mal Wildfrevler gestellt. Dies kostete dem zähen Schweizer einmal fast das Leben, nachdem ihm ein Wilderer durch das Wagenfenster den Speer in die Seite gerammt hatte. Fleischwilderer waren für ihn nicht einfach Verbrecher. Immer wieder verwies er auf die mögliche Not hungernder Dorfbewohnern an den Rändern der Schutzgebiete.

Bei der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA, der Rechsteiner Land für ihr neues Hauptquartier schenkte und ohne deren Einwilligung er als Privatperson oder FSS-Afrikadelegierter in den Schutzgebieten nichts unternahm, genoss der Verstorbene trotz oder gerade wegen seiner zuweilen unbequemen Geradlinigkeit und langjährigen Erfahrung grossen Respekt.

Doch trotz aller Afrika-Faszination: das Ehepaar Rechsteiner, Eltern der Söhne Daniel und Alex, hatten den Kontakt zur Schweiz nie abgebrochen. Es betrieb lange Zeit im Zürcher Oberland eine Apfelplantage. 

Arbeiten, reisen und lesen

Überdies waren die beiden leidenschaftliche Weltenbummler, deren Reisen nach Asien und Lateinamerika führen oder sie mit dem Geländewagen die Einsamkeit der Sahara oder den Süden Afrikas entdecken lassen. Aber auch gedanklich war man unterwegs. Was sich in der Schweiz und in der Welt abspielte, wurde vorab mit Zeitungen und Magazinen, später auch am Fernseher wahrgenommen. David las gerne, seine Frau Lilian liest immer noch gerne und viel.

Bei seinen letzten Besuchen auf der «Valhalla»-Farm in Usa River bei Arusha suchte «Mzee» Rechsteiner immer wieder den Blickkontakt zum alten Krokodil, dem letzten Wildtier eines einst bunten Privatzoos. Zwischen den beiden schien ein lautloses Zwiegespräch stattzufinden.

Die letzten Jahre

David Rechsteiners letzten Jahre waren von einem dauernden Kampf um die Gesundheit geprägt. Die jahrelange Sonnenbelastung führte zu heimtückischen Hautkrebsen. Und er, der stets mit einem ausgezeichneten Gedächtnis verblüffte, konnte sich am Schluss kaum mehr erinnern, was in seinem bewegten Leben war.

Lilian Rechsteiner half ihm in bewundernswerter Weise bis zur letzten Minute. Am 31. März 2019 hat nun «Dave», der Kämpfer, in Bubikon seine letzte für uns wahrnehmbare Reise angetreten. Ruedi Suter


Eine persönliche Erinnerung

Der nachdenkliche Buschläufer

Etwas Sinnloseres schien es nicht zu geben – so, wie der Mann mit dem abgeschnittenen Busch auf die überall züngelnden Flammen eindrosch. Die abgelegene Ebene stand in Flammen, überall frass sich das Buschfeuer durch das strohgelbe Gras einer viel zu dürren Serengeti, eine qualmende, tiefschwarz verkohlte Landschaft hinter sich lassend.

Und dieser Wahnsinnige versuchte mit wuchtigen Schlägen das Feuer wenigstens dort auszulöschen, wo er gerade stand, weil in seinem Rücken eine unsichtbare Welt hilfloser Insekten, Schildkröten, Vogelnester und Kleintiere elendiglich zu verbrennen drohte. «Schau nicht einfach zu! Hol einen Ast und hilf mit !», keuchte mir der Verschwitzte zu, und bald drosch auch ich ebenfalls auf das Gezüngel ein.

Tatsächlich schafften wir es, einen breiten Streifen zu löschen. Wenigstens hier würde sich das Feuer nicht mehr weiter fressen, wenigstens hier schien die Katastrophe verzögert, vielleicht ja sogar ganz verhindert worden zu sein.

Nachts jeweils, nach den Patrouillenfahrten mit den Rangern, dem Aufspüren und Verhaften von Wilderern, dem Leeren ihrer randvoll mit Fleisch gefüllten Verstecke, dem Loslösen von den in Schlingen verhedderten Tieren, oder nach der Bestandesaufnahme zu reparierender Fahrzeuge, Furten und Häuser und nach dem Befragen der Wildhüter über ihre aktuellen Bedürfnisse, diskutierten wir über das knisternde Lagerfeuer hinweg den Sinn unseres Engagements.

Ein intensiver Gedankenaustausch, nur unterbrochen von den Stimmen der Löwen, Hyänen, Buschbabys oder der im nahen Grumeti-Fluss lärmenden Flusspferde. Das war zu Beginn der neunziger Jahres des letzten Jahrhunderts. Es gab es noch keine Schnellstrassen in die Serengeti, noch keinen Massentourismus, noch keine Mobiltelefone, die das Konzert der tierischen Nachtstimmen störte. Und jede Reise hatte noch den Charakter einer gut vorzubereitenden Expedition.

David Rechsteiner, der in der Serengeti aufgrund seines langjährigen Engagements Sonderrechte genoss, lernte mir zusammen mit den Rangern das Gehen in der tierreichen Wildnis. Anstelle der von Furcht geprägten Fantasien plötzlich angreifenden Büffel, Elefanten oder Löwen traten Respekt sowie angstfreie Aufmerksamkeit.

Und ich lernte hinter der rauen Schale meines Afrika-Lehrers einen sensiblen, belesenen und selbstkritischen Menschen kennen.

Ihn beelendete die Not armer Völker und die globale Zerstörung der Tier- und Pflanzenwelt. Vor allem bedrückte ihn aber, dass er selbst immer auch aktiver Teil dieser Zerstörung war – als Konsument, als Reisender, als Berufsmann. 

Unweigerlich landeten wir bei der Sinnfrage: «Können wir überhaupt etwas ausrichten? Sind nicht alle Anstrengungen letzten Endes sinnlos?» Klar, dass da auch die Aktivitäten der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) angesprochen wurden. Wir trösteten uns mit der Feststellung, dass alles, was wir tun, eine Wirkung haben müsse. Und sei es auch nur eine aufschiebende.

Denn hätten sich Bernhard Grzimek und Julius Nyerere oder später Organisationen wie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt oder der FSS und viele engagierte EinzelkämpferInnen nicht für das Wildparadies Serengeti eingesetzt, gäbe es dieses heute kaum mehr.

Sollte also unser Leben einen Sinn haben, so können wir alle auf unsere Weise mit Arbeit, mit Vernetzung, mit Ideen oder mit Geld etwas bewirken. Wie beispielsweise das Ehepaar Rechsteiner. Weil es nichts anbrennen und nichts abbrennen liess – so lange die Wahrscheinlichkeit bestand, wenigstens ein Stückchen ihrer lieb gewonnenen Welt vor dem Verschwinden zu bewahren. Ruedi Suter

Titelbild: David Rechsteiner | © Foto by Ruedi Suter

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Das Interview mit dem Ehepaar Rechsteiner: Weisser Rassismus – «Die Schwarzen sind faule Kerle»

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Tansania prunkt jetzt neu mit 22 Nationalparks

Ruedi R. Suter

Tansania hat neuerdings 22 Nationalparks – fünf mehr als 2018. Der Umwandlung von fünf Wildschutzgebieten zu Nationalparks hat das tansanische  Parlament am 9. Februar zugestimmt.  Doch bei Naturschützenden hält sich die Freude in Grenzen.

Dodoma, 10. Februar 2019 – Ein «weiterer Meilenstein» sei gesetzt im Zusammenhang mit den grossen Schutzanstrengungen des ostafrikanischen Landes, freute sich Job Ndugai, Sprecher der Nationalversammlung, gemäss Medienberichten am 9. Februar in der Landeshauptstadt Dodoma. 

Zuvor waren die neuen Nationalparks so genannte Game Reserves, in denen auch gejagt werden konnte und die allgemein einen geringeren Schutzstatus haben als Nationalparks. Von einem «Upgrade» profitieren die fünf Gebiete Rumanyika, Biharamuro, Burigi, Kimisi, und Ibanda.

Wie alle Parks unterstehen auch sie von nun an der Tanzania National Parks Authority (Tanapa). Diese Behörde ist auch für berühmte Parks wie Serengeti, Kilimanjaro, Tarangire oder Ruaha verantwortlich. 

Hier der Schutz, dort die Zerstörung

Tansania galt in Afrika in Sachen Naturschutz  und mit seinen grossen Schutzgebieten lange Zeit als vorbildlich. Erheblichen Schaden erlitt der gute Ruf durch die anhaltenden Massaker zehntausender von Elefanten im südlichen Selous Game Reserve. Sie seien nur möglich gewesen, weil unter den letzten Präsidenten Kikwete  selbst hohe Politiker und Beamte die Hände mit im Spiel gehabt hätten, meinen Kenner des Landes.  

Unterdessen hat sich die Situation etwas beruhigt, doch sieht sich das Weltnaturerbe Selous heute von anderer Seite bedroht. Die Regierung von John Magufuli ist zum Entsetzen der UNESCO daran, einen Staudamm zu bauen und  das Abholzen von Wäldern und den Abbau von Uran im Schutzgebiet zu fördern.

In diesem Kontext wirft die Schaffung neuer Nationalparks zum jetzigen Zeitpunkt eher Fragen auf als dass sie zu grosser Freude Anlass gäbe. fss

Titelbild: Brauchen dringend Schutz: Löwin | © Foto by Hans Trüb

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Übervölkerung: Schutzgebiete Tansanias in Frage gestellt

Ruedi R. Suter

Eine für Tansania und die Welt folgenschwere Entscheidung hat Staatspräsident John Magufuli getroffen: Der Status der Schutzgebiete und ihre Existenzberechtigung sollen überprüft werden, um der schnell wachsenden Bevölkerung und ihren Rinderherden mehr Lebensraum zu schaffen. Für Tierwelt und Tourismus ein denkbar schlechtes Omen, meint auch unser Kommentar.

Die vielen Schutzgebiete Tansanias geraten weiter unter Druck. Staatspräsident John Magufuli hat bei einem Ministertreffen von gestern Dienstag in Dar es Salaam den sofortigen Stopp der Vertreibung illegaler Siedler in Naturschutzgebieten angeordnet. Überdies gab er neue Richtlinien bekannt. Diese sollen dem schnellen Bevölkerungswachstum entgegenkommen – das zu Lasten der Schutzgebiete.

So sollen Nationalparks und Wildreservate jetzt genau unter die Lupe genommen werden, so melden heute tansanische Medien. Dort, wo «keine Wildtiere» mehr zu sehen seien, soll der Boden landlosen Bauern und Hirten zur Verfügung gestellt werden.

«Ich bin nicht glücklich»: John Magufuli gibt seine Anweisungen |  © Screenshot von «The Guardian»

«Ich bin nicht glücklich»: John Magufuli gibt seine Anweisungen | © Screenshot von «The Guardian»

«Ich bin nicht glücklich darüber, dass Viehzüchter überall abgelehnt werden» zitiert «The Guardian» John Magufuli im Zusammenhang mit dem Vertreiben der Rinderherden aus den Schutzzonen. «Gibt es ein Naturschutzgebiet, das nicht genutzt wird, werden wir das Gesetz ändern und es an Viehzüchter und Bauern verteilen.»

Dasselbe gelte für Waldschutzgebiete mit fruchtbarem Boden und ohne nennenswerten Baumbestand, die Landwirten für den Anbau von Pflanzen übergeben werden sollen. Zu prüfen sei überdies der womöglich übertriebene Schutz der Wasserquellen. Der an den Flüssen lebenden Bevölkerung solle so das Leben erleichtert werden.

Die neuen Vorgaben aus Dar es Salaam lassen Alex Rechsteiner, Afrikadelegierter der Nichtregierungsorganisation «Freunde der Serengeti Schweiz (FSS)», Schlimmes befürchten: «Das ist vor allem für einige der abgelegenen Schutzgebiete der Anfang vom Ende.»

«Weises» Vorgehen gefordert

Das Ministerium für Naturressourcen und Tourismus wurde angewiesen, bei der Überprüfung der Schutzgebiete «weise» vorzugehen – und die weniger wichtigen Zonen den Menschen zur Nutzung zu überlassen. Gestoppt ist nun auch der Rauswurf von 366 Dörfern, die sich illegal in Schutzgebieten breit gemacht haben. Innert eines Monats soll dem Parlament eine neue Beurteilung unterbreitet werden.

Staatsoberhaupt Magufuli begründete die ins Auge gefassten Änderungen im Beisein von Hamisi Kigwangalla, dem Minister für Naturressourcen und Tourismus, von Generalsekretär John Kijazi, Abdallah Ulega, stellvertretender Minister für Vieh und Fischerei, Dorothy Mwanyika, Staatssekretär im Ministerium für Land, Wohnen und Siedlungen sowie weiteren hohen Beamten.

Futterkonkurrenz der Wildtiere: 10 Millionen Rinder |  © Foto by Gian Schachenmann

Futterkonkurrenz der Wildtiere: 10 Millionen Rinder | © Foto by Gian Schachenmann

Mehr Menschen, mehr Rinder brauchen mehr Land

John Magufuli, der sich kürzlich entschieden gegen die Schwangerschaftsverhütung ausgesprochen hat, verteidigte sein Vorgehen mit dem Argument, die Zahl der Menschen und Tiere in Tansania sei massiv angestiegen.

Tatsächlich bevölkerten 1961 beim Erreichen der Unabhängigkeit etwa 9 Millionen Menschen und 10 Millionen Rinder das Land. Heute sind es über 55 Millionen Menschen und 35 Millionen Rinder – und Tansania hat mit rund fünf Kindern pro Frau eine der höchsten Geburtenraten der Welt.

Doch dem starken Bevölkerungswachstum werden keine Grenzen gesetzt. Im Gegenteil, der Präsident verteufelt die Geburtenkontrolle. Den Bürgern und Bürgerinnen, von denen schätzungsweise die Hälfte unter der Armutsgrenze leben, befahl er letzten September 2018, jeder Empfängnisverhütung zu entsagen. fss

Kommentar

Weniger Naturschutz, mehr «Entwicklung»

Das neue Vorgehen des Präsidenten ist noch schwer zu beurteilen. Denn in jüngster Vergangenheit ging die Regierung noch mit harter Hand gegen illegale Siedler und Rinderherden in Nationalparks wie die Serengeti vor.

Dörfer innerhalb der Parkgrenzen wurden abgefackelt, Rinderherden konfisziert, Strafen verhängt. In Schutzgebieten wie Moyowosi, Kigose und Makere sollen sich überdies «Ausländer» niedergelassen haben, die jetzt zu weichen haben.

Präsident Magufulis Regierungsstil wird unterdessen oft als widersprüchlich, autokratisch und radikal kritisiert – zu wenig durchdacht und auf die Schnelle nicht umsetzbar, auch wenn vieles gut gemeint und sinnvoll sei.

Verwundert nimmt man etwa zur Kenntnis, dass die Regierung eben gerade die Schaffung des 26 Quadratkilometer grossen Magombera-Waldschutzgebiets im Kilombero-Distrikt beim Selous-Weltnaturerbe umgesetzt hat. Seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhundert wurde versucht, diesen artenreichen Wald zu schützen.

Magufuli wirkt widersprüchlich, bekannte er sich doch auch zur einheimischen Fauna: «Wir sind auch auf die Wildtiere angewiesen. Ich meine auch nicht, dass wir alle Nationalparks unseres Landes neu definieren sollen. Wir müssen die aktiven Schutzgebiete erhalten.»

Über einen fatalen Trend mag dies aber nicht hinwegzutäuschen: Das Staatsoberhaupt mit dem Übernahmen «Bulldozer» will den Naturschutz zurückbinden. Er legt sein Hauptgewicht auf die schnelle Wirtschaftsentwicklung des Landes – bislang ein globaler Champion im Naturschutz, weil fast ein Drittel seiner Fläche unter Schutz steht.

Diese zumeist rohstoffreichen Naturreserven sind jedoch längst schon im Visier internationaler Konzerne, zunehmend chinesischer Herkunft. Das scheint Magufuli als ehemaliger Bauminister mehr zu faszinieren als die Zukunftssicherung des für das Land bislang lebenswichtigen Tourismus, der ohne Fauna einbrechen wird.

Wie es weitergehen könnte, zeigt das älteste Wildschutzreservat Afrikas – der Selous. Ungeachtet weltweiter Proteste ist die Regierung entschlossen, in diesem Unesco-Weltnaturerbe Uran abzubauen, Wälder abzuholzen und einen gigantischen Staudamm hochzuziehen ­– mit unabsehbaren Folgen für die Wildtiere und das Ökosystem.

Die Zeiten des breitflächigen Naturschutzes in Tansania scheinen gezählt – vor allem nach den neusten Ankündigungen seines populistischen Präsidenten, dem weiteres Bevölkerungswachstum und Industrialisierung am Herzen liegen. Es ist auch ein fatales Signal an andere afrikanische Staaten, die mit der Öffnung ihrer letzten Schutzgebiete schnelles Geld machen wollen. Verlierer wird – einmal mehr – die Artenvielfalt mit ihren Tieren und Pflanzen sein. rs

Titelbild: Flamingos über Tansania |  © Foto by Gian Schachenmann

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Afrikas Schutzgebiete in Gefahr – das Beispiel Weltnaturerbe Selous

Afrikas Schutzgebiete in Gefahr - das Beispiel Welterbe «Selous»

Ruedi R. Suter

Afrikas Weltnaturerbe und ältestem Naturschutzgebiet drohen Industrialisierung und die Vernichtung seines Wildbestandes und der Naturschönheiten. Im tansanischen Selous-Schutzgebiet haben sich Minenkonzerne bereits eingenistet, nun droht ein sinnloser Staudamm.

Wie anderswo auch will die Regierung mehr Industrialisierung und weniger Naturschutz. Was beispielhaft alles auf dem Spiel steht und wie alles kam und enden könnte, darüber berichtet hier Rolf D. Baldus. Der deutsche Entwicklungs- und Naturschutzexperte arbeitete jahrelang im Selous Game Reserve.

Von Rolf D. Baldus*

Das älteste und grösste unbewohnte Naturschutzgebiet Afrikas liegt in Tansania: Das Selous Game Reserve mit einer Fläche von über 50'000 Quadratkilometern. Aufgrund seiner globalen Bedeutung wurde es 1982 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Doch das Schutzgebiet wurde schlecht verwaltet, die Wilderei explodierte – allein der Bestand von über 100'000 Elefanten wurde auf weniger als 30'000 (1989) Tiere dezimiert.

Gewilderter Elefant anno 2014: Die Knochen blieben zurück, nicht aber die Stosszähne |  © Foto by Rolf D. Baldus

Gewilderter Elefant anno 2014: Die Knochen blieben zurück, nicht aber die Stosszähne | © Foto by Rolf D. Baldus

Dann kam der Wendepunkt: 1988 wurde das Selous Conservation Program (SCP) aus der Taufe gehoben. Das bis 2003 dauernde deutsch-tansanische Entwicklungsprojekt stoppte die Wilderei. Die Elefantenpopulation erholte sich wieder auf über 70'000 Elefanten (2003). Gleichzeitig konnten mehrere umweltschädliche Grossprojekte blockiert werden.

Früher war das Wildreservat völlig abhängig von den viel zu knappen Mitteln aus dem Gesamthaushalt der tansanischen Regierung, aber die SCP führte ein neues System ein, worauf 50 Prozent des Geldes aus dem Reservat behalten wurden. Bemerkenswert: 90 Prozent dieser Einnahmen stammten aus nachhaltiger Safari-Jagd, die sicherstellte, dass zuverlässige Schutzpraktiken umgesetzt werden konnten.

Krimineller Angriff auf das Schutzgebiet

Als die deutsche Unterstützung im Wildschutz Ende 2005 auslief, reduzierte der Direktor der Ministerialbehörde die Summe dieses Rücklagesystems sofort von jährlich drei Millionen US-Dollar auf gerade noch eine halbe Million. Wie zwei Dekaden zuvor brach die Parkverwaltung zusammen. Die Anstrengungen zur Verhütung der Wilderei wurden stark reduziert, das Abschlachten der Elefanten liess nicht auf sich warten. Im Nachhinein kann man nur zu einem Schluss kommen: Bei der ganzen Angelegenheit handelte es sich um einen gut vorbereiteten und kriminellen Angriff auf das Schutzgebiet.

Nach offiziellen Angaben wurden mehr als 60'000 Elefanten getötet.

Das Elfenbein wurde über Sansibar, Pemba (Mosambik) und andere Inseln oder auf dem Luftweg durch chinesische Kartelle nach Südostasien und insbesondere nach China geschmuggelt – alles in Zusammenarbeit mit korrupten Beamten. Mehr als 100 Millionen US-Dollar wechselten den Besitzer. Die Wertschöpfungskette begann im afrikanischen Busch und endete in den asiatischen Märkten.

Das Geschäft lohnte sich für alle Beteiligten. Beschlagnahmungen in aller Welt zeigten, dass über Jahre hinweg nirgendwo sonst so viele Savannen-Elefanten umgebracht wurden wie im Selous-Niassa-Ökosystem. Eine Luft-Elefantenzählung im Jahr 2013 zeigte, dass nur etwa 13'000 der Dickhäuter im Selous-Ökosystem überlebt hatten.

«Weltkulturerbe in Gefahr»

Die UNESCO erklärte das Naturschutzgebiet nicht nur der Wilderei wegen zum Welterbe «in Gefahr». Sie wollte auch den geplanten Bergbauvorhaben sowie anderen Grossprojekten einen Riegel vorschieben. Ein Gebiet von 300 Quadratkilometern wurde im Südwesten des Reservats für ein russisches Uranmine-Unternehmen abgetrennt. Es will mit Wasser und einem besonders umweltschädlichen Bleichverfahren die uranhaltigen Stoffe aus dem Gestein herauslösen. Doch der Verfall der Uranpreise auf dem Weltmarkt hat dieses Projekt verzögert.

Es wurden aber andere Konzessionen für die Prospektion im Reservat vergeben. Bergbau steht jedoch im Widerspruch zur UNESCO-Welterbekonvention, die Tansania unterschrieben hat. Als die Weltkulturerbekommission der UNESCO grünes Licht für die Uranmine gab, geschah dies mit dem Verständnis, dass Tansania keine weiteren Grossprojekte ohne die Zustimmung der UNESCO auf den Weg bringen werde.

Die Ergebnisse der Elefantenzählung 2013 waren ein Weckruf. Die tansanische Regierung gelobte, die Wilderei zu bekämpfen, und das System der Selbstfinanzierung aus 50 Prozent der Einnahmen des Schutzgebietes wurde wieder eingeführt. Benson Kibonde, Manager im Ruhestand, wurde zurückgeholt, um an seine bemerkenswerten Erfolge als Reservatsverwalter anzuschliessen.

Überdies wurde auf Wunsch des Reservats vom Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) ein Sofortprogramm initiiert, unterstützt von der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Es stellte etwa 400'000 Euro als Nothilfe zur Verfügung, hauptsächlich in Form von Ausrüstung. Die Wilderei sank – 2015 war die Elefantenpopulation zumindest wieder stabilisiert.

Neues tansanisch-deutsches Kooperationsprojekt im Selous

Auf Antrag der tansanischen Regierung brachte Deutschland 2013 über die Deutsche Entwicklungsbank (KfW) eine neues Hilfsprogramm in Höhe von 18 Millionen Euro für den Selous auf den Weg. In Richtung und Ansatz orientierte es sich am Vorläuferprojekt «Selous Conservation Program» (1988 – 2003). Die seit geraumer Zeit im Selous bereits engagierte Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) sowie der World Wildlife Fund (WWF) sollten bestimmte Projektkomponenten übernehmen. Dieses Projekt wird jetzt - nach längerer Verzögerung - umgesetzt.

In Deutschland gibt es hochrangige Beamte und Politiker über die Parteigrenzen hinweg, welche die Naturschutzbemühungen in Tansania engagiert unterstützen, insbesondere in der Serengeti und im Selous. Das KfW-Instrumentarium ist für Naturschutzprojekte nicht wirklich geeignet und gestaltet sich extrem langwierig.

Das Selous Game Reserve: Links die Sektoren, rechts der geplante Staudamm |  © Karten zVg

Das Selous Game Reserve: Links die Sektoren, rechts der geplante Staudamm | © Karten zVg

Gleichzeitig sind viele der Verzögerungen bei der Projektvorbereitung auf die tansanische Regierung zurückzuführen. Dabei stellte sich die Frage: sind die staatlichen Behörden überhaupt noch daran interessiert, den Selous zu rehabilitieren? Heute kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, die Regierung gebe ihr langjähriges Engagement für den Naturschutz auf. Dennoch bleiben Tierwelt und Tourismus eine der wichtigsten Branchen und Devisenquellen des Landes.

Kein Gehör mehr für den Umweltschutz

Präsident John Magufuli, ein zunehmend autokratischer herrschender Populist, verfolgt immer mehr eine Politik, die an Nyereres afrikanischen Sozialismus erinnert. Mit starker Hand versucht er, Ordnung in seinem von Korruptionsskandalen erschütterten Land zu schaffen. Ob er erfolgreich sein wird, bleibt fraglich.

Der Wildtier-Tourismus, bislang der zweitwichtigste Wirtschaftssektor des Landes, verliert an politischer Priorität. Denn Magufuli träumt von einer staatlich kontrollierten Industrialisierung. Unter Nyerere ist die gleiche politische Vision kläglich gescheitert.

Ohne Rücksicht auf Umweltbelange hat Präsident Magufuli Pläne für den Bau einer Strasse in der Mitte des Selous (von Ilonga nach Liwale) im Wahlkampf zugesagt. Die grösste Bedrohung für die Selous ist jedoch die Entscheidung, einen Megadamm (2'100 Megawatt) im Herzen des Reservats an der Stiegler's Gorge zu bauen. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist unklar, die Finanzierung nicht gesichert. Die ökologischen Folgen werden jedenfalls verheerend sein.

Die Stiegler-Schlucht – Begierdeobjekt seit 1982

Tansanias mächtigster Fluss, der Rufiji, durchschneidet den nördlichen Teil des Selous Game Reserve und bildet die südliche Grenze des für Fototourismus reservierten Gebiets. Südlich des Flusses wird das Reservat für einen nachhaltigen Jagdtourismus genutzt, der in der Vergangenheit mit Abstand der grösste Einkommensbringer des Reservats war. Bei Stiegler's Gorge fliesst der riesige Fluss durch eine enge Schlucht.

Um 1900 wurde das Gebiet bereits von der Kolonialregierung unter Schutz gestellt. Die Deutschen planten eine Strasse und prüften offenbar eine Flussüberquerung. Ein Schweizer Ingenieur namens Stiegler vermass 1907 das Land. Seine Gewohnheit, in der Freizeit Elefanten zu jagen, sollte ihm zum Verhängnis werden. Er verwundete einen Elefanten und folgte ihm. Plötzlich stürzte sich das Tier auf ihn und seinen Gewehrträger. Der ergriff die Flucht, leider mitsamt dem Gewehr – das war das Ende des armen Stiegler.

Der gigantische Fehltritt Norwegens

Kurz nach der Unabhängigkeit Tansanias war Norwegen, wie viele westlichen Geber von Entwicklungshilfe, den verführerischen Schriften und gewinnenden Worten von Präsident Nyerere auf den Leim gegangen. Trotz seiner Politik der «Eigenständigkeit» als offizielle Entwicklungsstrategie nahm Tansania diese Hilfe gerne an – und wurde zu einem der wichtigsten Hilfsempfänger in Afrika.

Eines der vielen norwegischen Projekte war die Vorbereitung eines gigantischen Staudamms in der Stiegler's Gorge. Die Norwegische Entwicklungsagentur (NORAD) gab in den 1970er-Jahren bis 1983 über 24 Millionen US-Dollar für die Vorbereitung des Projekts aus. Die Idee war, einen Staudamm von maximaler Grösse zu bauen, welcher ausschliesslich der Stromerzeugung dienen sollte.

Noch unberührt: Rufiji-Fluss unterhalb des geplanten Damms |  © Foto by Rolf D. Baldus

Noch unberührt: Rufiji-Fluss unterhalb des geplanten Damms | © Foto by Rolf D. Baldus

Bald stellte sich heraus, dass die enormen Kosten von zwei Milliarden US-Dollar Tansania für viele Jahrzehnte verschulden würden. Zudem wurde festgestellt, dass ein so mächtiger Damm nicht wirtschaftlich sein würde. Zwischen 1979 und 1982 wurden 27 grosse Studien durchgeführt, und es wurden viele weitere schwerwiegende negative und weitreichende Folgen festgestellt.

Der Damm und seine verheerenden Folgen

  • Hohe Sedimentation, was zu einer kurzen Lebensdauer führt

  • Seismische Störungen mit schwerwiegenden Folgen für den Damm und das stromabwärts gelegene Land

  • Übermässige Erosion stromabwärts

  • Das Rufiji-Delta, eines der fruchtbarsten landwirtschaftlichen Gebiete des Landes, würde nicht mehr auf natürliche Weise geflutet und gedüngt werden

  • Zerstörung von Mangroven mit entsprechenden Folgen für die Fisch- und Garnelenbestände und starke Reduzierung von Fischerei, Holzschlag usw. für die lokale Bevölkerung

  • Versalzung landwirtschaftlicher Flächen

  • Nur eine ganz spezielle Konstruktion des Damms konnte den von Zeit zu Zeit auftretenden grossen Überschwemmungen gerecht werden

  • Einführung von nicht einheimischen Schwimmpflanzen

  • Komplexe drastische und irreversible Auswirkungen auf die Vegetation und die Tierwelt im Schutzgebiet

  • Infrastrukturentwicklung, Bevölkerungszustrom und Wilderei würden das Schutzgebiet gefährden.

Bald wuchs der Widerstand der Wissenschaftler an der Universität von Dar es Salaam. Selbst die Mitarbeitenden von NORAD äusserten zunehmend Kritik, welche vorab auf die sozioökonomischen und ökologischen Auswirkungen des Damms abzielte.

Seit 1982 Weltnaturerbe, Weltbank verweigert Mitfinanzierung

Ihre Bedenken konzentrierten sich auf Gesundheitsprobleme, unzureichenden Strombedarf des Landes, fehlende Wirtschaftlichkeit und technische Probleme des Baus und des Betriebs des Staudamms, die Tansania überfordern könnten. Die Weltbank weigerte sich gar, das Projekt mitzufinanzieren.

Es wird berichtet, dass Kritiker des Projekts marginalisiert wurden und dass ihnen der Zugang zum Projektgelände und zu den vorhandenen Studien und Plänen untersagt wurde. Dies bezog sich sogar auf offizielle tansanische Forschungseinrichtungen. Immer mehr wurde davor gewarnt, dass der Damm nach seiner Fertigstellung zu einer nationalen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Katastrophe führen würde.

1988 erklärte NORAD selbst, dass der Damm bei einer Realisierung zu einem wirtschaftlichen Desaster geworden wäre. Schliesslich wurde das Projekt um 1983 fallengelassen, die Arbeiter und Ingenieure gingen.

Stiegler-Schlucht: Hier soll der Rufiji gestaut werden |  © Foto by Rolf D. Baldus

Stiegler-Schlucht: Hier soll der Rufiji gestaut werden | © Foto by Rolf D. Baldus

Unterdessen – 1982 – hatte die UNESCO das Reservat zum Weltnaturerbe erklärt. Der Damm wurde in der technischen Überprüfung des Dokuments zur Anmeldung zum Welterbe von 1982 durch die IUCN als Bedrohung für das Überleben des Selous bezeichnet. Aber damals war bereits klar, dass er nicht gebaut werden würde. Trotz des neuen Status kümmerte sich niemand darum, die Infrastruktur wie Gebäude und Seilbahn oder die enorme Menge an Müll und Schrott, welche sich im Laufe der Jahre auf dem Gelände angesammelt hatte, zu beseitigen.

Zurückgelassen: Tonnen von Müll und Skelette von Elefanten und Rhinos

Als ich 1987 im Rahmen eines tansanisch-deutschen Regierungsabkommens im Selous zu arbeiten begann, bestand das Nordufer des Flusses über der Schlucht aus vielen verlassenen Gebäuden und ein paar Quadratkilometern voller Schutt und Müll. Niemand hatte sich die Mühe gegeben, die verlassene Baustelle in einen dem Welterbe angemessenen Zustand zu bringen. Die Wildhüter trauten sich nicht, denn sie waren weiterhin für das Gelände nicht zuständig.

Es gab sogar ein Seil über den Fluss und eine aufgegebene Seilbahn. Wir schafften es, den VW-Motor wieder in Gang zu bringen. Einige der mutigeren Wildhüter (nicht ich) versuchten, in der Gondel den Fluss zu überqueren. Doch auf halbem Weg verliess sie der Mut weiterzufahren. Dies waren die Reste der Vermessung der Schlucht, um festzustellen, ob sie zur Stromgewinnung für einen grossen Damm geeignet war.

Ich erinnere mich, dass ich durch viele tausend medizinische Ampullen in und um die Apotheken waten musste, die von den einst 2 000 Arbeitern am Standort gebraucht worden waren. Wir schrieben an die norwegische Botschaft, um sie auf diesen Skandal aufmerksam zu machen. Eine Antwort erhielten wir nie. Als die letzten Arbeiter gegangen waren, fand das Game Department heraus, dass fast alle Nashörner in der Gegend gewildert und die Elefanten drastisch reduziert worden waren.

Bei einer Zählung aus der Luft von 1981 wurde festgestellt, dass die Dichte der Elefantenskelette «am höchsten entlang des unteren Rufiji-Flusses» war. Es war der Start zum Niedergang der Dickhäuter im Reservat – zusammen mit den grossen Nashorn- und Elefantenwildereien, die gleichzeitig im südlichen Selous während der Ölexploration stattfanden.

Rubada, das teure Amt der Selbstverwalter

1975 gründete die Regierung die Rufiji Basin Development Authority (Rubada), um das Gebiet entlang des Flusses zu entwickeln. Das Hauptziel war eindeutig der Bau des Damms. Als dieses Projekt ins Stocken geriet, blieb das Parastatal bestehen, vergleichbar mit dem Ministerium für die Kolonien in Italien, welches auch das Ende des Zweiten Weltkriegs überlebte.

Während das italienische Ministerium aber zumindest acht Jahre nach dem Verlust der Kolonien geschlossen wurde, blieb Rubada noch 35 Jahre bestehen. Eine hohe zweistellige Mitarbeiterzahl bewohnte ein weitläufiges, vierstöckiges Verwaltungsgebäude in Dar es Salaams Shekilanga Road. Seit seiner Gründung hat die halbstaatliche Rubada wenig getan, ausser den Mitarbeitern vergleichsweise hohe Gehälter zu zahlen und sich selbst zu verwalten.

1988 war mir klar, dass der Direktor von Rubada und seine Mitarbeitenden alles tun würden, um ihre Büros, Dienstwagen und Zulagen zu erhalten, und dass sie daher warten würden, bis ihre Chance gekommen war, die Pläne für die Stiegler-Schlucht wieder zum Leben zu erwecken. Ich versuchte, den Selous bei der Übernahme des Staumauer-Geländes zu unterstützen, aber da war nichts zu machen: Rubada klammerte sich an dem Besitz fest. Schliesslich war er die wesentliche Existenzberechtigung des Staatsunternehmens.

Öffnung der Selous-Wildnis: Neue Strasse zur Stiegler-Schlucht | ©  Foto by Beni Arnet (Februar 2019)

Öffnung der Selous-Wildnis: Neue Strasse zur Stiegler-Schlucht | © Foto by Beni Arnet (Februar 2019)

Rubada zockt ab – und begeistert Wasserminister Lowassa

Rubadas einzige Selous-bezogene Tätigkeit in diesen Jahren bestand darin, ein paar herunter gekommene Gebäude in der Nähe der Schlucht an schnell wechselnde Tourveranstalter zu vermieten. Keiner von ihnen hatte nennenswerte Besucher, obwohl einer der Pächter sogar einen Hexendoktor mit in das Camp brachte, um mit dessen Hilfe seinen unternehmerischen Erfolg zu verbessern. Er wollte auch eine lebende Ziege mitbringen, die vom Medizinmann geschlachtet werden sollte, aber das genehmigte der Selous dann doch nicht. Denn gemäss Gesetz darf man kein Vieh in ein Wildreservat bringen.

In den 1990-er Jahren, so wird berichtet, begann Rubada auch Geld von den Lodgebetreibern entlang des Rufiji zu «erpressen», obwohl nur die Selous Game Reserve Administration das Recht hat, Pachtverträge für touristische Aktivitäten im Reservat zu vergeben. Angeblich mussten mehrere Lodgebesitzer erhebliche Beträge hinblättern.

Rubada hielt das Dammthema am Leben und fand schliesslich in der Person des Wasserministers Edward Lowassa einen Verbündeten. Dieser Minister liebte Grossprojekte. Er hatte Japan bereits davon überzeugt, einen Damm in Kidunda, am nordöstlichen Rand der Selous, zu bauen. Eine rationale Begründung für die Flusssperre an dieser Stelle fehlte. Die einzig logische Erklärung für dieses Vorhaben waren die finanziellen Vorteile, die sein Bau für interessierte Mitglieder der tansanischen Elite mit sich bringen würde.

Es gab ja viel bessere Möglichkeiten, Dar es Salaam mit Wasser zu versorgen. Und technisch war der Standort für einen Damm komplett ungeeignet, da das Gebiet völlig flach ist und andere Nachteile aufweist. Glücklicherweise konnten wir die japanische Regierung und später die Weltbank davon überzeugen, das Projekt nicht zu finanzieren.

Brasiliens Skandal-Konzern Odebrecht mischt jetzt mit

Es hätte die so genannte Gonabis Pan überschwemmt, eine flache Wildtierbewirtschaftungszone, die für das Futter der Antilopen und Büffel im nördlichen Sektor des Reservats unerlässlich ist. Heute, 15 Jahre später, wurde kein einziger Spatenstich durchgeführt. Lowassa hätte sowieso nicht davon profitiert. Er wurde 2005 Premierminister – und war einer der wenigen tansanischen Politiker, die wegen eines Korruptionsskandals aus einem hohen Amt geworfen wurden. Später wechselte er in die Oppositionspartei und kandidierte für das Amt des Präsidenten, verlor jedoch gegen den heutigen Amtsinhaber Magufuli.

Während Lowassas Zeit schlossen sich Rubada und die brasilianische Firma Odebrecht zusammen, um einen zweiten Versuch zum Bau des Staudamms von Stiegler zu unternehmen. Zwei Seelenverwandte hatten sich offensichtlich gefunden. Heute wissen wir, dass Odebrecht Regierungen und Politiker auf der ganzen Welt bestochen hat, und es ist schwer zu glauben, dass Tansania die einzige Ausnahme war.

Laut den Medien schuf Odebrecht den grössten Bestechungsring der Welt, und ein US-Gericht verhängte eine Multi-Milliarden-Strafe. In Tansania haben die Berater von Odebrecht die Baupläne weiterentwickelt. Ökologische Überlegungen oder gar eine Umweltverträglichkeitsprüfung waren kein Thema.

Selous-Verwaltung, UNESCO, Naturschutzverbände und ausländische Regierungen, namentlich Deutschland und die USA, welche versuchten, die tansanische Regierung bei der Rettung der verbleibenden Elefanten zu unterstützen, konnten die Entwicklungen nur mit ungläubigem Staunen verfolgen. Im Zuge des Odebrecht-Skandals verschwand das Unternehmen jedoch leise aus Tansania. Verschwunden sind auch der CEO und das Top-Management von Rubada im Rahmen eines Finanzskandals im Unternehmen.

 Tansanische Bauvorhaben beunruhigen Welterbekomitee

Ende 2017 wurde Rubada endgültig geschlossen. Die Verantwortung für den Bau des Damms wurde auf den halbstaatlichen Stromversorger Tanesco übertragen – ein weiteres Unternehmen, das für Ineffizienz und himmelschreiende Finanzskandale bekannt ist. Die Pläne zum Bau des Damms in der Stiegler-Schlucht aber waren inzwischen von der höchsten Autorität des Landes, dem Präsidenten, aufgegriffen worden.

Durch Grossprojekte bedrohter denn je: Elefanten im Selous |  © Foto by Sean Louis

Durch Grossprojekte bedrohter denn je: Elefanten im Selous | © Foto by Sean Louis

Das Welterbekomitee (WHC) beobachtete mit «grösster Sorge» die verschiedenen Grossprojekte, welche von der Regierung im Selous vorangetrieben wurden. Es erklärte, grosse Staudämme und Bergbaue seien mit dem Welterbestatus unvereinbar, da sie «den aussergewöhnlichen universellen Wert des Selous ernsthaft und irreversibel schädigen» würden. WHC forderte fortan und bei jeder Gelegenheit den Vertragsstaat auf, «die Pläne für die verschiedenen Entwicklungsprojekte, die mit dem Welterbestatus des Schutzgebietes unvereinbar sind, aufzugeben».

Gleichzeitig stimmte das WHC einer Grenzveränderung zu. Etwa 300 Quadratkilometer an der südöstlichen Ecke des Reservats wurden degradiert, um den Uranabbau am Mkuju-Fluss zu erleichtern. Die Regierung hatte die Erschliessung dieser Mine jahrelang unter Verletzung der Konventions-Regeln zugelassen. Es waren Fakten geschaffen worden, die das Welterbekomitee mehr oder weniger akzeptieren musste.

Die Entscheidung machte jedoch deutlich, dass die internationale Gemeinschaft von Tansania erwartete, keine Entwicklungen mehr «ohne Zustimmung des WHC im Selous Game Reserve und seiner Pufferzone» durchzuführen. Tansania stimmte zu und unterzeichnete – die Uranlagerstätte lag jetzt nicht mehr innerhalb des Reservats. Der Plan Tansanias zum Bau des Damms wurde jedoch unverändert fortgesetzt.

«Illegitime Intervention in tansanische Angelegenheiten»

1982 beschloss das Welterbekomitee, das zwischenstaatliche Entscheidungsgremium der Welterbekonvention, das Selous Game Reserve in die Liste des Welterbes aufzunehmen. Damit wurde der «Herausragende Universelle Wert» dieses riesigen Reservats geehrt. Es ist das älteste Schutzgebiet Afrikas und mit seinen über 50’000 Quadratkilometern grösser als die Schweiz. Ähnlich wichtige Schutzgebiete in Tansania sind die Serengeti, Ngorongoro und der Kilimandscharo.

Der Ehrentitel wurde nach dem Vorschlag und Antrag der Regierungen und nach intensiven Prüfungen durch die IUCN verliehen. Es mutete daher grotesk an, als in den letzten Jahren führende tansanische Politiker die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) wegen «illegitimer Intervention in tansanische Angelegenheiten» kritisierten – dies, nachdem das Welterbekomitee die tansanische Regierung verpflichtet hatte, die Regeln der Konvention im Selous zu respektieren. Die UNESCO leitet das Sekretariat der Konvention. Sie soll überwachen, wie die Mitgliedstaaten ihre eigenen Verpflichtungen einhalten.

Bergbau ist in Welterbe-Landschaften nicht erlaubt. Die grossen internationalen Bergbauunternehmen haben mit der Konvention eine Vereinbarung getroffen, dort keine Rohstoffe zu suchen oder zu fördern. Aber: viele kleinere oder dubiose Unternehmen haben diese Vereinbarung nie unterzeichnet. So beteiligte sich die tansanische Regierung In den 90er-Jahren an der Suche nach Uran im Selous Game Reserve. Schliesslich erlaubte sie sogar einem kanadischen Unternehmen, eine Uranmine in der südwestlichen Ecke des Reservats aufzubauen.

Die Welterbekonvention war nicht amüsiert. Nach einem ausführlichen und kritischen Dialog und trotz der Proteste wichtiger Akteure, insbesondere aus dem Naturschutz, wurde dann aber doch während der COP 2012 in Sankt Petersburg eine Grenzveränderung vereinbart.

Massenweise Bergbaukonzessionen statt Schutz des Weltnaturerbes

Die Übereinkunft war ein Abkommen, das einem heillosen Durcheinander entwuchs. Obwohl es sich um eine «signifikante» Grenzveränderung handelte, wurde sie zur Erleichterung der Verfahren als «kleine» Grenzveränderung» verniedlicht. So sah sich das über 300 Quadratkilometer weite Minengebiet «Mkuju River» offiziell aus dem Weltkulturerbe entfernt. Nicht aber aus dem Reservat, da dies eine Änderung des tansanischen Rechts erfordert hätte.

Der Deal war im Grunde unvermeidlich, da bereits Millionen von Dollar in die Mine investiert worden waren und der Zeitpunkt der Umkehr Jahre zuvor überschritten worden war. Die Regierung hatte einfach Fakten geschaffen – und die Konvention überlistet. Um dies in Zukunft zu vermeiden, wurde auf der 36. Tagung des Welterbekomitee in Sankt-Petersburg (2012) vereinbart, dass Tansania im Selous Game Reserve und seiner Pufferzone keine Entwicklungsaktivitäten durchführen wird ohne Zustimmung des Komitees.

Aber wiederum hat die tansanische Regierung die vereinbarten Verpflichtungen aus dem Abkommen nicht eingehalten. Unter anderem gewährte sie weitere 34 Bergbaukonzessionen im Reservat. Überdies begann sie mit der Entwicklung des nächsten Grossprojekts – des Staudamms an der Stiegler-Schlucht am Rufiji – und dies mitten in der Tourismuszone des Reservats.

Anstatt die Mine des Flusses Mkuju als einzige Ausnahme zu betrachten, wurde sie als Präzedenzfall verwendet. Dies mit dem Argument, auch der Staudammbereich des Stieglers könne aus dem Reservat herausgeschnitten werden. Für die UNESCO hingegen ist kristallklar: «Der Bau von Dämmen mit grossen Reservoirs innerhalb der Grenzen der Welterbegebiete ist mit ihrem Welterbestatus unvereinbar». (Beschluss 40 COM 7, Istanbul/UNESCO 2016).

Stiegler-Damm: 1'200 Quadratkilometer unter Wasser

Die zentrale Begründung für den Damm ist Strom. Nur ein Drittel der tansanischen Bevölkerung hat Zugang zu Strom, in ländlichen Gebieten weniger als ein Fünftel. Mehr Strom ist unerlässlich. Die einzige Frage ist: Was ist der beste Weg, um ihn herzustellen und zum Verbraucher zu transportieren?

Wie erwähnt, war Odebrecht aus Brasilien das erste Unternehmen, das mit dem Bau des Damms beauftragt wurde. Es ist Lateinamerikas grösster Baukonzern und verfügt über eine gute Erfolgsbilanz bei der Planung und Realisierung von funktionalen Projekten.

Sie stand aber auch im Mittelpunkt eines gewaltigen internationalen Korruptionsskandals und hat Regierungen auf der ganzen Welt im Austausch für profitable Verträge bestochen. Die Verhandlungen zwischen Brasilien und Tansania sind auf auf höchster Ebene geführt worden. 2012 wurde ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das 2016 erneuert wurde.

Geplant ist der Bau eines 130 Meter hohen und 800 Meter langen betonierten Felsdamms quer durch die acht Kilometer lange und 100 Meter tiefe Stiegler-Schlucht. Darüber hinaus sollen vier Satteldämme mit einer Gesamtlänge von 14 Kilometer stromaufwärts gebaut werden. Der Stausee würde 22 Millionen Kubikmeter speichern und eine Fläche von über 1'200 Quadratkilometer unter Wasser setzen, was nur etwas kleiner ist als die Insel Sansibar. Der Vorschlag sieht eine installierte Leistung von 2'100 Megawatt vor. Ausserdem sind 400 Kilometer Übertragungsleitungen und 220 Kilometer Strassen geplant.

 Bauvertrag mit Ägypten für 3 Milliarden Dollar

2013 schätzte Odebrecht die Investitionskosten für den Damm auf 3,6 Milliarden US-Dollar – ohne die notwendigen Stromleitungen für den Anschluss an das nationale Netz. Inzwischen scheint es, dass Odebrecht nicht mehr beteiligt ist. Die tansanische Regierung hatte angedeutet, Äthiopien könne die Lücke schliessen. Ägyptische Zeitungen berichteten jedoch am 22. Oktober 2018, dass «Arab Contractors», grösstes Bauunternehmen Ägyptens, den Damm bauen wird.

Bereits angestastetes Weltnaturerbe: 220 Kilometer neue Zugangsstrassen |  © Foto by Rolf D. Baldus

Bereits angestastetes Weltnaturerbe: 220 Kilometer neue Zugangsstrassen | © Foto by Rolf D. Baldus

Die beiden Präsidenten würden gemeinsam den Grundstein «im Herzen eines der grössten noch verbliebenen Wildgebiete Afrikas» legen, wie es die ägyptische «Daily News» naiv ausdrückte. Am 12. Dezember wurde ein Bauvertrag von über 3 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Drei Jahre soll die Bauzeit in Anspruch nehmen.

Seit Beginn der Planung befindet sich das Projekt in technischen, wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen. Seine Umsetzung liegt Jahre hinter dem Plan zurück. Insbesondere ist bisher völlig unklar, wer die notwendigen Finanzmittel bereitstellen wird. Diese dürften sich realistischerweise auf geschätzte 5 bis 7 Milliarden US-Dollar insgesamt belaufen.

Die 3 Milliarden US-Dollar für die ägyptischen Baufirmen will Tansania aus dem Haushalt bereit stellen. Präsident Magufuli hat bekräftigt, dass das Land den Damm aus eigener Kraft bezahlen werde. Bisher hat das Ministerium für Energie und Mineralien im Jahr 2018 rund 300 Millionen US-Dollar bereitgestellt – immerhin 40 Prozent des Gesamtbudgets des Energieministeriums.

Zum Vergleich: Das gesamte nationale Budget des Landes beträgt rund zwölf Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die grossen Geber von Hilfsgeldern und die Weltbank haben bereits ihr «Nein» signalisiert. Die Afrikanische Entwicklungsbank erklärte im Oktober 2018, sie könne keinen Kredit gewähren. Die meisten Aktionäre der Bank werden jedoch darauf bestehen, dass das Regionalinstitut seine eigenen Umweltvorschriften befolgt.

Wird China im Selous Tansania aus seiner Konzeptlosigkeit helfen?

Die grosse Unbekannte aber bleibt China. Der Damm im Selous könnte in Chinas derzeitige massive afrikanische Infrastruktur-Initiative passen.

Im Gegensatz zu dem, was bei Grossinvestitionen dieser Art üblich ist, wurde das Projekt weder rigorosen wirtschaftlichen und technischen Machbarkeitsstudien unterzogen, noch wurden alternative Optionen geprüft. Externe Beobachter haben inzwischen massive Bedenken geäussert, dass Tansania im wirtschaftlich wichtigen Strombereich alles auf eine Karte setzt. Erdgas wurde in beachtlichen Mengen gefunden, wird aber nicht ausreichend berücksichtigt. Einige Experten argumentieren, dass eine Reihe kleinerer Dämme das Risiko im Vergleich zu einem einzigen grossen Damm verteilen könnten.

Das Wind- und Solarpotenzial wurde noch nicht einmal untersucht, obwohl dies der Ansatz ist, den viele Industrieländer derzeit verfolgen. Ohne ausreichende Daten ist unklar, ob die Flussströmung langfristig ausreichend und kontinuierlich genug ist. Wie sie durch den Klimawandel beeinflusst wird, ist eine weitere offene Frage. Studien gehen davon aus, dass die Niederschläge immer variabler werden und die Flüsse klimabedingten Störungen ausgesetzt sind.

Staatspräsident macht Risiko-Damm zur persönlichen Sache

Eine Kombination von alternativen Energie-Erzeugungsanlagen anstelle eines einzigen Mega-Produktionsstandortes würde die Risiken reduzieren und könnte insgesamt eine Kapazität von sogar mehr als 2'100 MW sichern, so Experten. Ein dezentrales Produktions- und Netzsystem würde auch die Stromversorgung abgelegener Gemeinden erleichtern.

Alle diese technischen und strategischen Fragen, welche die langfristige Tragfähigkeit des Projekts bestimmen, bleiben unbeantwortet. Antworten erfordern Studien und Beratungen. Es scheint, dass tansanische Experten zwar ihre Stimmen erhoben, aber bald zum Schweigen gebracht wurden. Präsident John Magufuli, Ende 2015 gewählt, hat den Damm zu seinem persönlichen Projekt gemacht. Zuvor war Magufuli Minister für Bau, Verkehr und Kommunikation.

Entwicklung heisst für ihn vor allem Infrastruktur und Grossinvestitionen. Während sein Spitzname «der Bulldozer» darauf hindeutet, dass er Strassen und Erdarbeiten liebt, beschreibt er nun auch, wie Magufuli die unter ihm stehenden Institutionen leitet und das Land führt.

Andere afrikanische Präsidenten bauten riesige Kirchen, Moscheen, Stadien oder Konferenzräume, um Denkmäler ihrer Präsidentschaft für die Nachwelt zu schaffen. Es scheint, dass Magufuli den Stieglers Staudamm zum wichtigsten Denkmal seiner Präsidentschaft erkoren hat. Alle Diskussionen und kritischen Anfragen zum Thema Damm wurden gestoppt.

Damm-Kritiker mit Gefängnis bedroht

Nachdem die Opposition darum gebeten hatte, wenigstens eine ordnungsgemässe Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu erhalten, kündigte einer seiner Minister im Parlament an, Kritiker des Projekts kämen ins Gefängnis. Das renommierte Magazin «East Africa» bezeichnete dies in einem Kommentar eine «Fatwa» und «einfach idiotisch».

Die Bedrohung der Kritiker ist symptomatisch für die gegenwärtige politische Situation, welche die Europäische Union für ernst genug hielt, um sie im September 2018 vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen aufzugreifen.

Da hiess es: «Die EU ist besorgt über die Menschenrechtssituation in Tansania, einschliesslich der verstärkter Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäusserung und Versammlungsfreiheit, der Verhaftung von und der Anklage gegen Menschenrechtsverteidiger, Journalisten, Blogger und Parlamentsabgeordneten. Eine freie und lebendige Zivilgesellschaft sowie starke und unabhängige Medien sind entscheidende Bestandteile für eine nachhaltige und effektive Entwicklung einer Gesellschaft sowie ein Eckpfeiler im Kampf gegen die Korruption.»

Angstvolles Schweigen zum Dammbau und seinen Folgen

Auf jeden Fall verstanden Kritiker, Naturschützer und Beamte die Botschaft der Regierung. Das Projekt wird nicht mehr offen diskutiert. Wie in jedem totalitären System wagt es niemand mehr, sich zu äussern – vor allem Beamte nicht.

Für den Staudamm Stiegler's Gorge besteht so die Gefahr, dass Fehlentwicklungen nicht korrigiert werden können, weil Dialog und kritische Analyse von oben verboten worden sind.  So können Fehler entstehen und Projekte als Fehlschlag enden. Der geplante Staudamm Stiegler's Gorge könnte zu einem «weissen Elefanten» werden – hinterlassen von Präsident Magufuli für die Nachwelt.

Stiegler-Schlucht, Rufiji: Keine Umweltverträglichkeitsprüfung für Damm und Stausee |  © Foto Rolf D. Baldus

Stiegler-Schlucht, Rufiji: Keine Umweltverträglichkeitsprüfung für Damm und Stausee | © Foto Rolf D. Baldus

Für viele Beobachter und Beobachterinnen sind die wichtigsten Aspekte die ökologischen Folgen. Das Projekt liegt im Herzen des ältesten und grössten Schutzgebiets Afrikas und wird sicherlich erhebliche negative Folgen haben. Für den Präsidenten scheinen die Dinge einfach und klar zu sein. In einem Treffen mit Gesandten im State House am 30. Juli 2018 erklärte Magufuli laut Medienberichten: «Man kann davon ausgehen, dass der  Naturschutz nach der Umsetzung des Projekts wirksamer als vorher ist.»

Er fügte hinzu, dass «... die Tierwelt im Vergleich zu früher genug Trinkwasser bekommt». Mit diesen Worten war für die meisten tansanischen Offiziellen die Umweltdebatte ein- für allemal abgeschlossen, so dass jegliche Umweltverträglichkeitsprüfung obsolet wurde. Für andere zeigten sie die völlige Verdrängung des Umweltthemas.

Lausige Umweltverträglichkeitsprüfung

Im Mai 2018 hat das University Consultancy Bureau der University of Dar es Salaam (Professor Rafaeli Mwalyosi et al.) eine Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht. Das Dokument beschränkt sich auf einige wenige Umweltfolgen, lässt aber die grossen aus. Experten zufolge enthält diese UVP viele Irrtümer, Sachfehler und Lücken. Darüber hinaus werde das Papier der Komplexität des geplanten Projekts nicht gerecht.

Der Bericht identifiziere einige negative Umweltfolgen des Damms, von denen die Autoren behaupten, dass sie gemildert werden können. In ihren Augen stellt der Damm keine Bedrohung für den aussergewöhnlichen universellen Wert des Reservats dar. Sie erwähnen positive Auswirkungen des Damms auf das Ökosystem wie eine Zunahme der Biodiversität. Externe Experten kritisieren diese Feststellungen als unbegründet und höchst fragwürdig. Auch die vorgeschlagenen Massnahmen zur Verringerung oder Abmilderung evtl. Schäden werden als schlecht begründet und unzureichend abgelehnt.

Nach Ansicht der Experten und einschlägigen internationalen Organisationen sind die Inhalte von erschreckend schlechter Qualität, sie erfüllen weder die grundlegendsten Anforderungen noch die internationalen Normen. Insbesondere stehen sie nicht im Einklang mit den Bewertungsgrundsätzen für Welterbestätten. Und die Umweltverträglichkeitsprüfung gibt auch keine Antworten auf die vielen Fragen, die das Welterbe-Komitee dem Vertragsstaat übermittelt hat.

Relevante Kommentatoren weisen darauf hin, dass die UVP des Universitätsberatungsbüros nicht einmal die grundlegendsten etablierten Erfordernisse und internationale Standards erfüllt. Sie identifiziert nicht die Risiken, Auswirkungen und den Nutzen des Projekts. Viele wichtige Aspekte fehlen, wie z.B. die Hydrologie, angemessene Grunddaten über Flora und Fauna, umfassende Sozial- und Ökosystembewertungen sowie die biologischen und ökologischen Prozesse, die den aussergewöhnlichen universellen Wert des Gutes ausmachen. Kurzum: Diese UVP verdient nicht den Namen, den sie trägt, ihre akademischen Autoren haben jegliche wissenschaftliche Glaubwürdigkeit verloren.

Mangels einer seriösen UVP ist das einzige verfügbare Dokument über die möglichen Auswirkungen des Damms der 2017 veröffentlichte WWF-Bericht «The True Cost of Power». Der WWF betont, dass es «weitreichendere Auswirkungen gibt, als die Überschwemmung von 1'200 Quadratkilometer Land und der Bau des Damms, die berücksichtigt werden müssen. Es wird zu einer zunehmenden Erosion, einer möglichen Austrocknung der für den Wildtier-Tourismus wichtigen Seen, einer verminderten Fruchtbarkeit der Ackerflächen unterhalb des Rufiji-Deltas und einem möglichen Zusammenbruch der dort vorkommenden Fisch-, Garnelen- und Garnelenfischerei kommen. Dies könnte sich negativ auf die Lebensgrundlagen von über 200'000 Menschen auswirken.»

Gewaltige Schäden nach Bau des Selous-Dammes

Das Dokument enthält auch ein Kapitel über die zu erwartenden Auswirkungen des Damms. Die wichtigsten sind die Überschwemmungen der terrestrischen Lebensräume und die vielen Veränderungen aller Art stromabwärts. Erwähnt sind unter anderem:

  • Verringerung der biologischen Vielfalt und Vorkommens von Lebewesen im Wasser;

  • Veränderung der Fischgemeinschaften im Rufiji;

  • Sedimentabscheidung;

  • Eutrophierung und invasive Pflanzen;

  • Speicher- und Treibhausgasemissionen;

  • Wasserqualität;

  • Verdunstung;

  • Winderosion an der Ufern;

  • Erleichterter Zugang für Wilderer;

  • Temporäre Auswirkungen während der Bauphase;

  • Eingriffe in die Landschaft durch Strassen, Freileitungen, Lager, Industriegebiete, Steinbrüche, Abraumhalden, Mülldeponien etc;

  • Verringerung der Attraktivität für Touristen;

  • Kurzfristige Fluktuation der Wasserabflüsse;

  • Verringerung der saisonalen Schwankungen des Wasserflusses;;

  • Reduzierung der Sedimentfracht und Veränderungen in der Geomorphologie;

  • Verringerung der Ökosystemleistungen für die Bewohner Flussabwärts.

Uranmine und Damm im Selous dank illegaler Faktenschaffung

Nach einer Mission im Jahr 2017 bezeichnete die Weltnaturschutzunion (IUCN) das Projekt wegen seiner Auswirkungen auf die Ökologie des Selous und die Lebensgrundlagen von Menschen ausserhalb seiner Grenzen als «in einer verhängnisvollen Weise fehlerhaft« («fatally flawed»),. Das Welterbekomitee hat dies in seinem Beschluss von 2017 über das Gebiet zusammengefasst: «In Anbetracht der hohen Wahrscheinlichkeit einer schweren und irreversiblen Schädigung des aussergewöhnlichen Universellen Wertes durch das Wasserkraftprojekt Stiegler's Gorge fordert die WHC den Vertragsstaat nachdrücklich auf, das Projekt endgültig aufzugeben.»

Doch die tansanische Regierung tut genau das Gegenteil und schafft weitere Fakten. Es ist die gleiche Strategie, wie sie im Fall der Uranmine Mkuju erfolgreich praktiziert wurde. Die Vorbereitung der Konstruktion ist in vollem Gange. Es wurden breite Strassen von Kisaki, Mtemere und Kisarawe zum Gelände gebaut. Die Lastwagen befahren sie Tag und Nacht. Das Trinkwassersystem bei Stiegler's wird saniert. Wohnungen für eine grosse Belegschaft werden gebaut oder saniert. Ein chinesisches Bauunternehmen ist vor Ort präsent. Insgesamt gibt es bereits Hunderte von Arbeitern auf der Baustelle.

Kein Wildtier, das nicht vom Staudamm betroffen wäre: Flusspferde im Rufiji |  © Foto by René Stäheli

Kein Wildtier, das nicht vom Staudamm betroffen wäre: Flusspferde im Rufiji | © Foto by René Stäheli

Die tansanische Regierung beschloss überdies, 1'450 Quadratkilometer Wald roden zu lassen. Davon sind rund 2,6 Millionen Bäume betroffen. Laut Presseberichten erwarten die Behörden einen Umsatz von 62 Millionen US-Dollar. Es wäre nicht nur weltweit die grösste Waldzerstörung der letzten Zeit, dies würde auch einen erheblichen Verstoss gegen die tansanische Gesetzgebung darstellen.

Beobachter und Beobachterinnen fragen sich: Betrachtet sich die tansanische Regierung als über dem Gesetz stehend? Eine erste Ausschreibung für den Holzeinschlag ist gescheitert, aber eine chinesische Holzfirma wurde vor einigen Monaten auf einer Erkundungsmission in der Gegend gesehen. Der Einschlag hat noch nicht begonnen.

«Gefahr einer gigantischen Fehlinvestition»

Fassen wir zusammen: Tansania muss mehr Strom produzieren. Die Frage ist und muss sein, wie dies optimal und mit möglichst geringen Umweltschäden erreicht werden kann. Um dies zu beantworten, müssen alle Optionen untersucht und verglichen werden. Stattdessen verfolgt die tansanische Regierung eine andere Logik: Tansania benötigt Strom – und deshalb muss im Selous Game Reserve ein Mega-Wasserkraftwerk gebaut werden. Die Verkürzung des Entscheidungsprozesses birgt die Gefahr eines gigantischen Investitionsversagens und kann aufgrund seiner Grösse und Bedeutung die nationale Sicherheit gefährden.

Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob die Single Dam Option machbar ist und ob die damit verbundenen Risiken mit diesem Damm beherrschbar sind. Jemand muss dem Präsidenten mitteilen, dass er Gefahr läuft, seinen Platz in der tansanischen Geschichte als der Mann zu finden, der für die grösste Fehlinvestition des Landes verantwortlich ist. Und jemand sollte Tansania dabei unterstützen, die notwendigen Machbarkeits-, Technik- und Umweltstudien durchzuführen, um diese Gefahr zu vermeiden.

Der Damm befindet sich in einem der wichtigsten Schutzgebiete Afrikas, dessen aussergewöhnlicher Universeller Wert mit dem prestigeträchtigen und nur hochselektiv vergebenen Status des Weltkulturerbes ausgezeichnet wurde. Die negativen ökologischen Auswirkungen des Damms werden enorm sein. Unter anderem wird er wahrscheinlich die unterhalb gelegenen Feuchtgebiete zerstören, die aus Flussarmen, Seen, Sümpfen und Dickichten bestehen.

Sie bilden das «Herz» des Reservats und das wichtigste Touristengebiet direkt stromabwärts. Eine zuverlässige und seriöse Bewertung der Auswirkungen wurde noch nicht durchgeführt, ist aber dringend erforderlich. Wenn die tansanische Regierung das Projekt fortsetzt, wird die Konferenz der Vertragsparteien des Welterbes kaum eine andere Wahl haben, als dem Selous den Welterbes-Status zu entziehen – etwas das in der Geschichte der Konvention nur dreimal geschehen ist. Für Tansania bedeutete dies einen grossen internationalen Reputationsverlust. Die tansanischen Nationalpark- und Wildschutzgebiete waren bisher auf internationaler Ebene eine der herausragenden Attraktivitäten und Merkmale des Landes.

Will Regierung Ausbeutung des Selous – statt Bewahrung und Schutz?

Sobald der Selous den Welterbe-Status verliert, muss die deutsche Bundesregierung entscheiden, ob sie ihr laufendes Projekt zur Unterstützung der Bewirtschaftung des Selous (18 Millionen Euro in den Jahren 2018-2020) tatsächlich beenden wird, wie sie es bereits beschlossen und angekündigt hat.

Derzeit erscheint es unwahrscheinlich, dass die tansanische Regierung ihre Position ändern wird. Wenn sich in einigen Jahren herausstellt, dass der Damm aus welchen Gründen auch immer nicht fertig gestellt werden kann, wird der Schaden nie rückgängig gemacht werden können. Es gibt aber noch eine weitere Hypothese: Die Regierung strebt eine Verkleinerung des Selous an, um die reichen natürlichen Ressourcen ein für alle Mal und ohne Rücksicht auf die Nachhaltigkeit ausbeuten zu können.

Mitglieder der tansanischen Delegationen zu den Welterbekonventionen haben darauf hingewiesen, dass der derzeitige Präsident durchaus darauf hinarbeiten könnte, das Reservat erheblich zu verkleinern.

Dies würde die Abholzung der Miombo-Harthölzer im Wert von mehreren hundert Millionen US-Dollar erleichtern. Praktisch das gesamte wertvolle Holz ausserhalb des Reservats wurde in den letzten 25 Jahren abgeholzt. Es wurde illegal nach China exportiert. Uran wurde bereits gefunden und die Prospektion wird fortgesetzt, sobald die Weltmarktpreise wieder angestiegen sind.

Auftakt zu einer weit grösseren Ausbeutung des Selous

Im Mai 2018 enthüllte der Geologische Dienst von Tansania, dass Metalle wie Kupfer, Silber, Kobalt, Zink und Gold entdeckt worden seien. «Wir gehen davon aus, dass mit dem technologischen Wandel der Zeitpunkt kommen wird, ab dem wir diese Mineralien leicht abbauen können», meinte der zuständige Geologe.

Mehrere wichtige Pufferzonen des Reservats wie die Kilombero Valley Ramsar Site oder die Gonabis Wildlife Management Area (JUKUMU) wurden bereits von Rinderherden übernommen. Viehhirten dringen zunehmend in Randgebiete des Reservats ein und die Besitzer der Rinder dürften bereits gierig auf die grünen Weiden des Schutzgebietes blicken. Viele von ihnen sind einflussreiche Leute, während die Hirten nur die Arbeit verrichten. Selbst die Wilderei und der Export von Elfenbein der letzten Jahre im Wert von 100 Millionen US-Dollar oder mehr dürfte nur der Auftakt zu einer weit grösseren Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Reservats gewesen sein.

Das schlimmste Szenario scheint Wirklichkeit zu werden

Als wir 2009 unser Buch über den Selous «Wild Heart of Africa» veröffentlichten, notierte ich einige Gedanken zur Zukunft des Reservats. Das Reservat hatte sich nach dem Beinahe-Kollaps in den 1980er-Jahren erholt und stand jahrelang unter hervorragender Leitung tansanischer Manager. Finanziell war das Schutzgebiet autark, vor allem aufgrund des nachhaltigen Jagdtourismus. Allerdings zeigten sich damals bereits wieder die ersten Bedrohungen. Das Schutzgebiet durfte nicht mehr die Hälfte seiner Einnahmen für Schutzzwecke einbehalten– und prompt breitete sich die Wilderei wieder aus.

Ich habe damals im Buch verschiedene Szenarien für die Zukunft des Selous skizziert. Eines davon war, dass das Reservat ohne jede Rücksicht auf die Umwelt ausgebeutet werden könnte. Dieses düstere Szenario hätte ein erneutes Abschlachten der Elefanten,, Bergbau und Grossprojekte im Selous bedeutet.

Ich sah eine solche Entwicklung als eine reale Bedrohung, aber dann schrieb ich: "Lasst uns positiv sein und hoffen, dass der Selous weiterhin eine starke Führung haben wird, die verhindert, dass ein solches Szenario Realität wird». Es scheint, dass ich mich geirrt habe. Das schlimmste Szenario scheint Wirklichkeit zu werden. 


* Dr. Rolf D. Baldus (*1949), früher Referatsleiter im deutschen Entwicklungshilfeministerium und Bundeskanzleramt in Bonn, hat 13 Jahre im Wildschutz in Tansania gearbeitet, davon 6 Jahre im Selous Game Reserve. Heute schreibt er über Fragen des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung von Wildtieren und beobachtet weiterhin die Entwicklungen im Selous. Seine Website bietet eine umfassende Sammlung von Arbeiten und Dokumenten zum Selous: http://www.wildlife-baldus.com/selous_game.html

LESETIPP
Wildes Herz von Afrika,
hrsg. von Rolf D. Baldus, Kosmos Verlag 2011
Wild Heart of Africa. The Selous Game Reserve in Tanzania. Edited by Rolf Baldus

Rowland Ward 2009 ISBN: 978-0-9802626-7-4
Die Bücher sind auch vom Autor erhältlich: rolfbaldus@t-online.de


Afrikas Nyerere: «Wir müssen uns selbst helfen!»

Ruedi R. Suter

Afrika steht unter Druck. Bevölkerungszunahme, Raubbau, Klimawandel, Konflikte, flüchtende Menschen und verschwindende Wildtiere schaden Natur und Lebensgrundlagen. Umweltschutz wird immer wichtiger, um auch kommenden Generationen ein Überleben zu ermöglichen.

Dies hat Julius Nyerere, Tansanias erster Staatspräsident (1962-1985), schon früh erkannt. Seine Rede von 1994 in Arusha anlässlich seiner Verdienste im Umweltbereich* und vor seinem Nachfolger Ali Hassan Mwinyi hat heute noch Gültigkeit, weshalb wir hier den während seiner Regierungszeit wohl weitsichtigsten «Umweltpräsidenten» Afrikas nochmals zu Wort kommen lassen.

Herr Präsident,

Herr Minister,

Meine Damen und Herren!

Die mir soeben verliehene Auszeichnung weiss ich zu würdigen, wobei ich mir ihres symbolischen Wertes durchaus bewusst bin. Mein Beitrag zur Erhaltung der Naturreichtümer Tansanias war zumeist nur in Worte gefasst, in öffentlichen Reden oder parlamentarischen Debatten. Aufgrund des heutigen Wissensstandes und im Bewusstsein der mannigfaltigen Zusammenhänge betreffend Umweltschutz, gestehe ich rückblickend ein, dass ich mehr hätte tun können und müssen.

Auf jeden Fall ist es das Volk, sind es Menschen, die handelten und durch ihre Bemühungen den wahren Beitrag zur Erhaltung unserer Natur leisteten. Aus diesem Grund sage ich, dass die Würdigung meiner Person symbolisch sei. Nicht für meine Worte, sondern als Anerkennung der wertvollen Dienste all dieser Leute – leider sind wir nicht in der Lage, jeden einzelnen öffentlich zu ehren –, nehme ich diesen Orden stellvertretend in Empfang und entbiete ihnen allen meine Referenz.

Es stellt sich die Frage, ob wir uns verändern wollen oder uns verändern lassen.

Herr Präsident, Mitbürger Tansanias und Gäste. In unserer modernen Welt heisst Erhaltung nicht Beibehaltung aller physikalischen Gegebenheiten, die einst den vergangenen Zeiten und Umständen entsprachen; ebenso wenig bedeutet dies, sich den Veränderungen um uns herum blind zu verschliessen. Selbstverständlich müssen wir unsere Urwälder schützen, den Lauf der Flüsse und die saubere Luft erhalten; tun wir dies nicht, haben wir in kürzester Zeit selber unter den Folgen zu leiden.

Tatsächlich ist schon viel zu viel Wasser verschmutzt worden, aus was für Gründen auch immer; Wasserknappheit herrscht heute in Gebieten, die früher stets wohlversorgt waren; die Produktivität mancher Landstriche hat erheblich nachgelassen, die Luft die unsere Städter einatmen, ist lange nicht mehr immer sauber und belebend.

Jedoch ist die Entwicklung unserer Nation, sind Veränderungen zum verbesserten Wohlergehen aller unerlässlich. Die Menschen in Tansania – in Afrika schlechthin – verelenden in einer Armut, die sie zu Opfern vermeidbarer Krankheiten macht, ohne dass sie Macht und Nutzen moderner Wissenschaft und Technologie zur Verbesserung ihrer Lage einsetzen könnten. Veränderungen sind unvermeidbar, wobei sich uns in der Tat die Frage stellt, ob wir uns selber verändern wollen oder uns verändern lassen. Sollen wir uns zum Vorteil und Nutzen anderer verändern oder entwickeln wir uns und unser Land selbst.

Es ist absurd, von Fortschritt zu sprechen, wenn wir unsere Ressourcen zerstören.

Es ist absurd, von «Fortschritt» zu sprechen, wenn wir unsere natürlichen Ressourcen zerstören, um dadurch eine mögliche Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens der Bevölkerung zu erreichen. Wir, die wir heute leben, sind die Sachwalter unserer Nachkommenschaft; für unser eigenes Wohlergehen und zur Schaffung besserer Lebensbedingungen für unsere Kinder obliegt es uns – und wir müssen dies tun – Wasser und Land nutzbar zu machen, Industrien aufzubauen, Verkehrswege zu schaffen und vieles mehr.

Es wäre unsinnig, sich mit der Begründung: «Diesen Landstrich bepflanzte seinerzeit schon mein Grossvater mit Mais, und hier liess er sein Vieh grasen» dem Bau einer Schule, einer Fabrik oder eines Dammes zu widersetzen. Ebenso fragwürdig wäre die Aussage: «Es dürfen keine Bäume mehr gefällt werden, weder zur Holzfeuerung, noch zur Herstellung von Möbeln oder gar für den Export.»

Allerdings werden auch unsere Urenkel und deren Grosskinder sich von Mais und anderen Nahrungsmitteln ernähren wollen, werden Kleider, Obdach und unzählige Dinge mehr benötigen, damit sie in der Welt des 21. Jahrhunderts würdevoll ihren Rollenpart übernehmen können. Die Naturreichtümer, die uns vererbt worden sind, müssen wir ihnen zumindest in demselben, wenn nicht gar in verbessertem Zustand – unserem Fortschritt wäre dies zu verdanken – überlassen.

Unsere Erde sollte den nachfolgenden Generationen intakt und verbessert übergeben werden.

Mit anderen Worten: Unsere Umwelt, unsere Erde, unser sauberes, an Fischen reiches Wasser, unser Wildtierbestand, die Reinheit unserer Luft, sie sollen von uns den nachfolgenden Generationen intakt und verbessert übergeben werden. Wir müssen mit unserer Entwicklung solcherart umgehen, dass jederzeit die Sicherstellung unseres Nachlasses gewährleistet bleibt.

Dies ist keine leichte Aufgabe, alle haben sich dafür einzusetzen. Im Bericht der Südkommission heisst es dazu: «Umweltschutz soll nicht der alleinigen Verantwortung einer einzelnen Dienststelle oder Verwaltung übertragen werden; für die Erfüllung dieser Aufgabe – insbesonders bei der Planung und Erschliessung neuer Wirtschaftszweige – ist jede staatliche oder nichtstaatliche Körperschaft in ihrem jeweiligen Rahmen zuständig.»...«der Aufruf zur Verbesserung der Umwelt vermag als Dekret allein nicht zu genügen, die verantwortungsvolle Mitbeteiligung aller Staatsbürger wird gefordert...»

Gerade auf diesen letzen Punkt möchte ich zurückkommen. Die Mehrheit unserer Bevölkerung ist arm. Beabsichtigt man nun ihre Miteinbeziehung bei der Hege unserer Wälder und unserer Tier- und Pflanzenwelt, dann müsste ihnen der unmittelbare Nutzen ihres Tuns auch deutlich erkennbar gemacht werden. Es ist zwar einzusehen, dass die Waldrodung hier wie andernorts – und sei dies hunderte Kilometer weit entfernt – zu Wassermangel führen kann.

Eine demokratische Beteiligung der Einheimischen am Naturschutz ist unerlässlich.

Dennoch hindert dieses Wissen weder Mann noch Frau daran, hier und heute Holz zu schlagen, damit sie ihren Familien zu Hause eine warme Mahlzeit vorsetzen können. Es gibt Speisen, die gekocht werden müssen; also gilt es das hierfür notwendige Brennmaterial nicht nur verfügbar, sondern für jedermann erschwinglich zu machen. Sei dies in Form von alternativen Treibstoffarten oder durch den kontrollierten Anbau von Feuerholz.

Symbolträchtig: Tansanias Wappen | © by FishX

Symbolträchtig: Tansanias Wappen | © by FishX

Auch ist es müssig, die Landbevölkerung in unmittelbarer Umgebung eines Schutzgebietes davon überzeugen zu wollen, dass das Jagen der Wildtiere aus Selbstschutzgründen oder zur Nahrungsbeschaffung zu unterlassen sei. Diese gälten als «Erbe der Menschheit», zudem dienten sie der Tourismusbranche als Hauptanziehungspunkt.

Gelingt es hingegen, die Betroffenen am Nutzen des Wildschutzes in einer Form teilhaben zu lassen, die sie selber von den erwirtschafteten Gewinnen direkt profitieren lässt, dann würden sie sich bestimmt zur notwendigen Zusammenarbeit bereit finden. Mit der Hege und Pflege ihrer Naturreichtümer verfolgten sie also nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern auch diejenigen der ganzen Nation. Eine demokratische Beteiligung der Einheimischen zur Wahrung und Förderung unseres Naturschutzes ist unerlässlich. Sollten wir dies vergessen, sind wir allesamt dem Untergang geweiht.

Internationale Zusammenarbeit in Umweltangelegenheiten ist lebenswichtig.

Herr Präsident, im Jahre 1992 nahmen Sie am Umweltgipfeltreffen teil, wo Sie im Namen unseres Volkes zwei internationale Protokolle unterschrieben und ebenfalls die «Agenda 21» guthiessen, deren Wortlaut die Massnahmen zur Erhaltung unserer Umwelt festhält. Ich hatte die Ehre, selber mit dabei zu sein, und mit Genugtuung erlebte ich, wie Sie sich verpflichteten.

In jenen Protokollen und besagter Agenda wurde die Tatsache festgehalten, dass alle Länder dieser Erde in Fragen des Umweltschutzes unentrinnbar miteinander verbunden sind. Deshalb ist ein Zusammenwirken aller Aktivitäten unumgänglich, die das Weltklima, unsere Meere, die Ausbreitung der Wüstengebiete oder die Luft- und Wasserverschmutzung betreffen.

Doch weder diese Schriften noch die Bemühungen anderer Völker werden uns retten, falls es uns nicht gelingt, selber aktiv zu werden. Internationale Zusammenarbeit in Umweltangelegenheiten ist lebenswichtig. Diese Bestrebungen sind jedoch nutzlos, wenn wir selber unseren natürlichen Ressourcen nicht genügend Sorge tragen. Lassen Sie mich ein Sprichwort anfügen: «Gott hilft denjenigen, die sich selbst zu helfen wissen.»

Alle Länder dieser Erde sind beim Umweltschutz unentrinnbar miteinander verbunden.

Es sind die Naturreichtümer Tansanias, die sich in ihrer Qualität unmittelbar auf das Wohlergehen aller Tansanianer auswirken. Wir sind es, die Bewohner dieses Landes, die als erste und am härtesten darunter zu leiden haben, wenn wir zulassen, dass sich fruchtbarer Boden in Wüste verwandelt, wenn Flussläufe und Wasserströme versiegen und unsere Tierbestände gewildert und ausgerottet werden.

Ausländische Handelsgesellschaften wie auch private Unternehmen ferner Herkunft können, wenn wir dies nicht zu verhindern wissen, unsere einheimischen Wälder abholzen, hohe Gewinne erzielen und uns alsdann den Rücken zukehren.

Dies ist aber UNSER Land, dies sind UNSERE Wälder, es ist UNSER Wasser, das nicht verschmutzt werden darf. Die Erhaltung dieser Güter obliegt UNSERER Verantwortung, einer Verantwortung, die wir Tansanier selber wahrzunehmen haben, ohne sie anderen zu überlassen.

Wir müssen uns auf uns selbst verlassen können.

In diesen Umweltfragen ebenso sehr wie in allen anderen Angelegenheiten müssen wir uns auf uns selbst verlassen können. Die Unterstützung anderer Länder begrüssen wir zwar und nehmen sie gerne an; zuweilen fordern wir bei all jenen Hilfe an, die unsere Sorgen um die Erhaltung unserer Umwelt mit uns teilen. Doch zuallererst müssen wir selber unsere Aufgabe zu erfüllen versuchen.

Wir alle, Ministerien und Lokalbehörden, Landbevölkerung und Mitglieder unpolitischer Organisationen, wir müssen unsere Zusammenarbeit vereinen und gemeinsam handeln, um die Fülle der Naturreichtümer Tansanias nicht nur zu schützen, sondern auch zu mehren.

Herr Präsident und liebe Freunde, lasst mich Euch noch einmal für die Ehrung danken, die Ihr mir heute erwiesen habt. Wie schon erwähnt, ist es mir eine Freude, diese stellvertretend für all jene in Empfang zu nehmen, die ihre Arbeitskraft in den Dienst zur Erhaltung unserer Umwelt einsetzten.

Danke!

*Ansprache von Mwalimu («Lehrer») Julius Nyerere, gehalten in Arusha, am 21. Februar 1994, anlässlich der von den Behörden der tansanischen Nationalparkbehörde Tanapa geförderten Preisübergabe. Julius Nyerere war der erste Präsident Tansanias, dem bei weitem nicht alles gelang. Dennoch hat er sich als Denker, Visionär, Umweltschützer und integrer Politiker internationale Achtung erworben, die bis heute nachklingt.

Übersetzung: Helen Kimali Markwalder

Titelbild © Fotomontage by Fss

Weiterführende Links
- Julius Nyerere auf Wikipedia



Rhino-Tragödie: Acht Tiere tot nach Umsiedlung

Ruedi R. Suter

Unfassbare Tragödie: Acht von insgesamt vierzehn Spitzmaulnashörnern sind in Kenia nach einer kürzlich  erfolgten  Translokation verendet. Über die Ursache wird noch gerätselt.

Nairobi, 13. Juli 2018 – Die acht Tiere waren kürzlich vom Nairobi- und vom Lake Nakuru-Nationalpark in ein neues Gehege im des Tsavo East-Nationalparks transportiert worden, dies unter der Leitung des WWF und der kenianischen Wildschutzbehörde Kenya Wildlife Service (KWS). 

An was die Tiere  nach ihrer Umsiedlung genau starben, muss zuerst untersucht werden. Laut einer ersten Stellungnahme des kenianischen Ministeriums für Tourismus und Wildlife könnten die acht Rhinos an einer Salzvergiftung gestorben sein. In ihrer neuen Umgebung war der Salzgehalt des Trinkwassers höher als in ihrer ursprünglichen Heimat. Die Tiere tranken und tranken, ohne ihren Durst löschen zu können – so eine Mutmassung. 

Ist geschlampt worden?

Wie auch immer – der Tod dieser Spitzmaulnashörner, deren Art vom Aussterben bedroht ist, schockiert nicht nur die internationale Gemeinde der Tierschützer und -schützerinnen. Er wirft auch unbequeme Fragen nach der Professionalität der ausführenden Organisationen auf. «Der Verlust dieser Tiere ist ein komplettes Desaster», erklärte die prominente kenianische Umweltschützerin Paula Kahumbu von Wildlife Direct gegenüber Associated Press. 

Cathy Dean, Leiterin von Save the Rhino, forderte gegenüber dem Guardian eine lückenlose Erforschung der Todesursache durch internationale Expertinnen und Experten. Dean meinte ausserdem, in Kenia habe man weniger Erfahrung bei den immer heiklen Übersiedlungen von Nashörnern. Derweil solche Transporte mit dem vorherigen Einfangen und Narkotisieren in anderen Ländern jährlich erfolgten, würden in Kenia nur gerade alle drei bis vier Jahre Translokationen durchgeführt.

Verluste statt Fortpflanzung

Anstatt die Zahl der bedrohten Black Rhinos in Kenia in dem neuen, rund um die Uhr bewachten Nashornschutzgebiet des Ost-Tsavos mittelfristig zu erhöhen, hat nun das Land mit einem Schlag acht seiner rund 750 Schwarzen Nashörner verloren. Von diesen soll es  weltweit gerade noch etwa 5'500 Tiere geben. Letztes Jahr hat  Kenia ingsgesamt neun, dieses Jahr bisher drei Rhinos durch Wilderer verloren. 

Im Tsavo East, mit 21'812 Quadratkilometer der grösste Nationalpark des Landes, lebten einst geschätzte 2'000 Nashörner.  In den 1990er-Jahren fand die letzte Rhino-Translokation ins Gebiet statt. Heute dürften noch zwischen 10 und 20 Tiere hier leben, so mutmasst die Organisation Save the Rhino. Der benachbarte Tsavo West-Nationalpark grenzt übrigens an den tansanischen Mkomazi-Nationalpark, wo auch mit Hilfe der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) das erste voll überwachte Nashorngehege Tansanias mit über 30 Schwarzen Nashörnern eingerichtet wurde. fss

Titelbild: Breitmaulnashorn, Weisses Nashorn | © Symbolbild by Gian Schachenmann

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Mkomazi – die unglaubliche Wiedergeburt eines Wildreservats

Ruedi R. Suter

Das ist die erstaunliche Geschichte eines Wildreservats, das bereits aufgegeben und beinahe leergewildert worden war. Doch dank dem Teamwork des Tansaniers Hezekiah Mungure, dem Engländer Tony Fitzjohn und der Amerikanerin Kirn Ellis erlebt das nordtansanische Mkomazi-Wildreservat (3'200 Quadratkilometer) an der Grenze zum kenianischen Tsavo-Nationalpark eine fast unglaubliche Wiedergeburt. Eine Reportage über die Schutzerfolge in einer abgelegenen Gegend, die den Wildtieren wieder zurückgegeben werden soll.

Von Ruedi Suter – FSS

Es ist April, und die Anfahrt zum Mkomazi verspricht Schwierigkeiten. Immer noch drohen schwere Regenwolken über dem Land. Es hat wieder geregnet letzte Nacht, hat wieder die fruchtbare Erde des Kilimanjaros auf die Strasse zwischen Arusha und Moshi geschwemmt. Die abgeholzten und beackerten Hänge der auslaufenden Hänge des Kilis leisten den sintflutartigen Regenfällen nur noch geringen Widerstand.

Ganze Felder hat es weggespült. Unheilvolle Folgen des Bevölkerungsdrucks auf den fruchtbaren Berg. Wo noch etwas Platz ist, werden Busch und Bäume abgeholzt, werden Felder angelegt. Der Mensch muss essen. Die unteren Hänge des riesigen Kilimanjaros wirken schon viel zu kahl. Wie wird es hier wohl in zehn Jahren aussehen? 

Das Tempo muss reduziert werden, zu viel Erde auf der Asphaltstrasse. Links und rechts waten die Fussgängerinnen und Fussgänger im knöcheltiefen Schlamm. Barfuss die meisten und vorsichtig, weil der Grund rutschig wie Seife ist. In den Häusern mit festgestampftem Boden ist jetzt die Erde aufgeweicht. Lange kam kein Regen, jetzt regnet es zuviel. So viel wie seit 20 Jahren nicht mehr. Unberechenbar ist sie geworden, die Natur. Auf den jetzt grünen Feldern der Ebenen hacken Frauen und Männer zwischen den kniehohen Maisstauden das hochschiessende Unkraut um. Auch der Mais hat jetzt zuviel Wasser, er wird nie mehr richtig wachsen.

Ein pfiffiger und effizienter Parkchef

Von Arusha nach Same braucht man heute nur noch etwa drei Stunden. Auf zumeist guten Asphaltstrassen. In Same, am südöstlichen Fusse des Pare-Gebirgs, ist die Abbiegung für ins Mkomazi Game Reserve. Man fährt auf der alten Strasse Richtung Tanga, die früher nördlich der Pare-Berge entlang führte. Zirka fünf Kilometer nach Same steht neben der Naturstrasse – sie bildet weitgehend auch die südliche Grenze des Schutzgebietes - ein steinernes Schild: «Hier beginnt das 1951 gegründete Game Reserve». 

Unweit davon steht unter schattigen Bäumen das Hauptquartier der Mkomazi-Ranger. Ein paar Häuser, eine abgetakelte Raubkatzenfalle, ein früher von Elefantenwilderern beschlagnahmter Landrover mit platten Pneus, ein Haufen neuer Backsteine und ein neuer Toyota Land Cruiser. Chef der nur aus 26 Männern bestehenden Rangertruppe des 3'200 Quadratkilometer grossen Reservats ist Hezekiah Mungure. Ein pfiffiger, humorvoller und effizienter Tansanier, der an den Hängen des Mount Meru bei Arusha aufgewachsen ist.

Der Mehrfrontenkampf des Hezekiah Mungure

Seine Karriere begann er 1968 in der Wildlife-Division, welche sich um die 15 Wildreservate des Landes kümmert. Mungure spezialisierte sich in der Wildererbekämpfung, war in Tabora, Mwanza, im Selous, auf Rubondo, in Dar es Salaam in der Game Divison und schliesslich wirkte er als Regional Game Officer in Moshi, wo er sich mit der Wiederbelebung des im Laufe der letzten Jahrzehnte völlig vernachlässigten, beinahe leergewilderten und von unzähligen Rinderherden heimgesuchten Mkomazi-Wildschutzreservats zu befassen begann. 

Die tansanische Regierung wollte den an den kenianischen Tsavo-Nationalpark angrenzenden Mkomazi nicht aufgeben, obwohl ihm nahe des im mittleren Südteils gelegenen Njiro-Postens 1968 bereits ein grosses Stück ausgerissen und den Bauern zur Bewirtschaftung übergeben worden war. 1988 hob die Regierung das Mkomazi-Wildreservat­Rehabilitationsprojekt aus der Taufe – und ernannte Hezekiah Mungure zu dessen Direktor.

Viel Widerstand in der Bevölkerung

In Mungures einfachem Büro stehen ein Tisch mit einem Stoss Papier darauf, daneben ein Funkgerät, ein kleiner Kasten, drei Stühle, an der Wand eine Parkkarte und Postkarten, sonst nichts. Während er in blumigen Bildern über seine Arbeit erzählt, wechselt sein Gesichtsaudruck zwischen fröhlich und bedrückt. «Manchmal», sagt er, «meine ich verrückt zu werden mit dieser Schufterei. Wir sind zu wenige, haben kaum Mittel und kämpfen gegen alle – gegen die Wilderer; gegen die Bauern, die im Reservat anpflanzen; gegen Hirten, die im Schutzgebiet verbotenerweise ihre Rinderherden weiden lassen und gegen die Natur, welche die damals zur Kolonialzeit angelegten Stauseen austrocknen und die Strassen völlig verfallen liessen. Doch nicht genug: Den härtesten Kampf müssen wir gegen die lokalen Politiker führen, Sie halten das  Reservat schlicht für überflüssig. Die Führer hier sind für die Menschen, nicht für die Tiere. Sie wollen nur Land. Kurzum, wir mussten hier ganz von vorne anfangen.»

«Hier schossen die Somali-Wilderer alle Elefanten»

Mungure steht auf, zeigt auf der Karte. Was für ein riesiges Gebiet! «Dafür sollte ich mindestens 40 Ranger haben», sagt der Mkomazi-Chef. Er hat aber nur 26 und für die Kontrollfahrten nur ein einziges Fahrzeug. Die vier alten Rangerposten werden jetzt renoviert, sieben neue sind an strategisch wichtigen Punkten geplant Mungures Zeigefinger gleitet an die südöstliche Parkgrenze, zum Umba-Fluss, in Richtung Tanga und zum Indischen Ozean. «In dieser Gegend wüteten die Somali aus Tanga. Hier schossen sie alle Elefanten. Jetzt haben wir aber Ruhe, auch dank des Cites-Banns.»

Mkomazi, früher Wildschutzgebiet, später Nationalpar&nbsp; | © Map by Wikipedia)

Mkomazi, früher Wildschutzgebiet, später Nationalpar  | © Map by Wikipedia)

 

Jetzt führt· der Mkomazi-Chef seine Gäste (die FSS-Mitglieder René Binder, Alex Rechsteiner und den Berichterstatter) zur Vorratskammer. Hier liegen Mais und Zucker. «Das haben wir mit dem Geld des FSS kaufen können. Die Nahrung ist die erste Voraussetzung dafür, dass meine Männer überhaupt richtig arbeiten können. Wir hatten häufig nicht genug zum Essen. Wir haben einfach zuwenig Geld. Ohne Essen geht aber nichts. Eure Hilfe ist darum äusserst wertvoll.»

«Müde und manchmal auch sehr allein»

Man habe schon etliches erreicht, meint Mungure: Im Reservat grasen immer weniger Rinderherden, die Wilderei sei einigermassen im Griff, viele Pisten seien wieder befahrbar, und jetzt kämen langsam langsam auch wieder die Wildtiere zurück. Mungure reicht uns das unerlässliche Gästebuch: Nur 24 Menschen haben das Reservat zwischen dem 1. Januar und 1. Mai 1992 besucht. Zum Schluss gesteht Hezekiah Mungure, er fühle sich manchmal «sehr müde und manchmal auch sehr allein».

Vor allem der fehlenden Mittel, aber noch mehr des politischen Drucks wegen, der von der umliegenden Bevölkerung auf ihn und seine Leute ausgeübt würde. «Die Leute verstehen den Sinn eines Reservates noch nicht. Ohne Tony Fitzjohn hätte ich hier wahrscheinlich längst schon aufgegeben.»

Besiedlung und Viehherden als Dauergefahren

Nächstes Ziel: Das Kisima-Camp. Es liegt mitten im Reservat, ist seit über zwei Jahren das neue Zuhause von Tony Fitzjohn und seiner Lebensgefährtin Kirn Ellys. Rechts erheben sich die schon ziemlich kahl geholzten Pare-Mountains. Ein imponierender Gebirgszug, der im Osten von den Usambara-Bergen abgelöst wird. Die Piste ist gut. Links, Richtung Kenia, das Reservat mit weiten Ebenen und blauen Bergen.

Plötzlich aber reiht sich links ein Feld ans andere bis tief ins Land hinein – es ist das Gebiet, welches die Politiker der Bevölkerung öffneten. Eindruckvolles Beispiel dafür, wie rasch und gründlich Wildnis vom Menschen in Beschlag genommen werden kann. Es bräuchte nur wenig Zeit, und die Naturschutzgebiete des Landes wären bei ihrer Aufhebung im Nu bevölkert, besiedelt, bepflanzt, das Wild gejagt, vertrieben oder eben ausgerottet.

Nach dem besiedelten Reservatsgebiet führt eine Piste links in den Busch zum Njiro-Posten. Weiter führt jetzt die Piste durch dichten Busch, in dem – ausser ein paar Dik-Dik und 

Hornbills keine Tiere zu sehen sind. Hier lebten einst zahlreiche Schwarze Nashörner und grosse Elefantenherden. Nashörner scheint es heute keine mehr zu geben, und der Elefantenbestand wurde um schätzungsweise 75 Prozent dezimiert.

Mit Insektiziden gegen die Raubkatzen

Kaum mehr zu sehen sind auch Geparde. Wildhunde sind ganz aus dem Wildreservat verschwunden, auch wenn im Mai 1991 zwei an der kenianischen Grenze gesehen wurden. Kommt hinzu, dass in diesem Gebiet zahlreiche Raubkatzen, vorab Löwen, Geparden und Leoparden von den Hirten mit einem Insektizid vergiftet wurden.

Hingegen leben im Mkomazi unter anderem noch Giraffen, Impala, Kleine Kudus, Zebras, Kuhantilopen, Gerenuks, Grant Gazellen, Eland-Antilopen, 233 Vogelarten, Büffel, Löwen und Leoparden. Lange, vergleicht René Binder, der das Reservat seit lange kennt, seien die Tiere der Wilderei wegen extrem scheu gewesen. Erst in letzter Zeit flöhen sie nicht mehr, wenn ein Fahrzeug auch nur schon in der Ferne auftauche.

Vier Fahrstunden nach der Abfahrt in Arusha öffnet sich der Busch und lässt den Blick frei auf einen Berghang mit einem unauffällig in die Landschaft eingepassten Steinhaus: Das Anwesen des Tierschützers Tony Fitzjohn und seiner Lebensgefährtin, der Filmerin Kim Ellys. Sandalen, Shorts, nackt-sehniger, braungebrannter Oberkörper, mittellanges Haar und gutmütige Augen in einem kantig-harten Gesicht – Tony Fitzjohn begrüsst herzlich die Ankommenden und heisst sie im Schatten des Esszelts Platz nehmen.

Tony Fitzjohn - Raubein mit sanftem Herzen

Von hier aus schweift der Blick über die nördlichen Berge des Reservats bis hin zur unsichtbaren Grenzlinie zwischen Kenia und Tansania. Von hier aus können an klaren Tagen sogar der Kilimanjaro und die Taita-Hills gesehen werden. Am Fusse des Kisima-Camps wurden zwei quer zueinander liegende Landepisten für Tonys Kleinflugzeug in den Busch geschlagen. 

Tony Fitzjohn vor altem Game Reserve-«Schild» |  © Foto by WildlifeNOW

Tony Fitzjohn vor altem Game Reserve-«Schild» | © Foto by WildlifeNOW

 

Wer ist dieser Mann, was tut er hier in dieser gottverlassenen Gegend? Der 47-jährige Engländer gibt ohne Umschweife in seiner rauen Sprache Auskunft. Tony Fitzjohn lebt und arbeitete 18 Jahre lang mit George Adamson zusammen, in Kora, einem Reservat in Nordkenia. George Adamson, zusammen mit seiner Frau Joy durch die erzählte und verfilmte Geschichte «Die Löwin Elsa» bekannt geworden, beschäftigte sich mit der Wiederauswilderung von durch Menschen aufgezogenen Löwen.

Fitzjohn half Ihm  dabei ebenso wie beim Aufbau des Kora-Reservats. Die beiden wurden zu guten Freunden und Partnern. Nach zehn Jahren Lehrzeit startete Fitzjohn sein eigenes Programm: Die Wiedereinführung von Leoparden in Kora. 1985 stiess die Filmerin Kirn Ellis zum Duo, um deren Arbeit schriftlich und filmisch zu dokumentieren. Als Adamson 83-jährig durch Banditen am 20. August 1989 erschossen wurde, verloren Tony und Kim einen engen Freund.

Tansanische Regierung froh um Hilfe

Auf Drängen Adamsons hatte Fitzjohn jedoch bereits damals ein neues Gebiet gesucht, wo er bedrohte Tiere wieder heimisch machen konnte. Seine Wahl fiel auf das seit 1966 völlig vernachlässigte und vergessene Mkomazi­Reservat Dies auch darum, weil die tansanische Regierung an der Wiederbelebung dieses Gebietes sehr interessiert war und

dem Engländer jede mögliche Unterstützung versprach. Fitzjohn setzte sich mit Mungure in Verbindµng. Daraus entstand nicht nur eine Freundschaft, sondern auch eine effiziente Zusammenarbeit, die zu einer verhältnismässig raschen Erholung des Reservats führte. Das Resultat des über zweijährigen Aufbaus provozierte beim nationalen Direktor der Wildlife Division, Costa Mlay, anlässlich seines Besuchs im Mai eine uneingeschränkte Anerkennung.

Zuerst musste das Reservat wieder hergestellt werden

Nicht ohne Grund, war doch das Trio Mungure-Fitzjohn-Ellis tatsächlich sehr rührig.  Zunächst wurden die Herden aus dem Reservat getrieben und der Wilderei wo immer nur möglich der Riegel geschoben. Dabei setzte Fitzjohn sein Flugzeug ein. Er meldete Mungure per Funk, wo sich Rinder, Hirten, Sammler von Halbedelsteinen und Wilderer aufhielten. Mungure und seine Leute sorgten dann am Boden für Ordnung.

Bald spürte die umliegende Bevölkerung, dass im Mkomazi nicht mehr einfach alles gemacht werden konnte. «Wir sind darum nicht gerade populär hier», bedauert Fitzjohn. In dieser Zeit wurde mir aber auch klar, dass der Mkomazi zunächst wieder zum Reservat gemacht werden musste, bevor ich überhaupt an eine Wiedereinsetzung von Geparden und Wildhunden denken konnte. Denn deswegen hatte ich ja schliesslich im Auftrag der tansanischen Regierung dieses Gebiet hier ausgesucht.»

Hilfe aus Europa und den USA

Derweil Tony Fitzjohn und Kim Ellis im abgelegenen Kisima im Herzen des Mkomazi mit viel Mühe eine eigentliche Basis mit Haus, Zelten, Landepisten und einer kleinen Werktstatt errichteten, mussten sie auch gleichzeitig Geld in Europa und den USA beschaffen. Dies wurde mit dem George Adamson Wildlife Preservation Trust (England) und den später gegründeten Tony Fitzjohn/George Adamson African Wildlife Preservation Trusts (USA und Canada) wie auch mit öffentlichen Auftritten und Filmen bewerkstelligt.

Persönliche Kontakte zu Filmgrössen in Hollywood zahlten sich dabei besonders aus. "The Mkomazi Projekt" wurde so auch in Amerika und Europa bekanntgemacht. «Auf diese Weise», so Fitzjohn, «erhielten wir bis heute jährlich rund 20'000 Pfund und 180'000 Dollars. «Das Geld wurde gleich wieder investiert – in Saläre, Nahrungsmittel, Treibstoff, Baumaterial, vier Geländefahrzeuge, ein Lastwagen, ein Traktor, Solar- und Windanlagen für Stromgewinnung, in den Bau von Landepisten, in die Wiederherstellung von fast 500 Pistenkilometer und anderes mehr.

Keine Wildtiere: Von Rinderherden und Wilderei verdrängt |&nbsp; © Foto by Kimali Markwalder

Keine Wildtiere: Von Rinderherden und Wilderei verdrängt | © Foto by Kimali Markwalder

Stark ausgebautes Funknetz

«Kommt mit!» Fitzjohn geht zu seinem dachlosen Uralt-Landrover, an dem nur noch Motor, Schaltung und Räder zu funktionieren scheinen, lässt seine Besucher aufsteigen und fährt sie auf einem kürzlich angelegten, halsbrecherisch steilen Weg zum nahen, 3'500 Fuss hohen Kisiwani-Berg hoch. Von hier oben sieht man weit ins Land hinaus, eine prächtige Sicht auf die benachbarten Berge und Täler.

Hier oben steht aber auch eines der wichtigsten Hilfsmittel: Ein Relais-Turm für den Funkverkehr im ganzen Reservat zwischen Fitzjohn, Mungure und seiner Truppe. Zwei feste Funkstationen sind in Fitzjohns Basiscamp Kisima und im Mungures Hauptquartier Zange. hinzu kommen noch die sechs Walkie-Talkies der Ranger sowie die Funkgeräte in den Fahrzeugen und im Flugzeug. Die Funkverbindung steigere nicht nur enorm die Arbeitseffizienz, sie hebe auch ganz wesentlich die Moral, sagt Tony: «Denn die ist schon manchmal ziemlich nahe dem Nullpunkt.»

Video-Aufklärung für die Bevölkerung

Zur Hebung der Moral tragen auch die Uniformen bei, welche die kanadische Regierung schickte, sowie das vom FSS finanzierte Bonus-System für festgenommene Wilderer oder beschlagnahmte Schlingen und Waffen. Des weitern führten Fitzjohn und Mungure die kontrollierten Frühbrände ein.

Und sie rüsteten einen kleinen Suzuki mit Video aus, um der Bevölkerung entlang des Reservats Sinn und Zweck des Tier- und Naturschutzes vor Augen zu führen. Gleichzeitig helfe man ihr mit Medikamenten. Fitzjohn: «Die Leute müssen einen  direkten Nutzen aus dem Reservat ziehen können. Und wir finden tatsächlich auch weniger Schlingen als früher.» 

Es fehlt an allen Ecken und Enden

Unterdessen gründeten Freunde auch die «Friends of Mkomazi», mit deren Hilfe schon einige kleinere Anschaffungen getätigt wurden. Und schon scheut das Wild nicht mehr so. Trotz der relativ breiten Unterstützung fehlt es den Mkomazi-Leuten immer wieder an finanziellen Mitteln, betonen Mungure und Fitzjohn.

Zuweilen reiche nicht einmal der Treibstoff, um mit dem zurzeit einzigen Patrouillenfahrzeug Überwachungsfahrten in entlegene Reservatsecken zu unternehmen. Um das Reservat auch für Touristen attraktiv zu machen, müsste das Pistennetz verbessert und vergrössert werden. Vor allem aber sollte das Schutzgebiet so gut überwacht werden können, dass sich das Wild wieder sicher fühlen kann. 

In dieser Beziehung geben sich Tony Fitzjohn, Kirn Ellis und Hezekiah Mungure zuversichtlich. Das Wild, vor zwei Jahren noch schrecklich scheu, lasse Menschen und Fahrzeuge bereits erstaunlich nahe an sich herein. Am meisten Freude bereiten Fitzjohn die Elefanten: «Als ich hier anfing, zählte ich mit dem Flugzeug sage und schreibe nur elf Elefanten im Reservat. Heute dürften sich bereits 200 bis 300 permanent im Gebiet aufhalten. Wir haben hier aber auch schon gegen 600 gezählt.»

Neue Gesetze notwendig

Und die Zukunft? Der FSS will auch 1993 die Mkomazi-Ranger und ihre Familien mit CHF 2'000 unterstützen. Das Verhältnis zu den tansanischen Behörden sei derart «freundschaftlich», dass man auch von dieser Seite weiterhin auf volle moralische Unterstützung rechnen dürfe, meint Fitzjohn. Am Mkomazi hänge man auch darum, weil in ihm schon Generationen von Wildhütern ausgebildet wurden. Um das Reservat allerdings selbsttragend zu machen, müsse es für den Tourismus attraktiver gestaltet werden.

Nein, ein Nationalpark soll Mkomazi nicht werden, aber Gesetze müssten her, die den Schutz des Reservats gewährleisteten. In diesem Zusammenhang muss aber das Engagement des neuen Direktors of Wildlife, Muhidin Ndolanga, abgewartet werden. Er übernimmt in Dar es Salaam den Posten von Costa Mlay, der dem Mkomazi sehr gewogen war.

Vorgesehen ist zudem die Errichtung von Campingplätzen und einer Lodge für betuchte Kundschaft. Tony Fitzjohn: «Pläne haben wir noch haufenweise, aber realisieren können wir sie nur langsam. Mit viel Geduld. Und nur Schritt für Schritt.»

Noch ahnen wir nicht, dass der Mkomazi später doch noch zum Nationalpark werden wird – mit dem ersten und rund um die Uhr bewachten Rhino-Schutzgehege Tansanias.

 

Mkomazi-Wildreservat
Schätze und Schwierigkeiten

Lage: Nordtansania, an der Grenze zu Kenia und seinem grössten Nationalpark, dem Tsavo. Nordöstlich der Pare-Berge. Gründung: 1951. Fläche: 3'200 km2.  Zustand: In einer Erholungs- und Konsolidierungsphase (1992). Hauptquartier: Zange Gate. Leiter des Reservats: Hezekiah Mungure. Hauptprobleme: Rinderherden, illegaler Feldanbau, Wilderei. Tierbestand: Sich erholend oder wieder zuwandernd. Tourismus: Kleine Lodge und Zeltplätze geplant.

Zwei Tierschätzungen wurden 1991 im Mkomazi Wildresetvat vom Tanzania Wildlife  Conservation Monitoring vorgenommen: die erste während der Regenzeit im Juni, die zweite während der Trockenzeit im Oktober. Resultate: Büffel in der Trockenzeit 4804 ( Regenzeit 11 ); Eland 2506(102); Elefant 273 (l719); Elefanten-Skelette: während der Regenzeit des Vegetation wegen nicht sichtbar, (46); Giraffe 945 (561); Grant-Gazelle 382 (176); lmpala 0 (714 ); Kongoni 797 (23); Kleiner Kudu 207 (22); Oryx.325 (77); Strauss275 (215); Rietbock 48 (11); Warzenschwein 526 (78); Zebra 2531 (1 '030) . 

Die Schätzungspräzision variiert von Tierart zu Tierart. Gesichtet wurden im Mkomazi zudem eine kleine Anzahl von Gerenuks und Dik Diks, von Füchsen und Löwen.

Titelbild: Mkomazi-Berge | © Foto by Kimali Helen Markwalder

Weiterführende Links
- Brief History of Mkomazi Game Reserve (Pre- 1969)