Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

News

Filtering by Category: TOURISMUS

Bald Safaris ohne Plastikmüll?

Ruedi R. Suter

Selbst der «Natur-Kontinent» Afrika mit seinen Wildtieren droht im Plastik zu ersticken. Etliche Länder haben den endlos scheinenden Kampf gegen den kaum abbaubaren Kunststoff aufgenommen. So auch Tansania, das ab jetzt Reisenden mit Plastiktüten die Leviten lesen will.

Plastik, Plastik, überall Plastik. Plastikabfall am Boden, Plastikpartikel im Wasser, Plastiksäcke in den Baumkronen, vom Wind in die Äste geweht, Mikroplastik im Essen, in den Mägen der Wildtiere und der Menschen, kurzum – kaum mehr ein Plätzchen auf dieser Erde ohne Plastik. Auch im einst so wilden und weitläufigen Naturkontinent Afrika nicht, was im Magazin «Habari» schon vor Jahren thematisiert wurde.

Steht dem Menschen die Plastikflut am Hals, sollte er zu handeln beginnen.

In Afrika ist man da in gewissen Gebieten schon vorbildhaft initiativ. Immer mehr Länder erklären den Plastik zum Staatsfeind. Zum Beispiel in Ghana, Uganda, Marokko und Eritrea. Selbst im kriegszerrütteten Kongo-Kinshasa versucht im Osten die Stadt Goma ein Verbot umzusetzen.

Auch Tansania wacht auf

Im nahen Tansania hat sich in dieser Woche die Regierung ebenfalls durchgerungen, dem gewaltigen Plastikproblem vermehrt den Kampf anzusagen. So veröffentlichte das Büro des Vizepräsidenten am 16. Mai 2019 eine «Notiz an die Reisenden, welche Tansania besuchen möchten».

Die Weisung fordert, keine Plastiktragtaschen und Ähnliches mehr mitzuführen: «to avoid carrying plastic carrier bags or packing plastic carrier bags or items in plastic carrier bags...». Wer dennoch so etwas mitbringe, müsse es bei seiner Ankunft abgeben. In besonderen Fällen können Ausnahmen gemacht werden. In seiner Notiz (siehe unten) versichert das Büro des Vizepräsidenten, die Umwelt schützen zu wollen, «um unser Land sauber und schön» zu halten.

Ist der Plastikmüll noch zu bewältigen?

Doch vor allem um Städte und Dörfer ist nichts mehr «sauber gehalten». Dass es dazu noch gigantische Anstrengungen braucht, ist auf Anhieb überall sichtbar. Und dass Plastik nicht nur in Einkaufs- und Tragtüten, sondern heute in fast jedem Gebrauchsgegenstand, in der Bauindustrie, Landwirtschaft und Autoindustrie beispielsweise verwendet wird, sieht sich Afrika wie die ganze Welt bei der Eliminierung des Erdölprodukts Plastik vor einer womöglich unlösbaren Aufgabe gestellt.

Eingedämmt werden aber kann wenigstens das «Plastifizieren» des Planeten.

Nicht zuletzt in Afrika, wo Kenia 2017 ein strenges Kein-Plastik-Gesetz erliess. Wer sich da noch an einer Plastiktüte vergreift, kann für vier Jahre ins Gefängnis wandern. Oder PlastiksünderInnen müssen bis zu 40 000 US-Dollar hinblättern.

Ruanda macht der Schweiz etwas vor

Den konsequentesten Plastik-Bann haben aber die Menschen Ruandas umgesetzt. Seit Jahren schon wird – dank klarem Gesetz und guten Kontrollen mit harten Strafen – auf den Umweltkiller Plastik verzichtet.

Mit verblüffendem Erfolg, melden uns Reisende aus Ruanda. Das Land sei vielerorts sauberer als die Schweiz, das dem Kunststoff auch mangels Alternativen immer noch kräftig zuspricht – und in dem Kühe und Wildtiere zuweilen an verspeistem Plastikmüll sterben. fss

Titelbild: Kollage – Impalaherde mit alter Blumenzucht-Anlage und zerschlissenem Sondermüll-Plastik, von denen es viele hat in Ostafrika | © Fotos by R.Suter

Das Schreiben aus dem Büro des tansanischen Vizepräsidiums:

Plastik Meldung TZ519-WEB .jpg






Übervölkerung: Schutzgebiete Tansanias in Frage gestellt

Ruedi R. Suter

Eine für Tansania und die Welt folgenschwere Entscheidung hat Staatspräsident John Magufuli getroffen: Der Status der Schutzgebiete und ihre Existenzberechtigung sollen überprüft werden, um der schnell wachsenden Bevölkerung und ihren Rinderherden mehr Lebensraum zu schaffen. Für Tierwelt und Tourismus ein denkbar schlechtes Omen, meint auch unser Kommentar.

Die vielen Schutzgebiete Tansanias geraten weiter unter Druck. Staatspräsident John Magufuli hat bei einem Ministertreffen von gestern Dienstag in Dar es Salaam den sofortigen Stopp der Vertreibung illegaler Siedler in Naturschutzgebieten angeordnet. Überdies gab er neue Richtlinien bekannt. Diese sollen dem schnellen Bevölkerungswachstum entgegenkommen – das zu Lasten der Schutzgebiete.

So sollen Nationalparks und Wildreservate jetzt genau unter die Lupe genommen werden, so melden heute tansanische Medien. Dort, wo «keine Wildtiere» mehr zu sehen seien, soll der Boden landlosen Bauern und Hirten zur Verfügung gestellt werden.

«Ich bin nicht glücklich»: John Magufuli gibt seine Anweisungen |  © Screenshot von «The Guardian»

«Ich bin nicht glücklich»: John Magufuli gibt seine Anweisungen | © Screenshot von «The Guardian»

«Ich bin nicht glücklich darüber, dass Viehzüchter überall abgelehnt werden» zitiert «The Guardian» John Magufuli im Zusammenhang mit dem Vertreiben der Rinderherden aus den Schutzzonen. «Gibt es ein Naturschutzgebiet, das nicht genutzt wird, werden wir das Gesetz ändern und es an Viehzüchter und Bauern verteilen.»

Dasselbe gelte für Waldschutzgebiete mit fruchtbarem Boden und ohne nennenswerten Baumbestand, die Landwirten für den Anbau von Pflanzen übergeben werden sollen. Zu prüfen sei überdies der womöglich übertriebene Schutz der Wasserquellen. Der an den Flüssen lebenden Bevölkerung solle so das Leben erleichtert werden.

Die neuen Vorgaben aus Dar es Salaam lassen Alex Rechsteiner, Afrikadelegierter der Nichtregierungsorganisation «Freunde der Serengeti Schweiz (FSS)», Schlimmes befürchten: «Das ist vor allem für einige der abgelegenen Schutzgebiete der Anfang vom Ende.»

«Weises» Vorgehen gefordert

Das Ministerium für Naturressourcen und Tourismus wurde angewiesen, bei der Überprüfung der Schutzgebiete «weise» vorzugehen – und die weniger wichtigen Zonen den Menschen zur Nutzung zu überlassen. Gestoppt ist nun auch der Rauswurf von 366 Dörfern, die sich illegal in Schutzgebieten breit gemacht haben. Innert eines Monats soll dem Parlament eine neue Beurteilung unterbreitet werden.

Staatsoberhaupt Magufuli begründete die ins Auge gefassten Änderungen im Beisein von Hamisi Kigwangalla, dem Minister für Naturressourcen und Tourismus, von Generalsekretär John Kijazi, Abdallah Ulega, stellvertretender Minister für Vieh und Fischerei, Dorothy Mwanyika, Staatssekretär im Ministerium für Land, Wohnen und Siedlungen sowie weiteren hohen Beamten.

Futterkonkurrenz der Wildtiere: 10 Millionen Rinder |  © Foto by Gian Schachenmann

Futterkonkurrenz der Wildtiere: 10 Millionen Rinder | © Foto by Gian Schachenmann

Mehr Menschen, mehr Rinder brauchen mehr Land

John Magufuli, der sich kürzlich entschieden gegen die Schwangerschaftsverhütung ausgesprochen hat, verteidigte sein Vorgehen mit dem Argument, die Zahl der Menschen und Tiere in Tansania sei massiv angestiegen.

Tatsächlich bevölkerten 1961 beim Erreichen der Unabhängigkeit etwa 9 Millionen Menschen und 10 Millionen Rinder das Land. Heute sind es über 55 Millionen Menschen und 35 Millionen Rinder – und Tansania hat mit rund fünf Kindern pro Frau eine der höchsten Geburtenraten der Welt.

Doch dem starken Bevölkerungswachstum werden keine Grenzen gesetzt. Im Gegenteil, der Präsident verteufelt die Geburtenkontrolle. Den Bürgern und Bürgerinnen, von denen schätzungsweise die Hälfte unter der Armutsgrenze leben, befahl er letzten September 2018, jeder Empfängnisverhütung zu entsagen. fss

Kommentar

Weniger Naturschutz, mehr «Entwicklung»

Das neue Vorgehen des Präsidenten ist noch schwer zu beurteilen. Denn in jüngster Vergangenheit ging die Regierung noch mit harter Hand gegen illegale Siedler und Rinderherden in Nationalparks wie die Serengeti vor.

Dörfer innerhalb der Parkgrenzen wurden abgefackelt, Rinderherden konfisziert, Strafen verhängt. In Schutzgebieten wie Moyowosi, Kigose und Makere sollen sich überdies «Ausländer» niedergelassen haben, die jetzt zu weichen haben.

Präsident Magufulis Regierungsstil wird unterdessen oft als widersprüchlich, autokratisch und radikal kritisiert – zu wenig durchdacht und auf die Schnelle nicht umsetzbar, auch wenn vieles gut gemeint und sinnvoll sei.

Verwundert nimmt man etwa zur Kenntnis, dass die Regierung eben gerade die Schaffung des 26 Quadratkilometer grossen Magombera-Waldschutzgebiets im Kilombero-Distrikt beim Selous-Weltnaturerbe umgesetzt hat. Seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhundert wurde versucht, diesen artenreichen Wald zu schützen.

Magufuli wirkt widersprüchlich, bekannte er sich doch auch zur einheimischen Fauna: «Wir sind auch auf die Wildtiere angewiesen. Ich meine auch nicht, dass wir alle Nationalparks unseres Landes neu definieren sollen. Wir müssen die aktiven Schutzgebiete erhalten.»

Über einen fatalen Trend mag dies aber nicht hinwegzutäuschen: Das Staatsoberhaupt mit dem Übernahmen «Bulldozer» will den Naturschutz zurückbinden. Er legt sein Hauptgewicht auf die schnelle Wirtschaftsentwicklung des Landes – bislang ein globaler Champion im Naturschutz, weil fast ein Drittel seiner Fläche unter Schutz steht.

Diese zumeist rohstoffreichen Naturreserven sind jedoch längst schon im Visier internationaler Konzerne, zunehmend chinesischer Herkunft. Das scheint Magufuli als ehemaliger Bauminister mehr zu faszinieren als die Zukunftssicherung des für das Land bislang lebenswichtigen Tourismus, der ohne Fauna einbrechen wird.

Wie es weitergehen könnte, zeigt das älteste Wildschutzreservat Afrikas – der Selous. Ungeachtet weltweiter Proteste ist die Regierung entschlossen, in diesem Unesco-Weltnaturerbe Uran abzubauen, Wälder abzuholzen und einen gigantischen Staudamm hochzuziehen ­– mit unabsehbaren Folgen für die Wildtiere und das Ökosystem.

Die Zeiten des breitflächigen Naturschutzes in Tansania scheinen gezählt – vor allem nach den neusten Ankündigungen seines populistischen Präsidenten, dem weiteres Bevölkerungswachstum und Industrialisierung am Herzen liegen. Es ist auch ein fatales Signal an andere afrikanische Staaten, die mit der Öffnung ihrer letzten Schutzgebiete schnelles Geld machen wollen. Verlierer wird – einmal mehr – die Artenvielfalt mit ihren Tieren und Pflanzen sein. rs

Titelbild: Flamingos über Tansania |  © Foto by Gian Schachenmann

Weiterführende Themen

Afrikas Schutzgebiete in Gefahr – das Beispiel Weltnaturerbe Selous

Touristen Achtung: Gefängnis für Besitz einer Vogelfeder

Ruedi R. Suter

Derzeit setzt Tansania seine Gesetze rigoros um. Auch den Wildlife Act. Wer demnach eine Muschel, eine Vogelfeder, einen Zahn oder sonst ein Tierteil ohne Bewilligung besitzt, dem drohen schwerste Gefängnisstrafen.

Dar-es-Salaam, 13. Dezember 2018 – «Sie sind verhaftet!» Den Satz können heute selbst Touristen oder Touristinnen zu hören bekommen, wenn tansanische Beamte bei ihnen bislang als harmlos eingestufte Souvenirs wie beispielsweise eine Muschel oder Vogelfeder finden. Was folgt, sind Gerichtsurteil, hohe Geldbussen und langjährige Gefängnisstrafen.

Denn jeder Teil eines toten Tieres, der gefunden wird, ist gemäss dem jetzt strikte umgesetzten Wildlife Act eine Regierungstrophäe. Das bedeutet: Allein deren Besitz ist strafbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Tierteil gefunden oder ohne Nachweispapier erworben, ob ein Tier gewildert oder gefangen wurde. Wer erwischt wird, dem drohen mindestens 20 bis maximal 30 Jahre Gefängnis. In bestimmten Fällen kommt noch eine happige Geldbusse hinzu.

Radikales Vorgehen

Dabei wird weder zwischen Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft unterschieden. Zahlreiche Afrikaner, aber auch Touristen sind bereits verurteilt und ins Gefängnis gesteckt worden. Die Regierung des seit 2015 waltenden John Pombe Joseph Magufuli geht radikal gegen die Korruption und gegen jede Art von echten oder vermeintlichen Betrügereien vor – mit erfreulichem Erfolg, aber auch mit folgenschweren Exzessen.

Staatseigentum Flusspferdzahn, Hippo-Unterkiefer |  © Foto by Raul654

Staatseigentum Flusspferdzahn, Hippo-Unterkiefer | © Foto by Raul654

Das grosse Aufräumen hinterlässt oft tiefe Spuren, weil gewachsene Strukturen ersatzlos eingerissen werden und eine Unzahl von Menschen plötzlich ohne Erwerbsmöglichkeiten dastehen. Im Bereich des Wildschutzes hat sich laut Beobachtern die Situation bei der Bekämpfung der Wilderei und des illegalen Wildtierhandels gemäss Kennern aber spürbar gebessert.

Willkürliche Strafen ohne Realitätsbezug

Dabei berufen sich die Behörden vermehrt auf die Landesverfassung. Ihr nach gehört die Natur einzig dem Staat. Wer ohne Genehmigung beispielsweise Schädel, Knochen, Zähne, Klauen, Vogelfedern, Felle, Muscheln, Hölzer oder auch nur Steine mit sich führt, der macht sich automatisch strafbar. Er oder sie können von Polizei und Zoll verhaftet werden.

Rätselhaft bleibt jedoch oft, nach welchen Kriterien die Richter ihre Urteile fällen. So erhielt beispielsweise der international agierende Moniface Matthew Maliango – im Volksmund «Shetani» (Der Teufel) genannt – einen vergleichsweisen kurzen Freiheitsentzug. Der Töter tausender Elefanten, Elfenbeinschmuggler und Chef eines weit verzweigten Verbrechersyndicats erhielt nur gerade 12 Jahre Knast.

Sammeltrieb kann zu Jahrzehnten Gefängnis führen

Ein Klacks gegen die 20 Jahre Haft und die unbezahlbare Geldstrafe, mit der Emmanuel Richard fertig werden muss. Der junge Fahrer wurde mit fünf Flusspferd-Zähnen festgenommen, für die er keine Genehmigung hatte. Zwei Dekaden Knast für Zähne, deren Kilopreis 3.90 Franken beträgt, ist der Gipfel der Absurdität.

In tansanischen Gefängnissen sind auch Insassen versenkt, die schon Jahrzehnte einsitzen. So warnen wir an dieser Stelle alle Touristen und Touristinnen in Tansania, unbedingt ihren Sammeltrieb unter Kontrolle zu halten und sich genau zu überlegen, was im Reisegepäck verstaut werden soll. Denn heil aus den heillos überfüllten Gefängnissen zu kommen, ist alles andere als garantiert – allein schon der Krankheitskeime oder der arg belasteten Psyche wegen nicht. fss

***