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Wildtier-Tourismus: Chancen für Büffel, Gepard & Co

Ruedi R. Suter

Was sind Wildtiere eigentlich wert? Die heikle Frage versucht der Welt-Reise und Tourismus-Rat mit einer Studie zu beantworten.

Sein Fazit: Wildtiere, die wir als Touristen in der Wildnis besuchen und beobachten können, bringen der Wirtschaft das Fünffache dessen, was illegale Wildtierhändler mit ihrem Tun anrichten. Neues zum boomenden Wildtier-Tourismus.

Von Ruedi Suter – FSS

In freier Wildbahn einem Leoparden, Elefanten, Affen, Chamäleon, Flusspferd, Gürteltier, Kudu oder Sekretär-Vogel zu begegnen, ist ein vielschichtiges Gefühl. Wahrscheinlich auch deshalb, weil in ihm stets auch eine seltsame Mischung aus Freude, Neugier, Ehrfurcht, Rätselhaftigkeit und Angst mitschwingt.

Das Tier, unser nächstes Mitwesen, vermag anzuziehen oder abzustossen, wir spüren wohl instinktiv eine Verwandtschaft, der wir uns nicht entziehen können. Die Faszination des so fremden wie bekannten Andersseins in Gesellschaften, die sich immer mehr den Maschinen ausliefern, bildet eine wesentliche Grundvoraussetzung für den Wildtiertourismus in den noch natürlich belassenen Steppen, Wäldern und Gewässern dieser Erde.

Sehnsucht nach dem Ursprung

Kein Wunder deshalb, dass auch der Wildtiertourismus stetig wächst. Die Menschen sehnen sich offensichtlich zunehmend nach ursprünglichen Gegenden mit ihren oft besonderen Tier- und Pflanzenarten. Und da das Reisen selbst in abgelegenen Gebieten kaum mehr mit Entbehrungen verbunden ist, leisten sich immer mehr Touristinnen und Touristen aus Europa, Amerika und Asien den erschwinglich gewordenen Luxus einer «Abenteuersafari».

Diese Reisen durch stets «berechenbarere» Wildnisse müssen nicht über gefühlsstarke Erlebnisse beschrieben sein, sie können schlicht auch mit wirtschaftlichen Massstäben definiert werden. Das zeigt die neue, knochentrockene Studie des Welt-Reise und Tourismus-Rats (World Travel & Tourism Council, WTTC).

Lieber lebend als tot:  Touristen erleben zu Fuss die Wildnis, Büffel, Tansania | ©  Foto by Gian Schachenmann

Lieber lebend als tot: Touristen erleben zu Fuss die Wildnis, Büffel, Tansania | © Foto by Gian Schachenmann

Killen, fangen oder nur beobachten?

Der Rat stellte sich für 2018 eine zentrale Frage: Was bringt in Ländern mit grossem Wildbestand mehr Geld? Der Wildtiertourismus? Oder der illegale zur Ausrottung führende Handel mit wilden Tieren? Die errechnete Antwort im Zusammenhang mit dem globalen Bruttoinlandprodukt (BIP): Der illegale Wildtierhandel bringt rund 23 Milliarden Dollar ein, der Wildtiertourismus hingegen mehr als das Fünffache - etwa 120 Milliarden Dollar.

Hinzu kommt weltweit ein wichtiger «Nebeneffekt» – in Form von mehr als 9 Millionen Jobs, plus etwa 22 Millionen Arbeitsplätze, die vom Tiertourismus profitieren können. Das Besuchen und Beobachten von Wildtieren in ihrem natürlichen Lebensraum machte letztes Jahr laut WTTC bereits 4,4 Prozent des gesamten globalen Tourismus-Bruttoinlandprodukts aus.

Was lebt und fasziniert ist mehr wert

Gloria Guevara, Präsidentin und Leiterin von WTTC, fasst die Erkenntnisse für die Öffentlichkeit so zusammen: «Wildtiere sind lebend viel wertvoller als tote.» Für Gemeinschaften in Wildgebieten könne dies zu einem starken Anreiz werden, Tiere nicht für einen einmaligen Geldbetrag umzubringen, sondern sie für sich und die Welt zu schützen.

Die Erkenntnis ist nicht neu und wird von Naturschützenden mit Hilfe vorausblickender Regierungen schon seit Dekaden recht erfolgreich umgesetzt. Kurz zusammengefasst: Schutzgebiete mit Wild werden von der Bevölkerung erst dann akzeptiert und aktiv bewacht und verteidigt, wenn sie dafür auch Einnahmen und Gewinne in Form von Geld, Löhnen und Infrastrukturen erhalten.

Der grösste regionale Markt für Wildtiertourismus ist nicht Afrika, sondern Asien mit einem direkten BIP von etwas über 53 Milliarden Dollar und 4,5 Millionen Arbeitsplätzen. Erst an zweiter Stelle kommt Afrika mit einem direkten BIP von 29 Millionen Dollar und wo 3,6 Millionen Menschen vom Wildtiertourismus leben können. Mehr als ein Drittel des gesamten direkten Tourismus-BIP Afrikas sei 2018 auf die Attraktion der Wildtiere zurückzuführen gewesen, heisst es in der Studie des Welt-Reise und Tourismus-Rats.

Viel zu sehen:  Safari-Touristen in der Serengeti, Tansania |  © Foto by Gian Schachenmann

Viel zu sehen: Safari-Touristen in der Serengeti, Tansania | © Foto by Gian Schachenmann

Mehr Menschen, weniger Wildnis

An dritter Stelle folgt schliesslich Nordamerikas mit seiner Wildtier-Tourismuswirtschaft – mit 13,5 Milliarden Dollar und beinahe 22 Millionen Arbeitsplätzen. Der Wildtier-Tourismus wird mit dem zunehmenden Dichte-Stress auf der Welt und der vermehrten Sehnsucht nach Wildnissen und «unberührten» Landschaften mit «paradiesischem» Wildvorkommen weiter wachsen, sollten nicht neue Kriege oder Wirtschaftskollapse die Entwicklung stoppen.

Entwickelt sich der globale Tourismus jedoch weiterhin so dynamisch wie in den letzten Jahren, droht auch dem Wildtiertourismus der Schrecken des Overtourism, dem bestenfalls mit einem strengen Managements der Schutzgebiete und Natur-Destinationen beizukommen ist. Versagt hier die Weltgemeinschaft, dann droht den letzten Wildnissen dieser Erde der Kollaps und ihren Tieren und Pflanzen Überbeanspruchung, Stress und Niedergang.

Das Problem ist vielerorts bereits erkannt, notwendige Massnahmen werden teils schon ergriffen. Begriffe wie «Wildnis» oder «Wildtiere» werden so oder so jedoch eine andere Bedeutung erhalten, Weil der einst ursprüngliche Zustand unseres Planeten von uns Menschen grundlegend verändert wird. In der Regel auf Kosten der Wildnis und ihren Lebewesen.

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