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Neuer «Nyerere-Park» killt Selous-Weltnaturerbe

Ruedi R. Suter

Das grossartige Selous-Weltnaturerbe der Unesco im Süden Tansanias ist in seiner jetzigen Form als eines der grössten Wildschutzreservate der Welt bald Vergangenheit. Die tansanische Regierung unter John Magufuli trennt im Eilverfahren einen Teil ab und bastelt aus ihm den «Nyerere-Nationalpark».

Überraschen kann das kaum: Im Selous sind Minen-, Holz- und Bauunternehmen schon am Graben, Abholzen und Errichten eines Mega-Damms. Allerdings sehen nicht alle nur schwarz. Gleichzeitig hat heute das Parlament mit der Gründung zweier weiterer Nationalparks deren Zahl auf insgesamt 24 erhöht.

«Innerhalb weniger Tage und ohne nennenswerte Planung hat die Regierung von Tansania entschieden, aus dem bisher über 50’000 Quadratkilometer grossen Selous-Wildreservat 31’000 Quadratkilometer herauszuschneiden. Dieser Teil wird der Nyerere-Nationalpark». Das meldete der deutsche Selous-Spezialist Rolf D. Baldus heute dem Verein der Freunde Serengeti Schweiz (FSS).

Das Parlament habe den Vorschlag einstimmig angenommen. Als Begründung seien ein besserer Schutz der Wildtiere und höhere erwartete Einnahmen durch den Tourismus angegeben worden.

Baldus, der sich seit über 30 Jahren mit dem Selous befasst und sechs Jahre lang im Reservat selbst arbeitete, zeigt sich skeptisch: «Dies könnte eine Bauchlandung werden, da sich der grösste Teil des neuen Nationalparks nur bedingt für Fototourismus eignet.» Dieser habe sich bislang nicht einmal in den attraktiven und seit 20 Jahren jagdfreien Gebieten im Norden des Reservats (Kinjanguru und Matambwe) entwickeln können.

Happige Jagd-Einnahmen für den Wildschutz werden fehlen

Der Selous war bislang ein Wildreservat, dessen Wildbestand sich – neben dem eher bescheidenen Fototourismus – auch dank der Einnahmen aus der Jagd schützen liess.

Ein grosser Teil dieses Geldes werde auch nicht mehr hereinkommen. Denn statt der bislang 40 Jagdblocks wird es laut Rolf Baldus in Zukunft nur noch 10 in den Sektoren Kingupira und Miguruwe im Osten des bisherigen Selous Wildreservats geben.

Ende eines UNESCO-Weltnaturerbes:  Start zum Dammbau im Selous |  © Foto by Ndege

Ende eines UNESCO-Weltnaturerbes: Start zum Dammbau im Selous | © Foto by Ndege

Chancen durch die Parkgründung nicht ausgeschlossen

Optimistischer ist da Markus Borner, der ehemalige Afrika-Verantwortliche für die ebenfalls im Selous engagierte Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF).

Borner, der als Nachfolger von Bernhard Grzimek viele Jahre in Tansania lebte, die nationale Schutzpolitik wesentlich mitprägte und damals bereits einen Plan für die Umwandlung des Selous in einen Nationalpark entwarf, erklärte gegenüber dem FSS: «Ein Nationalpark könnte auch die Chance sein, den Kern des Selous zu erhalten. Wenn der Stausee und die umgebenden Gebiete unter dem Nationalpark-Status geregelt sind, so könnten - nach meiner Ansicht - das Gebiet viel besser kontrolliert und die Langzeit-Schäden des Dammes reduziert werden.»

Ungewisse Zukunft mit vielen Fragen

Der neue, aus dem Selous herausgeschnittene Park wird nach dem «Vater der Nation» benannt – dem früheren Präsidenten Julius Nyerere, soll der nationalen Parkbehörde «Tanzania National Parks» (TANAPA) unterstellt werden.

Von den bislang 22 Nationalparks des Landes erwirtschaften laut Baldus nur gerade drei (Kilimandscharo, Serengeti und Tarangire) Überschüsse. Die anderen schreiben rote Zahlen. Der Nyerere-Nationalpark wird nun zum grössten des Landes.

Ob die Nationalparkbehörde, finanziell und personell chronisch unterdotiert, die neue Belastung stemmen kann, ist Experten zufolge mehr als fragwürdig. Laut Baldus habe hingegen der einst im Selous erwirtschaftete Jagdtourismus «hohe Überschüsse» eingefahren.

Was die tansanische Regierung genau antreibe, sei «undurchsichtig». Der sich im Bau befindliche Mega-Staudamm im Herzen des Selous, der weltweite Proteste auslöste, wurde ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und wirklich abgesicherte Finanzierung gestartet. Mitarbeitende des FSS überflogen Ende August das Baugebiet wie auch Teile der von Soldaten durchgeführten Abholzungen. 1’000 Quadratkilometer sollen insgesamt den Kettensägen zum Opfer fallen – die zurzeit weltweit grösste Waldvernichtung.

Angriff auf den Trockenwald des Weltnaturerbes:  Umgehauene Bäume (bläulich) |  © Foto by Ndege

Angriff auf den Trockenwald des Weltnaturerbes: Umgehauene Bäume (bläulich) | © Foto by Ndege

Rolf Baldus verweist überdies auf «geheime» Planvorhaben der Regierung für den Selous. Dazu gehörten ein teils geteertes Strassennetz sowie mehrere Brücken, beide nutzbar für den Fernverkehr. «Das Gebiet wird damit seinen Wildnischarakter verlieren», prophezeit Baldus.

«Es steht zu befürchten, dass der autokratisch regierende Präsident Magufuli, der die Entwicklung seines Landes durch Grossprojekte beschleunigen will und für Umweltschutz wenig übrig hat, das riesengroße Schutzgebiet verkleinern will, um an die vorhandenen Bodenschätze – Gold, Uran, Diamanten, seltene Erden, Erze – heranzukommen. Für den Selous sind – anders als manche jetzt erhoffen – düstere Zeiten angebrochen.»

Tansania im Nationalpark-Gründungsfieber

Wie inländische Medien am heutigen 11. September 2019 mitteilen, hat Tansanias Parlament zwei weitere Nationalparks aus der Taufe gehoben – den «Kigosi-» (Shinyanga-Tabora-Region) und den «River-Ugalla-Nationalpark» (Zentral-Tansania). Beide Gebiete waren bislang Wildschutzgebiete, die vor allem von Jagdeinnahmen lebten.

Hamis Kigwangallah, der zuständige Minister für Bodenschätze und Tourismus, zeigte sich als Tansanier stolz, derart viele Gebiete als Nationalparks ausweisen zu können. Mit den nun insgesamt 24 Nationalparks gehöre Tansania auf der Skala der Nationalparks definitiv zur Weltspitze.

FSS-Präsident Schläpfer sieht die Nationalpark-Euphorie auch kritisch

FSS-Präsident Adrian Schläpfer anerkennt den Willen der tansanischen Regierung, einen wesentlichen Teil des ostafrikanischen Landes unter Schutz zu stellen. Allerdings ist der ehemalige Schweizer Botschafter in Tansania über das «äusserst rasche Vorgehen» und die ungenügende Prüfung der Umweltverträglichkeit beim Dammbau in der Stieglers-Schlucht des Selous-Weltnaturerbes besorgt.

Schläpfer fragt sich überdies, ob im «Nyerere-Nationalpark» wie auch in den beiden anderen neuen Parks genügend Ranger und Finanzen vorhanden sein werden: «Wir hoffen angesichts der bereits in der Serengeti fehlenden Ressourcen, dass in den neuen und riesigen Schutzgebieten auch das notwendige Geld für den Einsatz zusätzlicher Wildhüter, für ihre Ausrüstung, den Wagenpark und die ganze Infrastruktur zur Verfügung stehen wird. Denn ohne den professionellen Schutz sind die neuen Nationalparks rasch leer gewildert.»

r.s. | rdb | fss

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«Der Tarangire darf nicht sterben!»

Ruedi R. Suter

 Die Vogelperspektive verrät es: Wo der wildreiche und von Siedlungen umzingelte Tarangire-Nationalpark in Nordtansania bedrängt wird, aber auch wie ihm geholfen werden kann. Eine Reportage mit geschichtlichem Rückblick – aus dem Cockpit.

 Von Ruedi Suter – FSS 

Das Flugzeug kippt abrupt in eine steile Schräglage. So, als müsste es einem direkt auf uns zufliegenden Geier ausweichen. Gleich wie es damals der 25-jährige Michael Grzimek über der Serengeti versucht hatte. Vergebens: Sein zebragestreiftes Kleinflugzeug schmierte ab, und der Sohn des berühmten Verhaltensforschers Bernhard Grzimek überlebte nicht.

Das geschah, fast auf den Januartag genau, vor 59 Jahren. Die Dornier Do 27 war mit einem Geier kollidiert. Ironie des Schicksals: Michael starb, weil er wollte, dass die Serengeti überlebt. Er schrieb an einem Buch, dass sein Vater vollenden musste und sich, zusammen mit dem gleichnamigen Film, weltweit zum Weckruf für den Naturschutz in Afrika entwickelte: «Die Serengeti darf nicht sterben».

Cessna Skylane 182Q:  Überflug in der Regenzeit macht möglich, was mit Auto unmöglich wäre |  © RS

Cessna Skylane 182Q: Überflug in der Regenzeit macht möglich, was mit Auto unmöglich wäre | © RS

Unser Pilot muss keinem grossen Vogel ausweichen. Das Abkippen seiner Cessna Skylane 182Q nach rechts hat einen anderen Grund. Jetzt, wo meine rechte Schulter von der Schwerkraft ans Fenster Richtung Erde gezwungen wird, tönt es im Kopfhörer: «Siehst du die Parkgrenze?» Und wie ich sie sehe!

Die kritische Grenze:  Unten der Nationalpark, oben kultiviertes Land |  © Foto RS

Die kritische Grenze: Unten der Nationalpark, oben kultiviertes Land | © Foto RS

Unter uns durchschneidet eine fadengrade Linie die Landschaft. Sie endet am Horizont, und sie löst Unbehagen aus. Denn hier kollidieren zwei Welten: Links die Wildnis mit ihrer Vielfalt an Wildtieren, Wildpflanzen und kaum berührten Landschaften, rechts die Zivilisation mit ihren Siedlungen, Feldern, Strassen, Rinder-, Schafs- und Ziegenherden.

Alex Rechsteiner, FSS-Afrikadelegierter:  «Der Tarangire darf nicht sterben!» |  © Foto RS

Alex Rechsteiner, FSS-Afrikadelegierter: «Der Tarangire darf nicht sterben!» | © Foto RS

Unter Druck der umliegenden Bevölkerungen

Alex Rechsteiner (49), der Pilot, legt die Cessna zurück in die Horizontale und fliegt sie der Linie entlang. Jetzt zeigt sich, wie diese zaunlose Südgrenze des Tarangires durchbrochen ist, wie da und dort im Park Siedlungen und kleine Felder angelegt wurden und wie Hirten ihre Rinderherden unbekümmert weiden lassen. Alles verboten, nichts davon wurde je gestattet.

Wir sind Zeugen des wachsenden Druck der Menschen auf den Tarangire, ähnlichem jenem auf die Serengeti und alle Naturschutzgebiete des Kontinents. Die Nationalparks und Wildschutzgebiete werden angeknabbert, besiedelt, ihre Tiere bejagt, ihre Bäume gefällt, ihre Früchte und der Honig geplündert, wenn die Behörden nicht dauerhaft und energisch durchgreifen.

Eine kostspielige Herkulesaufgabe, schwer zu bewältigen bei der ungezügelten Bevölkerungszunahme, der Wilderei, dem illegalen Wildtierfang aber auch beim Klimawandel mit seinen zerstörenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft sowie dem chronischen Mangel an Geld und Ausrüstungen. Immerhin: Die Magufuli-Regierung beginnt jetzt auch im Tarangire die Gesetze durchzusetzen.

Regenzeit im Tarangire-Nationalpark:  Krasser Gegensatz zur wasserlosen, beigen Trockenzeit |  © Foto RS

Regenzeit im Tarangire-Nationalpark: Krasser Gegensatz zur wasserlosen, beigen Trockenzeit | © Foto RS

37 Würgeschlangen in den Bäumen

Die Cessna dreht ab, nimmt Kurs ins Parkinnere. «Der Tarangire darf nicht sterben» hatte mir Alex Rechsteiner den Flug von Usa River zum Tarangire-Nationalpark in seiner wortkargen Art begründet. Ein mehrdeutiger Satz, der auch über die Familiengeschichte des in Tansania aufgewachsenen Managers und Afrikadelegierten der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) zu verstehen ist.

Denn er und sein Bruder Daniel (51) verbrachten als Kinder zusammen mit den Eltern David (85) und Lilian Rechsteiner (77) ganze Wochen im Busch unter uns. Man erreichte ihn Anfangs der 1970-ger Jahre in mühsamen Schritttempo-Fahrten durch die damals unbesiedelte Massai-Ebene, in der noch zahlreiche Wildtiere lebten – Zebras, Gnus, Giraffen und Gazellen, Büffel, Hyänen und Grosskatzen, Elefanten – und Spitzmaulnashörner. 37 begegneten sie allein an einem Abend nahe des Tarangire-Flusses.

Dank Niederschlägen Grünfutter im Überfluss… Kaffernbüffel im Tarangire |  © Foto RS

Dank Niederschlägen Grünfutter im Überfluss… Kaffernbüffel im Tarangire | © Foto RS

Schweizer gaben die Idee zur Parkgründung

Doch seit Ende der siebziger Jahre durchstreifen keine Rhinos mehr die unter uns vorbeiziehende Savanne. Alle weggewildert. Dabei war «Kifaru», wie das Tier auf Suaheli heisst, der Ursprung dieses 2’850 Quadratkilometer grossen Nationalparks.

Dass es ihn gibt, ist vorab der Initiative der FSS-MitbegründerInnen David und Lilian Rechsteiner zu verdanken. Sie, die im vormaligen Wildreservat viel zu Fuss unterwegs waren, alarmierten Ende der sechziger Jahre die ausufernde Wilderei und das rasche Verschwinden ihres Lieblingstiers, welches später auch das Logo des FSS schmücken sollte.

Ihre Vorstellung: Die Umwandlung des noch wildreichen Reservates in einen besser geschützten Nationalpark. Bernhard Grzimek liess sich von der Idee begeistern. Ebenso dessen Freund Julius Nyerere. Der erste Präsident Tansanias versprach seine Unterstützung – 1970 wurde der Tarangire-Nationalpark aus der Taufe gehoben.

T arangire-Gründung 1970:  Extreme Gegensätze zwischen Trocken- und Regenzeit |  © Foto RS

Tarangire-Gründung 1970: Extreme Gegensätze zwischen Trocken- und Regenzeit | © Foto RS

Kein Durchkommen mit Geländefahrzeugen

Alex Rechsteiner kennt Nordtansania wie sein Cockpit. Kaum ein Gebiet, welches er nicht auch mit dem Geländewagen erkundet hätte. Heute aber wäre ein Durchkommen am Boden unmöglich gewesen. Ungewohnte Regenfälle haben weite Teile unter Wasser gesetzt, haben das sonst knochentrockene Gebiete in bezaubernde Landschaften mit schimmernden Wasseradern verwandelt.

Hier unten wären wir mit dem Wagen schnell im Schlamm versackt! Und wir hätten nie diese kleinen Seen erreicht, welche die Cessna eben überfliegt. Es sind die Dämme von Mkungunero, diese mit Hilfe des FSS ausgebaggerten Senken. Sie retten Tierleben, sie ermöglichen es dem Wild während der Trockenzeit im Park zu bleiben. Denn ausserhalb des Parks, in den unterdessen fast überall besiedelten Gebieten, lauert der Tod – durch Wilderer oder Bauern und Hirten, die ihre Felder und Herden verteidigen.

Strausse auf Augenhöhe : Tarangire-Nationalpark, weites Land mit vielen Wildtierarten |  © Foto RS

Strausse auf Augenhöhe: Tarangire-Nationalpark, weites Land mit vielen Wildtierarten | © Foto RS

Wo können notwendige Wasserstellen angelegt werden?

Im frischen Grün des Busches unter uns sichten wir nur wenige Tiere, doch Rechsteiner schaut eh nach etwas anderem. Er drückt den Flieger Richtung Erde, um die Strömungen der temporären Wasserstrassen besser zu erkennen. «Ich möchte wissen, wo wir für die Trockenzeiten eine weitere Senke ausheben können.» Je mehr Wasserstellen, je besser für die Wildtiere.

Der Afrikadelegierte erinnert mich an seinen Vorgänger, seinen Vater David, mit dem ich vor 30 Jahren erstmals unterwegs war, um in den abgeschiedensten Gebieten der West-Serengeti und des Tarangire nach Lösungen für die Bedürfnisse der WildhüterInnen und Wildtiere zu suchen.

Tarangire, 2’850 Quadratkilometer we it: Letzte Zuflucht für Elefanten |  © Foto RS

Tarangire, 2’850 Quadratkilometer weit: Letzte Zuflucht für Elefanten | © Foto RS

Vorteile des Beobachtens am Himmel oder vom Boden

Das gleiche Engagement, die gleiche Liebe zum Land. Nur die Mittel haben sich etwas geändert: Der Sohn hat sich in seiner Freizeit zum Buschpiloten ausbilden lassen. Die Vogelperspektive hat es ihm angetan: «Du siehst schneller mehr.»

Das stimmt. Es stimmt aber auch, was sein Vater gerne sagte: «Am Boden spürst du mehr.» Alex Rechsteiner kennt beides. Zum Glück für ihn, den FSS und den Tarangire, der als Tierparadies noch lange leben soll.

Titelbild: Alex Rechsteiner bringt das Flugzeug zur besseren Beobachtung in Schräglage | © Foto Ruedi Suter
Erstpublikation dieser Reportage: HABARI , Magazin der Freunde Serengeti Schweiz (FSS)

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Ohne Naturschutz-Management keine Zukunft

Ruedi R. Suter

Je mehr Menschen die Erde bevölkern, desto wichtiger wird ein professioneller Schutz der letzten Naturschutzgebiete. Eine Erkenntnis, die sich auch in Tansania durchsetzt und von WissenschafterInnen umgesetzt wird.

Jetzt haben drei Studierende erstmals einen Master für Naturschutz-Management abschliessen können – dank der internationalen Zusammenarbeit  einer Stiftung, einer Universität und eines Instituts. Was für die so dringende wie notwendige Ausbildung noch fehlt, ist die tatkräftige Unterstützung durch tansanische Stellen.  

Von Monica Borner

Nationalparks und andere Naturschutzgebiete sind eine wichtige Einnahmequelle für Tansania und andere afrikanische Länder. Das Serengeti-Ökosystem zum Beispiel generiert über 150 Millionen US-Dollar pro Jahr (Greater Serengeti Conservation Society, Hopcraft). Der langfristige Schutz dieser Gebiete ist deshalb auch für die ökonomische Zukunft der Länder von zentraler Bedeutung.

Leider gibt es zur Zeit immer wieder Regierungsentscheide, die dieser Tatsache keine Rechnung tragen — und die Anlass zu Sorge geben. Deshalb ist es sehr wichtig, dass tansanische Wissenschafterinnen und Wissenschafter jene leitenden Personen in der Verwaltung beraten können, welche die Entscheidungen fällen müssen.

Neue Generation von Naturschutz-SpezialistInnen

Denn für all die Herausforderungen, welche die Serengeti bedrohen, gibt es Lösungen, die sowohl den Anwohnern wie dem langfristigen Wohlbefinden des Ökosystems mit seinen Tieren und Pflanzen zugute kommen.

Leopard im Baum : Kann nur überleben, wenn er effizient geschützt wird |  © Foto KET

Leopard im Baum: Kann nur überleben, wenn er effizient geschützt wird | © Foto KET

Diese Lösungen ergeben sich aus der Interpretation und Nutzung der Langzeit-Daten, die auch die Menschen als Teil des Ökosystems einbeziehen, und aus einer dafür besonders ausgebildeten neuen Generation von tansanischen Wissenschaftern und Managerinnen.

Um die Serengeti effektiv und nachhaltig zu beschützen, braucht es ein gut ausgebildetes Team von WissenschafterInnen. Sie managen die Ressourcen, betreiben die Wildlife Institutionen und unterstützen die Regierung bei den Richtlinien.

Diese Überlegungen bewogen die Karimjee Jivanjee Foundation (KJF), Master Training Kurse für Naturschutz-Management zu entwickeln und zu ermöglichen: die KJF hat sich verpflichtet, drei tansanische Studenten pro Jahr mit Ausbildung und Unterhalt zu unterstützen.

Dieses Programm «Conservation Management of African Ecosystems» (CMAE) ist ein besonderes Masters Programm der Universität Glasgow und des Nelson Mandela Instituts für Wissenschaft und Technologie in Arusha.

Naturschutz-Management will gelernt sein

Das Programm besteht aus zwei Semester-Kursen in Glasgow. Danach werden die StudentInnen in Tansania mit Unterstützung des Nelson Mandela Instituts für Wissenschaft und Technologie ausgebildet und führen Forschungsprojekte in einem der wichtigen Naturschutzgebiete in Tansania durch.

Das Programm wird von den beiden Instituten gemeinsam betrieben. Es vermittelt Einsichten in die Grundlagen des Naturschutz-Managements: Biodiversitätsvermessung, angewandte Ökologie, menschliche Aspekte von Umweltschutz und Epidemiologie von Krankheiten, die bedrohte Arten gefährden.

Die Studierenden lernen Planung von Studien, Datenanalysen sowie das Verfassen und Kommunizieren wissenschaftlicher Studien für verschiedenste Zielgruppen, wie zum Beispiel für Regierung, EntscheidungsträgerInnen und die breitere Öffentlichkeit.

Auch das Tanzanian Wildlife Research Institute (TAWIRI) unterstützt Studierende, welche Projekte dieses Programmes durchführen.

Das CMAE Programm ist jetzt im 3. Jahr. Die ersten StudentInnen schlossen im November 2018 alle mit Auszeichnung ab. Besonders erfreulich: die beiden Frauen Zabibu Kabalika und Evaline Munisi wie auch der Warden Ronald Vincent sind hoch motiviert, sich mit ganzer Kraft für den Naturschutz in Tansania einzusetzen.

Warten auf den fälligen Segen der Universitätskommission

Die zweite Gruppe führt zur Zeit Feldprojekte in Tansania durch. Die dritte Gruppe schliesst gerade ihr Studium an der Uni Glasgow ab und bereitet sich auf ihr Feldprogramm in Tansania später in diesem Jahr vor. Für die ersten drei Jahre des Programms wurden 9 TansanierInnen und 14 internationale StudentInnen unter vielen Bewerbungen ausgewählt.

Prüfungsfeier in Glasgow, UK . Von links: Grant Hopcraft (Dozent), Ronald, (hinten: John Claxton, MSc-Kurs) Evaline, Zabibu, Barbara Mable and Markus Borner (Dozenten) |  Foto zVg.

Prüfungsfeier in Glasgow, UK. Von links: Grant Hopcraft (Dozent), Ronald, (hinten: John Claxton, MSc-Kurs) Evaline, Zabibu, Barbara Mable and Markus Borner (Dozenten) | Foto zVg.

Leider hat der Projektpartner in Tansania, die Nelson Mandela African Institution of Science and Technology (NM-AIST) immer noch Schwierigkeiten, dieses (und auch andere) Programme offiziell von der Tanzanian Commission for Universities (TCU) registrieren zu lassen.

Das bedeutet, dass Tansanier und Tansanierinnen nicht den ursprünglich vorgesehenen doppelten MSc bekommen, sondern nur einen einfachen (von Glasgow) und eine Studienbestätigung von NM-AIST. Leider verunmöglicht das auch internationalen StudentInnen zur Zeit, den Studiengang abzuschliessen, da sie die nötige Studienbewilligung in Tansania nicht erhalten. Sie machen deswegen vor allem Literaturstudien zu ihrer Diplomarbeit.

Das Trio Kabalika, Munisi und Vincent

Zabibu Kabalika  arbeitete vorher für den Serengeti Nationalpark im Gemeinde-Ressort. Sie hat jetzt ein hochangesehenes Commonwealth-Stipendium gewonnen für ein vierjähriges PhD-Studium in Community Conservation in Glasgow.

Evaline Munisi arbeitet weiterhin (wie vor diesem Master-Kurs) für TAWIRI (Tanzanian Wildlife Research Institute). Ronald Vincent arbeitete als Warden in Charge von Moru und ist jetzt zurück in der Serengeti als Rhino Warden. Er hat ein kleines National Geographic-Stipendium erhalten – zur Erforschung der Nashorn-Genetik. fss

Titelbild: Flusspferd in Tansania | © Foto by Adrian Schläpfer

FSS für Einsatz geehrt

Ruedi R. Suter

Freude bei der Naturschutzorganisation Freunde der Serengeti Schweiz (FSS): Tansania lobt ihre Mitglieder für ihren jetzt 35 Jahre dauernden Einsatz beim Schutz der afrikanischen Natur als «Best Conservation Partner»,

Die bemerkenswerte Auszeichnung erhielt die Nichtregierungsorganisation FSS von der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA. Es ist ein Zertifikat zur «herausragenden Unterstützung für den Naturschutz und den nachhaltigen Tourismus» im ostafrikanischen Land.

Die Anerkennung in Form einer geprägten Platte mit Urkunde konnte die tansanische FSS-Projektassistentin Susan Peter Shio am 19. Juni 2019 in Anwesenheit von Hamisi Kigwangala, Minister für Naturressourcen und Tourismus, im Mount Meru Hotel in der nordtansanischen Stadt Arusha in Empfang nehmen (Titelbild).

FSS-Präsident Adrian Schläpfer erreichte die frohe Kunde im finnischen Helsinki. In einer ersten Reaktion zeigte er sich hocherfreut. Nicht zuletzt auch darum, weil der Schweizer Verein in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiern kann und die Auszeichnung als eine wichtige Würdigung aller bisherigen Bemühungen bei der Erhaltung der Natur und des Wildschutzes eingestuft werden könne.

Spezial-Anerkennung für David Rechsteiner

Susan Shio konnte aber auch noch eine zweite Auszeichnung in Empfang nehmen: Einen Sonderpreis für den kürzlich verstorbenen Unternehmer und FSS-Mitbegründer David Rechsteiner. Ihm hat die TANAPA unter anderem auch das Grundstück in Arusha zu verdanken, auf dem heute das Hauptquartier der Behörde steht.

Dem langjährige Afrika-Delegierten des FSS und seiner Familie wurde so post mortem für seine vielseitige Unterstützung beim Schutz der tansanischen Nationalparks gedankt.

«Wir fühlen uns sehr geehrt, diese Auszeichnungen erhalten zu haben», meldete Projektassistentin Susan Peter Shio in die Schweiz. Ebenfall im Vorstand wurden die Ehrungen mit grosser Befriedigung zur Kenntnis genommen. Auch deshalb, weil die Arbeit in Tansania mit seinen politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen alles andere als einfach ist und die Informationspolitik des FSS auch die Probleme offen thematisiert. rs / sps

Titelbild: Susan Shio nimmt Preis für den FSS entgegen | © Foto by TANAPA

Das Dokument, das den FSS ehrt.

Das Dokument, das den FSS ehrt.





Tansania prunkt jetzt neu mit 22 Nationalparks

Ruedi R. Suter

Tansania hat neuerdings 22 Nationalparks – fünf mehr als 2018. Der Umwandlung von fünf Wildschutzgebieten zu Nationalparks hat das tansanische  Parlament am 9. Februar zugestimmt.  Doch bei Naturschützenden hält sich die Freude in Grenzen.

Dodoma, 10. Februar 2019 – Ein «weiterer Meilenstein» sei gesetzt im Zusammenhang mit den grossen Schutzanstrengungen des ostafrikanischen Landes, freute sich Job Ndugai, Sprecher der Nationalversammlung, gemäss Medienberichten am 9. Februar in der Landeshauptstadt Dodoma. 

Zuvor waren die neuen Nationalparks so genannte Game Reserves, in denen auch gejagt werden konnte und die allgemein einen geringeren Schutzstatus haben als Nationalparks. Von einem «Upgrade» profitieren die fünf Gebiete Rumanyika, Biharamuro, Burigi, Kimisi, und Ibanda.

Wie alle Parks unterstehen auch sie von nun an der Tanzania National Parks Authority (Tanapa). Diese Behörde ist auch für berühmte Parks wie Serengeti, Kilimanjaro, Tarangire oder Ruaha verantwortlich. 

Hier der Schutz, dort die Zerstörung

Tansania galt in Afrika in Sachen Naturschutz  und mit seinen grossen Schutzgebieten lange Zeit als vorbildlich. Erheblichen Schaden erlitt der gute Ruf durch die anhaltenden Massaker zehntausender von Elefanten im südlichen Selous Game Reserve. Sie seien nur möglich gewesen, weil unter den letzten Präsidenten Kikwete  selbst hohe Politiker und Beamte die Hände mit im Spiel gehabt hätten, meinen Kenner des Landes.  

Unterdessen hat sich die Situation etwas beruhigt, doch sieht sich das Weltnaturerbe Selous heute von anderer Seite bedroht. Die Regierung von John Magufuli ist zum Entsetzen der UNESCO daran, einen Staudamm zu bauen und  das Abholzen von Wäldern und den Abbau von Uran im Schutzgebiet zu fördern.

In diesem Kontext wirft die Schaffung neuer Nationalparks zum jetzigen Zeitpunkt eher Fragen auf als dass sie zu grosser Freude Anlass gäbe. fss

Titelbild: Brauchen dringend Schutz: Löwin | © Foto by Hans Trüb

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Rhino-Tragödie: Acht Tiere tot nach Umsiedlung

Ruedi R. Suter

Unfassbare Tragödie: Acht von insgesamt vierzehn Spitzmaulnashörnern sind in Kenia nach einer kürzlich  erfolgten  Translokation verendet. Über die Ursache wird noch gerätselt.

Nairobi, 13. Juli 2018 – Die acht Tiere waren kürzlich vom Nairobi- und vom Lake Nakuru-Nationalpark in ein neues Gehege im des Tsavo East-Nationalparks transportiert worden, dies unter der Leitung des WWF und der kenianischen Wildschutzbehörde Kenya Wildlife Service (KWS). 

An was die Tiere  nach ihrer Umsiedlung genau starben, muss zuerst untersucht werden. Laut einer ersten Stellungnahme des kenianischen Ministeriums für Tourismus und Wildlife könnten die acht Rhinos an einer Salzvergiftung gestorben sein. In ihrer neuen Umgebung war der Salzgehalt des Trinkwassers höher als in ihrer ursprünglichen Heimat. Die Tiere tranken und tranken, ohne ihren Durst löschen zu können – so eine Mutmassung. 

Ist geschlampt worden?

Wie auch immer – der Tod dieser Spitzmaulnashörner, deren Art vom Aussterben bedroht ist, schockiert nicht nur die internationale Gemeinde der Tierschützer und -schützerinnen. Er wirft auch unbequeme Fragen nach der Professionalität der ausführenden Organisationen auf. «Der Verlust dieser Tiere ist ein komplettes Desaster», erklärte die prominente kenianische Umweltschützerin Paula Kahumbu von Wildlife Direct gegenüber Associated Press. 

Cathy Dean, Leiterin von Save the Rhino, forderte gegenüber dem Guardian eine lückenlose Erforschung der Todesursache durch internationale Expertinnen und Experten. Dean meinte ausserdem, in Kenia habe man weniger Erfahrung bei den immer heiklen Übersiedlungen von Nashörnern. Derweil solche Transporte mit dem vorherigen Einfangen und Narkotisieren in anderen Ländern jährlich erfolgten, würden in Kenia nur gerade alle drei bis vier Jahre Translokationen durchgeführt.

Verluste statt Fortpflanzung

Anstatt die Zahl der bedrohten Black Rhinos in Kenia in dem neuen, rund um die Uhr bewachten Nashornschutzgebiet des Ost-Tsavos mittelfristig zu erhöhen, hat nun das Land mit einem Schlag acht seiner rund 750 Schwarzen Nashörner verloren. Von diesen soll es  weltweit gerade noch etwa 5'500 Tiere geben. Letztes Jahr hat  Kenia ingsgesamt neun, dieses Jahr bisher drei Rhinos durch Wilderer verloren. 

Im Tsavo East, mit 21'812 Quadratkilometer der grösste Nationalpark des Landes, lebten einst geschätzte 2'000 Nashörner.  In den 1990er-Jahren fand die letzte Rhino-Translokation ins Gebiet statt. Heute dürften noch zwischen 10 und 20 Tiere hier leben, so mutmasst die Organisation Save the Rhino. Der benachbarte Tsavo West-Nationalpark grenzt übrigens an den tansanischen Mkomazi-Nationalpark, wo auch mit Hilfe der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) das erste voll überwachte Nashorngehege Tansanias mit über 30 Schwarzen Nashörnern eingerichtet wurde. fss

Titelbild: Breitmaulnashorn, Weisses Nashorn | © Symbolbild by Gian Schachenmann

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