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Filtering by Tag: Nationalpark

Ohne Naturschutz-Management keine Zukunft

Ruedi R. Suter

Je mehr Menschen die Erde bevölkern, desto wichtiger wird ein professioneller Schutz der letzten Naturschutzgebiete. Eine Erkenntnis, die sich auch in Tansania durchsetzt und von WissenschafterInnen umgesetzt wird.

Jetzt haben drei Studierende erstmals einen Master für Naturschutz-Management abschliessen können – dank der internationalen Zusammenarbeit  einer Stiftung, einer Universität und eines Instituts. Was für die so dringende wie notwendige Ausbildung noch fehlt, ist die tatkräftige Unterstützung durch tansanische Stellen.  

Von Monica Borner

Nationalparks und andere Naturschutzgebiete sind eine wichtige Einnahmequelle für Tansania und andere afrikanische Länder. Das Serengeti-Ökosystem zum Beispiel generiert über 150 Millionen US-Dollar pro Jahr (Greater Serengeti Conservation Society, Hopcraft). Der langfristige Schutz dieser Gebiete ist deshalb auch für die ökonomische Zukunft der Länder von zentraler Bedeutung.

Leider gibt es zur Zeit immer wieder Regierungsentscheide, die dieser Tatsache keine Rechnung tragen — und die Anlass zu Sorge geben. Deshalb ist es sehr wichtig, dass tansanische Wissenschafterinnen und Wissenschafter jene leitenden Personen in der Verwaltung beraten können, welche die Entscheidungen fällen müssen.

Neue Generation von Naturschutz-SpezialistInnen

Denn für all die Herausforderungen, welche die Serengeti bedrohen, gibt es Lösungen, die sowohl den Anwohnern wie dem langfristigen Wohlbefinden des Ökosystems mit seinen Tieren und Pflanzen zugute kommen.

Leopard im Baum : Kann nur überleben, wenn er effizient geschützt wird |  © Foto KET

Leopard im Baum: Kann nur überleben, wenn er effizient geschützt wird | © Foto KET

Diese Lösungen ergeben sich aus der Interpretation und Nutzung der Langzeit-Daten, die auch die Menschen als Teil des Ökosystems einbeziehen, und aus einer dafür besonders ausgebildeten neuen Generation von tansanischen Wissenschaftern und Managerinnen.

Um die Serengeti effektiv und nachhaltig zu beschützen, braucht es ein gut ausgebildetes Team von WissenschafterInnen. Sie managen die Ressourcen, betreiben die Wildlife Institutionen und unterstützen die Regierung bei den Richtlinien.

Diese Überlegungen bewogen die Karimjee Jivanjee Foundation (KJF), Master Training Kurse für Naturschutz-Management zu entwickeln und zu ermöglichen: die KJF hat sich verpflichtet, drei tansanische Studenten pro Jahr mit Ausbildung und Unterhalt zu unterstützen.

Dieses Programm «Conservation Management of African Ecosystems» (CMAE) ist ein besonderes Masters Programm der Universität Glasgow und des Nelson Mandela Instituts für Wissenschaft und Technologie in Arusha.

Naturschutz-Management will gelernt sein

Das Programm besteht aus zwei Semester-Kursen in Glasgow. Danach werden die StudentInnen in Tansania mit Unterstützung des Nelson Mandela Instituts für Wissenschaft und Technologie ausgebildet und führen Forschungsprojekte in einem der wichtigen Naturschutzgebiete in Tansania durch.

Das Programm wird von den beiden Instituten gemeinsam betrieben. Es vermittelt Einsichten in die Grundlagen des Naturschutz-Managements: Biodiversitätsvermessung, angewandte Ökologie, menschliche Aspekte von Umweltschutz und Epidemiologie von Krankheiten, die bedrohte Arten gefährden.

Die Studierenden lernen Planung von Studien, Datenanalysen sowie das Verfassen und Kommunizieren wissenschaftlicher Studien für verschiedenste Zielgruppen, wie zum Beispiel für Regierung, EntscheidungsträgerInnen und die breitere Öffentlichkeit.

Auch das Tanzanian Wildlife Research Institute (TAWIRI) unterstützt Studierende, welche Projekte dieses Programmes durchführen.

Das CMAE Programm ist jetzt im 3. Jahr. Die ersten StudentInnen schlossen im November 2018 alle mit Auszeichnung ab. Besonders erfreulich: die beiden Frauen Zabibu Kabalika und Evaline Munisi wie auch der Warden Ronald Vincent sind hoch motiviert, sich mit ganzer Kraft für den Naturschutz in Tansania einzusetzen.

Warten auf den fälligen Segen der Universitätskommission

Die zweite Gruppe führt zur Zeit Feldprojekte in Tansania durch. Die dritte Gruppe schliesst gerade ihr Studium an der Uni Glasgow ab und bereitet sich auf ihr Feldprogramm in Tansania später in diesem Jahr vor. Für die ersten drei Jahre des Programms wurden 9 TansanierInnen und 14 internationale StudentInnen unter vielen Bewerbungen ausgewählt.

Prüfungsfeier in Glasgow, UK . Von links: Grant Hopcraft (Dozent), Ronald, (hinten: John Claxton, MSc-Kurs) Evaline, Zabibu, Barbara Mable and Markus Borner (Dozenten) |  Foto zVg.

Prüfungsfeier in Glasgow, UK. Von links: Grant Hopcraft (Dozent), Ronald, (hinten: John Claxton, MSc-Kurs) Evaline, Zabibu, Barbara Mable and Markus Borner (Dozenten) | Foto zVg.

Leider hat der Projektpartner in Tansania, die Nelson Mandela African Institution of Science and Technology (NM-AIST) immer noch Schwierigkeiten, dieses (und auch andere) Programme offiziell von der Tanzanian Commission for Universities (TCU) registrieren zu lassen.

Das bedeutet, dass Tansanier und Tansanierinnen nicht den ursprünglich vorgesehenen doppelten MSc bekommen, sondern nur einen einfachen (von Glasgow) und eine Studienbestätigung von NM-AIST. Leider verunmöglicht das auch internationalen StudentInnen zur Zeit, den Studiengang abzuschliessen, da sie die nötige Studienbewilligung in Tansania nicht erhalten. Sie machen deswegen vor allem Literaturstudien zu ihrer Diplomarbeit.

Das Trio: Kabalika, Munisi und Vincent

Im Herbst 2018 haben die ersten drei tansanischen AbsolventInnen des dreijährigen Master-Kurses erfolgreich an der Uni Glasgow abgeschlossen. Alle drei schlossen mit Auszeichnung ab. Zabibu Kabalika  arbeitete vorher für den Serengeti Nationalpark im Gemeinde-Ressort. Sie hat jetzt ein hochangesehenes Commonwealth-Stipendium gewonnen für ein vierjähriges PhD-Studium in Community Conservation in Glasgow.

Evaline Munisi arbeitet weiterhin (wie vor diesem Master-Kurs) für TAWIRI (Tanzanian Wildlife Research Institute). Ronald Vincent arbeitete als Warden in Charge von Moru und ist jetzt zurück in der Serengeti als Rhino Warden. Er hat ein kleines National Geographic-Stipendium erhalten – zur Erforschung der Nashorn-Genetik. fss

Titelbild: Flusspferd in Tansania | © Foto by Adrian Schläpfer

FSS für Einsatz geehrt

Ruedi R. Suter

Freude bei der Naturschutzorganisation Freunde der Serengeti Schweiz (FSS): Tansania lobt ihre Mitglieder für ihren jetzt 35 Jahre dauernden Einsatz beim Schutz der afrikanischen Natur als «Best Conservation Partner»,

Die bemerkenswerte Auszeichnung erhielt die Nichtregierungsorganisation FSS von der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA. Es ist ein Zertifikat zur «herausragenden Unterstützung für den Naturschutz und den nachhaltigen Tourismus» im ostafrikanischen Land.

Die Anerkennung in Form einer geprägten Platte mit Urkunde konnte die tansanische FSS-Projektassistentin Susan Peter Shio am 19. Juni 2019 in Anwesenheit von Hamisi Kigwangala, Minister für Naturressourcen und Tourismus, im Mount Meru Hotel in der nordtansanischen Stadt Arusha in Empfang nehmen (Titelbild).

FSS-Präsident Adrian Schläpfer erreichte die frohe Kunde im finnischen Helsinki. In einer ersten Reaktion zeigte er sich hocherfreut. Nicht zuletzt auch darum, weil der Schweizer Verein in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiern kann und die Auszeichnung als eine wichtige Würdigung aller bisherigen Bemühungen bei der Erhaltung der Natur und des Wildschutzes eingestuft werden könne.

Spezial-Anerkennung für David Rechsteiner

Susan Shio konnte aber auch noch eine zweite Auszeichnung in Empfang nehmen: Einen Sonderpreis für den kürzlich verstorbenen Unternehmer und FSS-Mitbegründer David Rechsteiner. Ihm hat die TANAPA unter anderem auch das Grundstück in Arusha zu verdanken, auf dem heute das Hauptquartier der Behörde steht.

Dem langjährige Afrika-Delegierten des FSS und seiner Familie wurde so post mortem für seine vielseitige Unterstützung beim Schutz der tansanischen Nationalparks gedankt.

«Wir fühlen uns sehr geehrt, diese Auszeichnungen erhalten zu haben», meldete Projektassistentin Susan Peter Shio in die Schweiz. Ebenfall im Vorstand wurden die Ehrungen mit grosser Befriedigung zur Kenntnis genommen. Auch deshalb, weil die Arbeit in Tansania mit seinen politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen alles andere als einfach ist und die Informationspolitik des FSS auch die Probleme offen thematisiert. rs / sps

Titelbild: Susan Shio nimmt Preis für den FSS entgegen | © Foto by TANAPA

Das Dokument, das den FSS ehrt.

Das Dokument, das den FSS ehrt.





Tansania prunkt jetzt neu mit 22 Nationalparks

Ruedi R. Suter

Tansania hat neuerdings 22 Nationalparks – fünf mehr als 2018. Der Umwandlung von fünf Wildschutzgebieten zu Nationalparks hat das tansanische  Parlament am 9. Februar zugestimmt.  Doch bei Naturschützenden hält sich die Freude in Grenzen.

Dodoma, 10. Februar 2019 – Ein «weiterer Meilenstein» sei gesetzt im Zusammenhang mit den grossen Schutzanstrengungen des ostafrikanischen Landes, freute sich Job Ndugai, Sprecher der Nationalversammlung, gemäss Medienberichten am 9. Februar in der Landeshauptstadt Dodoma. 

Zuvor waren die neuen Nationalparks so genannte Game Reserves, in denen auch gejagt werden konnte und die allgemein einen geringeren Schutzstatus haben als Nationalparks. Von einem «Upgrade» profitieren die fünf Gebiete Rumanyika, Biharamuro, Burigi, Kimisi, und Ibanda.

Wie alle Parks unterstehen auch sie von nun an der Tanzania National Parks Authority (Tanapa). Diese Behörde ist auch für berühmte Parks wie Serengeti, Kilimanjaro, Tarangire oder Ruaha verantwortlich. 

Hier der Schutz, dort die Zerstörung

Tansania galt in Afrika in Sachen Naturschutz  und mit seinen grossen Schutzgebieten lange Zeit als vorbildlich. Erheblichen Schaden erlitt der gute Ruf durch die anhaltenden Massaker zehntausender von Elefanten im südlichen Selous Game Reserve. Sie seien nur möglich gewesen, weil unter den letzten Präsidenten Kikwete  selbst hohe Politiker und Beamte die Hände mit im Spiel gehabt hätten, meinen Kenner des Landes.  

Unterdessen hat sich die Situation etwas beruhigt, doch sieht sich das Weltnaturerbe Selous heute von anderer Seite bedroht. Die Regierung von John Magufuli ist zum Entsetzen der UNESCO daran, einen Staudamm zu bauen und  das Abholzen von Wäldern und den Abbau von Uran im Schutzgebiet zu fördern.

In diesem Kontext wirft die Schaffung neuer Nationalparks zum jetzigen Zeitpunkt eher Fragen auf als dass sie zu grosser Freude Anlass gäbe. fss

Titelbild: Brauchen dringend Schutz: Löwin | © Foto by Hans Trüb

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Rhino-Tragödie: Acht Tiere tot nach Umsiedlung

Ruedi R. Suter

Unfassbare Tragödie: Acht von insgesamt vierzehn Spitzmaulnashörnern sind in Kenia nach einer kürzlich  erfolgten  Translokation verendet. Über die Ursache wird noch gerätselt.

Nairobi, 13. Juli 2018 – Die acht Tiere waren kürzlich vom Nairobi- und vom Lake Nakuru-Nationalpark in ein neues Gehege im des Tsavo East-Nationalparks transportiert worden, dies unter der Leitung des WWF und der kenianischen Wildschutzbehörde Kenya Wildlife Service (KWS). 

An was die Tiere  nach ihrer Umsiedlung genau starben, muss zuerst untersucht werden. Laut einer ersten Stellungnahme des kenianischen Ministeriums für Tourismus und Wildlife könnten die acht Rhinos an einer Salzvergiftung gestorben sein. In ihrer neuen Umgebung war der Salzgehalt des Trinkwassers höher als in ihrer ursprünglichen Heimat. Die Tiere tranken und tranken, ohne ihren Durst löschen zu können – so eine Mutmassung. 

Ist geschlampt worden?

Wie auch immer – der Tod dieser Spitzmaulnashörner, deren Art vom Aussterben bedroht ist, schockiert nicht nur die internationale Gemeinde der Tierschützer und -schützerinnen. Er wirft auch unbequeme Fragen nach der Professionalität der ausführenden Organisationen auf. «Der Verlust dieser Tiere ist ein komplettes Desaster», erklärte die prominente kenianische Umweltschützerin Paula Kahumbu von Wildlife Direct gegenüber Associated Press. 

Cathy Dean, Leiterin von Save the Rhino, forderte gegenüber dem Guardian eine lückenlose Erforschung der Todesursache durch internationale Expertinnen und Experten. Dean meinte ausserdem, in Kenia habe man weniger Erfahrung bei den immer heiklen Übersiedlungen von Nashörnern. Derweil solche Transporte mit dem vorherigen Einfangen und Narkotisieren in anderen Ländern jährlich erfolgten, würden in Kenia nur gerade alle drei bis vier Jahre Translokationen durchgeführt.

Verluste statt Fortpflanzung

Anstatt die Zahl der bedrohten Black Rhinos in Kenia in dem neuen, rund um die Uhr bewachten Nashornschutzgebiet des Ost-Tsavos mittelfristig zu erhöhen, hat nun das Land mit einem Schlag acht seiner rund 750 Schwarzen Nashörner verloren. Von diesen soll es  weltweit gerade noch etwa 5'500 Tiere geben. Letztes Jahr hat  Kenia ingsgesamt neun, dieses Jahr bisher drei Rhinos durch Wilderer verloren. 

Im Tsavo East, mit 21'812 Quadratkilometer der grösste Nationalpark des Landes, lebten einst geschätzte 2'000 Nashörner.  In den 1990er-Jahren fand die letzte Rhino-Translokation ins Gebiet statt. Heute dürften noch zwischen 10 und 20 Tiere hier leben, so mutmasst die Organisation Save the Rhino. Der benachbarte Tsavo West-Nationalpark grenzt übrigens an den tansanischen Mkomazi-Nationalpark, wo auch mit Hilfe der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) das erste voll überwachte Nashorngehege Tansanias mit über 30 Schwarzen Nashörnern eingerichtet wurde. fss

Titelbild: Breitmaulnashorn, Weisses Nashorn | © Symbolbild by Gian Schachenmann

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