Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 


Schlieren, ZH, 8952
Switzerland

+ 41 44 730 75 77

News

Filtering by Tag: Trophäen

Touristen Achtung: Gefängnis für Besitz einer Vogelfeder

Ruedi R. Suter

Derzeit setzt Tansania seine Gesetze rigoros um. Auch den Wildlife Act. Wer demnach eine Muschel, eine Vogelfeder, einen Zahn oder sonst ein Tierteil ohne Bewilligung besitzt, dem drohen schwerste Gefängnisstrafen.

Dar-es-Salaam, 13. Dezember 2018 – «Sie sind verhaftet!» Den Satz können heute selbst Touristen oder Touristinnen zu hören bekommen, wenn tansanische Beamte bei ihnen bislang als harmlos eingestufte Souvenirs wie beispielsweise eine Muschel oder Vogelfeder finden. Was folgt, sind Gerichtsurteil, hohe Geldbussen und langjährige Gefängnisstrafen.

Denn jeder Teil eines toten Tieres, der gefunden wird, ist gemäss dem jetzt strikte umgesetzten Wildlife Act eine Regierungstrophäe. Das bedeutet: Allein deren Besitz ist strafbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Tierteil gefunden oder ohne Nachweispapier erworben, ob ein Tier gewildert oder gefangen wurde. Wer erwischt wird, dem drohen mindestens 20 bis maximal 30 Jahre Gefängnis. In bestimmten Fällen kommt noch eine happige Geldbusse hinzu.

Radikales Vorgehen

Dabei wird weder zwischen Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft unterschieden. Zahlreiche Afrikaner, aber auch Touristen sind bereits verurteilt und ins Gefängnis gesteckt worden. Die Regierung des seit 2015 waltenden John Pombe Joseph Magufuli geht radikal gegen die Korruption und gegen jede Art von echten oder vermeintlichen Betrügereien vor – mit erfreulichem Erfolg, aber auch mit folgenschweren Exzessen.

Staatseigentum Flusspferdzahn, Hippo-Unterkiefer |  © Foto by Raul654

Staatseigentum Flusspferdzahn, Hippo-Unterkiefer | © Foto by Raul654

Das grosse Aufräumen hinterlässt oft tiefe Spuren, weil gewachsene Strukturen ersatzlos eingerissen werden und eine Unzahl von Menschen plötzlich ohne Erwerbsmöglichkeiten dastehen. Im Bereich des Wildschutzes hat sich laut Beobachtern die Situation bei der Bekämpfung der Wilderei und des illegalen Wildtierhandels gemäss Kennern aber spürbar gebessert.

Willkürliche Strafen ohne Realitätsbezug

Dabei berufen sich die Behörden vermehrt auf die Landesverfassung. Ihr nach gehört die Natur einzig dem Staat. Wer ohne Genehmigung beispielsweise Schädel, Knochen, Zähne, Klauen, Vogelfedern, Felle, Muscheln, Hölzer oder auch nur Steine mit sich führt, der macht sich automatisch strafbar. Er oder sie können von Polizei und Zoll verhaftet werden.

Rätselhaft bleibt jedoch oft, nach welchen Kriterien die Richter ihre Urteile fällen. So erhielt beispielsweise der international agierende Moniface Matthew Maliango – im Volksmund «Shetani» (Der Teufel) genannt – einen vergleichsweisen kurzen Freiheitsentzug. Der Töter tausender Elefanten, Elfenbeinschmuggler und Chef eines weit verzweigten Verbrechersyndicats erhielt nur gerade 12 Jahre Knast.

Sammeltrieb kann zu Jahrzehnten Gefängnis führen

Ein Klacks gegen die 20 Jahre Haft und die unbezahlbare Geldstrafe, mit der Emmanuel Richard fertig werden muss. Der junge Fahrer wurde mit fünf Flusspferd-Zähnen festgenommen, für die er keine Genehmigung hatte. Zwei Dekaden Knast für Zähne, deren Kilopreis 3.90 Franken beträgt, ist der Gipfel der Absurdität.

In tansanischen Gefängnissen sind auch Insassen versenkt, die schon Jahrzehnte einsitzen. So warnen wir an dieser Stelle alle Touristen und Touristinnen in Tansania, unbedingt ihren Sammeltrieb unter Kontrolle zu halten und sich genau zu überlegen, was im Reisegepäck verstaut werden soll. Denn heil aus den heillos überfüllten Gefängnissen zu kommen, ist alles andere als garantiert – allein schon der Krankheitskeime oder der arg belasteten Psyche wegen nicht. fss

***