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Filtering by Category: WILDTIERE

Wildtiere – auch Opfer des Totschweigens

Ruedi R. Suter

Das Leiden der gejagten Wildtiere Afrikas hat der bekannte Umweltjournalist Karl Ammann über 40 Jahre in Filmen, Büchern und Artikeln festgehalten. Ebenso den illegalen Wildtierhandel in Asien. Entstanden sind erschütternde Dokumentationen der Tierquälerei und Artenvernichtung. Sie müssten Umweltinstitutionen und Regierungen umgehend zum konsequenteren Handeln bewegen. 

Doch davon ist man weit entfernt. Eher werden Ammans Recherchen ignoriert, von den Medien «entschärft» oder von einem Teil des Publikums verdrängt. Opfer sind die letzten Jägervölker und deren Wildtiere. Betroffen sind aber auch jene Medienleute, die ehrlich auf derartige Missstände aufmerksam machen wollen, jedoch kaum mehr Gehör finden und ihre Arbeiten absetzen können. Grund: Die Welt hat überall angenehmer zu sein als sie in Wirklichkeit ist. Das torpediert die letzten Chancen einer Veränderung.

Von Ruedi Suter — FSS

Überbringer schlechter Nachrichten sind gefährdet. Nicht, weil sie – wie früher – nach Erfüllung ihrer Aufgabe umgebracht werden könnten. Immerhin sind wir Angehörige einer zivilisierten Gesellschaft, gebildet, aufgeklärt, scheinbar umfassend informiert. 

Doch Boten niederschmetternder Botschaften aus Krisengebieten riskieren mehr als ihr Leben. Wenn sie ihre Nachricht überbringen, müssen sie damit rechnen, dass man ihnen nicht glaubt – oder dass ihre Botschaft ignoriert wird und folgenlos bleibt. Das zehrt an den Nerven des Boten, lässt ihn zweifeln am Sinn seines Wirkens und – am Verstand all jener, welche nicht reagieren wollen. 

Müssen Leserinnen und Leser geschont werden?

Es ist ein Zustand, den Kriegsreporter oder Umweltjournalisten wie Karl Ammann nur allzu gut kennen. Ein Zustand, der sich in den letzten Jahrzehnten mit dem Niedergang des Qualitätsjournalismus verstärkte. Dieser bemüht sich stets auch um vertiefte Hintergrundberichterstattung, um so den komplexen Realitäten einigermassen gerecht zu werden. 

Nachforschungen: Karl Ammann mit Polizeioffizier, Ostkamerun |  © Foto by Ruedi Suter

Nachforschungen: Karl Ammann mit Polizeioffizier, Ostkamerun | © Foto by Ruedi Suter

Allerdings kennt auch der Qualitätsjournalismus seine Einschränkungen. Die vielen Toten der Kriege, Naturkatastrophen und Umweltzerstörungen werden bildlich kaum je gezeigt. Die Leserinnen und Leser sollen geschont werden. 

Mit der Schonung aber wird der Leserschaft ein entscheidender Teil der Wirklichkeit vorenthalten. Kriege werden – im Gegensatz zur einstigen Vietnam-Berichterstattung – für heutige Medienkonsumenten zu technischen Zaubereien, die Infrastrukturen verwüsten, aber kaum Menschen und Tiere treffen. Damit werden Kriege für die Zuschauer abstrakter und – erträglicher. Aber hilft das den Opfern?

«Wir müssen die Dinge zeigen wie sie sind»

«Nein», ist der Filmer Karl Ammann (71) überzeugt. «Wir müssen die Dinge zeigen wie sie sind. Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie hinschauen wollen oder nicht.» Der Schweizer ist eine Art Kriegsreporter – im andauernden, von der Öffentlichkeit nur schemenhaft wahrgenommenen  Vernichtungsfeldzug gegen die tropische Fauna und Flora Afrikas und Asiens. 

Seit über 40 Jahren überbringt Bote Ammann aufgrund der Situationen vor Ort vorab schlechte Nachrichten. Dies mit dem Anspruch, wahrheitstreu zu rapportieren. Wo anhaltend getötet, vertrieben und zerstört wird, sind Momente der Hoffnung eine Seltenheit. Damit müssen Journalisten und Journalistinnen umgehen können. 

Es gilt, nicht durchzudrehen,abzustumpfen oder depressiv zu werden. Es gilt, die Erwartungen in die Wirksamkeit des eigenen Tuns zu reduzieren. Wer informieren und aufklären will, Grundprinzipien eines engagierten Journalismus, muss sich bewusst sein, allenfalls gar nichts zu erreichen. 

«Niemand soll sagen können: Das haben wir nicht gewusst»

Karl Amman, geprägt von den heillosen Zuständen im afrikanischen Busch und den Märkten in asiatischen Boomstädten, hat im Laufe all der Jahre die Erwartungen in den investigativen Umweltjournalismus und dessen Wirkung aufs Publikum in einen Satz reduziert: «Niemand soll einmal sagen können: Das haben wir nicht gewusst.» Mehr erwartet er nicht mehr für seine Themen – Zerstörung der Artenvielfalt, Wilderei und weltweiter illegaler Wildtierhandel. 

2004 war ich erstmals mit ihm unterwegs – in den von Holzindustrien und Siedlern angegriffenen Urwäldern Kameruns. Für ihn eine Reise unter vielen – als Reporter und Zeuge in Sachen Naturzerstörung. Wiederholt wurden seine Reisen in die angetasteten Zonen des Kongobeckens durch behördliche Schikanen, Tiermassaker, Attacken, Unfälle, Krankheit oder Einschüchterungen erschwert. 

Karl Ammann hatte mich aufgefordert, mitzukommen. Ich solle mir selbst ein Bild von den Abholzungen, der Wilderei und dem Elend vertriebener «Pygmäen» machen. Eine gute Gelegenheit, den auch von beruflichem Neid und Missgunst seiner Kollegen verfolgten Mann kennenzulernen.

Aus “Consuming Nature”: Buschfleisch, rechts Hand eines geschützten Gorillas |  © Fotos by Karl Ammann

Aus “Consuming Nature”: Buschfleisch, rechts Hand eines geschützten Gorillas | © Fotos by Karl Ammann

Die Tragödie der konsumierten Natur

Ich wollte ja auch wissen, wie der mir bislang persönlich nicht bekannte und von Behörden und etlichen Umweltorganisationen angefeindete Schweizer arbeitete. Wer war der Kerl? Ein Selbstdarsteller? Einer, der in seinem äusserst schwierig nachprüfbaren Arbeitsgebiet schummelte? Ein Schwarzmaler oder Adrenalin-Junkie, der sich getrieben immer wieder unberechenbaren Gefahren aussetzen musste?

So trafen wir uns in Kamerun und reisten zusammen durch die Urwälder an die Grenze von Kongo-Brazzaville. Wir stiessen in nur zwei Wochen auf all das, was Ammann in seinem erschütternden Fotoband über Buschfleisch und das Umbringen von geschützten Tierarten für kommerzielle Zwecke («Consuming Nature») dem Europa Parlament zuvor gezeigte hatte.

Zu sehen waren vertriebene Ureinwohner, elendiglich eingesperrte oder angekettete Gorillas und Schimpansen, schmerzhaft verschnürte Reptilien, zerstückelte Antilopen, massakrierte Elefanten, zahllose erlegte Wildtiere für die Fleischmärkte in Afrika und Europa - kurzum eine Augen öffnende Dokumentation gegen das ultimative Leerwildern Afrikas und die unfassbare Gewalttätigkeit des Menschen gegenüber der Natur. Ein Buch, das einige Interessierte der quälenden Bilder wegen sofort wieder weglegten. 

Als «Radikaler» angefeindet oder abgewiesen

Ammann schien auf unserer Reise wie gewohnt zu arbeiten. Er zwang sich, überall genau hinzusehen und so gut wie möglich aufzuzeichnen, was uns begegnete und mitgeteilt wurde. Akribisch sammelte und filmte er alle Hinweise, wie nationale und internationale Unternehmen, Beamte, Militärs, Geschäftsleute, zugezogene Siedler und Lastwagenfahrer den Wildtieren und indigenen Jägervölkern die Lebensgrundlagen angreifen: Zeit, Koordinaten, Namen, Aussagen und Umstände.

Hierzu nützte dem in St. Gallen aufgewachsene Schweizer offensichtlich sein Wissen als Ökonom, seine Gabe als Filmer und seine Hartnäckigkeit als investigativer Journalist. 

Diese Kombination von Fähigkeiten hat ihm ebenso Auszeichnungen gebracht wie Kritiken in den Etagen von Umweltkonzernen wie World Wide Fund for Nature (WWF) und Wildlife Conservation Society (WCS). Sie kreiden dem Einzelgänger seine «Radikalität» an. Der gleiche Vorwurf kommt von Vertretern des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES, die ihn, so Ammann, lieber fern halten als seine Hinweise überprüfen würden. 

Vom Angebot in Afrika zur Nachfrage in Asien

Ich erlebte einen Kollegen, der mit ruhiger Stimme die komplexen Zusammenhänge der Zerstörung dieses grünen Paradieses erläuterte, den eine spürbare Liebe zum Mitwesen Tier bewegt, der jede Information sammelte und gegenprüfte und der jeweils mit feinem Humor die Unzulänglichkeiten des Menschseins kommentierte. Ein Humor, untermalt von einem leisen Lächeln, das dem Artenschützer über alle Frustrationen hinweg zu helfen scheint. 

Wie in Afrika Abholzungen, Fleisch- oder Trophäenwilderei sowie deren nationale und internationale Vermarktung funktionieren, dies hat Ammann jahrelang dokumentiert und via Artikel, Bücher und Filme der Fachwelt, Behörden, Gremien der UNO und des EU sowie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 

Längst ist ihm klar: «Afrika ist schlecht regiert, Korruption und Armut leisten dem Raubbau an der Natur Vorschub. Zudem hat es Afrika schwer, die Ressourcen für den Schutz der Wildtiere und Ökosysteme zu finden. So lange es eine Nachfrage in Asien gibt, wird es auch ein Angebot in Afrika geben. »

In den letzten Jahren hat sich der Schweizer jedoch auf unabhängige Recherchen und Berichte zur Nachfrage konzentriert. Also: Wie sieht der illegale Handel mit Wildtieren genau aus? Wohin werden die Tiere lebend oder tot gebracht? 

CITES in Kusch-Haltung vor China

Wie und wohin werden beispielsweise wild gefangene Menschenaffen, Elefanten, Grosskatzen, Vögel und Fische aus Afrika transportiert? Und wo landen die tierischen Körperteile wie Fleisch, Elfenbein, Rhino-Nasenhorn, Pangolin-Schuppen, Federn, Krallen, Häute, Fette und Innereien? In Asien, vorzugsweise in China, hat – neben anderen – Ammann unterdessen mit seinen teils verdeckten Recherchen festgehalten und vor allem via die angloamerikanischen Medien bekannt gemacht. 

«Trotz aller Beteuerungen sind die Kontrollsysteme in Ländern wie China, Laos, Vietnam, Burma und Thailand völlig unzureichend, der illegale Handel floriert im Versteckten», erkannte Ammann. Und das Artenschutzabkommen CITES wage es aus Angst vor China nicht einmal, seine Kompetenzen auszunutzen und Druck aufzusetzen, um dem Treiben ein Ende zu setzen.

In der Schweiz eingeschlagen ist unter anderem sein Film über die Häutung lebender Würgeschlangen in Asien, deren Häute vor ab an die schweizerische Uhren- und Lederindustrie geliefert werden. Trotzdem werden die Schlangenhäute weiter importiert. «Wir verlieren an allen Fronten und sind nicht bereit, uns diesen Realitäten zu stellen», meint der Filmer achselzuckend.

Gejagt, gefangen, geplagt und «geschützt»: Schimpanse im Autofriedhof |  © Foto by Karl Ammann

Gejagt, gefangen, geplagt und «geschützt»: Schimpanse im Autofriedhof | © Foto by Karl Ammann

Der unablässige «Verkauf schöner Gefühle»

Auch einflussreiche Medien versagen. Zeitungen verzichten ganz auf Ammans Berichte oder auf erschüttende Bilder in seinen Artikeln. Seine Filme werden immer mal wieder abgeschwächt, «zu harte Szenen» herausgeschnitten, dafür aber mit «Hoffnung machenden End-Szenen» ergänzt. Auch hier sollen Zuschauer und Leserschaft «geschont» werden. 

Eine Erfahrung, die auch andere Medienleute mit ähnlichem Interesse machen. Erst kürzlich hat ein Ressortleiter der «NZZ am Sonntag» einen Artikelvorschlag über die wachsenden und teils nicht bekannten Probleme der Serengeti abgelehnt. Begründung: Das sei zu kompliziert und zu wenig interessant für die Leserschaft.

Es sei die gleiche Haltung, diagnostiziert Ammann, hinter einer ähnlichen Methode, die einige grosse, auf Spenden und Sponsoren angewiesene Umweltkonzerne anwenden. Wunderbare Welten vorgaukeln, die teils schon nicht mehr existierten, diagnostiziert Journalist Ammann: «Anstelle der harten Realität werden einfach schöne Gefühle verkauft.» Und dies alles zu Lasten der Wahrheit, der Indigenen und der Wildtiere.

Adrian Schläpfer: «Wir müssen auch Trauriges wahrnehmen»

Dass es auch anders geht, dass es ein Interesse an unzensierten Vorgängen im Abwehrkampf gegen Artenschwund, Wilderei und illegalen Wildtierhandel gibt, zeigte sich am 27. April 2019 an der Mitgliederversammlung des Vereins Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) in Zürich. «Wir müssen auch die traurigen Tatsachen wahrnehmen», begrüsste FSS-Präsident Adrian Schläpfer die rund 100 Interessierten, welche sich zum Vortrag von Karl Ammann eingefunden hatten. 

Als langjähriger Vizedirektor in der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und als ehemaliger Botschafter in Tansania weiss Schläpfer, dass Probleme nur dann gelöst werden können, wenn sie zuerst einmal so umfassend wie möglich erkannt wurden. Sie aber in ihrem wahren Ausmass zu ignorieren, führt in die Katastrophe. Und in diesem Fall zum Kollaps der Artenvielfalt – mit unvorstellbaren Folgen für unsere Erde.

«Nichtstun ist keine Alternative!»

Eine Organisation wie der FSS müsse deshalb – neben der eigentlichen Schutzarbeit vor Ort – mehr denn je Sensibilisierung und Informationsvermittlung betreiben. «Wir wissen um die schlimmen Entwicklungen, lassen uns bei unserem Engagement in Tansania jedoch von einem realistischem Optimismus tragen. Denn Nichtstun ist keine Alternative!», schloss Schläpfer am Ende einer lebhaften Diskussion zwischen dem Referenten und dem Publikum, das sich mit bemerkenswertem Engagement dem schwierigen Thema stellte.

Der Zufall wollte es, dass um dieses Wochenende mit Ammans Vortrag zwei wichtige Ereignisse bekannt wurden. Erstens ging die Konferenz des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) in Paris zu Ende. 132 Mitgliedstaaten unterschrieben einen Bericht über den alarmierenden Zustand beim globalen Artenschwund, was bereits als «grosser Erfolg» gefeiert wurde. Zweitens wurden 2018 gemäss dem Stockholmer internationalen Friedensforschungsinstitut SIPRI weltweit rund 1,82 Billionen US-Dollar für Militärausgaben verwendet – der höchste Stand seit dem Ende des Kalten Krieges.

Titelbild: Karl Ammann mit Satelliten-Telefon , 2004, Ostkamerun | © Foto by Ruedi Suter

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The man risking his life to expose the destruction of the tiger (Mai 2019, “Washington Post”)

Verdrängte Artenschutzprobleme |Medienmitteilung FSS 2.5.19.jpg






























































Tschad: Glückliche Rückkehr der Rhinos

Ruedi R. Suter

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N’Djamena, Johannesburg, 5. Mai 2018 – Im Tschad leben wieder Nashörner! Und zwar seit dem gestrigen Freitag, als ein Transportflugzeug mit sechs Spitzmaulnashörnern im südlichen Zakouma-Nationalpark landete und die Tiere auf tschadischen Boden ausgeladen wurden. Am Donnerstag waren die aus dem südafrikanischen Addo-Nationalpark stammenden Tiere im Flughafen von Port Elizabeth in Kisten an Bord des Transportflugzeugs gehievt worden.

Die erfolgreiche Translokation sei das Resultat einer «beispiellose Zusammenarbeit zwischen der tschadischen und der südafrikanischen Regierung, African Parks und SANParks», schreibt African Parks in ihrer Medienmitteilung. Die Aktion sei in den letzten beiden Jahren intensiv vorbereitet worden. In Tschad galten Nashörner für fast ein halbes Jahrhundert als ausgerottet. 

Sechs Rhinos für den Zakouma-Nationalpark

Die Regierungen Südafrikas und des Tschad hatten im Oktober 2017 eine Absichtserklärung zur Wiedereinführung der sechs Spitzmaulnashörner in den Zakouma-Nationalpark unterschrieben. In Begleitung eines Teams von erfahrenen Tierärzten wurden die Nashörner während der gesamten Reise betreut, um nach der Landung  zur genauen Überwachung und Akklimatisierung in ein eigens errichtetes Gehege getrieben zu werden. In den folgenden Wochen werden die Nashörner in ein umfassend geschütztes Schutzgebiet im Park entlassen, um ein reibungsloses Einleben in ihre neue Umgebung zu gewährleisten. 

Die in verschiedenen afrikanischen Ländern wirkende Naturschutzorganisation African Parks übernahm 2010 in Zusammenarbeit mit der Regierung der Republik Tschad die Verwaltung des Zakouma-Nationalparks. Sie verwandelte den Park in ein weitgehend sicheres Schutzgebiet durch die Anwendung strenger Gesetze wie auch durch umfangreiche Gemeinschaftsprogramme und spezifische Sicherheitsvorkehrungen für die Wiedereinführung von Nashörnern.

Beitrag zur Erhaltung der zentralafrikanischen Rhino-Population

Peter Fearnhead, der Direktor von African Parks: «Durch unsere Partnerschaft mit der Regierung des Tschad konnten wir die Sicherheit in Zakouma wiederherstellen und eine Möglichkeit schaffen, eine zentralafrikanische Population dieser Art in einem sicheren und funktionierenden Park zu bringen. Die heutige Wiederansiedlung ist ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Erhaltung der Nashörner in Afrika wie auch zur Bereicherung des Naturerbes im Tschad.»

Zakouma, einst Tummelfeld von Wilderern, gilt heute als sicheres Gebiet für einige der wichtigsten Wildtierpopulationen der Region. Erstmals wächst auch die Elefantenpopulation wieder. Dies ist nicht zuletzt dem Wirken von Ex-Parkdirektor Rian und seine Gattin Lorna Labuschagne zu verdanken, welche massgeblich am Wiederaufbau des Parks beteiligt waren und heute für die Zoologische Gesellschaft Frankfurt den Serengeti-Nationalpark in Tansania  sichern helfen.

Die beiden waren in den neunziger Jahren auch für das vom FSS  aufgepäppelte Nashorn-Waisenkind Richi verantwortlich, das per Flugzeug tansanischen Kilimanjaro-Airport zur Blutauffrischung nach Port Elizabeth und schliesslich in den südafrikanischen Addo-Nationalpark transferiert wurde.  Für die Wiederansiedlung der Nashörner im tschadischen Zakouma-Nationalpark wurden nebst anderem eine berittene Rhino-Ranger-Einheit formiert sowie eine Luftraumüberwachung installiert.  fss

Foto: Betäubtes Nashorn wird in Südafrika für den Flug nach Tschad «verpackt».          Screenshot: www.african-parks.org  

Weiterführende Links

Rhinohorn-Handel: Vom Potenzmittel zum Protzartikel

«Elefanten-Mutter» Daphne Sheldrick hat die Herde verlassen

Ruedi R. Suter

Nairobi, 14. April 2018 – Die in Kenia geborene und aufgewachsene «Elefantenmutter» Daphne Majorie Sheldrick starb am 12. April 2018 im Alter von 83 Jahren an Krebs. Dies berichtet die BBC. Berühmt geworden war die geadelte Elefantenretterin mit ihrer 1977 gegründeten und nach ihrem verstorbenen Ehemann benannten Wohltätigkeitsorganisation «David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT)». 

Mit dieser spezialisierte sich Daphne Sheldrick in der gleichnamigen Aufzuchtstation in der Nähe von Nairobi auf die Rettung und spätere Auswilderung verwaister Elefantenkälber, deren Eltern Dürren nicht überlebten oder von Wilderern umgebracht worden waren. 

Angepasste Flaschennahrung für Elefanten

Für das Grossziehen der Elefantenbabies entwickelte Sheldrick im Laufe fast dreier Jahrzehnte eine den Tieren angepasste Flaschenernährung mit eigener Milchformel. Diese muss aus pflanzlichen Fetten hergestellt werden, da Elefantenkinder Kuhmilch nicht vertragen und daran sterben. Um die 230 kleine Elefanten konnten so im Laufe der Zeit vor dem Tod gerettet werden.

Daphne hatte bereits als Kind und Tochter eines britischen Landwirts in Nakuru junge verwaiste Wildtiere aufgezogen und wieder frei gelassen. Zu Beginn half sie dem britischen und ebenfalls in Kenia aufgewachsenen Mann David Sheldrick (1919 - 1977), dem Hauptbegründer des Tsavo-Nationalparks. Als David im Juni 1977 an einem Herzinfarkt starb, führte sie einen Teil der gemeinsame Arbeit fort und wurde als «Mutter der Elefanten» weltberühmt.

«Born to be wild»

Sie veröffentlichte mehrere Bücher, belebte Reportagen und Dokumentarfilme, worunter auch «Born to be wild». Im Jahre 2000 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der schottischen Universität Glasgow. Und sechs Jahre später wurde sie von der britischen Königin Elisabeth II zur «Dame Commander of the Order of the British Empire» geschlagen. 

Mit Daphne Sheldrick hat die Welt zweifellos eine der engagiertesten Wildtierschützerinnen verloren. Nicht verwunderlich, dass ihre grösste Sorge die Elefantenwilderei war. Erst 2016 warnte sie noch, die Waldelefanten Zentralafrikas könnten bis 2025 ausgerottet worden sein. fss

Foto; «Dame» Sheldrick in jüngeren Jahren    © Screenshot aus www.sheldrickwildlifetrust.org

Sensation: Elefanten-Zwillinge im Tarangire-Nationalpark

Ruedi R. Suter

Arusha, 8. April 2018 – Ein seltener Glücksfall wird aus dem nordtansanischen Tarangire-Nationalpark gemeldet: Das Dasein eines Paars von Elefanten-Zwillingen, die vor etwa acht Monaten auf die Welt kamen. Zwillinge sind bei den Rüsseltieren eine Sensation. Sie sollen laut Forschenden gerade einmal 1 Prozent aller Elefantengeburten ausmachen.

«Die Zwillinge waren ursprünglich recht mager, und wir waren besorgt, dass sie nicht überleben würden», liess der Elefantenforscher Charles Foley in einer von UPI verbreiteten Medienmitteilung verlauten. Foley, der den Tarangire wie seine Hosentasche kennt und jahrelang von den Freunden der Serengeti Schweiz (FSS) unterstützt wurde, ist heute Direktor des Tarangire Elephant Project der US-amerikanischen Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS).

«Eloise» sorgt für Hoffnungen

Die Mutter der Zwillinge heisst Eloise. Die Leitkuh hat das für eine Zwillingsgeburt ausserordentlich hohe Alter von rund 57 Jahren. Ihr beiden Kälber, die bis zu vier Jahren auf Muttermilch angewiesen sein können, haben unterdessen deutlich an Gewicht gewonnen. Grund: Eloise fand im vor kurzem staubtrockenen Tarangire viel Futter —dank der letzten Regen und dem grünen Gras.

Für Elefantenforscher Foley sind die Zwillinge ein Grund zur Zuversicht: «Die Elefanten im und um den Tarangire -Nationalpark werden von den Rangern und lokalen Gemeinschaften gut geschützt. Unter der Anleitung einer erfahrenen Matriarchin wie Eloise haben wir grosse Hoffnungen auf ihr Überleben. Kommt hinzu, dass jedes geborene Elefantenkalb ein Schritt zur Erholung der Art bedeutet. Umso mehr wenn es Zwillinge sind.» fss

Foto: Schnell zu Muttern - Zwillings-Elefanten im Tarangire                                                   ©  WCS

Mkomazi – die unglaubliche Wiedergeburt eines Wildreservats

Ruedi R. Suter

Das ist die erstaunliche Geschichte eines Wildreservats, das bereits aufgegeben und beinahe leergewildert worden war. Doch dank dem Teamwork des Tansaniers Hezekiah Mungure, dem Engländer Tony Fitzjohn und der Amerikanerin Kirn Ellis erlebt das nordtansanische Mkomazi-Wildreservat (3'200 Quadratkilometer) an der Grenze zum kenianischen Tsavo-Nationalpark eine fast unglaubliche Wiedergeburt. Eine Reportage über die Schutzerfolge in einer abgelegenen Gegend, die den Wildtieren wieder zurückgegeben werden soll.

Von Ruedi Suter – FSS

Es ist April, und die Anfahrt zum Mkomazi verspricht Schwierigkeiten. Immer noch drohen schwere Regenwolken über dem Land. Es hat wieder geregnet letzte Nacht, hat wieder die fruchtbare Erde des Kilimanjaros auf die Strasse zwischen Arusha und Moshi geschwemmt. Die abgeholzten und beackerten Hänge der auslaufenden Hänge des Kilis leisten den sintflutartigen Regenfällen nur noch geringen Widerstand.

Ganze Felder hat es weggespült. Unheilvolle Folgen des Bevölkerungsdrucks auf den fruchtbaren Berg. Wo noch etwas Platz ist, werden Busch und Bäume abgeholzt, werden Felder angelegt. Der Mensch muss essen. Die unteren Hänge des riesigen Kilimanjaros wirken schon viel zu kahl. Wie wird es hier wohl in zehn Jahren aussehen? 

Das Tempo muss reduziert werden, zu viel Erde auf der Asphaltstrasse. Links und rechts waten die Fussgängerinnen und Fussgänger im knöcheltiefen Schlamm. Barfuss die meisten und vorsichtig, weil der Grund rutschig wie Seife ist. In den Häusern mit festgestampftem Boden ist jetzt die Erde aufgeweicht. Lange kam kein Regen, jetzt regnet es zuviel. So viel wie seit 20 Jahren nicht mehr. Unberechenbar ist sie geworden, die Natur. Auf den jetzt grünen Feldern der Ebenen hacken Frauen und Männer zwischen den kniehohen Maisstauden das hochschiessende Unkraut um. Auch der Mais hat jetzt zuviel Wasser, er wird nie mehr richtig wachsen.

Ein pfiffiger und effizienter Parkchef

Von Arusha nach Same braucht man heute nur noch etwa drei Stunden. Auf zumeist guten Asphaltstrassen. In Same, am südöstlichen Fusse des Pare-Gebirgs, ist die Abbiegung für ins Mkomazi Game Reserve. Man fährt auf der alten Strasse Richtung Tanga, die früher nördlich der Pare-Berge entlang führte. Zirka fünf Kilometer nach Same steht neben der Naturstrasse – sie bildet weitgehend auch die südliche Grenze des Schutzgebietes - ein steinernes Schild: «Hier beginnt das 1951 gegründete Game Reserve». 

Unweit davon steht unter schattigen Bäumen das Hauptquartier der Mkomazi-Ranger. Ein paar Häuser, eine abgetakelte Raubkatzenfalle, ein früher von Elefantenwilderern beschlagnahmter Landrover mit platten Pneus, ein Haufen neuer Backsteine und ein neuer Toyota Land Cruiser. Chef der nur aus 26 Männern bestehenden Rangertruppe des 3'200 Quadratkilometer grossen Reservats ist Hezekiah Mungure. Ein pfiffiger, humorvoller und effizienter Tansanier, der an den Hängen des Mount Meru bei Arusha aufgewachsen ist.

Der Mehrfrontenkampf des Hezekiah Mungure

Seine Karriere begann er 1968 in der Wildlife-Division, welche sich um die 15 Wildreservate des Landes kümmert. Mungure spezialisierte sich in der Wildererbekämpfung, war in Tabora, Mwanza, im Selous, auf Rubondo, in Dar es Salaam in der Game Divison und schliesslich wirkte er als Regional Game Officer in Moshi, wo er sich mit der Wiederbelebung des im Laufe der letzten Jahrzehnte völlig vernachlässigten, beinahe leergewilderten und von unzähligen Rinderherden heimgesuchten Mkomazi-Wildschutzreservats zu befassen begann. 

Die tansanische Regierung wollte den an den kenianischen Tsavo-Nationalpark angrenzenden Mkomazi nicht aufgeben, obwohl ihm nahe des im mittleren Südteils gelegenen Njiro-Postens 1968 bereits ein grosses Stück ausgerissen und den Bauern zur Bewirtschaftung übergeben worden war. 1988 hob die Regierung das Mkomazi-Wildreservat­Rehabilitationsprojekt aus der Taufe – und ernannte Hezekiah Mungure zu dessen Direktor.

Viel Widerstand in der Bevölkerung

In Mungures einfachem Büro stehen ein Tisch mit einem Stoss Papier darauf, daneben ein Funkgerät, ein kleiner Kasten, drei Stühle, an der Wand eine Parkkarte und Postkarten, sonst nichts. Während er in blumigen Bildern über seine Arbeit erzählt, wechselt sein Gesichtsaudruck zwischen fröhlich und bedrückt. «Manchmal», sagt er, «meine ich verrückt zu werden mit dieser Schufterei. Wir sind zu wenige, haben kaum Mittel und kämpfen gegen alle – gegen die Wilderer; gegen die Bauern, die im Reservat anpflanzen; gegen Hirten, die im Schutzgebiet verbotenerweise ihre Rinderherden weiden lassen und gegen die Natur, welche die damals zur Kolonialzeit angelegten Stauseen austrocknen und die Strassen völlig verfallen liessen. Doch nicht genug: Den härtesten Kampf müssen wir gegen die lokalen Politiker führen, Sie halten das  Reservat schlicht für überflüssig. Die Führer hier sind für die Menschen, nicht für die Tiere. Sie wollen nur Land. Kurzum, wir mussten hier ganz von vorne anfangen.»

«Hier schossen die Somali-Wilderer alle Elefanten»

Mungure steht auf, zeigt auf der Karte. Was für ein riesiges Gebiet! «Dafür sollte ich mindestens 40 Ranger haben», sagt der Mkomazi-Chef. Er hat aber nur 26 und für die Kontrollfahrten nur ein einziges Fahrzeug. Die vier alten Rangerposten werden jetzt renoviert, sieben neue sind an strategisch wichtigen Punkten geplant Mungures Zeigefinger gleitet an die südöstliche Parkgrenze, zum Umba-Fluss, in Richtung Tanga und zum Indischen Ozean. «In dieser Gegend wüteten die Somali aus Tanga. Hier schossen sie alle Elefanten. Jetzt haben wir aber Ruhe, auch dank des Cites-Banns.»

Mkomazi, früher Wildschutzgebiet, später Nationalpar  | © Map by Wikipedia)

Mkomazi, früher Wildschutzgebiet, später Nationalpar  | © Map by Wikipedia)

 

Jetzt führt· der Mkomazi-Chef seine Gäste (die FSS-Mitglieder René Binder, Alex Rechsteiner und den Berichterstatter) zur Vorratskammer. Hier liegen Mais und Zucker. «Das haben wir mit dem Geld des FSS kaufen können. Die Nahrung ist die erste Voraussetzung dafür, dass meine Männer überhaupt richtig arbeiten können. Wir hatten häufig nicht genug zum Essen. Wir haben einfach zuwenig Geld. Ohne Essen geht aber nichts. Eure Hilfe ist darum äusserst wertvoll.»

«Müde und manchmal auch sehr allein»

Man habe schon etliches erreicht, meint Mungure: Im Reservat grasen immer weniger Rinderherden, die Wilderei sei einigermassen im Griff, viele Pisten seien wieder befahrbar, und jetzt kämen langsam langsam auch wieder die Wildtiere zurück. Mungure reicht uns das unerlässliche Gästebuch: Nur 24 Menschen haben das Reservat zwischen dem 1. Januar und 1. Mai 1992 besucht. Zum Schluss gesteht Hezekiah Mungure, er fühle sich manchmal «sehr müde und manchmal auch sehr allein».

Vor allem der fehlenden Mittel, aber noch mehr des politischen Drucks wegen, der von der umliegenden Bevölkerung auf ihn und seine Leute ausgeübt würde. «Die Leute verstehen den Sinn eines Reservates noch nicht. Ohne Tony Fitzjohn hätte ich hier wahrscheinlich längst schon aufgegeben.»

Besiedlung und Viehherden als Dauergefahren

Nächstes Ziel: Das Kisima-Camp. Es liegt mitten im Reservat, ist seit über zwei Jahren das neue Zuhause von Tony Fitzjohn und seiner Lebensgefährtin Kirn Ellys. Rechts erheben sich die schon ziemlich kahl geholzten Pare-Mountains. Ein imponierender Gebirgszug, der im Osten von den Usambara-Bergen abgelöst wird. Die Piste ist gut. Links, Richtung Kenia, das Reservat mit weiten Ebenen und blauen Bergen.

Plötzlich aber reiht sich links ein Feld ans andere bis tief ins Land hinein – es ist das Gebiet, welches die Politiker der Bevölkerung öffneten. Eindruckvolles Beispiel dafür, wie rasch und gründlich Wildnis vom Menschen in Beschlag genommen werden kann. Es bräuchte nur wenig Zeit, und die Naturschutzgebiete des Landes wären bei ihrer Aufhebung im Nu bevölkert, besiedelt, bepflanzt, das Wild gejagt, vertrieben oder eben ausgerottet.

Nach dem besiedelten Reservatsgebiet führt eine Piste links in den Busch zum Njiro-Posten. Weiter führt jetzt die Piste durch dichten Busch, in dem – ausser ein paar Dik-Dik und 

Hornbills keine Tiere zu sehen sind. Hier lebten einst zahlreiche Schwarze Nashörner und grosse Elefantenherden. Nashörner scheint es heute keine mehr zu geben, und der Elefantenbestand wurde um schätzungsweise 75 Prozent dezimiert.

Mit Insektiziden gegen die Raubkatzen

Kaum mehr zu sehen sind auch Geparde. Wildhunde sind ganz aus dem Wildreservat verschwunden, auch wenn im Mai 1991 zwei an der kenianischen Grenze gesehen wurden. Kommt hinzu, dass in diesem Gebiet zahlreiche Raubkatzen, vorab Löwen, Geparden und Leoparden von den Hirten mit einem Insektizid vergiftet wurden.

Hingegen leben im Mkomazi unter anderem noch Giraffen, Impala, Kleine Kudus, Zebras, Kuhantilopen, Gerenuks, Grant Gazellen, Eland-Antilopen, 233 Vogelarten, Büffel, Löwen und Leoparden. Lange, vergleicht René Binder, der das Reservat seit lange kennt, seien die Tiere der Wilderei wegen extrem scheu gewesen. Erst in letzter Zeit flöhen sie nicht mehr, wenn ein Fahrzeug auch nur schon in der Ferne auftauche.

Vier Fahrstunden nach der Abfahrt in Arusha öffnet sich der Busch und lässt den Blick frei auf einen Berghang mit einem unauffällig in die Landschaft eingepassten Steinhaus: Das Anwesen des Tierschützers Tony Fitzjohn und seiner Lebensgefährtin, der Filmerin Kim Ellys. Sandalen, Shorts, nackt-sehniger, braungebrannter Oberkörper, mittellanges Haar und gutmütige Augen in einem kantig-harten Gesicht – Tony Fitzjohn begrüsst herzlich die Ankommenden und heisst sie im Schatten des Esszelts Platz nehmen.

Tony Fitzjohn - Raubein mit sanftem Herzen

Von hier aus schweift der Blick über die nördlichen Berge des Reservats bis hin zur unsichtbaren Grenzlinie zwischen Kenia und Tansania. Von hier aus können an klaren Tagen sogar der Kilimanjaro und die Taita-Hills gesehen werden. Am Fusse des Kisima-Camps wurden zwei quer zueinander liegende Landepisten für Tonys Kleinflugzeug in den Busch geschlagen. 

Tony Fitzjohn vor altem Game Reserve-«Schild» |  © Foto by WildlifeNOW

Tony Fitzjohn vor altem Game Reserve-«Schild» | © Foto by WildlifeNOW

 

Wer ist dieser Mann, was tut er hier in dieser gottverlassenen Gegend? Der 47-jährige Engländer gibt ohne Umschweife in seiner rauen Sprache Auskunft. Tony Fitzjohn lebt und arbeitete 18 Jahre lang mit George Adamson zusammen, in Kora, einem Reservat in Nordkenia. George Adamson, zusammen mit seiner Frau Joy durch die erzählte und verfilmte Geschichte «Die Löwin Elsa» bekannt geworden, beschäftigte sich mit der Wiederauswilderung von durch Menschen aufgezogenen Löwen.

Fitzjohn half Ihm  dabei ebenso wie beim Aufbau des Kora-Reservats. Die beiden wurden zu guten Freunden und Partnern. Nach zehn Jahren Lehrzeit startete Fitzjohn sein eigenes Programm: Die Wiedereinführung von Leoparden in Kora. 1985 stiess die Filmerin Kirn Ellis zum Duo, um deren Arbeit schriftlich und filmisch zu dokumentieren. Als Adamson 83-jährig durch Banditen am 20. August 1989 erschossen wurde, verloren Tony und Kim einen engen Freund.

Tansanische Regierung froh um Hilfe

Auf Drängen Adamsons hatte Fitzjohn jedoch bereits damals ein neues Gebiet gesucht, wo er bedrohte Tiere wieder heimisch machen konnte. Seine Wahl fiel auf das seit 1966 völlig vernachlässigte und vergessene Mkomazi­Reservat Dies auch darum, weil die tansanische Regierung an der Wiederbelebung dieses Gebietes sehr interessiert war und

dem Engländer jede mögliche Unterstützung versprach. Fitzjohn setzte sich mit Mungure in Verbindµng. Daraus entstand nicht nur eine Freundschaft, sondern auch eine effiziente Zusammenarbeit, die zu einer verhältnismässig raschen Erholung des Reservats führte. Das Resultat des über zweijährigen Aufbaus provozierte beim nationalen Direktor der Wildlife Division, Costa Mlay, anlässlich seines Besuchs im Mai eine uneingeschränkte Anerkennung.

Zuerst musste das Reservat wieder hergestellt werden

Nicht ohne Grund, war doch das Trio Mungure-Fitzjohn-Ellis tatsächlich sehr rührig.  Zunächst wurden die Herden aus dem Reservat getrieben und der Wilderei wo immer nur möglich der Riegel geschoben. Dabei setzte Fitzjohn sein Flugzeug ein. Er meldete Mungure per Funk, wo sich Rinder, Hirten, Sammler von Halbedelsteinen und Wilderer aufhielten. Mungure und seine Leute sorgten dann am Boden für Ordnung.

Bald spürte die umliegende Bevölkerung, dass im Mkomazi nicht mehr einfach alles gemacht werden konnte. «Wir sind darum nicht gerade populär hier», bedauert Fitzjohn. In dieser Zeit wurde mir aber auch klar, dass der Mkomazi zunächst wieder zum Reservat gemacht werden musste, bevor ich überhaupt an eine Wiedereinsetzung von Geparden und Wildhunden denken konnte. Denn deswegen hatte ich ja schliesslich im Auftrag der tansanischen Regierung dieses Gebiet hier ausgesucht.»

Hilfe aus Europa und den USA

Derweil Tony Fitzjohn und Kim Ellis im abgelegenen Kisima im Herzen des Mkomazi mit viel Mühe eine eigentliche Basis mit Haus, Zelten, Landepisten und einer kleinen Werktstatt errichteten, mussten sie auch gleichzeitig Geld in Europa und den USA beschaffen. Dies wurde mit dem George Adamson Wildlife Preservation Trust (England) und den später gegründeten Tony Fitzjohn/George Adamson African Wildlife Preservation Trusts (USA und Canada) wie auch mit öffentlichen Auftritten und Filmen bewerkstelligt.

Persönliche Kontakte zu Filmgrössen in Hollywood zahlten sich dabei besonders aus. "The Mkomazi Projekt" wurde so auch in Amerika und Europa bekanntgemacht. «Auf diese Weise», so Fitzjohn, «erhielten wir bis heute jährlich rund 20'000 Pfund und 180'000 Dollars. «Das Geld wurde gleich wieder investiert – in Saläre, Nahrungsmittel, Treibstoff, Baumaterial, vier Geländefahrzeuge, ein Lastwagen, ein Traktor, Solar- und Windanlagen für Stromgewinnung, in den Bau von Landepisten, in die Wiederherstellung von fast 500 Pistenkilometer und anderes mehr.

Keine Wildtiere: Von Rinderherden und Wilderei verdrängt |  © Foto by Kimali Markwalder

Keine Wildtiere: Von Rinderherden und Wilderei verdrängt | © Foto by Kimali Markwalder

Stark ausgebautes Funknetz

«Kommt mit!» Fitzjohn geht zu seinem dachlosen Uralt-Landrover, an dem nur noch Motor, Schaltung und Räder zu funktionieren scheinen, lässt seine Besucher aufsteigen und fährt sie auf einem kürzlich angelegten, halsbrecherisch steilen Weg zum nahen, 3'500 Fuss hohen Kisiwani-Berg hoch. Von hier oben sieht man weit ins Land hinaus, eine prächtige Sicht auf die benachbarten Berge und Täler.

Hier oben steht aber auch eines der wichtigsten Hilfsmittel: Ein Relais-Turm für den Funkverkehr im ganzen Reservat zwischen Fitzjohn, Mungure und seiner Truppe. Zwei feste Funkstationen sind in Fitzjohns Basiscamp Kisima und im Mungures Hauptquartier Zange. hinzu kommen noch die sechs Walkie-Talkies der Ranger sowie die Funkgeräte in den Fahrzeugen und im Flugzeug. Die Funkverbindung steigere nicht nur enorm die Arbeitseffizienz, sie hebe auch ganz wesentlich die Moral, sagt Tony: «Denn die ist schon manchmal ziemlich nahe dem Nullpunkt.»

Video-Aufklärung für die Bevölkerung

Zur Hebung der Moral tragen auch die Uniformen bei, welche die kanadische Regierung schickte, sowie das vom FSS finanzierte Bonus-System für festgenommene Wilderer oder beschlagnahmte Schlingen und Waffen. Des weitern führten Fitzjohn und Mungure die kontrollierten Frühbrände ein.

Und sie rüsteten einen kleinen Suzuki mit Video aus, um der Bevölkerung entlang des Reservats Sinn und Zweck des Tier- und Naturschutzes vor Augen zu führen. Gleichzeitig helfe man ihr mit Medikamenten. Fitzjohn: «Die Leute müssen einen  direkten Nutzen aus dem Reservat ziehen können. Und wir finden tatsächlich auch weniger Schlingen als früher.» 

Es fehlt an allen Ecken und Enden

Unterdessen gründeten Freunde auch die «Friends of Mkomazi», mit deren Hilfe schon einige kleinere Anschaffungen getätigt wurden. Und schon scheut das Wild nicht mehr so. Trotz der relativ breiten Unterstützung fehlt es den Mkomazi-Leuten immer wieder an finanziellen Mitteln, betonen Mungure und Fitzjohn.

Zuweilen reiche nicht einmal der Treibstoff, um mit dem zurzeit einzigen Patrouillenfahrzeug Überwachungsfahrten in entlegene Reservatsecken zu unternehmen. Um das Reservat auch für Touristen attraktiv zu machen, müsste das Pistennetz verbessert und vergrössert werden. Vor allem aber sollte das Schutzgebiet so gut überwacht werden können, dass sich das Wild wieder sicher fühlen kann. 

In dieser Beziehung geben sich Tony Fitzjohn, Kirn Ellis und Hezekiah Mungure zuversichtlich. Das Wild, vor zwei Jahren noch schrecklich scheu, lasse Menschen und Fahrzeuge bereits erstaunlich nahe an sich herein. Am meisten Freude bereiten Fitzjohn die Elefanten: «Als ich hier anfing, zählte ich mit dem Flugzeug sage und schreibe nur elf Elefanten im Reservat. Heute dürften sich bereits 200 bis 300 permanent im Gebiet aufhalten. Wir haben hier aber auch schon gegen 600 gezählt.»

Neue Gesetze notwendig

Und die Zukunft? Der FSS will auch 1993 die Mkomazi-Ranger und ihre Familien mit CHF 2'000 unterstützen. Das Verhältnis zu den tansanischen Behörden sei derart «freundschaftlich», dass man auch von dieser Seite weiterhin auf volle moralische Unterstützung rechnen dürfe, meint Fitzjohn. Am Mkomazi hänge man auch darum, weil in ihm schon Generationen von Wildhütern ausgebildet wurden. Um das Reservat allerdings selbsttragend zu machen, müsse es für den Tourismus attraktiver gestaltet werden.

Nein, ein Nationalpark soll Mkomazi nicht werden, aber Gesetze müssten her, die den Schutz des Reservats gewährleisteten. In diesem Zusammenhang muss aber das Engagement des neuen Direktors of Wildlife, Muhidin Ndolanga, abgewartet werden. Er übernimmt in Dar es Salaam den Posten von Costa Mlay, der dem Mkomazi sehr gewogen war.

Vorgesehen ist zudem die Errichtung von Campingplätzen und einer Lodge für betuchte Kundschaft. Tony Fitzjohn: «Pläne haben wir noch haufenweise, aber realisieren können wir sie nur langsam. Mit viel Geduld. Und nur Schritt für Schritt.»

Noch ahnen wir nicht, dass der Mkomazi später doch noch zum Nationalpark werden wird – mit dem ersten und rund um die Uhr bewachten Rhino-Schutzgehege Tansanias.

 

Mkomazi-Wildreservat
Schätze und Schwierigkeiten

Lage: Nordtansania, an der Grenze zu Kenia und seinem grössten Nationalpark, dem Tsavo. Nordöstlich der Pare-Berge. Gründung: 1951. Fläche: 3'200 km2.  Zustand: In einer Erholungs- und Konsolidierungsphase (1992). Hauptquartier: Zange Gate. Leiter des Reservats: Hezekiah Mungure. Hauptprobleme: Rinderherden, illegaler Feldanbau, Wilderei. Tierbestand: Sich erholend oder wieder zuwandernd. Tourismus: Kleine Lodge und Zeltplätze geplant.

Zwei Tierschätzungen wurden 1991 im Mkomazi Wildresetvat vom Tanzania Wildlife  Conservation Monitoring vorgenommen: die erste während der Regenzeit im Juni, die zweite während der Trockenzeit im Oktober. Resultate: Büffel in der Trockenzeit 4804 ( Regenzeit 11 ); Eland 2506(102); Elefant 273 (l719); Elefanten-Skelette: während der Regenzeit des Vegetation wegen nicht sichtbar, (46); Giraffe 945 (561); Grant-Gazelle 382 (176); lmpala 0 (714 ); Kongoni 797 (23); Kleiner Kudu 207 (22); Oryx.325 (77); Strauss275 (215); Rietbock 48 (11); Warzenschwein 526 (78); Zebra 2531 (1 '030) . 

Die Schätzungspräzision variiert von Tierart zu Tierart. Gesichtet wurden im Mkomazi zudem eine kleine Anzahl von Gerenuks und Dik Diks, von Füchsen und Löwen.

Titelbild: Mkomazi-Berge | © Foto by Kimali Helen Markwalder

Weiterführende Links
- Brief History of Mkomazi Game Reserve (Pre- 1969)