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News

Goma, die Gorilla-Diva, ist nicht mehr

Ruedi R. Suter

Vor fast 60 Jahren lenkte ein Gorillasäugling die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Schweiz. Goma, der erste in Europa geborene Gorilla, entzückte alle. Jetzt ist die berühmte Menschenäffin mit 58 Jahren in Basel verstorben.

Von Ruedi Suter - FSS

Verknittert und winzig sah es aus damals, das Gorillababy mit den grossen, glänzenden Äuglein, den zünftigen Nasenlöchern, dem breiten Mäulchen und dem hellrosafarbenen Gesichtchen unter der schwarzen Kappe aus feinen Haaren. Mit spindeldürren Ärmchen lag es im dichten Pelz von Achilla, seiner Mutter. Das war am 23. September 1959, im Zoo zu Basel.

Gestern, am 7. Juni 2018 und beinahe 60 Jahre später, ist das damalige Affenkind als überaus betagtes Affenweibchen an seinem Geburtsort verstorben.

Der Basler Zolli schreibt: «Bis zuletzt war sie von ausserordentlich robuster Gesundheit. In den letzten Wochen wirkte sie aber zwischendurch abwesend und müde und ihr Appetit lies nach.  Am Morgen des 7. Juni war sie sehr schwach. Sie ass noch eine Kleinigkeit, legte sich dann aber versteckt in eine Box und reagierte kurz darauf nicht mehr auf die Mitglieder der Gorillagruppe, die immer wieder zu ihr gingen und sie sanft anstupsten. Um 12.15 Uhr tat Goma ihren letzten Atemzug.»

 Goma im bereits hohen Alter von 50 Jahren

Goma im bereits hohen Alter von 50 Jahren

Beginn eines seltsamen Affenlebens

Allein seine Geburt machte das Äffchen berühmt: Es war das erste Gorillakind, das in Europa in einem Zoo geboren wurde. Und hätte nicht drei Jahre zuvor Artgenosse Colo in Columbus (Ohio, USA) das Licht der Welt erblickt, wäre das Basler Menschenaffenkind gar der erste in Gefangenschaft geborene Gorilla gewesen.

Basels jüngste und wohl auch haarigste Bürgerin wurde Goma getauft. So heisst eine seit Jahren immer wieder umkämpfte Stadt in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) unweit der letzten Zufluchtsstätten der verwandten Berggorillas. «Goma» heisst auf Suaheli aber auch «Freudentanz».

Gomas Adoptiveltern waren – Menschen

Zu diesem hatten die Zooleute aber bereits Stunden nach der Geburt keinen Anlass mehr. Obwohl Gomas Papa, der 140 Kilo schwere Steffi, von seiner 70 Kilo leichten Gattin auf Distanz gehalten wurde und diese sich ganz ihrem 1,82 Kilo wiegenden Baby widmen konnte, verstand es Achilla nicht, ihr bald einmal vor Hunger wimmerndes Kind zu säugen. Ausgerechnet ein Mann musste ihr aus der Patsche helfen - der Tierarzt und damalige Basler Zoodirektor Ernst M. Lang. 

Der am 21. Oktober 2014 im Alter von 101 Jahren verstorbene Lang, der einst mit seinem Kommunikationstalent die Zolli-Tiere wie nachher keiner mehr zum Gesprächsstoff in Öffentlichkeit und Medien machte, erinnerte sich im September 2009 gegenüber dem Basler Internetportal OnlineReports.ch so an den damaligen Gorillasäugling: «Als sich die Situation nach 36 Stunden nicht geändert hatte, entschlossen wir uns, das wertvolle kleine Wesen in unsere Obhut zu nehmen, um es am Leben zu erhalten." So wurden der damals 45-jährige Zoodirektor und seine Frau Trude 1959 unverhofft zu geforderten Adoptiveltern eines Affenmädchens.

Wie eine Familie zur Horde mutierte

Keine Zeitung, kein Radiosender, keine Fernsehstation, die nicht über das Basler Affenbaby berichtet hätte. «Täglich hatten wir bis zu zehn Reporter, Fotografen und Fernsehleute im Haus», erinnerte sich Lang an den Rummel um die wollene Neugeborene, deren Mutter - ein Flachlandgorilla - aus den Urwäldern Westafrikas stammte. 

Von überall her trafen Glückwünsche ein, auch von zoologischen Gärten und Tierexperten. Für die heranwachsende Goma aber, deren Fortschritte Lang später in einem Bestseller beschrieb, gab es Wichtigeres: Sie schleckte Säuglingsnahrung, entdeckte das Gehen und Turnen, tollte in der guten Stube herum, spielte mit dem Haushund, beäugte die Gäste, trieb allerlei Schabernack und fühlte sich bald affenwohl in ihrer «Horde», die das Ehepaar Lang mit ihren Kindern wie selbstverständlich mit einschloss. Kein Wunder, dass dann auch alles gemeinsam unternommen werden musste. 

 Ein Gorilla auf dem Gotthard

So fuhr die «Horde» im Familienauto über den Gotthard an den Langensee in die Ferien. Auf der Rückreise bestritt Goma, schon ganz Star, im Zürcher Studio des Schweizer Fernsehens noch rasch eine Life Show. Doch nicht nur die Medien, auch die Forschenden waren am jungen Gorillaweibchen interessiert. Es wurde scharf beobachtet, am intensivsten von Ziehvater Ernst Lang und dem Basler Zoologen Rudolf Schenkel. 

Die Tierspezialisten, die es später beide - vielleicht auch ein bisschen wegen Goma - zur Professorenwürde brachten, registrierten jeden Laut, jede Bewegung, jede Wachstums- und Verhaltensänderung, um sie in wissenschaftlichen Publikationen wie der «Documenta Geigy» und im populären Buch «'Goma', das Gorillakind» zu veröffentlichen. Es sind Beobachtungen, die in die Geschichte eingingen. Denn eine derart akribische Bestandesaufnahme von der Entwicklung eines jungen Menschenaffen hatte es zuvor noch nie gegeben.

Neue Gesellschaft im Affenhaus

Das putzige Gorillamädchen, immer zu einem Streich aufgelegt, wuchs seinen Zieheltern an Herz. Es unterschied sich zu Beginn in seinem Verhalten kaum von einem Menschenkind. Doch nach rund einem Jahr und bevor es den Adoptiveltern über den Kopf wuchs, kam die unvermeidbare Trennung.

Goma musste vom Direktorenhaus am Pelikanweg zu ihrer Familie in das ein paar Lianenschwünge entfernte Affenhaus zügeln. Dort traf sie auf den aus Kamerun geholten Altersgenossen Pepe – ein guter Kamerad, der zwar nie ein Liebhaber werden sollte, ihr jedoch den Anschluss an die Gorillafamilie erleichterte. 

Gomas Mutter Achilla hatte unterdessen kapiert, wie Kinder aufgezogen werden müssen. 1961 gebar sie Goma einen Bruder. Jambo verguckte sich später etwas allzu fest in seine Schwester, und so erblickte am 2. Mai 1971 Tamtam, der gemeinsame Sohn, das Licht des Basler Affenhauses.

Auch Tamtam machte Schlagzeilen: Er war der erste Gorilla in zweiter Zoogeneration. Und er war das erste Gorillababy, das in einem Zoo von Beginn an mit einem Silberrücken aufwuchs. Dass Goma ihren Sohn mühelos aufzog, führt Ernst Lang auf ihre Lernfähigkeit zurück: «Sie sah es den anderen Müttern ab. Das ist nicht angeboren, das muss gelernt werden.» Für Goma aber blieb Tamtam ihr erstes und letztes Kind. Weshalb, das bleibt ein Rätsel. 

 Goma, immer auch Beobachtungsobjekt

Goma, immer auch Beobachtungsobjekt

Ein Wiedersehen voller Gefühle

Das genaue Beobachten der Menschenaffen wurde am Zolli auch nach dem Weggang Ernst Langs weitergeführt. Nachher wurde Goma vom Primatenforscher und Zolli-Fotografen Jörg Hess begleitet. Er charakterisierte Goma an ihrem 30. Geburtstag so: «Sie ist freundlich, anhänglich und interessiert, aber auch in sich zurückgezogen und manchmal scheu.» 

20 Jahre später meldeten die Zolli-Verantwortlichen, Goma habe sich «immer mehr ins Familienleben» integriert: «Sie ist, wie es scheint, heute eine zufriedene und fürsorgliche Grossmutter.» Ganz verloren hat das einst weltberühmte Gorillaweibchen seine vornehme Zurückhaltung aber nie.

Eine Ausnahme machte es jedoch immer - dann, wenn ihr Ziehvater das Affenhaus betritt. Dieser besuchte bis zu seinem Tod wenigstens einmal die Woche seine «Stieftochter» im Zoo. Entdeckte die betagte Gorilladame Ernst Lang im Besucherraum, kam sie an die Panzerscheibe und begrüsste ihn. Es waren ergreifende Momente: Die beiden schauten sich in die Augen und freuten sich sichtlich. 

Die Gorillas Afrikas kämpfen ums Überleben

Allerdings hat die Goma-Geschichte im letzten halben Jahrhundert auch eine tragische Dimension angenommen: Die letzten noch frei lebenden Berg- und Flachlandgorillas in Afrika stehen vor der Ausrottung. Von den bedrängten Berggorillas im teils umkämpften Grenzgebiet der DRC, Ugandas und Ruandas leben nur noch schätzungsweise 700 bis 1'000 Tiere.

Ebenfalls als höchst gefährdet gelten die Westlichen Flachlandgorillas. Ihre Zahl ist wegen der Holzindustrie und der Wilderei vorab für den Fleischbedarf innert drei Generationen um 80 Prozent geschrumpft. Obwohl  in den dichten Wäldern der Republik Kongo (Brazzaville) noch nicht bekannte Populationen entdeckt wurden, wird die Zahl der letzten Westlichen Flachlandgorillas auf zwischen 100'000 und 125'000 Tiere geschätzt. 

Weil aber der Druck auf auf Primaten wie Gorillas, Orang Utans und Schimpansen mit Sicherheit weiterhin zunehmen wird, stellen rund um die Uhr bewachte Wildzonen und die für Wildtiere gefängnisartigen Zoos - sie wollen heute lieber «Naturschutzzentren» genannt werden - bald die letzten Überlebenschancen für Menschenaffen und andere bedrohte Tierarten dar.

Die Situation der überall bedrängten Wildnis bekümmert den Ziehvater "Gomas" besonders. Denn Professor Lang hatte während seiner Direktionszeit nicht nur dem Basler Zoologischen Garten ein neues Konzept verpasst, Bücher verfasst und wichtige Forschungsarbeiten über die Biologie der Gorillas, des Panzernashorns, der Brillenbären und Flamingos publiziert, er kannte auch die Lebensumstände und Bedrohungen der Wildtiere in Freiheit.

Siedlungsdruck, Wilderei und Abholzungen

Lang war einer der ersten Zoodirektoren, der sich nicht des Tierhandels bediente, sondern Tiere aus aller Welt selbst importierte - «eine Vorgehensweise», die in der Welt der Zoos allgemein üblich wurde», schrieb Claus Hagenbeck, Spross der berühmten Hagenbeck Tierpark-Familie in Hamburg. Und: «Er hat zahlreiche Wildtiere eigenhändig eingefangen, verpackt und transportiert, zu einer Zeit, als das Reisen, selbst mit kleinem Handgepäck, noch überaus beschwerlich war.» Diese unterdessen überholte Methode - sie hat dem Zolli einst auch lebende Elefanten aus dem heutigen Tansania beschert - hatte einen Vorteil: Zoodirektoren wie Lang und Bernhard Grzimek erlebten selbst, wie verheerend sich draussen in Savanne, Busch und Urwald Wilderei, industrielle Abholzung und Siedlungsdruck auf die Wildtiere auswirken.

Wie schätzte also Lang die Zukunft der wild lebenden Gorillas ein? Er machte sich- im Gegensatz zu vielen Tier- und Naturschutzorganisationen - keine Illusionen: «Sehr schlecht, so lange es in Afrika keine politische Stabilität gibt.» Die Zoos mit ihren Zuchtgruppen könnten den Gorillas allenfalls ein längerfristiges Überleben garantieren, hoffte der einstige Züchter und Tierfänger. Das erfordere aber gute Freianlagen und «sehr viel Geld». 

 Goma – nachdenklich?                                                                    Alle Fotos © by Ruedi Suter

Goma – nachdenklich?                                                                    Alle Fotos © by Ruedi Suter

Die ewige Platznot des Zollis

Der Zoologische Garten Basel hat unterdessen eine neue «Erlebniswelt» mit Aussenanlagen für die Menschenaffen bauen lassen. Die Verantwortlichen unter dem jetzigen Direktor Oliver Pagan gaben sich redlich Mühe, «für die Menschenaffen im Zoo Basel ein neues Zeitalter beginnen» zu lassen. Dass aber der Zolli viel zu klein ist und ausgelagert oder grosszügig vergrössert werden müsste, ist ein Thema, das in der Stadt der Milliardäre wegen fehlenden Finanzen und auf Kosten der Wildtiere leider nicht mehr thematisiert wird.

Gorilla Goma, ein Leben lang Gefangene, Gepflegte und Beschützte zugleich, hat die neue «Erlebniswelt» für Primaten im Zolli noch erleben können. Mit seinen 59 Jahren lebte der betagte Weltstar 19 Jahre länger als der Durchschnitt seiner freien Artgenossen. In Menschenalter gerechnet dürfte sie jetzt 109 Jahre alt gewesen sein - und damit sogar ihren Ersatzvater Ernst Lang um 8 Jahre «überholt» haben.

Neun Jahre ist es her, dass der Mensch den Affen zum letzten Mal berührte - im Bereich der Anlage, wo nur die Tierwärter Zugang haben: «Ich konnte sie am Rücken kraulen. Das hat sie mit grösstem Wohlgefallen entgegengenommen», freute sich der Professor. Ja, und einmal, habe Goma ein Blatt aufgelesen und es ihm in den Mund stecken wollen.

Jetzt haben beide, der Ernst und die Goma, das Zeitliche gesegnet. Und eine Zoo-Geschichte der besonderen Art hat damit ihren Abschluss gefunden.

Weiterführende Themen:

Ex-Zolli-Direktor und Goma-Erzieher Ernst Lang gestorben

Elfenbein will die «Armee des Herrn»

Ruedi R. Suter

 

Ein ehemaliger Kindersoldat bestätigt: Die Terroraktionen  der Lord’s Resistance Army (LRA) von Joseph Kony werden mit Elfenbein finanziert

Ruedi Suter – FSS

Er ist einer der gesuchtesten Verbrecher Afrikas: Joseph Rao Kony (57), der heute aus Südsudan operierende Oberbefehlshaber der «Widerstandsarmee des Herrn» (Lord's Resistance Army, LRA). 

Der ugandische Sektenführer wird seit 2005 vom Internationalen Strafgerichtshof als «mutmasslicher Kriegsverbrecher» gesucht. Er sei verantwortlich für zahlreiche Folterungen und Vergewaltigungen, für die Flucht von rund zwei Millionen Menschen in Nord-Uganda sowie die Entführung von schätzungsweise 66 000 Kinder, welche zum Kriegsdienst gezwungen wurden.

Dass Kony seinen Terror wie auch seine Geschäfte mit dem Verkauf vom Elfenbein gewilderter Elefanten finanziert, ist seit 2015 belegt. 

Raubzüge im kongolesischen Garamba-Nationalpark

Damals wies der Investigativjournalist Bryan Christy von National Geographic erstmals den direkten Zusammenhang zwischen Konys Terror und der Elefantenwilderei nach - über einen GPS-Sender, der in einem Stosszahn versteckt wurde und den Weg des LRA-Elfenbeinhandels offenlegte. Jetzt gab ein desertierter Kämpfer Einblicke in die Wilderei im Busch, und zwar in einem Gespräch mit dem ugandischen Daily Monitor

Patrick Kidega (32), der mit 16 von der LRA gekidnapt wurde, versicherte im Interview, dass Kony ganze Elefantenherden abschlachten liess, um das Elfenbein an Araber verkaufen und seine Operationen finanzieren zu können.

Er selbst, so Kidega über sich, habe einer 35-köpfigen Truppe unter Kommandant Odoki Uwe angehört, der seit 2015 verschiedene Expeditionen in dem Garamba-Nationalpark (DR Kongo) anführte , um Elefanten zu wildern. Kony sei, vom Südsudan geduldet, seit 2013 von Dafac im südlichen Darfur aus aktiv. 

Die Raubzüge der gut bewaffneten Wilderertruppe hätten in den Garamba und zurück jeweils bis zu vier Monate gedauert. Drei Jahre war Patrick Kidega auf der beschwerlichen Elefantenjagd im nördlichen Park von Kongo-Kinshasa. 

Dabei habe man über 100 Elefanten getötet. Das nach Südsudan geschleppte Elfenbein sei von Konys Leuten - zusammen mit geraubten Diamanten und Goldstücken – gegen Waffen, Munition, Medikamente und Nahrung eingetauscht worden.

Arabische Elfenbeinhändler verkaufen via Khartum nach Asien

Laut einem Bericht von Enough Project aus dem Jahr 2015 hätten die LRA-Kämpfer das gewilderte Elfenbein durch die Länder Kongo-Kinshasa und die Zentralafrikanische Republik geschmuggelt, um es an sudanesische Kaufleute oder teils sogar direkt an Offiziere der sudanesischen Armee zu verkaufen.

Enough Project mutmasst, das Elfenbein sei in die sudanesische Hauptstadt Khartum geschafft und von dort Richtung Asien «exportiert» worden.  

Patrick Kidega, der die Praktiken Konys offenlegte, desertierte im November 2017 in Zentralafrika. Später nahm sich ihm die Hilfsorganisation Pathways to Peace- Uganda an. Diese gewährte ihm psychosoziale Hilfe und vereinigte ihn, wie andere geflohene LRA-Kämpfern auch, mit seiner Familie im Distrikt Kitgum. 

Kony zeigt sich als ein Meister des Versteckens

Joseph Kony wird als mutmasslicher Kriegsverbrecher und Chef-Wilderer weiterhin gesucht. Den Archoli-Warlord zu fassen, scheint jedoch äusserst schwierig. Nicht einmal einer 2011 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama beauftragten amerikanischen Spezialeinheit von 150 Mann gelang es, trotz modernster Technik und der Ausbildung von Soldaten und Unterstützung einer Sondertruppe der Afrikanischen Union mit 3 000 Mann, den Sektenführer zu stellen und seine in Uganda, Kongo-Kinshasa, Zentralafrika und Südsudan marodierende Lord Resistans Army ganz zu neutralisieren. 

Im März beendete das bei Stuttgart stationierte Afrikanische Kommando der Vereinigten Staaten (Africom) den Einsatz der Spezialeinheit. Immerhin, so Africom-Kommandant General Thomas Waldhauser, sei die LRA von einst rund 20 000 Kämpfern auf 100 geschrumpft. Die Gefahr, dass sich Kony wieder eine starke Truppe aufbauen könne, sei aber nicht gebannt, warnte Waldhauser.

Nicht aufhören und bestenfalls reduziert weiter betrieben wird die Wilderei von Elefanten. Ihr Elfenbein wurde immer schon verkauft, um Kriege finanzieren, Terror verbreiten und Konflikte schüren zu können. 

© Titelbild by RS/FSS: Komposition Kony-Elefanten-Elfenbein

Tschad: Glückliche Rückkehr der Rhinos

Ruedi R. Suter

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N’Djamena, Johannesburg, 5. Mai 2018 – Im Tschad leben wieder Nashörner! Und zwar seit dem gestrigen Freitag, als ein Transportflugzeug mit sechs Spitzmaulnashörnern im südlichen Zakouma-Nationalpark landete und die Tiere auf tschadischen Boden ausgeladen wurden. Am Donnerstag waren die aus dem südafrikanischen Addo-Nationalpark stammenden Tiere im Flughafen von Port Elizabeth in Kisten an Bord des Transportflugzeugs gehievt worden.

Die erfolgreiche Translokation sei das Resultat einer «beispiellose Zusammenarbeit zwischen der tschadischen und der südafrikanischen Regierung, African Parks und SANParks», schreibt African Parks in ihrer Medienmitteilung. Die Aktion sei in den letzten beiden Jahren intensiv vorbereitet worden. In Tschad galten Nashörner für fast ein halbes Jahrhundert als ausgerottet. 

Sechs Rhinos für den Zakouma-Nationalpark

Die Regierungen Südafrikas und des Tschad hatten im Oktober 2017 eine Absichtserklärung zur Wiedereinführung der sechs Spitzmaulnashörner in den Zakouma-Nationalpark unterschrieben. In Begleitung eines Teams von erfahrenen Tierärzten wurden die Nashörner während der gesamten Reise betreut, um nach der Landung  zur genauen Überwachung und Akklimatisierung in ein eigens errichtetes Gehege getrieben zu werden. In den folgenden Wochen werden die Nashörner in ein umfassend geschütztes Schutzgebiet im Park entlassen, um ein reibungsloses Einleben in ihre neue Umgebung zu gewährleisten. 

Die in verschiedenen afrikanischen Ländern wirkende Naturschutzorganisation African Parks übernahm 2010 in Zusammenarbeit mit der Regierung der Republik Tschad die Verwaltung des Zakouma-Nationalparks. Sie verwandelte den Park in ein weitgehend sicheres Schutzgebiet durch die Anwendung strenger Gesetze wie auch durch umfangreiche Gemeinschaftsprogramme und spezifische Sicherheitsvorkehrungen für die Wiedereinführung von Nashörnern.

Beitrag zur Erhaltung der zentralafrikanischen Rhino-Population

Peter Fearnhead, der Direktor von African Parks: «Durch unsere Partnerschaft mit der Regierung des Tschad konnten wir die Sicherheit in Zakouma wiederherstellen und eine Möglichkeit schaffen, eine zentralafrikanische Population dieser Art in einem sicheren und funktionierenden Park zu bringen. Die heutige Wiederansiedlung ist ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Erhaltung der Nashörner in Afrika wie auch zur Bereicherung des Naturerbes im Tschad.»

Zakouma, einst Tummelfeld von Wilderern, gilt heute als sicheres Gebiet für einige der wichtigsten Wildtierpopulationen der Region. Erstmals wächst auch die Elefantenpopulation wieder. Dies ist nicht zuletzt dem Wirken von Ex-Parkdirektor Rian und seine Gattin Lorna Labuschagne zu verdanken, welche massgeblich am Wiederaufbau des Parks beteiligt waren und heute für die Zoologische Gesellschaft Frankfurt den Serengeti-Nationalpark in Tansania  sichern helfen.

Die beiden waren in den neunziger Jahren auch für das vom FSS  aufgepäppelte Nashorn-Waisenkind Richi verantwortlich, das per Flugzeug tansanischen Kilimanjaro-Airport zur Blutauffrischung nach Port Elizabeth und schliesslich in den südafrikanischen Addo-Nationalpark transferiert wurde.  Für die Wiederansiedlung der Nashörner im tschadischen Zakouma-Nationalpark wurden nebst anderem eine berittene Rhino-Ranger-Einheit formiert sowie eine Luftraumüberwachung installiert.  fss

Foto: Betäubtes Nashorn wird in Südafrika für den Flug nach Tschad «verpackt».          Screenshot: www.african-parks.org  

Rodungen drohen im Weltnaturerbe Selous

Ruedi R. Suter

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Zuerst wurden in Afrikas grösstem Wildschutzreservat und tansanischen Weltnaturerbe Selous bis vor drei Jahren Zehntausende Elefanten gewildert. Seit längerem schon drohen bei der Stiegler's Schlucht in Norden des Parks ein riesiger Staudamm und im Süden eine Uranmine, beide mit unabsehbaren Folgen für das über 52'000 Quadratkilometer grosse Schutzgebiet. 

Berlin, Dodoma, 16. Mai 2018 – Nicht genug: Jetzt will die Regierung auf rund 1'500 Quadratkilometern ein Rodungsprogramm umsetzen, dem über 2,6 Millionen Bäume zum Opfer fallen würden. Dies meldet heute der WWF, verbunden mit der Warnung, dass durch die Abholzung «das ökologisch besonders wertvolle Zentrum des Reservats entlang des Rufiji-Flusses damit quasi vollständig entwaldet» würde. 

Aus offiziellen Dokumenten gehe hervor, so die Panda-Organisation,  dass die Forstbehörde des ostafrikanischen Landes für die Abholzung einen Bieterwettbewerb ins Leben gerufen habe. Dessen Eingabeschluss für Gebote ist heute. Was wären die Folgen der Rodungen? Johannes Kirchgatter vom WWF-Deutschland: «Die Entwaldung wäre der Anfang vom Ende dieses einzigartigen Naturparadieses. Der Selous ist eines der letzten grossen unberührten Wildnisgebiete der Erde und wichtiger Rückzugsort für viele bedrohte Arten wie Elefanten, Löwen, Wildhunde oder Giraffen.»

Die Rodungen gelten als Vorbereitung für den Bau des geplanten Staudamms zur Stromproduktion bei der Stiegler' Gorge.  Gemäss der Regierung soll im Juli mit den Arbeiten gestartet werden. Rund 1'200 Quadratkilometer des Selous würden nach Vollendung des Damms dauerhaft überflutet. Das ohne Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeboxte Vorhaben verstösst laut WWF sowohl gegen nationales Recht als auch gegen internationale Abkommen. «Tansanische Gesetze und die Unesco-Welterbekonvention verbieten solch umfassende Eingriffe in Reservate und Weltnaturerbestätten. 

«Die tansanische Regierung treibt die Zerstörung des Selous ohne Rücksicht auf Verluste
voran und setzt sich dabei über geltendes Recht und internationale Vereinbarungen hinweg.
Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde die Region auch ihr fantastisches touristisches
Potential verlieren», hält die Umweltschutzorganisation in ungewöhnlicher Schärfe fest.

Der Selous stehe «der weltberühmten Serengeti» in nichts nach. Eine echte
Chance auf nachhaltige Entwicklung drohe damit verlorenzugehen. Zurück bliebe ein zerstörtes
Welterbe mit einem Kraftwerk, das das Land nicht brauche, warnt Johannes Kirchgatter.

Selbst Schutzbemühungen der deutschen Bundesregierung würden durch die Pläne
angegriffen. Deutschland zahlt in den kommenden Jahren 18 Millionen Euro für den Erhalt
des Reservats, seiner Randgebiete und des Welterbetitels. Durch die großflächige Entwaldung
und Überflutung werde der Selous eines Großteils seiner ökologischen Bedeutung beraubt.
Gleichzeitig sorge die Erschliessung des Gebiets durch den Bau von Strassen, Siedlungen und
Infrastruktur in bisher unberührter Wildnis für einen leichteren Zugang auch für Wilderer,
Viehzüchter und illegale Siedler. 

Der WWF fordert die deutsche Bundesregierung daher auf, sich gegen den Staudammbau einzusetzen – «zumal er für die Deckung des Energiebedarfs in Tansania überhaupt nicht notwendig sei», wie aus dem Energieplan der tansanischen Regierung hervorgehe.

«Der Staudamm ist ein ökonomisch und ökologisch unsinniges Megaprojekt auf Kosten einer
nachhaltigen Entwicklung. Und wie es scheint, sehen das auch potentielle Geldgeber so. Bislang
konnte die tansanische Regierung keine Finanzierung für den milliardenschweren Bau
vorweisen», schliesst die Umweltorganisation. Am Ende könne sich herausstellen, dass das Land sein einzigartiges Weltnaturerbe mit der Abholzung «völlig umsonst» verspielt hat.

Die deutsche Umweltorganisation «Rettet den Regenwald» hat für die Erhaltung der Baumwelt im Welterbe Selous eine Petition an die Tansanische Regierung formuliert.  Titel: «Lasst die Holzfäller nicht ins Welterbe Selous».   fss

Zur Selous-Rettungspetition

 

Nachtrag

UNESCO an Tansania: Stop it!

Manama, Bahrein,  1. Juli 2018 Tansania wurde Ende Juni an der UNESCO-Sitzung des Komitees für das Welterbe in Bahrein  aufgefordert, seine Pläne im Selous fallen zu lassen. Damit folgte das Komitee den Empfehlungen der Internationalen Naturschutzunion IUCN.

Das Selous-Wildschutzgebiet müsse als «eines der artenreichsten Gebiete der Erde» für die zukünftigen Generationen geschützt und erhalten werden, begründete IUCN-Sprecher Peter Shadie den Entscheid. Die Entwaldung eines derart grossen Gebietes im Herzen des Selous wäre für das Ökosystem und die Tierwelt unverantwortlich und verheerend, begründete Shadie. 

An der 42. Sitzung des Welterbekomitees verhinderte die tansanische Regierung in letzter Minute eine allfällige Aufhebung des Status Weltnaturerbe mit der Zusage, zunächst eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. So blieb der Selous in der bisherigen Kategorie. Sein Gefährdungsstatus bleibt also vorderhand bestehen. Denn neben den grossflächigen Abholzungen droht jetzt auch noch der Bau eines riesigen Dammes bei der Stiegler's Schlucht.

© Foto by Helen Kimali Markwalder: Löwe im Selous.

 

«Elefanten-Mutter» Daphne Sheldrick hat die Herde verlassen

Ruedi R. Suter

Nairobi, 14. April 2018 – Die in Kenia geborene und aufgewachsene «Elefantenmutter» Daphne Majorie Sheldrick starb am 12. April 2018 im Alter von 83 Jahren an Krebs. Dies berichtet die BBC. Berühmt geworden war die geadelte Elefantenretterin mit ihrer 1977 gegründeten und nach ihrem verstorbenen Ehemann benannten Wohltätigkeitsorganisation «David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT)». 

Mit dieser spezialisierte sich Daphne Sheldrick in der gleichnamigen Aufzuchtstation in der Nähe von Nairobi auf die Rettung und spätere Auswilderung verwaister Elefantenkälber, deren Eltern Dürren nicht überlebten oder von Wilderern umgebracht worden waren. 

Angepasste Flaschennahrung für Elefanten

Für das Grossziehen der Elefantenbabies entwickelte Sheldrick im Laufe fast dreier Jahrzehnte eine den Tieren angepasste Flaschenernährung mit eigener Milchformel. Diese muss aus pflanzlichen Fetten hergestellt werden, da Elefantenkinder Kuhmilch nicht vertragen und daran sterben. Um die 230 kleine Elefanten konnten so im Laufe der Zeit vor dem Tod gerettet werden.

Daphne hatte bereits als Kind und Tochter eines britischen Landwirts in Nakuru junge verwaiste Wildtiere aufgezogen und wieder frei gelassen. Zu Beginn half sie dem britischen und ebenfalls in Kenia aufgewachsenen Mann David Sheldrick (1919 - 1977), dem Hauptbegründer des Tsavo-Nationalparks. Als David im Juni 1977 an einem Herzinfarkt starb, führte sie einen Teil der gemeinsame Arbeit fort und wurde als «Mutter der Elefanten» weltberühmt.

«Born to be wild»

Sie veröffentlichte mehrere Bücher, belebte Reportagen und Dokumentarfilme, worunter auch «Born to be wild». Im Jahre 2000 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der schottischen Universität Glasgow. Und sechs Jahre später wurde sie von der britischen Königin Elisabeth II zur «Dame Commander of the Order of the British Empire» geschlagen. 

Mit Daphne Sheldrick hat die Welt zweifellos eine der engagiertesten Wildtierschützerinnen verloren. Nicht verwunderlich, dass ihre grösste Sorge die Elefantenwilderei war. Erst 2016 warnte sie noch, die Waldelefanten Zentralafrikas könnten bis 2025 ausgerottet worden sein. fss

Foto; «Dame» Sheldrick in jüngeren Jahren    © Screenshot aus www.sheldrickwildlifetrust.org

Sensation: Elefanten-Zwillinge im Tarangire-Nationalpark

Ruedi R. Suter

Arusha, 8. April 2018 – Ein seltener Glücksfall wird aus dem nordtansanischen Tarangire-Nationalpark gemeldet: Das Dasein eines Paars von Elefanten-Zwillingen, die vor etwa acht Monaten auf die Welt kamen. Zwillinge sind bei den Rüsseltieren eine Sensation. Sie sollen laut Forschenden gerade einmal 1 Prozent aller Elefantengeburten ausmachen.

«Die Zwillinge waren ursprünglich recht mager, und wir waren besorgt, dass sie nicht überleben würden», liess der Elefantenforscher Charles Foley in einer von UPI verbreiteten Medienmitteilung verlauten. Foley, der den Tarangire wie seine Hosentasche kennt und jahrelang von den Freunden der Serengeti Schweiz (FSS) unterstützt wurde, ist heute Direktor des Tarangire Elephant Project der US-amerikanischen Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS).

«Eloise» sorgt für Hoffnungen

Die Mutter der Zwillinge heisst Eloise. Die Leitkuh hat das für eine Zwillingsgeburt ausserordentlich hohe Alter von rund 57 Jahren. Ihr beiden Kälber, die bis zu vier Jahren auf Muttermilch angewiesen sein können, haben unterdessen deutlich an Gewicht gewonnen. Grund: Eloise fand im vor kurzem staubtrockenen Tarangire viel Futter —dank der letzten Regen und dem grünen Gras.

Für Elefantenforscher Foley sind die Zwillinge ein Grund zur Zuversicht: «Die Elefanten im und um den Tarangire -Nationalpark werden von den Rangern und lokalen Gemeinschaften gut geschützt. Unter der Anleitung einer erfahrenen Matriarchin wie Eloise haben wir grosse Hoffnungen auf ihr Überleben. Kommt hinzu, dass jedes geborene Elefantenkalb ein Schritt zur Erholung der Art bedeutet. Umso mehr wenn es Zwillinge sind.» fss

Foto: Schnell zu Muttern - Zwillings-Elefanten im Tarangire                                                   ©  WCS