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Wildtier-Tourismus: Chancen für Büffel, Gepard & Co

Ruedi R. Suter

Was sind Wildtiere eigentlich wert? Die heikle Frage versucht der Welt-Reise und Tourismus-Rat mit einer Studie zu beantworten. Sein Fazit: Wildtiere, die wir als Touristen in der Wildnis besuchen und beobachten können, bringen der Wirtschaft das Fünffache dessen, was illegale Wildtierhändler mit ihrem Tun anrichten. Neues zum boomenden Wildtier-Tourismus.

Von Ruedi Suter – FSS

In freier Wildbahn einem Leoparden, Elefanten, Affen, Chamäleon, Flusspferd, Gürteltier, Kudu oder Sekretär-Vogel zu begegnen, ist ein vielschichtiges Gefühl. Wahrscheinlich auch deshalb, weil in ihm stets auch eine seltsame Mischung aus Freude, Neugier, Ehrfurcht, Rätselhaftigkeit und Angst mitschwingt.

Das Tier, unser nächstes Mitwesen, vermag anzuziehen oder abzustossen, wir spüren wohl instinktiv eine Verwandtschaft, der wir uns nicht entziehen können. Die Faszination des so fremden wie bekannten Andersseins in Gesellschaften, die sich immer mehr den Maschinen ausliefern, bildet eine wesentliche Grundvoraussetzung für den Wildtiertourismus in den noch natürlich belassenen Steppen, Wäldern und Gewässern dieser Erde.

Sehnsucht nach dem Ursprung

Kein Wunder deshalb, dass auch der Wildtiertourismus stetig wächst. Die Menschen sehnen sich offensichtlich zunehmend nach ursprünglichen Gegenden mit ihren oft besonderen Tier- und Pflanzenarten. Und da das Reisen selbst in abgelegenen Gebieten kaum mehr mit Entbehrungen verbunden ist, leisten sich immer mehr Touristinnen und Touristen aus Europa, Amerika und Asien den erschwinglich gewordenen Luxus einer «Abenteuersafari».

Diese Reisen durch stets «berechenbarere» Wildnisse müssen nicht über gefühlsstarke Erlebnisse beschrieben sein, sie können schlicht auch mit wirtschaftlichen Massstäben definiert werden. Das zeigt die neue, knochentrockene Studie des Welt-Reise und Tourismus-Rats (World Travel & Tourism Council, WTTC).

Lieber lebend als tot:  Touristen erleben zu Fuss die Wildnis, Büffel, Tansania | ©  Foto by Gian Schachenmann

Lieber lebend als tot: Touristen erleben zu Fuss die Wildnis, Büffel, Tansania | © Foto by Gian Schachenmann

Killen, fangen oder nur beobachten?

Der Rat stellte sich für 2018 eine zentrale Frage: Was bringt in Ländern mit grossem Wildbestand mehr Geld? Der Wildtiertourismus? Oder der illegale zur Ausrottung führende Handel mit wilden Tieren? Die errechnete Antwort im Zusammenhang mit dem globalen Bruttoinlandprodukt (BIP): Der illegale Wildtierhandel bringt rund 23 Milliarden Dollar ein, der Wildtiertourismus hingegen mehr als das Fünffache - etwa 120 Milliarden Dollar.

Hinzu kommt weltweit ein wichtiger «Nebeneffekt» – in Form von mehr als 9 Millionen Jobs, plus etwa 22 Millionen Arbeitsplätze, die vom Tiertourismus profitieren können. Das Besuchen und Beobachten von Wildtieren in ihrem natürlichen Lebensraum machte letztes Jahr laut WTTC bereits 4,4 Prozent des gesamten globalen Tourismus-Bruttoinlandprodukts aus.

Was lebt und fasziniert ist mehr wert

Gloria Guevara, Präsidentin und Leiterin von WTTC, fasst die Erkenntnisse für die Öffentlichkeit so zusammen: «Wildtiere sind lebend viel wertvoller als tote.» Für Gemeinschaften in Wildgebieten könne dies zu einem starken Anreiz werden, Tiere nicht für einen einmaligen Geldbetrag umzubringen, sondern sie für sich und die Welt zu schützen.

Die Erkenntnis ist nicht neu und wird von Naturschützenden mit Hilfe vorausblickender Regierungen schon seit Dekaden recht erfolgreich umgesetzt. Kurz zusammengefasst: Schutzgebiete mit Wild werden von der Bevölkerung erst dann akzeptiert und aktiv bewacht und verteidigt, wenn sie dafür auch Einnahmen und Gewinne in Form von Geld, Löhnen und Infrastrukturen erhalten.

Der grösste regionale Markt für Wildtiertourismus ist nicht Afrika, sondern Asien mit einem direkten BIP von etwas über 53 Milliarden Dollar und 4,5 Millionen Arbeitsplätzen. Erst an zweiter Stelle kommt Afrika mit einem direkten BIP von 29 Millionen Dollar und wo 3,6 Millionen Menschen vom Wildtiertourismus leben können. Mehr als ein Drittel des gesamten direkten Tourismus-BIP Afrikas sei 2018 auf die Attraktion der Wildtiere zurückzuführen gewesen, heisst es in der Studie des Welt-Reise und Tourismus-Rats.

Viel zu sehen:  Safari-Touristen in der Serengeti, Tansania |  © Foto by Gian Schachenmann

Viel zu sehen: Safari-Touristen in der Serengeti, Tansania | © Foto by Gian Schachenmann

Mehr Menschen, weniger Wildnis

An dritter Stelle folgt schliesslich Nordamerikas mit seiner Wildtier-Tourismuswirtschaft – mit 13,5 Milliarden Dollar und beinahe 22 Millionen Arbeitsplätzen. Der Wildtier-Tourismus wird mit dem zunehmenden Dichte-Stress auf der Welt und der vermehrten Sehnsucht nach Wildnissen und «unberührten» Landschaften mit «paradiesischem» Wildvorkommen weiter wachsen, sollten nicht neue Kriege oder Wirtschaftskollapse die Entwicklung stoppen.

Entwickelt sich der globale Tourismus jedoch weiterhin so dynamisch wie in den letzten Jahren, droht auch dem Wildtiertourismus der Schrecken des Overtourism, dem bestenfalls mit einem strengen Managements der Schutzgebiete und Natur-Destinationen beizukommen ist. Versagt hier die Weltgemeinschaft, dann droht den letzten Wildnissen dieser Erde der Kollaps und ihren Tieren und Pflanzen Überbeanspruchung, Stress und Niedergang.

Das Problem ist vielerorts bereits erkannt, notwendige Massnahmen werden teils schon ergriffen. Begriffe wie «Wildnis» oder «Wildtiere» werden so oder so jedoch eine andere Bedeutung erhalten, Weil der einst ursprüngliche Zustand unseres Planeten von uns Menschen grundlegend verändert wird. In der Regel auf Kosten der Wildnis und ihren Lebewesen.

«OP Thunderstorm» lässt Wildtier-Kriminelle zittern

Ruedi R. Suter

Überraschend grosse Erfolge wurden in letzter Zeit bei der Bekämpfung des illegalen Handels mit Wildtieren vermeldet. Dies vor allem Dank der «Operation Thunderstorm», welche Interpol in Zusammenarbeit mit der Weltzollorganisation in über 100 Ländern durchführte. Abertausende Wildtiere wurden befreit, 600 Täter gefasst und neue Erkenntnisse gesammelt, die zu weiteren Polizeiaktionen führten.

Diesen Good News steht eine ständig wachsende Wildtierkriminalität mit Milliarden schweren Umsätzen gegenüber. Sie bedroht das Überleben von Fauna und Flora auf unserem Planeten. Die beste Gegenwehr ist ein koordiniertes und entschlossenes Vorgehen der Staaten gegen die plündernde Wildtier-Mafia. Die jüngsten Verhaftungen und Beschlagnahmungen sind dafür ein Hoffnung stiftendes Beispiel.

Von Ruedi Suter – FSS

Es sind Erfolgsmeldungen im Krieg gegen die Vernichtung der Wildtiere, aber ein echtes Glücksgefühl mag nie aufzukommen. Denn jedes Auffliegen eines Schmuggeltransports, jede Beschlagnahmung, jede Verhaftung von Tätern, die dieses Multimilliarden-Dollargeschäft mit Totschlag, Gefangennahme, Schmuggel, Einfallsreichtum und viel krimineller Energie zum Brummen bringt, lassen automatisch auch erahnen, was von den Fahndern alles übersehen und nicht entdeckt wird: Der Grossteil des schmutzigen Handels mit jeder Art von Wildtieren.

Beschlagnahmt: Elfenbein in Kenia |  © Foto by Interpol / WZO

Beschlagnahmt: Elfenbein in Kenia | © Foto by Interpol / WZO

Weil die Verbrechersyndikate mit allen Wassern gewachsen sind, weil sie ständig ihre Transportmethoden ändern, ständig die Mittel wechseln, und neue Verstecke für ihre falsch deklarierten «Güter» verwenden – zum Beispiels in Containern, Kisten, ausgehöhlten Bäumen, in Säcken, Plastikbehältern und Schachteln, in den Hohlräumen der Schiffe, Flug- und Fahrzeuge, auf den Köpern und in den Kleidern der Kuriere - der Fantasie für die absonderlichsten Verstecke sind keine Grenzen gesetzt.

Und die Wildhüter*innen, die Zollbeamt*innen, die Polizei wie auch die verdeckt recherchierenden Artenschützer*innen und Journalist*innen brauchen stets auch viel Glück, um wenigstens hin und wieder einem illegalen Transport lebender oder toter Wildtiere oder deren Körperteile auf die Spur zu kommen.

Beschlagnahmt: Getrocknete Seepferdchen aus Indonesien |  © Foto by Interpol / WZO

Beschlagnahmt: Getrocknete Seepferdchen aus Indonesien | © Foto by Interpol / WZO

Auffallend sind jetzt aber die Erfolge der letzten Wochen im Kampf gegen die Wildtierkriminalität. Allein was seit Beginn dieses Sommers für verbotene «Ware» an geschützten Tieren und Pflanzen entdeckt wurde, ist atemberaubend. Kein Zufall, wurde doch diesen Juni nach intensiven und geheimen Vorbereitungen die «Operation Thunderball» («Feuerball») durchgeführt.

Bisher umfangreichste Operation gegen die organisierte Wildtierkriminalität

Gemeinsam umgesetzt von Interpol und der Weltzollorganisation (WZO), umspannte die mehrwöchige Aktion insgesamt 109 Staaten auf allen Kontinenten. So entwickelte sich «Operation Feuerball» zur bisher umfangreichsten Offensive gegen die Umweltkriminalität überhaupt. Weltweit erlebten laut Interpol gegen 600 mutmassliche Umweltkriminelle ihre Festnahme, weitere sollen noch erfolgen.

Beschlagnahmt beziehungsweise befreit wurden 23 Menschenaffen, 30 Grosskatzen oder deren Körperteile in Form von Mänteln und «Heilmitteln», 440 Elefantenstosszähne plus 545 Kilogramm Elfenbein; fünf Rhino-Nasenhörner; über 4'300 Vögel; 1'500 Reptilien; rund 10'000 Land-und Meeresschildkröten, gegen 10'000 Teile von Meereslebewesen wie Korallen, Seepferdchen, Delphinen oder Haien; weitere 7'700 Teile von Wildtieren jeder Art plus 30 Kilo Buschfleisch sowie geschützte Holzarten im Umfang von rund 74 vollen Lastwagen und 2'600 geschützten Pflanzen.

Statistik des Grauens: Beschlagnahmungen|  © Grafik by Interpol / WZO

Statistik des Grauens: Beschlagnahmungen| © Grafik by Interpol / WZO

«Wildtierkriminalität entzieht nicht nur unserer Umwelt ihre Ressourcen, sie schadet auch durch die mit ihr verbundenen Gewalt, Geldwäsche und Betrug», folgerte Jürgen Stock, der Generalsekretär von Interpol.

«Umweltkriminelle werden büssen müssten»

Operationen wie «Thunderball» seien konkrete Aktionen, welche sich gegen die transnationalen Kriminalsysteme richten und die von diesen illegalen Aktivitäten profitierten. Für den deutschen Juristen und Kriminologen Stock ist klar: «Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen. Und wir werden sicherstellen, dass Kriminelle für die Raubzüge an unserer Umwelt büssen müssen.» Jedenfalls sei die Wildtierkriminalität eng mit der organisierten Kriminalität verzahnt –und immer noch am Wachsen, sagte der Interpol-Chef.

Beschlagnahmt: Container mit 4’100 Vierzehenschildkröten in Russland |  © Foto by Interpol / WZO

Beschlagnahmt: Container mit 4’100 Vierzehenschildkröten in Russland | © Foto by Interpol / WZO

300 Kongo-Elefanten «in» einem Container

Mit der «Operation Thunderball» dürften Fahnder an Informationen gelangt sein, die auch nach Beendigung des Rundumschlags verwendet werden können. Denn seither sind im Juli zwei weitere Schmuggelversuche riesigen Ausmasses aufgeflogen, welche flugs auch ihren Niederschlag in der Weltpresse fanden.

Grund: Der 21. Juli, ein Sonntag, verhalf den Behörden im Hafen von Singapur zum bislang grössten im Stadtstaat je gemachten Elfenbeinfund. Ein harmlos wirkender Container, deklariert als Transportbehälter für Tropenholz, entpuppte sich als ein «Grab» von rund 300 Elefanten. 8,8 Tonnen Elfenbein im Wert von gegen 13 Millionen Dollar stellten die verblüfften Zollbeamten sicher.

Beschlagnahmt: Elfenbein-Stosszähne in Singapur |  © Foto Zoll Singapur

Beschlagnahmt: Elfenbein-Stosszähne in Singapur | © Foto Zoll Singapur

Doch sie stiessen beim Durchsuchen des Containers aus Kongo-Kinshasa noch auf einen weiteren Fund mit tragischem Ursprung: die in Säcken verstauten Schuppen von rund 2'000 der hoch gefährdeten Schuppentiere. Das Gewicht der Schuppen: 11, 9 Tonnen. Ihr Wert: 35,7 Millionen Dollar, wie die Behörden ausgerechnet haben.

375 Tonnen Pangolin-Schuppen

In Singapur zeigte sich die Tragödie der vor der Ausrottung stehenden Pangoline von einer besonders dramatischen Seite. Denn seit April wurden gemäss Behördenangaben schon andere Sendungen mit Pangolin-Schuppen abgefangen. Resultat: Bis Ende diesen Juli beschlagnahmte der Zoll insgesamt 37.5 Tonnen Schuppen im Wert von beinahe 113 Millionen Dollar.

Beschlagnahmt: Pangolin-Schuppen in Singapur |  © Foto Zoll Singapur

Beschlagnahmt: Pangolin-Schuppen in Singapur | © Foto Zoll Singapur

Es ist schlicht unvorstellbar, wie viele dieser faszinierenden Tiere allein nur schon für die in Singapur aufgeflogenen Ladungen ihr Leben lassen mussten – von jenen gar nicht zu sprechen, welche sonst wo problemlos die Landesgrenzen nach Asien passieren, wo sie ihres Fleisches und ihrer – eingebildeten – Heilkräfte wegen reissenden Absatz finden.

Beschlagnahmt: Nahansicht Pangolin-Schuppen in Singapur |  © Foto Zoll Singapur

Beschlagnahmt: Nahansicht Pangolin-Schuppen in Singapur | © Foto Zoll Singapur

Hanoi: Keine Chance mit dem Gipstrick

Auf den Coup in Singapur flog in Vietnams Hauptstadt Hanoi ein Schmuggel mit Nasenhörnern auf, der als Beispiel die vielfältigen Tricks der Gangstersyndikate offenlegte. Gleichzeitig liess der Fund der Behörden einmal mehr die bange Frage nach der Überlebenschancen der letzten Nashörner dieser Welt hochkommen.

Diesmal landete die auf 7, 5 Millionen Dollar geschätzte Schmuggelware in einem Jet der nationalen Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (Ethihad Airways) auf der Landepiste des Flughafens Noi Bai. Weshalb die Zollbeamten ausgerechnet die 14 Kartonschachteln mit den Gipsplatten untersuchten, wurde von den Behörden nicht mitgeteilt.

Beschlagnahmt: In Gips versteckte Nasenhörner am Airport von Hanoi |  ©   Foto by Zoll, customsnews.vn

Beschlagnahmt: In Gips versteckte Nasenhörner am Airport von Hanoi | © Foto by Zoll, customsnews.vn

Jedenfalls wurden die Gipsgebilde von den Beamten in mühsamer Arbeit aufgemeisselt. Zum Vorschein kamen weiss verstaubt 55 Teile oder ganze Rhino-Nasenhörner mit einem Gesamtgewicht von 125 Kilogramm, gedacht für Verarbeitung und Verkauf als Pseudomedizin oder Statussymbole. Der Fund, so folgerten die Behörden, habe eine der grössten Beschlagnahmungen ermöglicht, die je in Südostasien erfolgt sei.

Bis zu 60’000 Dollar pro Kilo Rhino-Horn

In Asien kann ein Kilo des Nasenhorns von Rhinos bis zu 60'000 Dollar einbringen. Nachdem China strenger gegen Schmuggler, Händler und Schnitzer von Elfenbein und Nasenhorn vorging, verlagerten sich die illegalen Aktivitäten nach Vietnam. Das Land hat sich zu einem Knotenpunkt entwickelt, geht unterdessen aber ebenfalls rabiater gegen das offensichtlich riesige Netzwerk von Schwarzhändlern mit Wildtieren vor.

Beschlagnahmt: Papagai in Chile / Zebrafische aus Brasilien |  © Foto by Interpol / WZO

Beschlagnahmt: Papagai in Chile / Zebrafische aus Brasilien | © Foto by Interpol / WZO

Davon zeugen die vermehrten Beschlagnahmungen von Elfenbein, Pangolin-Teilen, Bushmeat, Nasenhörnern oder Tigerhäuten. Tage vor der Landung der Ethihad Airways-Maschine mit den eingegipsten Rhino-Hörnern hatte die Polizei in Hanoi einen Autofahrer gestoppt, bei dem sieben gefrorene Leichen von Jung-Tigern gefunden wurden.

Asiens Hunger nach Wildtierteilen nimmt stetig zu

Woher diese stammten, ob aus freier Wildbahn oder einer der Zuchten, wurde nicht mitgeteilt. Klar ist nur, dass in Asien auch die Nachfrage nach Tigerteilen (Fleisch, Fell, Klauen, Zähne etc) steigt, um als «Medizin», Schmuck oder Statussymbol herhalten zu müssen.

Nicht beschlagnahmt: So wie es sein soll, ein Elefant in der Wildnis, in Freiheit |  © Foto by Hans Trueb

Nicht beschlagnahmt: So wie es sein soll, ein Elefant in der Wildnis, in Freiheit | © Foto by Hans Trueb

Wildtiere gewinnen, je mächtiger oder seltsamer sie wirken und je seltener sie werden, immer mehr an «Ansehen», was sie noch mehr zu Opfern einer steigenden Nachfrage macht. Mit ein Grund, weshalb viele bedrohte Arten aus Afrika vor allem nach Ostasien geschmuggelt werden. Die UNO bezeichnete kürzlich Südostasien mit Ländern wie Vietnam, Kambodscha und vor allem Laos als eine «wichtige globale Drehscheibe für den Handel mit hochwertigen und stark bedrohten Arten in andere asiatische Märkte».

Die neulich aufgeflogenen illegalen Wildtiertransporte werden gewiss nicht die letzten entdeckten Verbrechen dieser Art sein. Auch darum nicht, weil die internationalen Bemühungen um mehr Wildtierschutz selbst in den Zielländern die Behörden zu härterem Durchgreifen motiviert zu haben scheinen.

Titelbild: Weisser Tiger als Handelsobjekt, befreit durch die Operation «Thunderball» | © by Interpol

Weiterführende Themen:

«Ivory Queen»: Zu milde Haftstrafe

Wildtiere – auch Opfer des Totschweigens

Afrikas Wildtierschutz beginnt – in der Schweiz

INTERPOL - Umweltverbrechen

Wallis: Bushmeat aus Afrika beschlagnahmt

Ruedi R. Suter

Buschfleisch in Brig - auch das gibt es. Der Schweizer Zoll erwischte einen Briten, der durch halb Europa reisen wollte. Von Venedig über Paris nach London – mit 23 Kilo Fleisch gewilderter Antilopen.

Unablässig wird afrikanisches Buschfleisch nach Europa geschmuggelt. Via Flugzeuge, Schiffe oder Autos. Es sind Tonnen illegal getöteter und oft auch geschützter Wildtiere, welche die Grenzen passieren – natürlich auch jene der Schweiz.

An den eidgenössischen Flughäfen sollen jährlich über 40 Tonnen illegales Wildfleisch ins Land gelangen, so mutmasste 2013 die Universität Zürich nach Recherchen.

Nur selten fliegen Schmuggelnde auf. Wie jener britische Staatsbürger, der am 7. Juli in Venedig seinen schweren Koffer hoch wuchtete – in den Nachtzug nach Paris. Dieser rollt durch die Schweiz und macht einen Zwischenhalt in Brig.

Im Koffer mitgeschleppt

Dort endete auch bereits sein angesichts der Route durch verschiedene Länder nicht besonders intelligentes Unterfangen. Denn laut Swissinfo.ch wurde der Passagier von Schweizer Grenzwächtern etwas genauer unter die Lupe genommen. So musste der 56 Jahre alte Brite den Koffer öffnen und seinen «Proviant» auspacken: 23 Kilogramm gebratenes Antilopenfleisch aus Südafrika. Dieses hätte als Endstation London erreichen und dort von Bushmeat-Liebhabenden verzehrt werden sollen.

Täglicher Aderlass an Afrikas Fauna: Gewilderte Klein-Antilopen in Kamerun |  © Foto by René Stäheli

Täglicher Aderlass an Afrikas Fauna: Gewilderte Klein-Antilopen in Kamerun | © Foto by René Stäheli

Daraus wird nun nichts. Dem Briten wurde im Wallis, das seine eigenen Wilderer und Bushmeat-Probleme hat, die Überreste der Antilopen abgenommen. Um welche Art oder Arten es sich genau handelte, gab die Eidgenössische Zollverwaltung nicht bekannt.

Jedenfalls war es kein Fleisch geschützter Tiere wie jenes von Elefanten, Gorillas oder Pangolinen, deren Fleisch ebenfalls auf dunklen Wegen nach Europa gelangt, um hier gegessen zu werden. Laut einem Beamten der Eidgenössischen Zolldirektion sei das beschlagnahmte Antilopenfleisch wenig appetitlich gewesen – Menschen wie Tiere hätten sich beim Verzehr gesundheitlich gefährden können.

Schlangenhappen und Schuppentierfleisch

Der Brite wurde verzeigt, auch wegen der Verletzung des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen (CITES). Bereits im Mai dieses Jahres wurde ein anderer versuchter Bushmeat-Schmuggel bekannt. Eine Frau aus Kamerun flog bei der Zollkontrolle am Airport Zürich auf. Sie führte in ihrem Gepäck Fleischhappen von Schlangen und den hoch gefährdeten Schuppentieren mit sich – 3,5 Kilo zum privaten Gebrauch, wie sie versicherte.

Die sporadischen Erfolge der Schweizer Zollbehörden in Sachen Bushmeat sind die Spitze des Eisbergs. Sie deuten auf das vielfache Leerplündern der afrikanischen Fauna hin, von dem kaum ein Wildtier verschont bleibt. Grobe Schätzungen deuten darauf hin, dass bereits um die 30 Prozent des Bushmeats von gefährdeten Tieren stammen. fss

Titelbild: Buschbock | © Foto Ruedi Suter

Giraffen: Die Hochbeinigen in Not

Ruedi R. Suter

Giraffen wird viel zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt. Sie verschwinden, ohne gross wahrgenommen zu werden. Dies im Gegensatz zu Grosstieren wie Elefanten, Nashörnern und Löwen.

Neuste Zählungen bei den wild lebenden Giraffen lassen nun Artenschützende Alarm schlagen. Der Schutzstatus für das höchste Landtier der Erde soll bei der nächsten CITES-Konferenz in Genf diesen August verschärft werden.

Von Ruedi Suter – FSS

Man hat es lange nur vermutet, jetzt ist es sicher: Auch die Massai-Giraffe ist als zahlenmässig stärkste Unterart gefährdet. Erstmals wurde ihr Bestand eingehend untersucht, das Resultat ist besorgniserregend.

In den letzten 30 Jahren dürften die Massai-Giraffen um die Hälfte zurückgegangen sein. Das heisst, so das amerikanischen Zentrum für Biologische Diversität: es leben heute schätzungsweise gerade noch etwa 35'000 Tiere in der afrikanischen Wildnis. Insgesamt sollen es, alle Unterarten zusammengenommen, keine 100'000 wild lebende Giraffen mehr auf dieser Welt geben.

Realer Lebensraumverlust, angedichtete Heilkräfte

Warum dieser Rückgang? Ausschlaggebend ist einmal mehr der Mensch mit seinem unaufhörlich wachsenden Landbedarf, seiner Raffgier und seinem Aberglauben. Wie die Elefanten ihres Elfenbeins oder die Rhinos ihrer Nasenhörner wegen, so werden die imposanten Langhälse zunehmend ihrer Körperteile wegen umgebracht.

Massai-Giraffen : Futtern in den Baumwipfeln |  © Foto Ruedi Suter-FSS

Massai-Giraffen: Futtern in den Baumwipfeln | © Foto Ruedi Suter-FSS

In Afrika, wo sich der Hunger wieder vermehrt ausbreitet, liefert eine Giraffe viel Fleisch, weshalb sie mit Drahtschlingen, Giftpfeilen, Speeren und Gewehren gewildert wird.

Ihre Häute und Schwänze mit den langen drahtigen Haaren gelten im Kongo und anderen Ländern aber auch als Statussymbol. Ein so grosses Tier, das höchstgewachsene aller Landtiere, verleitetet überdies schneller zu verhängnisvollen Fantasien.

In Tansania etwa, wo «Twiga» das Nationaltier ist und einen besonderen Schutzstatus geniesst, wird die Giraffe etwa im Serengeti-Ökosystem regelmässig gewildert, um neben dem Fleisch beispielsweise auch an Organe, Knochenmark oder ans Gehirn zu kommen.

Letzteres soll HIV/Aids heilen, wird laut «National Geographic» geglaubt. Keine Überraschung in einem Land, wo selbst Albino-Menschen für die Herstellung von «Heilmitteln» ermordet werden.

«Giraffen gehören zur vergessenen Megafauna»

Aber auch der internationale Wildtierhandel setzt den Giraffen zu. Was etwa die Vereinigten Staaten von Amerika mit getöteten Giraffen zu tun haben, versuchten 2018 die Humane Society USA und die Humane Society International herauszufinden.

Ergebnis: in der letzten Dekade wurden «Produkte» von rund 4'000 Tieren eingeführt. Nun will das zuständige Amt – der I.S. Fish and Wildlife Service» – prüfen, ob Giraffen für die USA auf die Liste der gefährdeten Arten gesetzt werden sollen.

Arusha-Nationalpark,  Tansania: Üppiges Grünfutter |  © Foto Ruedi Suter - FSS

Arusha-Nationalpark, Tansania: Üppiges Grünfutter | © Foto Ruedi Suter - FSS

Es gibt heute schon weniger Giraffen als Elefanten, und den ebenfalls bedrohten Löwen oder Nashörner wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den langbeinigen Paarhufern. «Giraffen», meint Julian Fenessy als Co-Direktor der Giraffe Conservation Foundation, seien sozusagen «die vergessene Megafauna.»

So gelten alle neun Giraffenarten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN nicht als «bedroht», sondern seit Dezember 2016 erst als «gefährdet». Nur die Kordofan- und Nubischen Giraffen sind als «stark gefährdet» eingestuft. Anders gesagt: Noch fehlen IUCN-Vorschriften für den Kauf oder Verkauf von Giraffen-Körperteilen.

«Mit aller Macht schützen»

Das Problem ist, dass sich auch die Dezimierung der Wildtiere stetig beschleunigt. Was heute noch als «gefährdet» gilt, müsste bei genauer Betrachtung oftmals schon als «bedroht» eingestuft werden.

Die neuen alarmierenden Zahlen zum Bestand der Massai-Giraffen dürften ebenfalls dazu führen, dass an der nächsten Konferenz von CITES in Genf (16. bis 28. August) der Schutzstatus für Giraffen verschärft wird – von Anhang II auf Anhang I.

Selfie mit erlegter Giraffe:  Jägerin Tess Talley |  Foto Social Media - «The Interdependent»

Selfie mit erlegter Giraffe: Jägerin Tess Talley | Foto Social Media - «The Interdependent»

Dies wollen unter anderem die 32 afrikanischen Nationen der African Elephant Coalition durchsetzen, mit der Aufforderung an die Europäische Union, da mitzumachen. Dies begründet der Afrikaner Abba Sonko so: « Wir wollen alles in unserer Macht Stehende tun, um die Giraffen in unseren Ländern zu schützen und das Aussterben der Art zu verhindern.»

Abba Sonko stammt aus Senegal, wo Giraffen nur noch in den Erinnerungen älterer Menschen weiterleben. Und wie überall sind die sanften Prachtstiere mit ihren eleganten Bewegungen nicht «ausgestorben», sondern schlicht ausgerottet worden.

Titelbild: Flüchten statt sterben - Massai-Giraffen | © Foto by Hans Trüb

Ohne Naturschutz-Management keine Zukunft

Ruedi R. Suter

Je mehr Menschen die Erde bevölkern, desto wichtiger wird ein professioneller Schutz der letzten Naturschutzgebiete. Eine Erkenntnis, die sich auch in Tansania durchsetzt und von WissenschafterInnen umgesetzt wird.

Jetzt haben drei Studierende erstmals einen Master für Naturschutz-Management abschliessen können – dank der internationalen Zusammenarbeit  einer Stiftung, einer Universität und eines Instituts. Was für die so dringende wie notwendige Ausbildung noch fehlt, ist die tatkräftige Unterstützung durch tansanische Stellen.  

Von Monica Borner

Nationalparks und andere Naturschutzgebiete sind eine wichtige Einnahmequelle für Tansania und andere afrikanische Länder. Das Serengeti-Ökosystem zum Beispiel generiert über 150 Millionen US-Dollar pro Jahr (Greater Serengeti Conservation Society, Hopcraft). Der langfristige Schutz dieser Gebiete ist deshalb auch für die ökonomische Zukunft der Länder von zentraler Bedeutung.

Leider gibt es zur Zeit immer wieder Regierungsentscheide, die dieser Tatsache keine Rechnung tragen — und die Anlass zu Sorge geben. Deshalb ist es sehr wichtig, dass tansanische Wissenschafterinnen und Wissenschafter jene leitenden Personen in der Verwaltung beraten können, welche die Entscheidungen fällen müssen.

Neue Generation von Naturschutz-SpezialistInnen

Denn für all die Herausforderungen, welche die Serengeti bedrohen, gibt es Lösungen, die sowohl den Anwohnern wie dem langfristigen Wohlbefinden des Ökosystems mit seinen Tieren und Pflanzen zugute kommen.

Leopard im Baum : Kann nur überleben, wenn er effizient geschützt wird |  © Foto KET

Leopard im Baum: Kann nur überleben, wenn er effizient geschützt wird | © Foto KET

Diese Lösungen ergeben sich aus der Interpretation und Nutzung der Langzeit-Daten, die auch die Menschen als Teil des Ökosystems einbeziehen, und aus einer dafür besonders ausgebildeten neuen Generation von tansanischen Wissenschaftern und Managerinnen.

Um die Serengeti effektiv und nachhaltig zu beschützen, braucht es ein gut ausgebildetes Team von WissenschafterInnen. Sie managen die Ressourcen, betreiben die Wildlife Institutionen und unterstützen die Regierung bei den Richtlinien.

Diese Überlegungen bewogen die Karimjee Jivanjee Foundation (KJF), Master Training Kurse für Naturschutz-Management zu entwickeln und zu ermöglichen: die KJF hat sich verpflichtet, drei tansanische Studenten pro Jahr mit Ausbildung und Unterhalt zu unterstützen.

Dieses Programm «Conservation Management of African Ecosystems» (CMAE) ist ein besonderes Masters Programm der Universität Glasgow und des Nelson Mandela Instituts für Wissenschaft und Technologie in Arusha.

Naturschutz-Management will gelernt sein

Das Programm besteht aus zwei Semester-Kursen in Glasgow. Danach werden die StudentInnen in Tansania mit Unterstützung des Nelson Mandela Instituts für Wissenschaft und Technologie ausgebildet und führen Forschungsprojekte in einem der wichtigen Naturschutzgebiete in Tansania durch.

Das Programm wird von den beiden Instituten gemeinsam betrieben. Es vermittelt Einsichten in die Grundlagen des Naturschutz-Managements: Biodiversitätsvermessung, angewandte Ökologie, menschliche Aspekte von Umweltschutz und Epidemiologie von Krankheiten, die bedrohte Arten gefährden.

Die Studierenden lernen Planung von Studien, Datenanalysen sowie das Verfassen und Kommunizieren wissenschaftlicher Studien für verschiedenste Zielgruppen, wie zum Beispiel für Regierung, EntscheidungsträgerInnen und die breitere Öffentlichkeit.

Auch das Tanzanian Wildlife Research Institute (TAWIRI) unterstützt Studierende, welche Projekte dieses Programmes durchführen.

Das CMAE Programm ist jetzt im 3. Jahr. Die ersten StudentInnen schlossen im November 2018 alle mit Auszeichnung ab. Besonders erfreulich: die beiden Frauen Zabibu Kabalika und Evaline Munisi wie auch der Warden Ronald Vincent sind hoch motiviert, sich mit ganzer Kraft für den Naturschutz in Tansania einzusetzen.

Warten auf den fälligen Segen der Universitätskommission

Die zweite Gruppe führt zur Zeit Feldprojekte in Tansania durch. Die dritte Gruppe schliesst gerade ihr Studium an der Uni Glasgow ab und bereitet sich auf ihr Feldprogramm in Tansania später in diesem Jahr vor. Für die ersten drei Jahre des Programms wurden 9 TansanierInnen und 14 internationale StudentInnen unter vielen Bewerbungen ausgewählt.

Prüfungsfeier in Glasgow, UK . Von links: Grant Hopcraft (Dozent), Ronald, (hinten: John Claxton, MSc-Kurs) Evaline, Zabibu, Barbara Mable and Markus Borner (Dozenten) |  Foto zVg.

Prüfungsfeier in Glasgow, UK. Von links: Grant Hopcraft (Dozent), Ronald, (hinten: John Claxton, MSc-Kurs) Evaline, Zabibu, Barbara Mable and Markus Borner (Dozenten) | Foto zVg.

Leider hat der Projektpartner in Tansania, die Nelson Mandela African Institution of Science and Technology (NM-AIST) immer noch Schwierigkeiten, dieses (und auch andere) Programme offiziell von der Tanzanian Commission for Universities (TCU) registrieren zu lassen.

Das bedeutet, dass Tansanier und Tansanierinnen nicht den ursprünglich vorgesehenen doppelten MSc bekommen, sondern nur einen einfachen (von Glasgow) und eine Studienbestätigung von NM-AIST. Leider verunmöglicht das auch internationalen StudentInnen zur Zeit, den Studiengang abzuschliessen, da sie die nötige Studienbewilligung in Tansania nicht erhalten. Sie machen deswegen vor allem Literaturstudien zu ihrer Diplomarbeit.

Das Trio Kabalika, Munisi und Vincent

Zabibu Kabalika  arbeitete vorher für den Serengeti Nationalpark im Gemeinde-Ressort. Sie hat jetzt ein hochangesehenes Commonwealth-Stipendium gewonnen für ein vierjähriges PhD-Studium in Community Conservation in Glasgow.

Evaline Munisi arbeitet weiterhin (wie vor diesem Master-Kurs) für TAWIRI (Tanzanian Wildlife Research Institute). Ronald Vincent arbeitete als Warden in Charge von Moru und ist jetzt zurück in der Serengeti als Rhino Warden. Er hat ein kleines National Geographic-Stipendium erhalten – zur Erforschung der Nashorn-Genetik. fss

Titelbild: Flusspferd in Tansania | © Foto by Adrian Schläpfer

Rhinos: Heikle Luftreisen

Ruedi R. Suter

«Sambesi» hat die anstrengende Luftreise nicht überlebt. Wie der Grumeti Fund jetzt mitteilt, ist das Spitzmaulnashorn aus dem Port Lympne-Reservat auf dem Transport vom englischen Kent nach Tansania in den Westkorridor der Serengeti gestorben. Nicht so das Ende letztes Jahr aus dem Zoo Zürich stammende Rhinoweibchen «Olmoti», das heil in Afrika landete.

Weshalb «Sambesi» den Flug nach Ostafrika trotz professioneller Betreuung nicht überlebte, weiss man nicht. Die Todesursache soll nun aber untersucht werden. Der Grumeti Fund hat die von einem erfahrenen Team durchgeführte Aktion zusammen mit der Aspinall Foundation organisiert.

Die Stiftung hat bereits acht Spitzmaulnashörner aus ihren Wildtierparks bei Kent nach Afrika geflogen, um die auf wenige Exemplare zusammengeschrumpften Bestände in der Wildnis zu beleben. 2018 landete der aus dem kalifornischen San Diego Safari-Park eingeflogene «Eric» zur Auswilderung in der westlichen Serengeti.

Rhino-Blutauffrischung ohne «Sambesi»

«Sambesi» hätte im paramilitärisch und mit modernsten Methoden gesicherten Gebiet des Grumeti Fund für Blutauffrischung sorgen sollen. Auch die nördlich vom Grumeti-Fluss gelegene Gegend war einst von zahlreichen Rhinos bevölkert worden, die wie anderswo in Tansania mit Ausnahme von wenigen Exemplaren alle umgebracht worden waren.

Vogelperspektive: Spitzmaulnashorn im Grumeti-Gebiet |  Screenshot from Grumeti Fund

Vogelperspektive: Spitzmaulnashorn im Grumeti-Gebiet | Screenshot from Grumeti Fund

Unterdessen gibt es iim ostafrikanischen Land wieder ein paar kleine Nashorn-Populationen: an drei Orten in der Serengeti, worunter jene vom Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) mit geschützte Gruppe bei den Moru-Kopjes, dann im Ngorongoro-Gebiet und in dem vom FSS ebenfalls unterstützten Gehege des Mkomazi-Nationalparks.

Der Tod von «Sambesi» werde den Wiederaufbau einer genetisch gesunden Nashornpopulation im eigenen Schutzgebiet nicht stoppen, schrieb Stephen Cunliffe, Exekutivdirektor des Grumeti Fund, in einer Medienmitteilung; «Wir dürfen den Mut oder den Blick auf das Gesamtbild und die Vision einer neuen Brutpopulation von frei lebenden Ostafrikanischen Spitzmaulnashörnern in der West-Serengeti nicht verlieren. Wir werden weiterhin eng mit der Aspinall Foundation zusammenzuarbeiten, um die Probleme zu verstehen, die zum frühzeitigen Tod von <Sambesi> beigetragen haben.»


Keine Transportprobleme bei der Zürcherin «Olmoti»

Glücklicher verlief der Transport von «Olmoti», der Spitzmaulnashornkuh, die bis 2015 im Zürcher Zoo lebte. 2014 geboren, wurde Sie zusammen mit der Mutter «Samira» aufgrund des Umbaus des damaligen Afrikahauses zuerst nach England ins Flamingo Land und später in den Zoo von Dvur Králové verlegt.

Im November 2018 wurde «Olmoti» im Rahmen des Europäischen Rhino-Erhaltungszuchtprogramms zusammen mit vier weiteren Ostafrikanischen Spitzmaulnashörnern nach Ruanda in den Akagera-Nationalpark geflogen. Der Transfer der fünf Rhinos wurde als der grösste Nashorntransport aller Zeiten von Europa nach Afrika bejubelt.

Rhino-Flug 3 Grumeti-WEB©GrumetiShot.jpg

Wildtiere werden zunehmend herum transportiert

Auch in Tansania selbst wird das immer mit grossem Stress verbundene Betäuben, Verladen, Transportieren und wieder Auswildern von Wildtieren zunehmend als etwas Normales betrachtet. So erklärte Hamisi Kigwangalla, der Minister für Natürliche Ressourcen und Tourismus, laut «The Citizen» (9. Juni 2019), der kritisierte Transfer von Wildtieren von einem Park in den anderen sei eine wissenschaftlich abgesicherte Methode.

Sie werden überall angewendet: «Wir haben dies schon in der Vergangenheit gemacht, und wir erwarten zehn Rhinos aus dem Ausland, welche eine Blutauffrischung ermöglichen.» Die bisherigen Überführungen seien erfolgreich verlaufen und das Wild gewöhne sich an seine neue Umgebung, versuchte der Minister die Bedenken zu zerstreuen.

Aktuell soll der neu erstellte Burigi-Chato-Nationalpark mit diversen Wildtieren aus anderen Parks belebt werden. Dass die Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden, spielt offensichtlich keine Rolle. Der geplante Transfer wird als Spezialaktion angepriesen: Präsident John Magufuli stammt aus dem Gebiet. fss

Titelbild: Luftaufnahme Rhino | Screenshot von der Website Grumetifonds

Afrikas Zugvögel im Sperrfeuer Europas

Ruedi R. Suter

Fliegen Zugvögel von Europa nach Afrika oder zurück, erreichen viele ihr Ziel nie: Wilderer und Jäger schiessen sie zu Millionen vom Himmel.

So verlieren jedes Jahr weit über 50 Millionen Vögel ihr Leben. Hinzu kommen weitere Millionen, denen in Europa mit Fallen nachgestellt und allgemein die Lebensgrundlagen geraubt werden.

Die Forderung von Naturschützenden, wenigstens für gefährdete Vogelarten ein europaweites Jagdverbot durchzusetzen, verhallte bislang in den Weiten des Himmels. Dies nicht zuletzt auch zum Nachteil der afrikanischen Fauna.

Von Ruedi Suter - FSS

Es wird stiller und stiller – die Vogelgesänge erklingen immer seltener. Auch die Schwärme der Zugvögel nach Afrika nehmen ab. Es sind immer weniger. Die Vogelwelt ist gefährdet – sie ist am Verschwinden. Jede und jeder über Vierzigjährige mit Naturinteresse erfuhr den unaufhörlichen Rückgang.

Vor allem Büsche, Bäume und der Himmel wirken verwaist im Vergleich zu früher, die vielen Formationen grosser Zugvögel über unseren Köpfen werden heute als echte Sensation empfunden.

Der Mensch und seine Zivilisation mit ihren technischen Erleichterungen verunmöglichen gerade in Europa zusehends das Überleben der fliegenden Tiere – vom Insekt über die Fledermaus bis zum Vogel.

Bestätigt wird dies jetzt auch durch den Vogel-Expertenrat «European Bird Census Council (EBCC)». Ihm zufolge ist allein zwischen 1980 und 2016 die Zahl der Vögel um zirka 56 Prozent geschrumpft.


Vogeljagd Symbolbild |  © Foto    BirdLife Schweiz

Vogeljagd Symbolbild | © Foto BirdLife Schweiz

Schweiz: 40 Prozent der Vogelarten vor der Ausrottung

Die Schweiz, oft Sinnbild für «das Paradies», ist für Gefiederte zu einer Todesfalle verkommen. Denn auf der Roten Liste gefährdeter Vögel stehen in der Eidgenossenschaft dreimal mehr Arten als im weltweiten Vergleich: 40 Prozent der Vogelarten sind neuen Studien zufolge von der Ausrottung bedroht. Das betrifft zu einem guten Teil auch jene Zugvögel, die vor Einbruch des europäischen Winters der Wärme Afrikas entgegen fliegen.

Kaum vorstellbar sind in Europa all die Millionen von Gefiederten, welche alljährlich ihr Leben verlieren – durch vernichtende Angriffe auf ihre Lebensräume, durch den Zusammenprall mit Fahrzeugen wie Autos und Eisenbahnen, durch Glasfassaden, Stromleitungen, Windräder und Hauskatzen beispielsweise.

Angriffe auf die Insektenwelt

Aber auch durch die Intensiv-Landwirtschaft mit ihren heckenlosen und sumpffreien Flächen, Fettwiesen und Pestiziden, die zur Ausrottung der Insekten führen. Zahlreichen Vogelarten fehlen heute die Kerbtiere wie Mücken, Fliegen oder Käfer, die vor wenigen Jahrzehnten noch in Fülle unsere Wälder und Wiesen belebten.

«Innerhalb der kurzen Zeit von nur drei Jahrzehnten hat der Mensch in verschiedenen Gebieten die Insektenpopulationen um bis zu 75 Prozent dezimiert», warnt die Umweltschutzorganisation Pro Natura. 40 Prozent aller Insektenarten droht bereits das endgültige Verschwinden.

Ausstellungsobjekt Vögel: Ausgestopft unter Glasglocke, Paris |  © Foto Ruedi Suter

Ausstellungsobjekt Vögel: Ausgestopft unter Glasglocke, Paris | © Foto Ruedi Suter

Verstärkt wird die Massenvernichtung dieser wichtigen Vogelnahrung durch unzählige «naturverbundene» Gartenbesitzer. Sie pflegen ihre Gärten tot, mähen Teppichrasen, um ja nichts blühen zu lassen und pflegen Rosenstöcke, die kein Insekt nähren kann – die Kleinsttiere verhungern in der geschniegelten Grünöde.

Die Landschaft «verkommt zur Wüste»

Benoit Fontaine, Biologe am französischen Nationalen Museum für Naturgeschichte, bringt das Ignorieren der Bedürfnisse der Vögel, Amphibien und Insekten durch Landwirte (Bio-Bauern ausgenommen) auf den Punkt: «Unser ländlicher Raum verkommt zur Wüste!»

Der galoppierende Artenverlust in der Vogelwelt, so befürchten Forschende, werde durch die Klimaerwärmung noch massiv verstärkt.

Wird in Europa immer wieder in dramatischer Weise thematisiert, wie unerbittlich in Afrika die Wildtiere dezimiert werden, bleibt die Kritik am eigenen «Vernichtungsrausch» doch sehr verhalten.

Europas Jäger schiessen 53 Millionen Vögel ab

Wie viele Vögel jedes Jahr allein in Europa aufgrund menschlichen Einwirkens ihr Leben verlieren, versuchen vorab Vogelspezialisten und Umweltorganisationen mit zweistelligen Millionen zu beziffern. Die Schätzungen variieren, die Zahlen bilden eher Anhaltspunkte. Besonders bei den Gefiederten, die gewildert werden. So sollen «im Mittelmeerraum» allein 25 Millionen Wildvögel in Netzen, Fallen oder Käfigen umkommen. Hinzu kommt jedes Jahr mindestens das Doppelte an Jagdopfern.

Allein in der Jagdsaison 2014/15 sind in 24 EU-Staaten, der Schweiz und Norwegen «mindestens 53 Millionen» Wildvögel «legal» getötet worden. Die Zahl stammt vom Deutsche Rat für Vogelschutz. Und sie ist gut belegt, stützt sich doch seine Studie auf die offiziellen Jagdstatistiken.

Die meisten Opfer sind Zugvögel

Hinzu gezählt werden müssen Millionen weiterer Todesopfer in Ländern ohne auswertbare Daten: Grossbritanien, Irland, Niederlande und Griechenland. Plus alle jene Vögel, die im nicht erfassten Mittelmeerraum oder in Afrika selbst abgeschossen werden.

Ein Grossteil der in Europa umgebrachten Wildvögel sind, so die Studie, Zugvögel, die in etlichen Regionen bereits vor der Ausrottung stehen. In der Schweiz oder in Deutschland würden streng geschützte Kiebitze, Bekassinen, Feldlerchen oder Turteltauben auf ihrem Herbst-Zug ins Winterquartier «zu Hundertausenden in Frankreich und Südosteuropa» abgeschossen.

Erfolg: Waldrappen in Europa ausgerottet, neu angesiedelt. Bleibt stark bedroht |  © Foto    Waldrapp-Team

Erfolg: Waldrappen in Europa ausgerottet, neu angesiedelt. Bleibt stark bedroht | © Foto Waldrapp-Team

Tausende von Waldschnepfen und arktischen Gänsen verenden in den Schrotgarben deutscher, britischer, skandinavischer und osteuropäischer Jäger. Im Visier der Vogeljäger sind je nach europäischem Land auch Wachteln (total 1,6 Millionen) oder Singdrosseln (4,9 Mio.). Werde der Vogelwelt legal und illegal weiterhin so mörderisch zugesetzt, befürchten die Autoren, wäre das Zusammenbrechen der Bestände unvermeidlich.

Forderung: «Endlich Jagdverbote durchsetzen!»

Daraus folgert Heinz Schwarze, Vorsitzender des Komitees gegen den Vogelmord das: «Die Ergebnisse sind alarmierend und ein weiterer Beleg dafür, dass die Jagd auf bestimmte Arten die Schutzbemühungen in anderen Ländern gefährdet oder sogar komplett zunichte macht.» Sein Komitees und der Deutsche Rat für Vogelschutz fordern deshalb vereint von der EU-Kommission, «endlich europaweite Jagdverbote für gefährdete Arten durchzusetzen.»

Das würde auch den Afrikanern und Afrikanerinnen entlang der Zugvogelrouten zu Gute kommen. Die Biodiversität ihrer Gegenden verlöre nicht so rasch die Vogelarten, welche heute auf ihrem Flug nach Afrika und zurück durch Europäer vom Himmel geschossen werden.

Vorwurf des grundlosen Tötens

In Afrika selbst wird über das Verhalten der Europäer oftmals der Kopf geschüttelt. So rang 2001 der togolesische Fernseh-Chefredaktor Joseph Adri D. Gnassengbe in der französischen Ardèche bei einer vom schweizerischen Umweltschützer Franz Weber organisierten Protestaktion gegen die Vogeljagd um eine Antwort.

Er fragte anwesende Jäger, weshalb in Europa die erlegten, jedoch nur selten verwerteten Vögel nicht alle auch gegessen würden? In Afrika, begründete der Journalist seine Frage, würde nur gejagt, um den Hunger zu stillen. Eine Antwort erhielt der Afrikaner keine.

Titelbild: Symbolbild Vogeljäger mit Beute | Screenshot. FSS

WEITERFÜHRENDE LINKS:
Frankreich: Feuer frei auf Zugvögel aus Afrika
Interview mit Franz Weber über sein Lebenswerk: «Zorniger denn je!»
Millionen Singvögel sterben jedes Jahr bei der Olivenernte wegen Maschinen

Verdammter Selous-Dammbau

Ruedi R. Suter

Vom Ausland aus will man die Zerstörung des Selous-Weltnaturerbes in Tansania durch einen Mega-Staudamm stoppen. Der WWF versucht plötzlich energisch Unternehmen wachzurütteln, Cyber-Aktivisten verlangen via Avaaz-Petition den Stopp der Bauarbeiten.

Und das Komitee für Weltkulturerbe der UNESCO droht, dem tansanischen Wildschutzreservat seinen Welterbe-Status zu entziehen. Weltweit sind 54 ähnliche Schutzgebiete durch industrielle Angriffe bedroht, aber keines ist so gross wie der 52’000 Quadratkilometer weite Selous.

Sie gerät zusehends unter internationalen Druck, die tansanische Regierung von Präsident John «Bulldozer» Magufuli. Grund: Die bereits gestartete Zerstörung des Weltnaturerbes und Wildschutzgebietes Selous durch den Bau eines gigantischen Staudammes im Rufiji-Fluss bei der Stiegler-Schlucht. Die begonnen Vorbereitungen erfordern schon jetzt Infrastrukturen wie Gebäude und Strassen sowie die Abholzung grosser Gebiete in der Umgebung.

Protest im Klartext kommt von der Weltnaturschutzunion IUCN , die auch das UNESCO-Welterbe-Zentrum berät. Gemeinsam wird in einer am 27. Juni publizierten Stellungnahme von der tansanischen Regierung die «sofortige Einstellung des Holzeinschlags und anderer Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Damm-Projekt» gefordert.

Bedrohtes Paradies: Büffel am Rufiji-Fluss |  © Foto by Helen Kimali Markwalder

Bedrohtes Paradies: Büffel am Rufiji-Fluss | © Foto by Helen Kimali Markwalder

Peter Shadie, Leiter des Welterbeprogramms der IUCN, nimmt kein Blatt vor den Mund: «Das Staudammprojekt Stiegler's Gorge ist inakzeptabel. Es würde das Herz aus dem Selous-Reservat reissen, mit katastrophalen Auswirkungen auf die Wildtiere und Lebensräume des Gebietes.»

Das Engagement für den Schutz von Weltnaturerbe-Stätten zum Wohle der zukünftigen Generationen sei «ein kollektives, das weder Tansania noch ein anderes Land ignorieren» könne, stellt Shadie klar.

Deutschland fühlt sich besonders verpflichtet

Starke Bemühungen, das aus Umweltsicht verheerende Bauvorhaben im ältesten Schutzgebiet Afrikas zu stoppen, sind in Deutschland auszumachen. Kein Wunder, konnte der Selous - einmal abgesehen von den Elefantenmassakern Mitte dieses Jahrzehnts – vor allem auch mit deutscher Staats- und Privathilfe über Jahrzehnte mehr oder weniger erfolgreich gegen Wilderei und Grossprojekte geschützt werden.

Gestern nun, so meldet uns der deutsche Selous-Kenner Rolf D. Baldus, hat der WWF Deutschland für 76'600 Euro mit einem ganzseitigen Inserat die Wirtschaft aufgefordert, bei keiner Zerstörung des globalen Welterbes mitzumachen. Laut IUCN sind heute insgesamt 55 Schutzgebiete mit Weltnaturerbe-Status durch industrielle Projekte bedroht.

UNESCO: «Weltnaturerbe in Gefahr»

Zwar geht die Umweltorganisation mit keinem Wort auf den zurzeit besonders stossenden «Fall Selous» ein, den die UNESCO unterdessen als «Weltnaturerbe in Gefahr» einstuft. Hingegen erinnert der WWF in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)» die Unternehmer und Unternehmerinnen mahnend an ihre Verantwortung: «UNESCO-Welterbestätten stehen unter dem Schutz internationaler Abkommen und nationaler Gesetze - trotzdem sind sie durch die Industrialisierung bedroht.»

Appell an die Wirtschaft: WWF-Inserat in der FAZ |

Appell an die Wirtschaft: WWF-Inserat in der FAZ |

Zudem stellt die öfters als zu wirtschaftsfreundlich kritisierte Panda-Organisation eine überraschend kecke Frage: «Leisten Finanzierungsentscheidungen und Versicherungslösungen für Unternehmen und Projekte in Ihren Portfolios dieser Zerstörung zentralen Vorschub?»

Die Antwort wird gleich mitgeliefert: «Prüfen und bereinigen Sie Ihre Portfolios und entwickeln Sie Leitlinien und Vorgaben zur Steuerung zukünftiger Entscheidungen.» Denn Welterbestätten seien «die kostbarsten Schätze der Menschheit» sowie «Lebensgrundlage für Millionen Menschen und Tiere».

Baldus, der als deutscher Entwicklungs- und Naturschutzexperte sechs Jahre im Selous Game Reserve arbeitete und diesen zusammen mit den tansanischen Partnern stabilisierte, begrüsst grundsätzlich die Aktion der Umweltschutzorganisation, meint aber: «Der WWF engagiert sich seit Jahren für den Schutz des Selous – allerdings völlig ergebnislos.» 

Online-Petition: Aavaaz organisiert  Selous-Web-Protest  |  Screenshot

Online-Petition: Aavaaz organisiert Selous-Web-Protest | Screenshot

Tansania baut zurzeit ungerührt weiter an ihrem Projekt, dessen Vollendung und Nutzen Kennern des Landes zufolge in Frage gestellt werden müsse. Die aktuelle Bauphase wird durch ägyptische Banken und die nigerianische UBA-Bank in der Höhe von einer halben Milliarde Euro finanziert.

Gegen den Weiterbau haben jetzt auch die Cyber-Aktivisten der sozialen Bewegung Avaaz («Stimme») mobil gemacht. Ihre Online-Petition «Tanzania: Don't Dam Paradise!» spricht zwar noch von der (bereits überholten) Damm-Planung, will nun aber eine Million Stimmen gegen den Weiterbau sammeln: «Wir können sie nicht das Paradies fluten lassen – unterschreibe jetzt und erzähle es allen!» fss

Hintergrund zum Selous Game Reserve:

Afrikas Schutzgebiete in Gefahr - das Beispiel Welterbe «Selous»
Avaaz-Petition: Tanzania: Don’t Dam Paradise!
VIDEO: Rolf D. Baldus – Der Selous im März 2017

Rodungen drohen im Weltnaturerbe Selous
Im Weltnaturerbe Virunga & Salonga droht die Ölflut
«Darum wildere ich Tiere»

AKTUELLES

Ruedi R. Suter

> Hinweis zum Datum: Gültig sind die unten vermerkten Angaben anfangs der Meldungen. 

Verschont und bewahrt die Löwen!
WWF-Skandal: Deutschland geht auf Distanz
«Wakanda» ist jetzt wirklich da!
Tansania: Good News zu Rhinos und Elefanten
Magufuli will keinen chinesischen Superhafen in Bagomoyo


Verschont und bewahrt uns die Löwen!

Es gibt einen «Welt-Löwen-Tag». Jedes Jahr, am 10. August, im Sternzeichen des – genau, des Löwen. Aber dies ist eher ein Zufall. Der World Lion Day soll uns seit 2013 an diese prächtige Grosskatze erinnern, weil sie in Afrika wie auch in Asien am Verschwinden ist. Nur noch etwa 22’500 Löwen sollen in Afrikas Wildnis leben.

Oxford, 10. August 2019 - Es gibt keine Zweifel: Die Art ist bedroht, der heutige Tag ist ein Aufruf, den Löwen mehr und entschiedener Sorge zu tragen. Denn Löwen werden auf jede nur erdenkliche Form umgebracht. Mit Gift, Schlingen, Gewehren, Speeren oder Pfeilen – vorab durch Wilderer, Siedler und junge Männer traditioneller Rindernomaden, bei denen das Töten von Löwen zur Mannwerdung beitragen soll.

Verspielte Katzen:  Junglöwen in Tansanias Serengeti-Ökosystem |  © Foto by Gian Schachenmann

Verspielte Katzen: Junglöwen in Tansanias Serengeti-Ökosystem | © Foto by Gian Schachenmann

Wie aber steht es genau um Simba, wie der «König der Tiere» auf Swahili heisst? Wir haben ein paar Zahlen zusammengetragen. Sie sind wie immer, wenn es um Wildtier-Informationen geht, mit Vorsicht zu lesen. Einst bevölkerte Simba die meisten der 54 heute anerkannten Länder Afrikas. Heute seien sie gemäss der Universtität von Oxford in nur noch 25 Ländern zu beobachten – vor allem in Ostafrika und dem zentralen südlichen Afrika.

Anders formuliert: Die Gesamtfläche, in der sich Löwenpopulationen einst aufhielten, sei um 95 Prozent geschrumpft. Amy Dickman and Amy Hinks von der Wildlife Conservation Research Unit an der University of Oxford kamen in ihrer neuen Studie zum Schluss, dass insgesamt nur noch etwa 22’500 Löwen die afrikanische Wildnis bevölkern. Sie nennen konkrete Zahlen. Diesen nach lebten in Tansania noch 8’176, in Kenia 1’825, in Mosambik 1’295, in Südafrika 2’070, in Simbabwe 1’709 und in Sambia 1’095 Löwen.

Es gibt bereits mehr Rhinos als Löwen

Tatsächlich gebe es heute bereits mehr der ebenfalls schwer bedrohten Nashörner als Löwen, folgern die beiden Forschenden. Auch gebe es 14 Mal mehr Elefanten und Gorillas als die Grosskatzen. Einem einzigen Löwen würden heute bereits mehr als 350’000 Menschen den Lebensraum streitig machen. Umso wichtiger sei es, Simba in den letzten Rückzugsgebieten richtig zu schützen.

Dann könnten sich die Löwenpopulationen noch erholen. Warum auch nicht, angesichts der zentralen Bedeutung der Grosskatzen für die Ökologie und den Tourismus, wo sie einer der wichtigsten Magnete darstellen?

Die Organisation Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) trägt mit ihrer Unterstützung von Ranger*innen und der Wildschutzorganisation African & Wildlife von Laly Lichtenfeld mit dazu bei, in Tansania im Bereich der Tarangire-Nationalparks die Löwengruppen zu schützen. Unser Bild, im Serengeti-Ökosystem von Gian Schachenmann aufgenommen, zeigt die verspielte Seite junger Löwen. Sie im späteren Alter in relativer Sicherheit zu wissen, sollte Motivation genug sein, Simba das Überleben zu sichern. fss

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WWF-Skandal: Deutschland geht auf Distanz

Dem WWF wird nicht mehr blind vertraut. Seitdem er mit schweren Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht wird, gehen Donatoren und Sponsoren offensichtlich auf Distanz. Zumindest so lange, bis die Vorwürfe gegen die Panda-Organisation geklärt sind.

Zürich, 25. Juli 2019 – Jetzt hat auch das offizielle Deutschland seine Fördermittel an den WWF gestoppt. Betroffen sind Zahlungen, die der Organisation für den abgelegenen Salonga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) zugesagt worden waren.

Dies meldet jetzt das amerikanische Online-Magazin «BuzzFeed News», welches die Vorwürfe nach «jahrelangen Recherchen» publik gemacht hatte. Dabei sind WWF-Mitarbeitenden Vergehen von Mord über Folter und Vergewaltigungen bis hin zum Ignorieren der Bedürfnisse indigener Völker in verschiedenen Schutzgebieten vorgeworfen worden.

WWF-Logo:  Entwicklungen eines Pandas |  © Grafik WWF, Wikipedia

WWF-Logo: Entwicklungen eines Pandas | © Grafik WWF, Wikipedia

Die schweren Vorwürfe, welche international Schockwellen auslösten, haben unter anderem dazu geführt, dass das US-Repräsentantenhaus und die britische Regierung den WWF genauer unter die Lupe nehmen. Der WWF selbst lässt die Vorwürfe ebenfalls untersuchen. Allerdings wird ihm schon wieder vorgeworfen, Resultate nicht richtig kommunziert zu haben.

Für die deutsche Bundesregierung war der WWF bislang einer der wichtigsten Partner für den Schutz von Naturschutzgebieten. Laut «BuzzFeed News» habe der WWF in den letzten 20 Jahren gegen 60 Millionen Euro für Entwicklungsprojekte erhalten.

Eines der zentralen Probleme der auch von Konzernen und Regierungen abhängigen Panda-Organisation ist, dass sie bislang PR-Kommunikation bestens beherrschte, beim Umgang mit heiklen Themen den Medien gegenüber in der Regel aber lieber schwieg anstatt die omnipräsenten Probleme in tropischen Gebieten offen zu kommunizieren. fss

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«Wakanda» ist jetzt wirklich da!

Dar es Salaam, 13. Juli 2019 – Die Menschheit nimmt eben einen neuen Fisch zur Kenntnis. Es ist ein wunderschönes Tier, gerade mal sechs Zentimeter lang, mit tief lila-violett-blau schillernden Schuppen und Flossen. Überdies beeindruckt das neu entdeckte Fischchen mit seinen gelben Augen.

Luiz Rocha von der California Academy of Sciences und sein Team entdeckte mehrere der bislang unbekannten Fische in mehr als 60 Meter unter der Meeresoberfläche – in den Korallenriffen im Osten der tansanischen Insel Sansibar. Die Taucher brauchten für diese Tiefe laut «New Scientist» eine Spezialausrüstung, um den kleinen Lippfisch (Cirrhilabrus) zu sichten.

Gerade erst entdeckt: «Cirrhilabrus wakanda» |  © Foto Luiz Rocha

Gerade erst entdeckt: «Cirrhilabrus wakanda» | © Foto Luiz Rocha

Aufgrund seiner besonderen Farbenpracht wurde das via DNA- und Morphologieanalyse wissenschaftlich als eigene Art erkannte Fischchen «Cirrhilabrus wakanda» getauft. Warum? Weil die Forschenden beim Anblick ihrer Entdeckung an ein fiktives Metall erinnert wurden, das im Fantasiefilm «Black Panther» eine Glanzrolle spielt. Im Marvel-Streifen regiert der Schwarze Panter über das ostafrikanische Hightech-Königreich Wakanda. fss


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Tansania: Good News zu Rhinos und Elefanten

Der strengere Schutz von Elefanten und Nashörnern wirke sich aus, verkündet die tansanische Regierung in einer nicht ganz klaren Botschaft. 

Dodoma, 11. Juli 2019 – Es dürfen im Kampf gegen die Wilderei auch einmal gute Nachrichten in die Welt entlassen werden, scheint sich das Büro des tansanischen Präsidenten John Magufuli gesagt zu haben. Die Nashorn- und Elefantenbestände des Landes würden sich erholen, teilte die Regierung gemäss der Agentur Reuters Mitte Woche mit. 

So sei die Zahl der Elefanten seit 2014 von 43'330 auf heute über 60'000 Tiere angewachsen. (Tansania war zwischen 2009 und 2014 das Zentrum zahlreicher Elefantenmassaker , die über 70 000 Tieren das Leben kosteten.)

Die Zahl der Spitzmaulnashörner im Land habe sich in den letzten vier Jahren, so Reuters, «von 15 auf  167» erhöht.  Das verwundert, liegt doch die Zahl jener Rhinos,  die nur schon in der südwestlichen Serengeti (Moru-Gebiet) leben, seit Jahren bei ungefähr  30 Tieren. 

Elefantenpopulation erhollt sich: Jung-Elefant im Tarangire-Nationalpark, Tansania ¡  © Foto by Hans Trüb

Elefantenpopulation erhollt sich: Jung-Elefant im Tarangire-Nationalpark, Tansania ¡ © Foto by Hans Trüb

Eine Population , die  auch mit Hilfe der Organisation Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) geschützt wird. Deren Afrikadelegierter Alex Rechsteiner erklärt: «Die echten Zahlen über Rhinos werden in Tansania aus Sicherheitsgründen gar nicht bekannt gegeben.» 

Zahlen über Elefanten- und Nashornbestände sind in Tansania zurzeit eh mit Vorsicht zu behandeln, zumal sich die Regierung die Publikationshoheit auch von wissenschaftlichem Zahlenmaterial angeeignet hat. Jede Zahl für die Öffentlichkeit muss vor der Veröffentlichung von der Verwaltung bewilligt werden.

Dennoch: Die Magufuli-Regierung geht weit entschlossener gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel vor als ihre Vorgängerinnen. Sie rief neue «Spezialeinheiten» ins Leben und kann öfters Erfolge vermelden. Auch bei den Gerichten wird die Schraube angezogen. Wer im Besitz auch nur kleiner Elfenbeinstücke ist, kann bis zu 20 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Niederschlag in der Weltpresse fand insbesondere die Verurteilung der chinesischen Geschäftsfrau und Drahtzieherin Yang Feng Glan (69). Sie war am 19. Februar dieses Jahres zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Grund: Die Tötung von 430 Elefanten und der  Verkauf von 860 Elfenbeinstücken im Wert von 6,45 Millionen Dollar. fss

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Magufuli will keinen chinesischen Superhafen in Bagomoyo

Tansania will zumindest in nächster Zeit im verschlafenen Bagomoyo, einst Haupstadt von Deutsch-Ostafrika, keinen chinesischen Mega-Hafen zum Verladen zentralafrikanischer Rohstoffe haben. Präsident Magufuli hat die Notbremse gezogen. Nun ist die Neue Seidenstrasse in Ostafrika teils in Frage gestellt.

Dodoma, 30. Juni 2019 – Die Überraschung ist Tansanias Präsident John Magufuli gelungen: Er soll nicht Realität werden, der gigantische Hafen von Bagamoyo am Indischen Ozean. Magufuli hat den 2015 von China mit seinem Vorgänger Jakaya Kikwete ausgehandelten und auf 10 Milliarden Dollar veranschlagten Grossprojekt eine Abfuhr erteilt. Dies wurde in den letzten Tagen bekannt.

Gemäss «Engenering News-Record» soll Tansanias Präsident kein Blatt vor den Mund genommen haben. Die chinesischen Geldgeber hätten «ausbeuterische» Bedingungen aushandeln wollen, «die nur von Verrückten» akzeptiert werden können. Das Mitspracherecht der Tansanier hätten die Chinesen praktisch ausgehebelt. Überdies könne die hohe Verschuldung gegenüber China nicht verantwortet werden. Es sei weit weiser, den Hafen von Dar es Salaam bis Ende dieses Jahres für 522 Millionen Dollar zu modernisieren und seine Kapazität aufs Dreifache zu steigern.

Vorderhand gespült: Chinas Mega-Hafen an dieser Stelle |  © Foto Ruedi Suter

Vorderhand gespült: Chinas Mega-Hafen an dieser Stelle | © Foto Ruedi Suter

Präzedenzfall für die Abkehr Afrikas von der Seidenstrassen-Idee?

Von Weltbankexperten war das gigantische Hafenprojekt lange schon als «nicht nachthaltig» eingestuft worden. Der jähe Rückzug Tansanias trifft China und seine Vorstellungen von der Neuen Seidenstrasse in Ostafrika hart. Mit dem chinesischen Bau der Tazara-Eisenbahn durch Tansania in den 1970er-Jahren meinte China einen gut gewogenen Freund auch für die neuen Entwicklungspläne der Belt-and-Road-Initiative zu haben. Deren Ziel ist es, auch mit Strassen und Eisenbahnen den schnellen Zugang ins zentrale Afrika mit seinem enormen Rohstoffschätzen zu schaffen.

Das Unwohlsein des tansanischen Präsidenten mit den überall zunehmend forscher auftretenden Chinesen könnte, so rechnen sich Strategen jetzt aus, dem Westen wie auch Ländern wie Japan und Indien zugute kommen. So meint etwa der politische Analyst Andrew Korybko auf der Internetplattform Global Research, Magufulis Entscheid könne in Ostafrika zum «Präzedenzfall für eine Abkehr» des chinesischen Einflusses und der Seidenstrasse-Idee werden: «Was auch immer als nächstes passieren mag, es besteht kein Zweifel daran, dass die Aussetzung des Hafenprojekts Bagamoyo ein empfindlicher Schlag für den regionalen Einfluss Pekings ist.» fss

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FSS begeht 35. Jahresversammlung mit Wahlen und Warnungen

Seine 35. Jahresversammlung hielt der Verein Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) am 27. April in Zürich ab. Neu in den Vorstand wurden Karin und Erich Tschannen gewählt. Kassier Robert Bickel, der sich als Pensionär neuen Aufgaben widmen will, übergab sein Amt an Barbara Trentini. In einer Gedenkminute wurde an den verstorbenen FSS-Mitgründer und langjährigen Afrika-Delegierten David Rechsteiner gedacht.

Zürich, 27. April 2019 – FSS-Präsident Adrian Schläpfer hielt mit einer Bildpräsentation Rückschau auf 2018. Tenor: Erfolge und Probleme halten sich die Waage, bedingt durch ein stets schwieriger werdendes Umfeld vorab in Tansania. Der FSS aber sei gut gerüstet, nicht zuletzt dank seiner engagierten Mitglieder und der Donatorinnen und Donatoren.

Filmer Karl Ammann und FSS-Präsident Adrian Schläpfer |  © Foto by R.Suter

Filmer Karl Ammann und FSS-Präsident Adrian Schläpfer | © Foto by R.Suter

«Afrikas Wildtiere am Ende?»

So stand es provokativ in der Einladung zum Vortrag von Artenschützer Karl Ammann. Der investigative Filmer und Wirtschaftsfachmann beantwortete die Frage vor über 100 ZuhörerInnen mit Bedacht.

An allen Fronten werde dem Wild zugesetzt. Gegen Wilderei und illegaler Wildtierhandel würden die meisten Regierungsstellen und Artenschutzorganisationen vorab aus wirtschaftlichen Interessen zu wenig konsequent vorgehen. Hier anzusetzen sei dringend, ansonsten die ultimativ letzte Chance zur Bewahrung der Wildtiere vertan sei, warnte Ammann in seinem erschütternden Vortrag zur masslosen Ausbeutung und Vermarktung der Fauna in Afrika und Asien.

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Jetzt prunkt Tansania neu mit 22 Nationalparks

Tansania hat neuerdings 22 Nationalparks – fünf mehr als 2018. Der Umwandlung von fünf Wildschutzgebieten zu Nationalparks hat das tansanische  Parlament am 9. Februar zugestimmt.  Doch bei Naturschützenden hält sich die Freude in Grenzen.

Dodoma, 10. Februar 2019 – Ein «weiterer Meilenstein» sei gesetzt im Zusammenhang mit den grossen Schutzanstrengungen des ostafrikanischen Landes, freute sich Job Ndugai, Sprecher der Nationalversammlung, gemäss Medienberichten am 9. Februar in der Landeshauptstadt Dodoma. 

Zuvor waren die neuen Nationalparks so genannte Game Reserves, in denen auch gejagt werden konnte und die allgemein einen geringeren Schutzstatus haben als Nationalparks. Von einem «Upgrade» profitieren die fünf Gebiete Rumanyika, Biharamuro, Burigi, Kimisi, und Ibanda.

Wie alle Parks unterstehen auch sie von nun an der Tanzania National Parks Authority (Tanapa). Diese Behörde ist auch für berühmte Parks wie Serengeti, Kilimanjaro, Tarangire oder Ruaha verantwortlich. 

Brauchen dringend Schutz: Löwin |  © Foto by Hans Trüb

Brauchen dringend Schutz: Löwin | © Foto by Hans Trüb

Hier der Schutz, dort die Zerstörung

Tansania galt in Afrika in Sachen Naturschutz  und mit seinen grossen Schutzgebieten lange Zeit als vorbildlich. Erheblichen Schaden erlitt der gute Ruf durch die anhaltenden Massaker zehntausender von Elefanten im südlichen Selous Game Reserve. Sie seien nur möglich gewesen, weil unter den letzten Präsidenten Kikwete  selbst hohe Politiker und Beamte die Hände mit im Spiel gehabt hätten, meinen Kenner des Landes.  

Unterdessen hat sich die Situation etwas beruhigt, doch sieht sich das Weltnaturerbe Selous heute von anderer Seite bedroht. Die Regierung von John Magufuli ist zum Entsetzen der UNESCO daran, einen Staudamm zu bauen und  das Abholzen von Wäldern und den Abbau von Uran im Schutzgebiet zu fördern.

In diesem Kontext wirft die Schaffung neuer Nationalparks zum jetzigen Zeitpunkt eher Fragen auf als dass sie zu grosser Freude Anlass gäbe. fss

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Deutscher Bundestag: «Selous darf nicht sterben!»

Deutschland ist stark engagiert in Tansanias Naturschutz. «Selous darf nicht sterben!» sagte in Berlin der Abgeordnete Christoph Hoffmann (FDP) zu Beginn und am Ende seines Redebeitrags, als der deutsche Bundestag am Abend des 17. Januars über den Mega-Staudamm in Afrikas grösstem Naturschutzgebiet debattierte.

Bonn, 18. Januar 2019 – Über Parteigrenzen hinweg war man sich einig, dass dieser Damm das 50’000 km2 grosse Naturschutzgebiet in Süd-Tansania irreversibel schädigen wird. Dabei sind der Damm und das vorgesehene Wasserkraftwerk ökonomisch zweifelhaft, und es ist in hohem Masse fraglich, ob sich auf diese Weise die Stromversorgung im Lande sichern lässt.

Es wurde auch nicht untersucht, ob es bessere Möglichkeiten zur Energieversorgung gibt. Besonders kritisch ist die Tatsache, dass keine belastbare Umweltverträglichkeitsprüfung für das Grossvorhaben angefertigt wurde, das auf über 30 Jahre alten Plänen beruht. 

Deutschlands nachhaltiges Engagement

Deutschland hat das Wildreservat in der Vergangenheit mit 25 Millionen Euro unterstützt. Derzeit bringt der deutsche Steuerzahler erneut 18 Millionen Euro auf, um die Natur im Selous zu erhalten. Bei allem Verständnis für den Energiemangel in Tansania ist schwer zu begreifen, dass Tansania selbst  seine Natur dort mit einem zweifelhaften Projekt gleichzeitig grossflächig zerstört. In Kürze sollen 1’500 km2 Wald gerodet werden. Dies wäre eine der grössten Abholzungen weltweit.

Die Stelle im Rufiji-Fluss: Hier soll der Staudamm hochgezogen werden |  © Foto by Rolf D. Baldus

Die Stelle im Rufiji-Fluss: Hier soll der Staudamm hochgezogen werden | © Foto by Rolf D. Baldus

Die Überflutungsfläche wird dreimal so gross wie der Bodensee sein und Land unter Wasser setzen, auf dem derzeit noch Elefanten, Löwen, Leoparden und Antilopen ihre Fährten ziehen. Flussabwärts könnten 200’000 Menschen, so der Antrag, durch Veränderungen des Flusslaufes in ihrer Existenz bedroht werden. Mit dem Bau wurde inzwischen begonnen, obgleich unklar ist, woher die Finanzierung für das Multimilliardenprojekt kommen soll.

In seinem Beschluss fordert der Bundestag die Bundesregierung auf, das Land Tansania bei der Entwicklung des Energiesektors zu unterstützen, so dass der vom Nutzen her zweifelhafte Staudamm nicht gebaut werden muss. Die Bundesregierung soll einen Dialog mit der tansanischen Regierung über «Alternativen zum geplanten Bau des Megastaudamms Stieglers Schlucht» aufnehmen, um gemeinsam eine Lösung zu finden, durch die das UNESCO-Weltnaturerbe doch noch gerettet werden kann.

Tansania wirft EU-Botschafter raus

Die Abgeordneten haben deutlich gemacht, dass sie Verständnis für Tansanias Energienöte haben und dass es ihnen nicht um Kritik geht. Stattdessen will Deutschland an einer konstruktiven Lösung mitwirken, die auch den Schutz des globalen Naturerbes einschliesst. Ob Tansanias Präsident zu diesem Dialog bereit ist, muss sich jetzt zeigen.

Die Verhandlungen über die deutsche Entwicklungshilfe liessen die Tansanier kürzlich platzen, und die Beamten aus Bonn mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. Der EU-Botschafter in Tansania musste das Land verlassen, nachdem er gewagt hatte, die zunehmenden Menschenrechtsverletzungen zu thematisieren. Und deer Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein (CDU) durfte den Selous noch nicht einmal betreten, so seine Worte im Bundestag, als er letzte Woche in Tansania weilte, um sich einen Eindruck vor Ort zu verschaffen. 

Dass man dem Sprecher für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der CDU/CSU den Zugang zu einem Naturschutzgebiet verwehrt, in das erhebliche deutsche Finanzmittel fliessen, ist ein Politikum, dass die Bundesregierung wohl kaum ohne Reaktion hinnehmen kann. rdb

Hintergrund : Afrikas Schutzgebiete in Gefahr – das Beispiel Weltnaturerbe Selous

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Südafrika: Spürhund «Lizzy» lässt Nasenhorn-Schmuggel auffliegen

Die feine Nase des vierbeinigen Fahnders «Lizzy» brachte es am Airport von Johannesburg an den Tag: 36 in Kartons versteckte Hörner und Hornfragmente im Wert von 1,3 Millionen Dollar.

Johannesburg, 10. Januar 2019 – Mit dem Spürhund hatten die Wilderer und ihre Hintermänner wohl nicht gerechnet. Da halfen alle Tricks nichts, die teure Schmuggelware in Plastik zu wickeln und sie in acht Kartons zwischen Alltagsgegenständen wie Fussmatten und Dekorationen zu schieben.

Zwar schafften es die für den Flug nach Dubai aufgegebenen Kartons im OR Tambo Airport von Johannesburg laut dem südafrikanischen Finanzamt fast auf die Laderampe. Doch dann steckte «Lizzy» ihre Schnauze zwischen das Gepäck – und der Schmuggel vom 116 Kilogramm illegalem Nasenhorn flog auf.

Untrügliche Hundenase (Symbolbild) |  © Foto Ruedi Suter

Untrügliche Hundenase (Symbolbild) | © Foto Ruedi Suter

Der Hund ermöglichte es laut BBC seinen menschlichen «Zoll-Kollegen», einer der grössten Rhinohorn-Ladungen der letzten Jahre sicherzustellen. Traurige Tatsache ist, dass in Südafrika jährlich immer noch über 1’000 Nashörner gewildert werden. Das sind immerhin weniger als zwischen 2007 und 2014, wo die Wilderei der von der Ausrottung bedrohten Tiere um rund 9’000 Prozent angestiegen war.

Die durch verschärfte Massnahmen erreichte Reduzierung der Wilderei kann jedoch nicht beruhigen, warnen Kenner. Ihr Argument: Die auf allen Ebenen operierenden Verbrechersyndikate – vom kleinen Wilderer im Busch über den bestochenen Ranger und Beamten in Südafrika bis hin zu den Hintermännern vorab in China und Vietnam – würden immer wieder neue Methoden finden, um den Nachschub an Hörnern abzusichern.

So werden die abgehackten oder abgesägten Hörner der Rhinos oft auch zerkleinert, beispielsweise in kleine Stücke und Pellets. Oft wird es zu Pulver zermahlen, kaum mehr zu unterscheiden von anderen pulverisierten Mitteln. Hier helfen jetzt vermehrt – neben Laboruntersuchungen – feine Hundenasen wie jene von «Lizzy». Die Vierbeiner sind nun laut Behörden Teil einer landesweiten Initiative zur Bekämpfung des Schmuggels – und sie gelten als eine doch ziemlich erfolgreiche «Einheit». fss

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Touristen Achtung: Gefängnis für Besitz einer Vogelfeder

Derzeit setzt Tansania seine Gesetze rigoros um. Auch den Wildlife Act. Wer demnach eine Muschel, eine Vogelfeder, einen Zahn oder sonst ein Tierteil ohne Bewilligung besitzt, dem drohen schwerste Gefängnisstrafen.

Dar-es-Salaam, 13. Dezember 2018 – «Sie sind verhaftet!» Den Satz können heute selbst Touristen oder Touristinnen zu hören bekommen, wenn tansanische Beamte bei ihnen bislang als harmlos eingestufte Souvenirs wie beispielsweise eine Muschel oder Vogelfeder finden. Was folgt, sind Gerichtsurteil, hohe Geldbussen und langjährige Gefängnisstrafen.

Denn jeder Teil eines toten Tieres, der gefunden wird, ist gemäss dem jetzt strikte umgesetzten Wildlife Act eine Regierungstrophäe. Das bedeutet: Allein deren Besitz ist strafbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Tierteil gefunden oder ohne Nachweispapier erworben, ob ein Tier gewildert oder gefangen wurde. Wer erwischt wird, dem drohen mindestens 20 bis maximal 30 Jahre Gefängnis. In bestimmten Fällen kommt noch eine happige Geldbusse hinzu.

Radikales Vorgehen

Dabei wird weder zwischen Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft unterschieden. Zahlreiche Afrikaner, aber auch Touristen sind bereits verurteilt und ins Gefängnis gesteckt worden. Die Regierung des seit 2015 waltenden John Pombe Joseph Magufuli geht radikal gegen die Korruption und gegen jede Art von echten oder vermeintlichen Betrügereien vor – mit erfreulichem Erfolg, aber auch mit folgenschweren Exzessen.

Hippo-Unterkiefer |  © Foto by Raul654

Hippo-Unterkiefer | © Foto by Raul654

Das grosse Aufräumen hinterlässt oft tiefe Spuren, weil gewachsene Strukturen ersatzlos eingerissen werden und eine Unzahl von Menschen plötzlich ohne Erwerbsmöglichkeiten dastehen. Im Bereich des Wildschutzes hat sich laut Beobachtern die Situation bei der Bekämpfung der Wilderei und des illegalen Wildtierhandels gemäss Kennern aber spürbar gebessert.

Willkürliche Strafen ohne Realitätsbezug

Dabei berufen sich die Behörden vermehrt auf die Landesverfassung. Ihr nach gehört die Natur einzig dem Staat. Wer ohne Genehmigung beispielsweise Schädel, Knochen, Zähne, Klauen, Vogelfedern, Felle, Muscheln, Hölzer oder auch nur Steine mit sich führt, der macht sich automatisch strafbar. Er oder sie können von Polizei und Zoll verhaftet werden.

Rätselhaft bleibt jedoch oft, nach welchen Kriterien die Richter ihre Urteile fällen. So erhielt beispielsweise der international agierende Moniface Matthew Maliango – im Volksmund «Shetani» (Der Teufel) genannt – einen vergleichsweisen kurzen Freiheitsentzug. Der Töter tausender Elefanten, Elfenbeinschmuggler und Chef eines weit verzweigten Verbrechersyndicats erhielt nur gerade 12 Jahre Knast.

Ein Klacks gegen die 20 Jahre Haft und die unbezahlbare Geldstrafe, mit der Emmanuel Richard fertig werden muss. Der junge Fahrer wurde mit fünf Flusspferd-Zähnen festgenommen, für die er keine Genehmigung hatte. Zwei Dekaden Knast für Zähne, deren Kilopreis 3.90 Franken beträgt, ist der Gipfel der Absurdität.

In tansanischen Gefängnissen sind auch Insassen versenkt, die schon Jahrzehnte einsitzen. So warnen wir an dieser Stelle alle Touristen und Touristinnen in Tansania, unbedingt ihren Sammeltrieb unter Kontrolle zu halten und sich genau zu überlegen, was im Reisegepäck verstaut werden soll. Denn heil aus den heillos überfüllten Gefängnissen zu kommen, ist alles andere als garantiert – allein schon der Krankheitskeime oder der arg belasteten Psyche wegen nicht. fss

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Jetzt wird gebaut Im Weltnaturerbe Selous

Jetzt sollen die Bulldozer auffahren, in Afrikas grösstem Schutzgebiet, dem Weltnaturerbe Selous: Tansania hat mit Ägypten ein Abkommen unterzeichnet, wonach dem Rufiji-Fluss in der Stieglers Gorge das mächtigste Wasserkraftwerk Ost-Afrikas verpasst werden kann – mit unabsehbaren Folgen für Flora und Fauna.

Dar-es-Salaam, 12. Dezember 2018 – Aller Widerstand und Protest seitens der internationalen Umweltschutzgemeinde nützten nichts. Und auch die Warnungen der Unesco, welche 1982 das über 50’000 Quadratkilometer weite Schutzgebiet zum Weltnaturerbe erhob, verhallten: Heute Mittwoch unterzeichnete Staatspräsident John «Bulldozer» Magufuli zusammen mit dem ägyptischen Premierminister Moustafa Madbouly den Bauvertrag. In 36 Monaten wollen die Araber das Wasserkraftwerk in der nach einem Schweizer benannten Stiegler-Schlucht hochziehen.

Der tansanische Energieminister Medard Kalemi verkündete laut den Medien, der Bau werde das viertgrösste Wasserkraftwerk Afrikas hervorbringen: 1’025 Meter lang, 131 Meter hoch und 35,2 Milliarden Kubikmeter gestautes Wasser. Die neun Turbinen sollen ebenfalls von Ägypten geliefert werden. Präsident Magufuli meinte, der Selous sei derart gross, dass das Bauvorhaben kaum Effekte auf die Umwelt haben werde. Die Regierung sei überzeugt, dass mit dem Stau des Rufiji-Flusses Tansania einen grossen Schritt hin zur Industriegesellschaft mache.

Ganz anders sehen dies Ökologen und Ökologinnen. Sie befürchteten massive Umweltschäden im Ökosystem sowie eine nachhaltige Störung des Unterlaufes des Rufijis. Wir werden später noch in einem Hintergrundartikel auf die befürchteten Verheerungen eingehen.

Der Selous war vor wenigen Jahren Schauplatz der grössten Elefantenmassaker in Afrika, und er wird heute im Süden auch von der Uranindustrie bedroht. Nicht klar ist zurzeit, wie das Wasserkraftwerk finanziert werden soll. Dass sich alles verzögert oder schliesslich gar nichts realisiert wird, ist nicht ganz auszuschliessen. Mehr zum Thema hier weiter unten: «Rodungen drohen im Weltnaturerbe Selous» und zur Petition (Januar 2019), welche den Verzicht auf die Abholzungen fordert. fss

Hintergrund : Afrikas Schutzgebiete in Gefahr – das Beispiel Weltnaturerbe Selous

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Tansania: Neue Spezialeinheit lehrt Wilderern das Fürchten

Um die Wilderei und den illegalen Handel mit Wildtieren und Buschfleisch (Bushmeat) effizienter bekämpfen zu können, hat die tansanische Regierung eine neue Anti-Wilderei-Einheit zusammengestellt. Sie umfasst 313 entschlossene Frauen und Männer.

Fort Ikoma, 17. November 2018 – Unterstellt ist die paramilitärische «Squad» dem Ministerium für Naturressourcen und Tourismus. Vorgestellt wurde die neue Spezialeinheit Mitte November von Tansanias Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan in Fort Ikoma, unweit der nordwestlichen Serengeti-Grenze.

Die Politikerin erklärte Medienberichten zufolge, sie erwarte von der neuen Spezialeinheit die «vollständige» Bekämpfung der Wilderei im Lande. Überdies rief sie die Gemeinden entlang der Nationalparks und Wildreservaten auf, mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten.

Stellte neue Spezialeinheit vor: Tansanias Vizepremierministerin Samia Suluhu Hassan | ©  Foto by tzinfo

Stellte neue Spezialeinheit vor: Tansanias Vizepremierministerin Samia Suluhu Hassan | © Foto by tzinfo

Das Personal der Squad ist laut Hamisi Kigwangalla, Minister für Naturressourcen und Tourismus, von der tansanischen Volksverteidigungstruppe (Tpdf) zusammengestellt worden. Die Frauen und Männer hätten vorher bereits Dienst bei Organisationen wie der Tanzania Wildlife Management Authority (Tawa) oder der Tanzania National Parks Authority (Tanapa) geleistet. Wichtig sei es auch, so Kigwangalla, die Fauna für den wachsenden Tourismus zu verteidigen.

In den letzten Jahrzehnten hat Tansania immer wieder neue Sondereinheiten gebildet, um effizienter die Korruption bekämpfen und besser gegen WIlderei und Wildtierhandel vorgehen zu können – leider oft nur mit befristeten Erfolgen. Die Regierung von John Magufuli scheint nun aber zusammen mit dem Parlament entschlossen zu sein, dem andauernden Aderlass an Fauna und Flora kompromisslos ein Ende zu setzen.

Es wird sich nun zeigen, ob ihre Nationale Strategie zur Bekämpfung von Wilderei und illegalem Handel mit Wildtieren (NSCPIWT) dieses hoch gesteckte Ziel auch erreichen kann. Immerhin steht rund ein Viertel des Landes unter Schutz (Nationalparks, Wildreservate, Pufferzonen etc). Ein Schutz, der häufig wegen Geldmangels, zu wenig Personals und mangelnder Ausrüstung zu nicht gewährleistet werden kann, weshalb Organisationen wie die Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) oder die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) notwendige Unterstützung leisten. fss

Hintergrund: Afrikas Nyerere: «Wir müssen uns selbst helfen!»

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Was war jetzt da - im Busch von Botswana?

Die weltweit verbreitete Horror-Nachricht eines Elefanten-Massakers in Botswana ist falsch, heisst es jetzt aus Regierungs- und Menschenrechtskreisen. Meldungen aus dem afrikanischen Busch sind oft nur schlecht überprüfbar. So geschehen auch beim «Massaker», das es so nie gegeben haben soll – vielleicht.

Gaborone, London, 28. September 2018 – Die Meldung war schockierend, und entsprechend rasch ging sie um die Welt. Zahlreiche Medien berichteten über das «Massaker» an 87 Elefanten in Botswana. Auch wir vom FSS vermeldeten umgehend das angebliche Gemetzel durch Wilderer im bislang gut überwachten Botswana (siehe nächste Meldung: «Elefanten-Massaker: Botswana riskiert seinen guten Ruf»). 

Doch unterdessen macht eine andere, weit weniger zur Kenntnis genommene Meldung die Runde: Das «Massaker» sei mehr oder weniger das Produkt eine gezielten PR-Kampagne der in Botswana und den USA domizilierten Wildschutzorganisation Elephants Without Borders (EWB). Dessen Direktor Mike Chase habe mit seiner Schock-Meldung massiv übertrieben und seinen guten Namen als Wissenschafter und Elefantenzähler ruiniert, werfen ihm nun Regierungsleute und Menschenrechtler vor. Weshalb

Elefanten im Botswana: «Nur» 19 statt 87 Elefanten gewildert?|  © Foto by EWB

Elefanten im Botswana: «Nur» 19 statt 87 Elefanten gewildert?| © Foto by EWB

Weil am Ort des «Massakers» im Chobe-Nationalpark lediglich 19 tote Elefanten gefunden worden seien. Davon  hätten gerade einmal sechs den Tod durch Wilderer erlitten. Die anderen wären teils seit langem schon eines natürlichen Todes gestorben, versicherte Churchill Colyer, Vizedirektor der Wildschutzbehörde Botswanas, nach einer behördlichen Überprüfung der Lage. Auch seien die Ranger nicht entwaffnet und geschwächt worden, man habe nur die schweren Waffen der Armee abgezogen.

Doch vorher schon erhielt die Regierung Botswanas überraschend Unterstützung durch einen Menschenrechtler, dem die Vorgänger-Regierung die Einreise verboten hatte, weil er sich zu kompromisslos für die verletzten Rechte der jagenden und sammelnden San-Ureinwohner eingesetzt hatte. 

Dabei handelt es sich um den Briten Stephen Corry, Direktor der in London stationierten Menschenrechtsorganisation Survival International. Dessen Kommentar: «Das ‹Elefantenmassaker› fand zweifelsfrei nicht statt. Es wurde von jenen erfunden, die eine stärkere Militarisierung des Naturschutzes befürworten.» Dies sei derselbe gescheiterte Ansatz, der weltweit ‹Hunderttausende von Einheimischen› diskriminiere – häufig genau jene Menschen, die den Naturschutz am besten vertreten könnten.

Auch Buschtrommler können falsch trommeln

Stephen Corry verwies auf die Tatsache, dass vielerorts indigene Jäger und Sammler verfolgt oder gar erschossen werden, wenn sie ihrem traditionellen Lebensunterhalt nachgehen. Er ist auch ein energischer Gegner der «Shoot to kill»-Taktik. Diese erlaubt es den Wildhütern in Nationalparks, ohne Vorwarnung auf Menschen zu schiessen, die gar nicht im Park sein dürften und deshalb automatisch als Wilderer betrachtet werden. 

So entpuppt sich der Streit um das, was mit den Elefanten  in Botswana geschehen sein soll, teils auch als eine Auseinandersetzung zwischen Menschenrechts- und Naturschutzorganisationen. Und Indigenen-Verteidiger Corry unterstützte so jene Regierung, deren Ex-Präsident Ian Khama er grobe Menschenrechtsverletzungen vorwarf – im Zusammenhang mit der diskriminierenden Behandlung der Koihsan-Völker (Gwi, Gana, Tsila).

Doch damit ist immer noch nicht klar, wie viele Elefanten in Botswana tatsächlich gewildert wurden oder unter natürlichen Umständen ums Leben kamen. Damit sind wir einmal mehr gezwungen, News aus dem afrikanischen Busch – und nicht nur von dort – mit gebotener Vorsicht wahrzunehmen. Tatsache aber bleibt: Jeder gewilderte Elefant ist ein toter Elefant zu viel. fss

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Elefanten-Massaker: Botswana riskiert seinen guten Ruf

Gegen 87 Elefanten sind in den letzten Wochen in Botswana von Wilderern umgebracht worden. Bislang galt das Land als sicher, doch die gut trainierten Anti-Wilderei-Einheiten wurden geschwächt – durch die neue Regierung. 

Kasane, 4. September 2018 – Kein anderes Land in Afrika hat – nach den Massakern im tansanischen Selous-Wildschutzgebiet – heute mit über 130 400 Tieren so viele Elefanten wie Botswana, nirgendwo sonst waren die  Elefanten- und Nashorn-Bestände so gut geschützt. Und nun dieser Schock – 87 Kadaver gewilderter Elefanten nahe des Okavango Delta Wildschutzgebietes, entdeckt während eines Zählflugs der Wildschutzorganisation Elephants Without Borders (EWB). 

Streit um tote Elefanten: Wessen Version stimmt? |  © Symbolbild: G. Schachenmann

Streit um tote Elefanten: Wessen Version stimmt? | © Symbolbild: G. Schachenmann

Selbst Mike Chase, der in Botswana aufgewachsene und in den USA ausgebildete Wildschutzexperte, war über das Ausmass des Massakers fassungslos. Der Gründer und Direktor von EWB  erklärte gegenüber BBC, er und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen befürchteten eine rasche Verschlechterung der Sicherheitslage. 

Dies vor allem auch darum, weil die Regierung unter dem neuen Präsidenten Mokgweetsi Masisi beschlossen hatte, dem bislang beim Schutz sehr erfolgreichen Departement Wildlife und National Parks Waffen und Beistand der Armee zu entziehen. Weshalb der vom vorherigen Präsidenten Jan Khama gestärkte Wildtierschutz nun derart geschwächt wurde, soll nie bekannt gegeben worden sein.

Mike Chase, der als Wissenschafter 2015 die letzte Elefantenzählung in Botswana durchführte, ist die neue Situation alarmierend. «Verglichen mit damals haben wir heute doppelt so viele frisch getötete Elefanten als anderswo in Afrika», erklärte er gegenüber BBC. Den meisten Kadavern waren die Stosszähne entfernt worden. 

Die Wildererbanden infiltrieren vor allem über die Grenzen der Nachbarländer wie Sambia, Simbabwe, Angola und Namibia. Viele konnten von den Anti-Wilderei-Einheiten der Botswaner abgefangen werden. In Zukunft werden die Wilderer leichtes Spiel haben. Mike Chase sagt, was andere Umweltschützende auch fordern: Die Regierung Botswanas muss die Anti-Wilderei-Bemühungen energisch fördern – anstatt sie zu schwächen. (Mehr zu Botswana finden Sie hier: «Arche Noah für die Rettung der Nashörner».) fss

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Rhino-Tragödie: Acht Tiere starben in Kenia nach Umsiedlungsaktion im East Tsavo

Unfassbare Tragödie: Acht von insgesamt vierzehn Spitzmaulnashörnern sind in Kenia nach einer kürzlich  erfolgten  Translokation verendet. Über die Ursache wird noch gerätselt.

Nairobi, 13. Juli 2018 – Die acht Tiere waren kürzlich vom Nairobi- und vom Lake Nakuru-Nationalpark in ein neues Gehege im des Tsavo East-Nationalparks transportiert worden, dies unter der Leitung des WWF und der kenianischen Wildschutzbehörde Kenya Wildlife Service (KWS). 

An was die Tiere  nach ihrer Umsiedlung genau starben, muss zuerst untersucht werden. Laut einer ersten Stellungnahme des kenianischen Ministeriums für Tourismus und Wildlife könnten die acht Rhinos an einer Salzvergiftung gestorben sein. In ihrer neuen Umgebung war der Salzgehalt des Trinkwassers höher als in ihrer ursprünglichen Heimat. Die Tiere tranken und tranken, ohne ihren Durst löschen zu können – so eine Mutmassung. 

Breitmaulnashorn, Weisses Nashorn |  © Symbolbild by Gian Schachenmann

Breitmaulnashorn, Weisses Nashorn | © Symbolbild by Gian Schachenmann

Ist geschlampt worden?

Wie auch immer – der Tod dieser Spitzmaulnashörner, deren Art vom Aussterben bedroht ist, schockiert nicht nur die internationale Gemeinde der Tierschützer und -schützerinnen. Er wirft auch unbequeme Fragen nach der Professionalität der ausführenden Organisationen auf. «Der Verlust dieser Tiere ist ein komplettes Desaster», erklärte die prominente kenianische Umweltschützerin Paula Kahumbu von Wildlife Direct gegenüber Associated Press. 

Cathy Dean, Leiterin von Save the Rhino, forderte gegenüber dem Guardian eine lückenlose Erforschung der Todesursache durch internationale Expertinnen und Experten. Dean meinte ausserdem, in Kenia habe man weniger Erfahrung bei den immer heiklen Übersiedlungen von Nashörnern. Derweil solche Transporte mit dem vorherigen Einfangen und Narkotisieren in anderen Ländern jährlich erfolgten, würden in Kenia nur gerade alle drei bis vier Jahre Translokationen durchgeführt.

Verluste statt Fortpflanzung

Anstatt die Zahl der bedrohten Black Rhinos in Kenia in dem neuen, rund um die Uhr bewachten Nashornschutzgebiet des Ost-Tsavos mittelfristig zu erhöhen, hat nun das Land mit einem Schlag acht seiner rund 750 Schwarzen Nashörner verloren. Von diesen soll es  weltweit gerade noch etwa 5'500 Tiere geben. Letztes Jahr hat  Kenia ingsgesamt neun, dieses Jahr bisher drei Rhinos durch Wilderer verloren. 

Im Tsavo East, mit 21'812 Quadratkilometer der grösste Nationalpark des Landes, lebten einst geschätzte 2'000 Nashörner.  In den 1990er-Jahren fand die letzte Rhino-Translokation ins Gebiet statt. Heute dürften noch zwischen 10 und 20 Tiere hier leben, so mutmasst die Organisation Save the Rhino. Der benachbarte Tsavo West-Nationalpark grenzt übrigens an den tansanischen Mkomazi-Nationalpark, wo auch mit Hilfe der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) das erste voll überwachte Nashorngehege Tansanias mit über 30 Schwarzen Nashörnern eingerichtet wurde. fss

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Artenschutz: Britische Armee trainiert afrikanische Wildhüter

London, 30. Mai 2018 – Zwei Dutzend ihrer Spezialisten schickt die britische Armee im Juni nach Ostafrika, um lokale Ranger im Kampf gegen Nashorn- und Elefantenwilderer zu trainieren. Dabei sollen die Soldaten den afrikanischen Wildhütern und Wildhüterinnen Taktiken lehren, welche unter anderem in Afghanistan gegen die Taliban erprobt wurden. So zum Beispiel das methodische Aufspüren und gezielte Bekämpfen der Gegner.

Die Soldaten und Soldatinnen seien aus verschiedenen Einheiten zusammengestellt worden, heisst es aus dem Verteidigungsministerium des Vereinigten Königreichs. Bereits letztes Jahr schickten die Briten, welche in Kenia eine permanente Truppe haben,  Armeeausbilder nach Gabun und Malawi. 

Anti-Guerilla-Training: Afrikanische Wildhüter, britischer Instruktor |  © Foto by British Army

Anti-Guerilla-Training: Afrikanische Wildhüter, britischer Instruktor | © Foto by British Army

Die ersten Erfolge des Militärtrainings seien vielversprechend. So hätten grössere Gebiete überwacht und gesichert wie auch mehr Wilderer verhaftet oder «neutralisiert» werden können, erklärte Verteidigungssektretär Gavin Williamson bei  einem Besuch im englischen West Midlands Safari Park, wo die kleine Truppe von Zoologen und Ökologen in den Wildschutz eingeweiht wurden.  

Dabei schimmerte durch, dass sich die British Army mit ihrer Aktion  auch ihr Image etwas aufpolieren möchte. Williamson gegenüber «Newsweek»: «Unsere Streitkräfte sind rund um den Globus auch an der Front, um die am meisten bedrohten Tierarten vor kriminellen Banden zu schützen. Der kriminelle Handel mit bedrohten Tierarten und im Wert von 17 Milliarden Pfund (rund 23 Milliarden Dollar) ist eine existenzielle Bedrohung der eindrucksvollsten Säugetiere. Es ist unsere Pflicht, sie für die kommenden Generationen zu erhalten.»

Auch sonst scheint es den Briten ernst zu sein, vor allem mit dem Schutz von Rhinos und Elefanten. Davon zeugt nicht nur das Engagement von Prinz Harry gegen die Wilderei in Afrika. Anfang 2018 verabschiedete das Vereinigte Königreich eines der strengsten Gesetze gegen den Elfenbeinhandel. So wurde der Verkauf von Elfenbein-Gegenständen jeden Alters verboten. Er kann mit einer Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis geahndet werden. Ausnahmen werden nur  noch bei alten Musikinstrumenten oder Museumsstücken gemacht. fss

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Cyber-Wildtierhandel: schlimmer als gedacht

Hamburg, 23. Mai 2018 – Trotz erster Gegenmassnahmen: Der kriminelle Internet-Handel mit geschützten Wildtieren  hat offensichtlich ein weit gewaltigeres Ausmass als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt ein neuer  Report des International Fund for Animal Welfare (IFAW). 

Denn in nur sechs Wochen stiessen die Artenschützenden 2017 auf Online-Marktplätzen in Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und Russland  auf «Tausende angebotene lebende Tiere oder Tierprodukte». Konkret: Auf 106 Portalen und Social Media Plattformen sichteten die IFAW-Rechercheure 5’381 Anzeigen mit 11’772 Exemplaren bedrohter Arten. Dies im Wert von insgesamt  3’942 329 US-Dollar. 

Allein auf deutschen Webseiten fanden die fahndenden Experten und Expertinnen 2’149 Anzeigen mit über 6’300 Wildtieren und Wildtierprodukten geschützter Arten. Am häufigsten würden lebende Tiere angeboten, insbesondere Landschildkröten und Papageien, teilte der IFAW in seiner heutigen Medienmitteilung mit. 

Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen seien diesmal auf einigen deutschen Portalen auch viele Elfenbein-Artikel gefunden worden. In 172 Anzeigen hätten Händler 211 Artikel aus Elfenbein oder mutmasslichem Elfenbein angeboten. Zahlreiche Anzeigen hätten Umschreibungen für den Begriff «Elfenbein» erfunden, «offensichtlich um so bestehende Handelsverbote auf Plattformen zu umgehen».  

Robert Kless, Leiter des IFAW Deutschland: «Mit wenigen Klicks kann man im Internet Elfenbein-Produkte, lebende Landschildkröten, Riesenschlangen oder exotische Papageien kaufen – rund um die Uhr und ohne grosses Risiko.» Oft ohne es zu wissen, trügen die Käufer und Käuferinnen damit zum globalen Artensterben bei. 

Zudem heizten sie die Wilderei und die Nachfrage nach geschützten Tieren oder Tierprodukten an. «Der Online-Handel mit geschützten Arten muss streng reguliert und überwacht sowie Verstösse konsequent bestraft werden». folgert Kless.

Nicht im Griff: Cyber-Kriminalität mit Wildtieren |  © Screenshot: www.ifaw.org

Nicht im Griff: Cyber-Kriminalität mit Wildtieren | © Screenshot: www.ifaw.org

Insgesamt zeige der Bericht, dass der Online-Handel mit Elfenbein oder mutmasslichem Elfenbein ein anhaltendes Problem darstellt: In fast einem Fünftel aller erfassten Anzeigen würden Elfenbein-Produkte angeboten. Da der Internethandel mit Elfenbein Teil des globalen Elfenbein-Marktes ist und zur Ausrottung der Elefanten beiträgt, fordert der IFAW ein konsequentes Handelsverbot mit Elfenbein in Deutschland und in der EU. 

Auch international würden überwiegend lebende Tiere, insbesondere Land- und Wasserschildkröten, gehandelt: Sie machten 45 Prozent der Wildtier-Exemplare aus. Fast ein Viertel der übrigen Exemplare waren Vögel. Darunter fanden sich selbst bedrohte afrikanische Graupapageien. Auch Exemplare von Säugetieren wie Katzen, Primaten, Bären und Nashörnern wurden entdeckt. Ein Handel mit geschützten Tieren könne zwar legal sein, stellt der IFAW fest, doch müssten dann behördliche Bescheinigungen wie Zucht- oder Vermarktungsgenehmigungen vorliegen. 

«Der Online-Handel ist extrem schwer zu kontrollieren, denn die wenigsten Anzeigen beinhalten nachprüfbare Informationen, die die Legalität des Angebotes belegen», so Klees weiter. «Die Anonymität und die Geschwindigkeit, in der Verkäufe abgewickelt werden und die Verfügbarkeit rund um die Uhr stellen sowohl Online-Marktplatzanbieter wie Vollzugsbehörden vor eine schier unlösbare Aufgabe. Um diesen Handel wirksam einzudämmen, müssen Gesetze verschärft werden und Website-Betreiber strenge Vorgaben zum Handel mit geschützten Arten machen – Vorgaben, die sich auch regulieren und überprüfen lassen.»

Zur Erinnerung: Im März 2018 riefen IFAW, WWF und TRAFFIC mit 21 Gründungsunternehmen die Global Coalition to End Wildlife Trafficking Online ins Leben. Sie wollen gemeinsam ein die ganze Branche einschliessendes Konzept entwickeln, mit dessen Hilfe der illegale Online-Handel mit Wildtieren bis 2020 um 80 Prozent reduziert werden soll.

Eines der Gründungsmitglieder ist eBay als einer der grössten Online-Marktplätze weltweit. Das Unternehmen führte bereits sehr früh strenge Richtlinien ein, die sich gegen den illegalen Verkauf von Wildtieren richten. «Letztes Jahr», weiss Wolfgang Weber, Leiter der Globalen Regulierung bei eBay, «haben wir 45’000 Angebote abgefangen oder gelöscht, die unsere Vorgaben zum Wildtierhandel verletzten. eBay Kleinanzeigen verschärfte kürzlich sogar seine Nutzungsbedingungen – es verbietet nun generell den Handel mit lebenden Tieren und Produkten geschützter Arten. fss

Hintergrund: 

IFAW-Report: «Disrupt: Wildlife-Cybercrime»

Wildtier-Kriminelle infiltrieren ins Web

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Rodungen drohen im Weltnaturerbe Selous

Berlin, Dodoma, 16. Mai 2018 - Zuerst wurden in Afrikas grösstem Wildschutzreservat und tansanischen Weltnaturerbe Selous bis vor drei Jahren Zehntausende Elefanten gewildert. Seit längerem schon drohen bei der Stiegler's Schlucht in Norden des Parks ein riesiger Staudamm und im Süden eine Uranmine, beide mit unabsehbaren Folgen für das über 52'000 Quadratkilometer grosse Schutzgebiet. 

Nicht genug: Jetzt will die Regierung auf rund 1'500 Quadratkilometern ein Rodungsprogramm umsetzen, dem über 2,6 Millionen Bäume zum Opfer fallen würden. Dies meldet heute der WWF, verbunden mit der Warnung, dass durch die Abholzung «das ökologisch besonders wertvolle Zentrum des Reservats entlang des Rufiji-Flusses damit quasi vollständig entwaldet» würde. 

Aus offiziellen Dokumenten gehe hervor, so die Panda-Organisation,  dass die Forstbehörde des ostafrikanischen Landes für die Abholzung einen Bieterwettbewerb ins Leben gerufen habe. Dessen Eingabeschluss für Gebote ist heute. Was wären die Folgen der Rodungen? Johannes Kirchgatter vom WWF-Deutschland: «Die Entwaldung wäre der Anfang vom Ende dieses einzigartigen Naturparadieses. Der Selous ist eines der letzten grossen unberührten Wildnisgebiete der Erde und wichtiger Rückzugsort für viele bedrohte Arten wie Elefanten, Löwen, Wildhunde oder Giraffen.»

Selous: «Betender» Löwe ¡  © Foto by Helen Kimali Markwalder

Selous: «Betender» Löwe ¡ © Foto by Helen Kimali Markwalder

Die Rodungen gelten als Vorbereitung für den Bau des geplanten Staudamms zur Stromproduktion bei der Stiegler' Gorge.  Gemäss der Regierung soll im Juli mit den Arbeiten gestartet werden. Rund 1'200 Quadratkilometer des Selous würden nach Vollendung des Damms dauerhaft überflutet. Das ohne Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeboxte Vorhaben verstösst laut WWF sowohl gegen nationales Recht als auch gegen internationale Abkommen. «Tansanische Gesetze und die Unesco-Welterbekonvention verbieten solch umfassende Eingriffe in Reservate und Weltnaturerbestätten. 

«Die tansanische Regierung treibt die Zerstörung des Selous ohne Rücksicht auf Verluste
voran und setzt sich dabei über geltendes Recht und internationale Vereinbarungen hinweg.
Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde die Region auch ihr fantastisches touristisches
Potential verlieren», hält die Umweltschutzorganisation in ungewöhnlicher Schärfe fest.

Der Selous stehe «der weltberühmten Serengeti» in nichts nach. Eine echte
Chance auf nachhaltige Entwicklung drohe damit verlorenzugehen. Zurück bliebe ein zerstörtes
Welterbe mit einem Kraftwerk, das das Land nicht brauche, warnt Johannes Kirchgatter.

Selbst Schutzbemühungen der deutschen Bundesregierung würden durch die Pläne
angegriffen. Deutschland zahlt in den kommenden Jahren 18 Millionen Euro für den Erhalt
des Reservats, seiner Randgebiete und des Welterbetitels. Durch die großflächige Entwaldung
und Überflutung werde der Selous eines Großteils seiner ökologischen Bedeutung beraubt.
Gleichzeitig sorge die Erschliessung des Gebiets durch den Bau von Strassen, Siedlungen und
Infrastruktur in bisher unberührter Wildnis für einen leichteren Zugang auch für Wilderer,
Viehzüchter und illegale Siedler. 

Der WWF fordert die deutsche Bundesregierung daher auf, sich gegen den Staudammbau einzusetzen – «zumal er für die Deckung des Energiebedarfs in Tansania überhaupt nicht notwendig sei», wie aus dem Energieplan der tansanischen Regierung hervorgehe.

«Der Staudamm ist ein ökonomisch und ökologisch unsinniges Megaprojekt auf Kosten einer
nachhaltigen Entwicklung. Und wie es scheint, sehen das auch potentielle Geldgeber so. Bislang
konnte die tansanische Regierung keine Finanzierung für den milliardenschweren Bau
vorweisen», schliesst die Umweltorganisation. Am Ende könne sich herausstellen, dass das Land sein einzigartiges Weltnaturerbe mit der Abholzung «völlig umsonst» verspielt hat. fss

Petition (Januar 2019) zum Verzicht auf die Abholzungen im Selous.

Hintergrund : Afrikas Schutzgebiete in Gefahr – das Beispiel Weltnaturerbe Selous

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Kenia: Bald Todesstrafe für Wilderer ?

Nairobi, 13. Mai 2018 – Kenia will für Wilderer mit einem neuen Gesetz die Todesstrafe einführen. Dies gab laut dem britischen «Independent» Najib Balala bekannt. Der kenianische Minister für Tourismus und Wildlife bezeichnete angesichts der nach wie vor heftigen Wilderei die aktuellen Strafen gegen die Wilderei als unzureichend.   

2017 habe Kenia durch Wilderer 69 Elefanten (landesweit noch rund 34'000 Tiere) und neun Nashörner (rund 1'000) verloren. Erst zu Beginn dieses Monats wurden im Meru-Nationalpark zwei Spitzmaulnashörner und ein Kalb gewildert. In den Sozialen Medien wird die Ankündigung der Todesstrafe für gefasste Wilderer und ihre Hintermänner ebenso frenetisch begrüsst wie entsetzt abgelehnt. 

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Kenia könnte bei einer Verabschiedung des vorgeschlagenen Gesetzes auch Probleme mit der UNO und Menschenrechtsorganisationen bekommen. Diese wollen die Todesstrafe für alle Verbrechen weltweit verbannt wissen. Gegner verweisen überdies auf die grossen Erfolge bei der Bekämpfung des illegalen Wildtötens. Seit 2013, wo die Wilderei einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, sei das Umbringen von Nashörnern um 85 Prozent und jenes von Elefanten um 78 Prozent reduziert worden.

Dabei mitgeholfen haben die verstärkten Abwehrmassnahmen im Busch wie auch der 2013 in Kraft getretene Wildlife Conservation Act, mit dem gefasste Wildfrevler  zu lebenslanger Haft oder einer Geldstrafe von bis zu 200'000 US-Dollar verurteilt werden können. Gestoppt wurde die Wilderei damit aber nicht. Ob sie es mit der Todesstrafe könnte, ist mehr als fraglich. Dem aktiven Töten der letzten Wildtiere auf dieser Erde müssten eher weitere umfassende internationale Massnahmen entgegengesetzt werden – mit mehr politischem Willen, mehr Entschiedenheit und mehr finanziellen Mitteln. fss

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VIRUNGA: RANGERIN GETÖTET UND BRITISCHE TOURISTEN ENTFÜHRT

Virunga, 11. Mai 2018 – Schon wieder ein tödlicher Zwischenfall im Virunga-Nationalpark: Eine kongolesische Rangerin, Rachel Masika Baraka (25), starb durch Kugeln, nachdem ihr Fahrzeug unweit der Stadt Goma in einen Hinterhalt geraten war. Beim letzten Angriff auf Wildhüter im April verloren fünf Virunga-Ranger und ein Fahrer ihr Leben (siehe Artikel weiter unten).

Die ermordete Wildhüterin begleitete laut BBC und lokalen Medien ein britisches Paar, das die letzten Berggorillas aufsuchen wollte. Das Paar wurde stattdessen zusammen mit dem Fahrer entführt. Parkdirektor Emmanuel de Merode bestätigte gegenüber der französischen Presseagentur AFP den Überfall und die Entführung der drei Personen. Wer die Entführer und Killer sind, ist bislang unklar.

Ermordet: Rangerin Rachel Masika Baraka |  © by Foto VNP

Ermordet: Rangerin Rachel Masika Baraka | © by Foto VNP

Im zurzeit für Ranger gefährlichsten Nationalpark Afrikas mit seinen 7'800 Quadratkilometern versuchen rund 800 Ranger, wovon 26 Frauen, Flora und Fauna zu schützen. Allerdings bekriegen, bedienen oder verstecken sich auch auf 2'000 Mann geschätzte Milizen und Banden im Park. Direktor De Merode erklärte im April bereits, dass die Wälder des Virunga-Nationalpark mit seiner letzten Berggorilla-Population zusehends unter enormem Druck geraten. Dabei gehe es vorab um deren Naturschätze wie Holz, Honig und Wildtiere. Das Finden von Ölvorkommen im Park habe weitere Begehrlichkeiten geweckt.

Das britische Aussenministerium hat verschiedentlich seine Bürger und Bürgerinnen davor gewarnt, ohne bewaffneten Schutz in die Kivu-Provinz der Demokartischen Republik Kongo (DRC) zu den Gorillas zu reisen. Die jüngste Entführung von Touristen ist auch nicht die erste. Für den Nationalpark und seine tapferen Beschützer und Beschützerinnen ist jeder Zwischenfall ein herber Rückschlag. Nicht nur, weil sie immer wieder Kollegen und Kolleginnen verlieren, sondern weil der Tourismus in den Virunga Schaden leidet und damit Einnahmen für den Schutz der vielleicht noch etwa 800 verbleibenden Berggorillas ausbleiben. fss

Aktualisierung vom 13. Mai 2018: Das entführte britische Paar ist heil freigekommen. Dies gab heute der britische Aussenminister Boris Johnson bekannt. Gleichzeitig bedankte er sich für die «unermüdlichen» Anstrengungen der Behörden und des kongolesischen Instituts für Naturschutz, die beiden Landsleute und den ebenfalls entführten, aber vorher bereits wieder freigelassenen Fahrer freizubekommen. Er war beim Überfall der nicht näher umschriebenen Angreifer verletzt worden. Mit dem Tod der jungen Wildhüterin Rachel Masika Baraka hat die Virunga-Rangertruppe  seit Jahresbeginn bereits ihr achtes Mitglied durch Angriffe verloren. 

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Tschad: Glückliche Rückkehr der Rhinos

N’Djamena, Johannesburg, 5. Mai 2018 – Im Tschad leben wieder Nashörner! Und zwar seit dem gestrigen Freitag, als ein Transportflugzeug mit sechs Spitzmaulnashörnern im südlichen Zakouma-Nationalpark landete und die Tiere auf tschadrischen Boden ausgeladen wurden. Am Donnerstag waren die aus dem südafrikanischen Addo-Nationalpark stammenden Tiere im Flughafen von Port Elizabeth in Kisten an Bord des Transportflugzeugs gehievt worden.

Die erfolgreiche Translokation sei das Resultat einer «beispiellose Zusammenarbeit zwischen der tschadischen und der südafrikanischen Regierung, African Parks und SANParks», schreibt African Parks in ihrer Medienmitteilung. Die Aktion sei in den letzten beiden Jahren intensiv vorbereitet worden. In Tschad galten Nashörner für fast ein halbes Jahrhundert als ausgerottet. 

Die Regierungen Südafrikas und des Tschad hatten im Oktober 2017 eine Absichtserklärung zur Wiedereinführung der sechs Spitzmaulnashörner in den Zakouma-Nationalpark unterschrieben. In Begleitung eines Teams von erfahrenen Tierärzten wurden die Nashörner während der gesamten Reise betreut, um nach der Landung  zur genauen Überwachung und Akklimatisierung in ein eigens errichtetes Gehege getrieben zu werden. In den folgenden Wochen werden die Nashörner in ein umfassend geschütztes Schutzgebiet im Park entlassen, um ein reibungsloses Einleben in ihre neue Umgebung zu gewährleisten. 

Betäubtes Nashorn wird in Südafrika für den Flug nach Tschad «verpackt» |  Screenshot: www.african-parks.org

Betäubtes Nashorn wird in Südafrika für den Flug nach Tschad «verpackt» | Screenshot: www.african-parks.org

Die in verschiedenen afrikanischen Ländern wirkende Naturschutzorganisation African Parks übernahm 2010 in Zusammenarbeit mit der Regierung der Republik Tschad die Verwaltung des Zakouma-Nationalparks. Sie verwandelte den Park in ein weitgehend sicheres Schutzgebiet durch die Anwendung strenger Gesetze wie auch durch umfangreiche Gemeinschaftsprogramme und spezifische Sicherheitsvorkehrungen für die Wiedereinführung von Nashörnern.

Peter Fearnhead, der Direktor von African Parks: «Durch unsere Partnerschaft mit der Regierung des Tschad konnten wir die Sicherheit in Zakouma wiederherstellen und eine Möglichkeit schaffen, eine zentralafrikanische Population dieser Art in einem sicheren und funktionierenden Park zu bringen. Die heutige Wiederansiedlung ist ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Erhaltung der Nashörner in Afrika wie auch zur Bereicherung des Naturerbes im Tschad.»

Zakouma, einst Tummelfeld von Wilderern, gilt heute als sicheres Gebiet für einige der wichtigsten Wildtierpopulationen der Region. Erstmals wächst auch die Elefantenpopulation wieder. Dies ist nicht zuletzt dem Wirken von Ex-Parkdirektor Rian und seine Gattin Lorna Labuschagne zu verdanken, welche massgeblich am Wiederaufbau des Parks beteiligt waren und heute für die Zoologische Gesellschaft Frankfurt den Serengeti-Nationalpark in Tansania  sichern helfen.

Die beiden waren in den neunziger Jahren auch für das vom FSS  aufgepäppelte Nashorn-Waisenkind Richi verantwortlich, das per Flugzeug tansanischen Kilimanjaro-Airport zur Blutauffrischung nach Port Elizabeth und schliesslich in den südafrikanischen Addo-Nationalpark transferiert wurde.  Für die Wiederansiedlung der Nashörner im tschadischen Zakouma-Nationalpark wurden nebst anderem eine berittene Rhino-Ranger-Einheit formiert sowie eine Luftraumüberwachung installiert.  fss

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«Elefanten-Mutter» Daphne Sheldrick hat die Herde verlassen

Nairobi, 14. April 2018 – Die in Kenia geborene und aufgewachsene «Elefantenmutter» Daphne Majorie Sheldrick starb am 12. April 2018 im Alter von 83 Jahren an Krebs. Dies berichtet die BBC. Berühmt geworden war die geadelte Elefantenretterin mit ihrer 1977 gegründeten und nach ihrem verstorbenen Ehemann benannten Wohltätigkeitsorganisation «David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT)». 

Mit dieser spezialisierte sich Daphne Sheldrick in der gleichnamigen Aufzuchtstation in der Nähe von Nairobi auf die Rettung und spätere Auswilderung verwaister Elefantenkälber, deren Eltern Dürren nicht überlebten oder von Wilderern umgebracht worden waren. 

«Dame» Sheldrick in jüngeren Jahren |  Screenshot aus www.sheldrickwildlifetrust.org

«Dame» Sheldrick in jüngeren Jahren | Screenshot aus www.sheldrickwildlifetrust.org

Für das Grossziehen der Elefantenbabies entwickelte Sheldrick im Laufe fast dreier Jahrzehnte eine den Tieren angepasste Flaschenernährung mit eigener Milchformel. Diese muss aus pflanzlichen Fetten hergestellt werden, da Elefantenkinder Kuhmilch nicht vertragen und daran sterben. Um die 230 kleine Elefanten konnten so im Laufe der Zeit vor dem Tod gerettet werden.

Daphne hatte bereits als Kind und Tochter eines britischen Landwirts in Nakuru junge verwaiste Wildtiere aufgezogen und wieder frei gelassen. Zu Beginn half sie dem britischen und ebenfalls in Kenia aufgewachsenen Mann David Sheldrick (1919 - 1977), dem Hauptbegründer des Tsavo-Nationalparks. Als David im Juni 1977 an einem Herzinfarkt starb, führte sie einen Teil der gemeinsame Arbeit fort und wurde als «Mutter der Elefanten» weltberühmt.

Sie veröffentlichte mehrere Bücher, belebte Reportagen und Dokumentarfilme, worunter auch «Born to be wild». Im Jahre 2000 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der schottischen Universität Glasgow. Und sechs Jahre später wurde sie von der britischen Königin Elisabeth II zur «Dame Commander of the Order of the British Empire» geschlagen. 

Mit Daphne Sheldrick hat die Welt zweifellos eine der engagiertesten Wildtierschützerinnen verloren. Nicht verwunderlich, dass ihre grösste Sorge die Elefantenwilderei war. Erst 2016 warnte sie noch, die Waldelefanten Zentralafrikas könnten bis 2025 ausgerottet worden sein. fss

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Ermordet: Sechs Ranger im Virunga-Nationalpark

Virunga, 10. April 2018 – Schwerer Rückschlag für die Rangertruppe des Virunga-Nationalparks im Nordosten von Kongo-Kinshasa: Fünf Wildhüter und ein Fahrer starben gestern am frühen Montagmorgen im Kugelhagel der marodierenden Mai Mai-Miliz. Ein Wildhüter überlebte verletzt. Dies gaben die Parkbehörden noch am gleichen Tag bekannt. Noch nie hätten im Virunga bei einem Angriff so viele Ranger ihr Leben verloren.

Heute erklärte Chief Warden Emmanuel de Merode in einer Medienmitteilung: «Wir sind zutiefst betrübt über den Verlust unserer Kollegen. Virunga hat einige ausserordentlich mutige Ranger verloren. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Ranger von Virunga weiterhin den höchsten Preis für die Verteidigung unseres gemeinsamen Erbes zahlen. Wir sind zutiefst schockiert, dass ihr Leben auf diese Weise verkürzt wurde. Wir sprechen den Familien, Ehefrauen und Kindern, die sie zurücklassen, unser tief empfundenes Beileid aus. Wir werden uns weiterhin für eine bessere Zukunft des Ostkongos einsetzen.»

Ranger-Patrouille im Virunga |  © Foto by vnp

Ranger-Patrouille im Virunga | © Foto by vnp

Umgekommen sind bei dem mörderischen Angriff im zentralen Sektor des für seine Berggorillas berühmten Nationalparks diese Männer: Jean de Dieu Byamungu (25),Barthelemie Kakule Mulewa (28), Théodore Kasereka Prince (25), Liévin Mumbere Kasumba (28), Kananwa Sibomana (22) und der Fahrer Ila Muranda (30). Ein Ranger verdient im Virunga monatlich 250 Dollar.

Bedroht wird der heute auch von der EU und dem amerikanischen Milliardär Buffet unterstützte Nationalpark insbesondere durch wildernde Milizen, Banditen, Rebellen und Militärs. Hinzu kommen professionelle Wilderer und Holzräuber. Trotz aller Widrigkeiten konnte sich die Population der Berggorillas seit 1997 von rund 300 bis heute 1000 Tieren erholen.

Der 7'835 Quadratkilometer grosse Virunga-Nationalpark an der Grenze zu Uganda und Ruanda wurde von der belgischen Kolonialmacht 1925 als «Albert-Nationalpark» gegründet. Er ist der erste Nationalpark Afrikas. Heute gilt er für die Wildhüter als einer der gefährlichsten Schutzgebiete des Kontinents. Sein seit 2008 aktiver Direktor  Emmanuel de Merode stammt aus einem belgischen Adelsgeschlecht. Er hat sich als Anthropologe, engagierter Naturschützer, Pilot und Buchautor einen Namen gemacht. 

Mit den jetzt ermordeten Mitarbeitern steigt im Virunga-Nationalpark die Zahl auf insgesamt 175 umgebrachte Ranger. Für die Touristen, so Merode, bestehe weiterhin keine erhöhte Gefahr beim Besuch der Gorillas und der zauberhaften Vulkanlandschaften. fss

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Sensation: Elefanten-Zwillinge im Tarangire-Nationalpark

Arusha, 8. April 2018 – Ein seltener Glücksfall wird aus dem nordtansanischen Tarangire-Nationalpark gemeldet: Das Dasein eines Paars von Elefanten-Zwillingen, die vor etwa acht Monaten auf die Welt kamen. Zwillinge sind bei den Rüsseltieren eine Sensation. Sie sollen laut Forschenden gerade einmal 1 Prozent aller Elefantengeburten ausmachen.

«Die Zwillinge waren ursprünglich recht mager, und wir waren besorgt, dass sie nicht überleben würden», liess der Elefantenforscher Charles Foley in einer von UPI verbreiteten Medienmitteilung verlauten. Foley, der den Tarangire wie seine Hosentasche kennt und jahrelang von den Freunden der Serengeti Schweiz (FSS) unterstützt wurde, ist heute Direktor des Tarangire Elephant Project der US-amerikanischen Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS).

Schnell zu Muttern: Zwillings-Elefanten im Tarangire |  © Foto: WCS

Schnell zu Muttern: Zwillings-Elefanten im Tarangire | © Foto: WCS

Die Mutter der Zwillinge heisst Eloise. Die Leitkuh hat das für eine Zwillingsgeburt ausserordentlich hohe Alter von rund 57 Jahren. Ihr beiden Kälber, die bis zu vier Jahren auf Muttermilch angewiesen sein können, haben unterdessen deutlich an Gewicht gewonnen. Grund: Eloise fand im vor kurzem staubtrockenen Tarangire viel Futter —dank der letzten Regen und dem grünen Gras.

Für Elefantenforscher Foley sind die Zwillinge ein Grund zur Zuversicht: «Die Elefanten im und um den Tarangire -Nationalpark werden von den Rangern und lokalen Gemeinschaften gut geschützt. Unter der Anleitung einer erfahrenen Matriarchin wie Eloise haben wir grosse Hoffnungen auf ihr Überleben. Kommt hinzu, dass jedes geborene Elefantenkalb ein Schritt zur Erholung der Art bedeutet. Umso mehr wenn es Zwillinge sind.» fss

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Ausgerottet: Der letzte Nördliche Breitmaulnashorn-Bulle starb in Kenia 

Nairobi, 19. März 2018 – Sudan, der 45 Jahre alte Rhinobulle musste heute im kenianischen Wildschutzgebiet von Ol Pejeta wegen schwerer Altersgebresten eingeschläfert werden. Damit hat die Erde das letzte verbliebene männliche Nördliche Breitmaulnashorn verloren. Zurück bleiben die letzten beiden Weibchen dieser Unterart –  Sudans Tochter Naijin (27) und seine Enkelin Fatu (17). 

Der 2,5 Tonnen schwere Bulle erreichte ein stolzes Alter (90 Menschenjahre). Er wurde in der Wildnis des Süd-Sudans geboren, eingefangen und nach Tschechien gebracht, wo er bis 2009 im Dvur Kralove Zoo lebte, um dann nach Ostafrika zurückgebracht zu werden. Sein Tod, sagte der tschechische Zoodirektor Jan Stejskal gegenüber der Agentur AFP, sei auch «ein grausames Symbol für die Missachtung der Natur durch den Menschen». 

Tatsächlich wurde die Unterart der Nördlichen Breitmaulnashörner durch die Wilderei in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts beinahe ausgelöscht. In Zentralafrika, Tschad, Sudan und Uganda überlebte keines der Tiere die Nachfrage aus China («Medizin») und dem Jemen (Griffe für den Krummdolch). WissenschafterInnen wollen nun versuchen, durch In vitro-Fertilisation die Unterart Nördliches Breitmaulnashorn zu «retten».  In New York wurde eine Skulptur mit Sudan, Naijin und Fatu aufgestellt. Ihre Name: «Die letzten Drei». fss

Die Todesanzeige Sudans auf Twitter  Screenshot

Die Todesanzeige Sudans auf Twitter Screenshot

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Internet-Giganten wollen Wildtierhandel im Netz bekämpfen

New York. 15. März 2018 – Kampfansage an den illegalen Wildtierhandel im World Wide Web: Eine Koalition von Unternehmen der Technologiebranche hat sich darauf geeinigt, Online-Plattformen und Apps für den Handel mit gefährdeten Arten unbrauchbar zu machen.

Die weltweit tätige Gruppe aus E-Commerce-, Technologie- und Social-Media-Unternehmen will mit Experten und Expertinnen des World Wildlife Fund (WWF), des Traffic International und des International Fund for Animal Welfare (Ifaw) zusammenarbeiten. Das melden die Umweltschutzorganisationen.

Ziel der Global Coalition to End Wildlife Trafficking Online ist es, den Handel auf Internetplattformen bis 2020 um 80 Prozent zu stoppen oder zu reduzieren. Der jährliche Wert der Wildtierkriminalität beträgt weltweit zirka 20 Milliarden Dollar. Geschätzte 20'000 afrikanische Elefanten werden jedes Jahr für ihre Stosszähne getötet.

Der WWF, Traffic und Ifaw werden Daten zu Handelstrends, Schulungsmaterialien, Politikberatung und Aufklärungsinformationen zur Verfügung stellen, um den Nutzern zu helfen, illegale Produkte aufzuspüren. Die Koalition sagte, es sei wichtig sicherzustellen, dass soziale Medien und E-Commerce-Plattformen nicht von kriminellen Tierhändlern ausgenutzt werden, da die traditionellen physischen Märkte für den Handel mit Wildtieren veraltet seien.

Auch kleinere Organisationen wie Bigcatrescue.org wehren sich gegen den illegalen Handel |  Screenshot

Auch kleinere Organisationen wie Bigcatrescue.org wehren sich gegen den illegalen Handel | Screenshot

Unter den beteiligten Firmen sind Alibaba, Google, Microsoft, eBay, Mall for Africa, Etsy, Baidu, Baixing, Huaxia Collection, Qyer, Kuaishou, Pinterest, Ruby Lane, Shengshi Collection, Tencent, Wen Wan Tian Xia, Zhongyikupai, Zhuanzhuan, 58 Group und Tencent.

Jedes Unternehmen soll in Zusammenarbeit mit WWF, Traffic und Ifaw, die derzeit an der Überwachung des weltweiten Handels mit gefährdeten Arten beteiligt sind, Richtlinien und Lösungen entwickeln und umsetzen, um den Online-Handel mit Wildtieren zu beenden. Wichtig sei laut den Organisatoren die Vermeidung einer inkonsequenten Durchsetzung. Grund: Diese erzeuge einen so genannten "whack-a-mole"-Effekt, bei dem Anzeigen von einer Seite entfernt werden können, um woanders aufzutauchen. Dies soll ebenfalls verunmöglicht werden.

Der FSS hat in einem Hintergrundbericht den kriminellen Wildtierhandel im Internet thematisiert und darauf hingewiesen, dass mit solchen Massnahmen weder das Darknet noch das ungleich grössere Deep Web erfasst werden könne. fss

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FSS für Einsatz geehrt

Ruedi R. Suter

Freude bei der Naturschutzorganisation Freunde der Serengeti Schweiz (FSS): Tansania lobt ihre Mitglieder für ihren jetzt 35 Jahre dauernden Einsatz beim Schutz der afrikanischen Natur als «Best Conservation Partner»,

Die bemerkenswerte Auszeichnung erhielt die Nichtregierungsorganisation FSS von der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA. Es ist ein Zertifikat zur «herausragenden Unterstützung für den Naturschutz und den nachhaltigen Tourismus» im ostafrikanischen Land.

Die Anerkennung in Form einer geprägten Platte mit Urkunde konnte die tansanische FSS-Projektassistentin Susan Peter Shio am 19. Juni 2019 in Anwesenheit von Hamisi Kigwangala, Minister für Naturressourcen und Tourismus, im Mount Meru Hotel in der nordtansanischen Stadt Arusha in Empfang nehmen (Titelbild).

FSS-Präsident Adrian Schläpfer erreichte die frohe Kunde im finnischen Helsinki. In einer ersten Reaktion zeigte er sich hocherfreut. Nicht zuletzt auch darum, weil der Schweizer Verein in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiern kann und die Auszeichnung als eine wichtige Würdigung aller bisherigen Bemühungen bei der Erhaltung der Natur und des Wildschutzes eingestuft werden könne.

Spezial-Anerkennung für David Rechsteiner

Susan Shio konnte aber auch noch eine zweite Auszeichnung in Empfang nehmen: Einen Sonderpreis für den kürzlich verstorbenen Unternehmer und FSS-Mitbegründer David Rechsteiner. Ihm hat die TANAPA unter anderem auch das Grundstück in Arusha zu verdanken, auf dem heute das Hauptquartier der Behörde steht.

Dem langjährige Afrika-Delegierten des FSS und seiner Familie wurde so post mortem für seine vielseitige Unterstützung beim Schutz der tansanischen Nationalparks gedankt.

«Wir fühlen uns sehr geehrt, diese Auszeichnungen erhalten zu haben», meldete Projektassistentin Susan Peter Shio in die Schweiz. Ebenfall im Vorstand wurden die Ehrungen mit grosser Befriedigung zur Kenntnis genommen. Auch deshalb, weil die Arbeit in Tansania mit seinen politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen alles andere als einfach ist und die Informationspolitik des FSS auch die Probleme offen thematisiert. rs / sps

Titelbild: Susan Shio nimmt Preis für den FSS entgegen | © Foto by TANAPA

Das Dokument, das den FSS ehrt.

Das Dokument, das den FSS ehrt.





Bald Safaris ohne Plastikmüll?

Ruedi R. Suter

Selbst der «Natur-Kontinent» Afrika mit seinen Wildtieren droht im Plastik zu ersticken. Etliche Länder haben den endlos scheinenden Kampf gegen den kaum abbaubaren Kunststoff aufgenommen. So auch Tansania, das ab jetzt Reisenden mit Plastiktüten die Leviten lesen will.

Plastik, Plastik, überall Plastik. Plastikabfall am Boden, Plastikpartikel im Wasser, Plastiksäcke in den Baumkronen, vom Wind in die Äste geweht, Mikroplastik im Essen, in den Mägen der Wildtiere und der Menschen, kurzum – kaum mehr ein Plätzchen auf dieser Erde ohne Plastik. Auch im einst so wilden und weitläufigen Naturkontinent Afrika nicht, was im Magazin «Habari» schon vor Jahren thematisiert wurde.

Steht dem Menschen die Plastikflut am Hals, sollte er zu handeln beginnen.

In Afrika ist man da in gewissen Gebieten schon vorbildhaft initiativ. Immer mehr Länder erklären den Plastik zum Staatsfeind. Zum Beispiel in Ghana, Uganda, Marokko und Eritrea. Selbst im kriegszerrütteten Kongo-Kinshasa versucht im Osten die Stadt Goma ein Verbot umzusetzen.

Auch Tansania wacht auf

Im nahen Tansania hat sich in dieser Woche die Regierung ebenfalls durchgerungen, dem gewaltigen Plastikproblem vermehrt den Kampf anzusagen. So veröffentlichte das Büro des Vizepräsidenten am 16. Mai 2019 eine «Notiz an die Reisenden, welche Tansania besuchen möchten».

Die Weisung fordert, keine Plastiktragtaschen und Ähnliches mehr mitzuführen: «to avoid carrying plastic carrier bags or packing plastic carrier bags or items in plastic carrier bags...». Wer dennoch so etwas mitbringe, müsse es bei seiner Ankunft abgeben. In besonderen Fällen können Ausnahmen gemacht werden. In seiner Notiz (siehe unten) versichert das Büro des Vizepräsidenten, die Umwelt schützen zu wollen, «um unser Land sauber und schön» zu halten.

Ist der Plastikmüll noch zu bewältigen?

Doch vor allem um Städte und Dörfer ist nichts mehr «sauber gehalten». Dass es dazu noch gigantische Anstrengungen braucht, ist auf Anhieb überall sichtbar. Und dass Plastik nicht nur in Einkaufs- und Tragtüten, sondern heute in fast jedem Gebrauchsgegenstand, in der Bauindustrie, Landwirtschaft und Autoindustrie beispielsweise verwendet wird, sieht sich Afrika wie die ganze Welt bei der Eliminierung des Erdölprodukts Plastik vor einer womöglich unlösbaren Aufgabe gestellt.

Eingedämmt werden aber kann wenigstens das «Plastifizieren» des Planeten.

Nicht zuletzt in Afrika, wo Kenia 2017 ein strenges Kein-Plastik-Gesetz erliess. Wer sich da noch an einer Plastiktüte vergreift, kann für vier Jahre ins Gefängnis wandern. Oder PlastiksünderInnen müssen bis zu 40 000 US-Dollar hinblättern.

Ruanda macht der Schweiz etwas vor

Den konsequentesten Plastik-Bann haben aber die Menschen Ruandas umgesetzt. Seit Jahren schon wird – dank klarem Gesetz und guten Kontrollen mit harten Strafen – auf den Umweltkiller Plastik verzichtet.

Mit verblüffendem Erfolg, melden uns Reisende aus Ruanda. Das Land sei vielerorts sauberer als die Schweiz, das dem Kunststoff auch mangels Alternativen immer noch kräftig zuspricht – und in dem Kühe und Wildtiere zuweilen an verspeistem Plastikmüll sterben. fss

Titelbild: Kollage – Impalaherde mit alter Blumenzucht-Anlage und zerschlissenem Sondermüll-Plastik, von denen es viele hat in Ostafrika | © Fotos by R.Suter

Das Schreiben aus dem Büro des tansanischen Vizepräsidiums:

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Wildtiere – auch Opfer des Totschweigens

Ruedi R. Suter

Das Leiden der gejagten Wildtiere Afrikas hat der bekannte Umweltjournalist Karl Ammann über 40 Jahre in Filmen, Büchern und Artikeln festgehalten. Ebenso den illegalen Wildtierhandel in Asien. Entstanden sind erschütternde Dokumentationen der Tierquälerei und Artenvernichtung. Sie müssten Umweltinstitutionen und Regierungen umgehend zum konsequenteren Handeln bewegen. 

Doch davon ist man weit entfernt. Eher werden Ammans Recherchen ignoriert, von den Medien «entschärft» oder von einem Teil des Publikums verdrängt. Opfer sind die letzten Jägervölker und deren Wildtiere. Betroffen sind aber auch jene Medienleute, die ehrlich auf derartige Missstände aufmerksam machen wollen, jedoch kaum mehr Gehör finden und ihre Arbeiten absetzen können. Grund: Die Welt hat überall angenehmer zu sein als sie in Wirklichkeit ist. Das torpediert die letzten Chancen einer Veränderung.

Von Ruedi Suter — FSS

Überbringer schlechter Nachrichten sind gefährdet. Nicht, weil sie – wie früher – nach Erfüllung ihrer Aufgabe umgebracht werden könnten. Immerhin sind wir Angehörige einer zivilisierten Gesellschaft, gebildet, aufgeklärt, scheinbar umfassend informiert. 

Doch Boten niederschmetternder Botschaften aus Krisengebieten riskieren mehr als ihr Leben. Wenn sie ihre Nachricht überbringen, müssen sie damit rechnen, dass man ihnen nicht glaubt – oder dass ihre Botschaft ignoriert wird und folgenlos bleibt. Das zehrt an den Nerven des Boten, lässt ihn zweifeln am Sinn seines Wirkens und – am Verstand all jener, welche nicht reagieren wollen. 

Müssen Leserinnen und Leser geschont werden?

Es ist ein Zustand, den Kriegsreporter oder Umweltjournalisten wie Karl Ammann nur allzu gut kennen. Ein Zustand, der sich in den letzten Jahrzehnten mit dem Niedergang des Qualitätsjournalismus verstärkte. Dieser bemüht sich stets auch um vertiefte Hintergrundberichterstattung, um so den komplexen Realitäten einigermassen gerecht zu werden. 

Nachforschungen: Karl Ammann mit Polizeioffizier, Ostkamerun |  © Foto by Ruedi Suter

Nachforschungen: Karl Ammann mit Polizeioffizier, Ostkamerun | © Foto by Ruedi Suter

Allerdings kennt auch der Qualitätsjournalismus seine Einschränkungen. Die vielen Toten der Kriege, Naturkatastrophen und Umweltzerstörungen werden bildlich kaum je gezeigt. Die Leserinnen und Leser sollen geschont werden. 

Mit der Schonung aber wird der Leserschaft ein entscheidender Teil der Wirklichkeit vorenthalten. Kriege werden – im Gegensatz zur einstigen Vietnam-Berichterstattung – für heutige Medienkonsumenten zu technischen Zaubereien, die Infrastrukturen verwüsten, aber kaum Menschen und Tiere treffen. Damit werden Kriege für die Zuschauer abstrakter und – erträglicher. Aber hilft das den Opfern?

«Wir müssen die Dinge zeigen wie sie sind»

«Nein», ist der Filmer Karl Ammann (71) überzeugt. «Wir müssen die Dinge zeigen wie sie sind. Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie hinschauen wollen oder nicht.» Der Schweizer ist eine Art Kriegsreporter – im andauernden, von der Öffentlichkeit nur schemenhaft wahrgenommenen  Vernichtungsfeldzug gegen die tropische Fauna und Flora Afrikas und Asiens. 

Seit über 40 Jahren überbringt Bote Ammann aufgrund der Situationen vor Ort vorab schlechte Nachrichten. Dies mit dem Anspruch, wahrheitstreu zu rapportieren. Wo anhaltend getötet, vertrieben und zerstört wird, sind Momente der Hoffnung eine Seltenheit. Damit müssen Journalisten und Journalistinnen umgehen können. 

Es gilt, nicht durchzudrehen,abzustumpfen oder depressiv zu werden. Es gilt, die Erwartungen in die Wirksamkeit des eigenen Tuns zu reduzieren. Wer informieren und aufklären will, Grundprinzipien eines engagierten Journalismus, muss sich bewusst sein, allenfalls gar nichts zu erreichen. 

«Niemand soll sagen können: Das haben wir nicht gewusst»

Karl Amman, geprägt von den heillosen Zuständen im afrikanischen Busch und den Märkten in asiatischen Boomstädten, hat im Laufe all der Jahre die Erwartungen in den investigativen Umweltjournalismus und dessen Wirkung aufs Publikum in einen Satz reduziert: «Niemand soll einmal sagen können: Das haben wir nicht gewusst.» Mehr erwartet er nicht mehr für seine Themen – Zerstörung der Artenvielfalt, Wilderei und weltweiter illegaler Wildtierhandel. 

2004 war ich erstmals mit ihm unterwegs – in den von Holzindustrien und Siedlern angegriffenen Urwäldern Kameruns. Für ihn eine Reise unter vielen – als Reporter und Zeuge in Sachen Naturzerstörung. Wiederholt wurden seine Reisen in die angetasteten Zonen des Kongobeckens durch behördliche Schikanen, Tiermassaker, Attacken, Unfälle, Krankheit oder Einschüchterungen erschwert. 

Karl Ammann hatte mich aufgefordert, mitzukommen. Ich solle mir selbst ein Bild von den Abholzungen, der Wilderei und dem Elend vertriebener «Pygmäen» machen. Eine gute Gelegenheit, den auch von beruflichem Neid und Missgunst seiner Kollegen verfolgten Mann kennenzulernen.

Aus “Consuming Nature”: Buschfleisch, rechts Hand eines geschützten Gorillas |  © Fotos by Karl Ammann

Aus “Consuming Nature”: Buschfleisch, rechts Hand eines geschützten Gorillas | © Fotos by Karl Ammann

Die Tragödie der konsumierten Natur

Ich wollte ja auch wissen, wie der mir bislang persönlich nicht bekannte und von Behörden und etlichen Umweltorganisationen angefeindete Schweizer arbeitete. Wer war der Kerl? Ein Selbstdarsteller? Einer, der in seinem äusserst schwierig nachprüfbaren Arbeitsgebiet schummelte? Ein Schwarzmaler oder Adrenalin-Junkie, der sich getrieben immer wieder unberechenbaren Gefahren aussetzen musste?

So trafen wir uns in Kamerun und reisten zusammen durch die Urwälder an die Grenze von Kongo-Brazzaville. Wir stiessen in nur zwei Wochen auf all das, was Ammann in seinem erschütternden Fotoband über Buschfleisch und das Umbringen von geschützten Tierarten für kommerzielle Zwecke («Consuming Nature») dem Europa Parlament zuvor gezeigte hatte.

Zu sehen waren vertriebene Ureinwohner, elendiglich eingesperrte oder angekettete Gorillas und Schimpansen, schmerzhaft verschnürte Reptilien, zerstückelte Antilopen, massakrierte Elefanten, zahllose erlegte Wildtiere für die Fleischmärkte in Afrika und Europa - kurzum eine Augen öffnende Dokumentation gegen das ultimative Leerwildern Afrikas und die unfassbare Gewalttätigkeit des Menschen gegenüber der Natur. Ein Buch, das einige Interessierte der quälenden Bilder wegen sofort wieder weglegten. 

Als «Radikaler» angefeindet oder abgewiesen

Ammann schien auf unserer Reise wie gewohnt zu arbeiten. Er zwang sich, überall genau hinzusehen und so gut wie möglich aufzuzeichnen, was uns begegnete und mitgeteilt wurde. Akribisch sammelte und filmte er alle Hinweise, wie nationale und internationale Unternehmen, Beamte, Militärs, Geschäftsleute, zugezogene Siedler und Lastwagenfahrer den Wildtieren und indigenen Jägervölkern die Lebensgrundlagen angreifen: Zeit, Koordinaten, Namen, Aussagen und Umstände.

Hierzu nützte dem in St. Gallen aufgewachsene Schweizer offensichtlich sein Wissen als Ökonom, seine Gabe als Filmer und seine Hartnäckigkeit als investigativer Journalist. 

Diese Kombination von Fähigkeiten hat ihm ebenso Auszeichnungen gebracht wie Kritiken in den Etagen von Umweltkonzernen wie World Wide Fund for Nature (WWF) und Wildlife Conservation Society (WCS). Sie kreiden dem Einzelgänger seine «Radikalität» an. Der gleiche Vorwurf kommt von Vertretern des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES, die ihn, so Ammann, lieber fern halten als seine Hinweise überprüfen würden. 

Vom Angebot in Afrika zur Nachfrage in Asien

Ich erlebte einen Kollegen, der mit ruhiger Stimme die komplexen Zusammenhänge der Zerstörung dieses grünen Paradieses erläuterte, den eine spürbare Liebe zum Mitwesen Tier bewegt, der jede Information sammelte und gegenprüfte und der jeweils mit feinem Humor die Unzulänglichkeiten des Menschseins kommentierte. Ein Humor, untermalt von einem leisen Lächeln, das dem Artenschützer über alle Frustrationen hinweg zu helfen scheint. 

Wie in Afrika Abholzungen, Fleisch- oder Trophäenwilderei sowie deren nationale und internationale Vermarktung funktionieren, dies hat Ammann jahrelang dokumentiert und via Artikel, Bücher und Filme der Fachwelt, Behörden, Gremien der UNO und des EU sowie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 

Längst ist ihm klar: «Afrika ist schlecht regiert, Korruption und Armut leisten dem Raubbau an der Natur Vorschub. Zudem hat es Afrika schwer, die Ressourcen für den Schutz der Wildtiere und Ökosysteme zu finden. So lange es eine Nachfrage in Asien gibt, wird es auch ein Angebot in Afrika geben. »

In den letzten Jahren hat sich der Schweizer jedoch auf unabhängige Recherchen und Berichte zur Nachfrage konzentriert. Also: Wie sieht der illegale Handel mit Wildtieren genau aus? Wohin werden die Tiere lebend oder tot gebracht? 

CITES in Kusch-Haltung vor China

Wie und wohin werden beispielsweise wild gefangene Menschenaffen, Elefanten, Grosskatzen, Vögel und Fische aus Afrika transportiert? Und wo landen die tierischen Körperteile wie Fleisch, Elfenbein, Rhino-Nasenhorn, Pangolin-Schuppen, Federn, Krallen, Häute, Fette und Innereien? In Asien, vorzugsweise in China, hat – neben anderen – Ammann unterdessen mit seinen teils verdeckten Recherchen festgehalten und vor allem via die angloamerikanischen Medien bekannt gemacht. 

«Trotz aller Beteuerungen sind die Kontrollsysteme in Ländern wie China, Laos, Vietnam, Burma und Thailand völlig unzureichend, der illegale Handel floriert im Versteckten», erkannte Ammann. Und das Artenschutzabkommen CITES wage es aus Angst vor China nicht einmal, seine Kompetenzen auszunutzen und Druck aufzusetzen, um dem Treiben ein Ende zu setzen.

In der Schweiz eingeschlagen ist unter anderem sein Film über die Häutung lebender Würgeschlangen in Asien, deren Häute vor ab an die schweizerische Uhren- und Lederindustrie geliefert werden. Trotzdem werden die Schlangenhäute weiter importiert. «Wir verlieren an allen Fronten und sind nicht bereit, uns diesen Realitäten zu stellen», meint der Filmer achselzuckend.

Gejagt, gefangen, geplagt und «geschützt»: Schimpanse im Autofriedhof |  © Foto by Karl Ammann

Gejagt, gefangen, geplagt und «geschützt»: Schimpanse im Autofriedhof | © Foto by Karl Ammann

Der unablässige «Verkauf schöner Gefühle»

Auch einflussreiche Medien versagen. Zeitungen verzichten ganz auf Ammans Berichte oder auf erschüttende Bilder in seinen Artikeln. Seine Filme werden immer mal wieder abgeschwächt, «zu harte Szenen» herausgeschnitten, dafür aber mit «Hoffnung machenden End-Szenen» ergänzt. Auch hier sollen Zuschauer und Leserschaft «geschont» werden. 

Eine Erfahrung, die auch andere Medienleute mit ähnlichem Interesse machen. Erst kürzlich hat ein Ressortleiter der «NZZ am Sonntag» einen Artikelvorschlag über die wachsenden und teils nicht bekannten Probleme der Serengeti abgelehnt. Begründung: Das sei zu kompliziert und zu wenig interessant für die Leserschaft.

Es sei die gleiche Haltung, diagnostiziert Ammann, hinter einer ähnlichen Methode, die einige grosse, auf Spenden und Sponsoren angewiesene Umweltkonzerne anwenden. Wunderbare Welten vorgaukeln, die teils schon nicht mehr existierten, diagnostiziert Journalist Ammann: «Anstelle der harten Realität werden einfach schöne Gefühle verkauft.» Und dies alles zu Lasten der Wahrheit, der Indigenen und der Wildtiere.

Adrian Schläpfer: «Wir müssen auch Trauriges wahrnehmen»

Dass es auch anders geht, dass es ein Interesse an unzensierten Vorgängen im Abwehrkampf gegen Artenschwund, Wilderei und illegalen Wildtierhandel gibt, zeigte sich am 27. April 2019 an der Mitgliederversammlung des Vereins Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) in Zürich. «Wir müssen auch die traurigen Tatsachen wahrnehmen», begrüsste FSS-Präsident Adrian Schläpfer die rund 100 Interessierten, welche sich zum Vortrag von Karl Ammann eingefunden hatten. 

Als langjähriger Vizedirektor in der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und als ehemaliger Botschafter in Tansania weiss Schläpfer, dass Probleme nur dann gelöst werden können, wenn sie zuerst einmal so umfassend wie möglich erkannt wurden. Sie aber in ihrem wahren Ausmass zu ignorieren, führt in die Katastrophe. Und in diesem Fall zum Kollaps der Artenvielfalt – mit unvorstellbaren Folgen für unsere Erde.

«Nichtstun ist keine Alternative!»

Eine Organisation wie der FSS müsse deshalb – neben der eigentlichen Schutzarbeit vor Ort – mehr denn je Sensibilisierung und Informationsvermittlung betreiben. «Wir wissen um die schlimmen Entwicklungen, lassen uns bei unserem Engagement in Tansania jedoch von einem realistischem Optimismus tragen. Denn Nichtstun ist keine Alternative!», schloss Schläpfer am Ende einer lebhaften Diskussion zwischen dem Referenten und dem Publikum, das sich mit bemerkenswertem Engagement dem schwierigen Thema stellte.

Der Zufall wollte es, dass um dieses Wochenende mit Ammans Vortrag zwei wichtige Ereignisse bekannt wurden. Erstens ging die Konferenz des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) in Paris zu Ende. 132 Mitgliedstaaten unterschrieben einen Bericht über den alarmierenden Zustand beim globalen Artenschwund, was bereits als «grosser Erfolg» gefeiert wurde. Zweitens wurden 2018 gemäss dem Stockholmer internationalen Friedensforschungsinstitut SIPRI weltweit rund 1,82 Billionen US-Dollar für Militärausgaben verwendet – der höchste Stand seit dem Ende des Kalten Krieges.

Titelbild: Karl Ammann mit Satelliten-Telefon , 2004, Ostkamerun | © Foto by Ruedi Suter

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In Afrikas Wäldern tobt ein verdrängter Krieg
«In Afrikas Regenwäldern braucht es Undercover-Aktionen»

Der Triumph der Umweltverachter über den Umweltjournalismus

The man risking his life to expose the destruction of the tiger (Mai 2019, “Washington Post”)

Verdrängte Artenschutzprobleme |Medienmitteilung FSS 2.5.19.jpg






























































FSS begeht 35. Geburtstag mit Wahlen und Warnungen

Ruedi R. Suter

Seine 35. Jahresversammlung hielt der Verein Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) am 27. April in Zürich ab. Neu in den Vorstand wurden Karin und Erich Tschannen gewählt.

Kassier Robert Bickel, der sich als Pensionär neuen Aufgaben widmen will, übergab sein Amt an Barbara Trentini. In einer Gedenkminute wurde an den verstorbenen FSS-Mitgründer und langjährigen Afrika-Delegierten David Rechsteiner gedacht.

Zürich, 27. April 2019 – FSS-Präsident Adrian Schläpfer hielt mit einer Bildpräsentation Rückschau auf 2018. Tenor: Erfolge und Probleme halten sich die Waage, bedingt durch ein stets schwieriger werdendes Umfeld vorab in Tansania. Der FSS aber sei gut gerüstet, nicht zuletzt dank seiner engagierten Mitglieder und der Donatorinnen und Donatoren.

«Afrikas Wildtiere am Ende?»

So stand es provokativ in der Einladung zum Vortrag von Artenschützer Karl Ammann. Der investigative Filmer und Wirtschaftsfachmann beantwortete die Frage vor gegen 100 ZuhörerInnen mit Bedacht.

An allen Fronten werde dem Wild zugesetzt. Gegen Wilderei und illegaler Wildtierhandel würden die meisten Regierungsstellen und Artenschutzorganisationen vorab aus wirtschaftlichen Interessen zu wenig konsequent vorgehen. Auch die Medien würden den Ernst der Lage zu wenig erfassen und stattdessen hauptsächlich Wohlfühlgeschichten über Tiere und Wildnis publizieren.

Hier anzusetzen sei dringend, ansonsten die ultimativ letzte Chance zur Bewahrung der Wildtiere vertan sei, warnte Ammann in seinem erschütternden Vortrag zur masslosen Ausbeutung und Vermarktung der Fauna in Afrika und Asien.

Titelbild: Filmer Karl Ammann und FSS-Präsident Adrian Schläpfer | © Foto by R.Suter

David Rechsteiners letzte Safari

Ruedi R. Suter

David Rechsteiner hat seine letzte Safari angetreten. Der Schweizer Artenschützer, Kaffeeproduzent und Tansaniakenner ist am 31. März 2019 kurz nach seiner Rückkehr ins Zürcher Oberland nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren verstorben.

Als treibende Urkraft des Vereins Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) hat er zusammen mit seiner Frau Lilian der Organisation in Tansania nachhaltig Respekt verschafft. Wir erinnern uns an einen aussergewöhnlich vielseitigen Manager, Buschläufer, Tier- und Menschenfreund.

David Rechsteiner war ein Kämpfer. Und er hätte in Afrika schon viele Tode sterben können. Aber das Schicksal war ihm hold. Immer entkam er auf seinen zahllosen Märschen durch die Wildnis Elefanten, Nashörnern, Flusspferden oder Grosskatzen, denen er unbeabsichtigt zu nahe kam. Er überlebte den giftigen Biss einer Puffotter und erwachte wieder aus einem tagelangen Koma.

Schlangen faszinierten ihn besonders, und wenn er den Kopf einer aufgerichteten Python aus dem hohen Gras ragen sah, packte er sie wenn möglich am Hals, um sie näher betrachten zu können. Einmal mussten ihn Ranger aus der Umschlingung einer in der Grösse unterschätzten Würgeschlange herauswinden, natürlich ohne die Schlange zu verletzen.

Er trank das Leben in grossen Zügen und hatte viel Glück auf seinen vielen Reisen durch alle Kontinente, vor allem aber in Afrika. David Rechsteiner überlebte auch Tropenkrankheiten, den Speerstich eines Wilderers in die Flanke, lange Märsche unter sengender Sonne ohne einen Schluck Wasser, weil der Wagen zusammengebrochen war. Viel mehr wissen wir nicht, weil er solche Geschichten nicht von sich aus erzählte. Man musste sie ihm «entwinden». Klar war jedoch, das Blut des Abenteuers pulste in seinen Adern.

Auch Zweifelnder und Suchender

Aber er hatte auch ein grosses Herz. Dies war auf Anhieb nicht immer gleich spürbar. Der Sensible und Vielbegabte hatte sich eine raue Schale zugelegt, seine Sprache war ungeschminkt und klar, die Wortwahl oftmals radikal. Wer ihn näher kennenlernen konnte, der erfuhr einen Mann, dem das Wohl der Mitmenschen und die Liebe zu den Tieren und der Natur ein zentrales Anliegen war.

David Rechsteiner, 2007 |  © Foto by Ruedi Suter

David Rechsteiner, 2007 | © Foto by Ruedi Suter

Auf seinen vielen Buschexpeditionen, bei denen ihn oft auch seine Gattin Lilian Rechsteiner begleitete, nahm er nie eine Waffe mit. Gewalt war ihm zuwider, beschäftigte ihn aber dauernd, besonders abends am Lagerfeuer. Hier wandelte sich der Buschläufer zum Philosophen, zum Fragenden, zum Zweifelnden und nach Antworten Suchenden.

Das Anders-Sein der Afrikaner und Afrikanerinnen faszinierte ihn und bewunderte er, vor allem jenes der letzten Jäger- und Sammlervölker oder der Rindernomaden wie die Massai. Ihnen fühlte er sich irgendwie verwandt.

Fragen nach den Widersprüchen des Seins

Gleichzeitig konnte er, der Macher und Organisator, sich aufregen über den Fatalismus und das Laissez-faire, mit dem sich so viele afrikanischer Menschen durch das Leben bewegen. Das passte nicht zu seinem Temperament. Doch zum Rassisten wurde David Rechsteiner deswegen nie, im Gegensatz zu anderen Europäern. Vielmehr interessierten ihn mit zunehmendem Alter grundlegende Fragen des Menschseins.

«Warum sind wir Menschen nicht fähig, friedlicher zu leben? Warum gehen wir aufeinander los und warum zerstören wir unsere Lebensgrundlagen? Warum sehen wir die Wildtiere als unsere Feinde an?». Fragen dieser Art beschäftigten, nein, plagten David Rechsteiner in besinnlichen Momenten.

Die grösste aller Fragen, was nach dem Tode sei, blieb auch unbeantwortet. «Dave», wie ihn seine Freunde nannten, hat in der Wildnis mit ihrem Fressen und Gefressenwerden oftmals den Tod gesehen. Wildhunde zu beobachten, wenn sie als Rudel ein Gnu bei lebendigem Leib in Stücke reissen und verschlingen, lehrt uns den Gang der Dinge zu akzeptieren. Leben heisst auch töten.

Humor und Geschäftssinn

Aber wo «Dave» ein Tier in Not sah, da griff er gezielt auch ein. Keine Frage beim Loslösen eine Zebras aus einer Drahtschlinge, keine Frage beim Herausziehen eines jungen Elefanten oder Gnus aus einem Sumpf. Da spielte er selbst Schicksal.

Es gab aber auch noch den «anderen» David Rechsteiner. Beispielsweise den von den Tansaniern respektierten «Mzee», den Alten, der einerseits streng war, andererseits mit seinem Humor und seinen Sprüchen regelmässig für schallendes Gelächter sorgte.

Und schliesslich galt der Schweizer aus dem Zürcher Oberland in Tansania als einer der erfolgreichsten Kaffeefarmer. Jahrzehnte führte er die grösste Kaffeefarm des Landes, die Burka nahe der nordtansanischen Stadt Arusha. Er baute aber auch selbst Farmen auf.

Vom Gärtner zum Farmbesitzer und Naturschützer

Als mittelloser Gärtner aus dem Zürcher Oberland war er vor 60 Jahren nach Arusha gekommen, um im Laufe der Jahrzehnte und trotz Rückschlägen wie die Verstaatlichung seiner kleinen Farm am Kilimanjaro zu einem erfolgreichen Unternehmer und engagierten Tier- und Naturschützer zu werden. 

Dies in Teamarbeit mit seiner schweizerischen Gattin Lilian, die nicht zuletzt auch daheim, in der mit einem Tiergarten belebten Kaffeefarm Valhalla am Fuss des Berges Mount Meru in Usa River, zum Rechten sah.

Dem Ehepaar ist unter anderem die Initiative zur Umwandlung des tierreichen Tarangire-Gebietes in einen der schönsten Nationalparks Ostafrikas zu verdanken. Ihre beiden in Ostafrika aufgewachsenen Söhne Alex und Daniel engagieren sich unterdessen ebenfalls für die Bewahrung der tansanischen Fauna und Flora – Alex als Afrikadelegierter der Organisation Freunde der Serengeti Schweiz (FSS).

Zentrale Mitbegründer des FSS anno 1984

David und Lilian Rechsteiner sind Mitbegründer des 1984 ins Leben gerufenen Vereins Freunde der Serengeti Schweiz (FSS). Sie haben via die Wildschutzorganisation einen beachtlichen Teil ihres Vermögens in die Bewahrung und Rettung von Naturschutzgebieten wie die des Serengeti-Westkorridors, des Tarangire-Nationalparks, des Arusha-Nationalparks und des Mkomazi-Nationalparks investiert.

Dem Paar kam seine natürliche und humorvolle Art im Umgang mit den Afrikanerinnen und Afrikanern zugute. Mit unzähligen Fahrten in den Busch und regelmässigen Besuchen und Gesprächen haben sie auch die Bedürfnisse der Wildhüter und ihrer Familien in Erfahrung gebracht und damit gezielte und sinnvolle Hilfe leisten können. David Rechsteiner motivierte die Ranger auf den abgelegenen Aussenposten, indem er ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand, sie auf Patrouillen begleitete und ihnen mit Geschenken unter die Arme griff. 

Mit Rangern Wilderer gestellt

Während den Überwachungsfahrten durch den Busch wurden auch schon mal Wildfrevler gestellt. Dies kostete dem zähen Schweizer einmal fast das Leben, nachdem ihm ein Wilderer durch das Wagenfenster den Speer in die Seite gerammt hatte. Fleischwilderer waren für ihn nicht einfach Verbrecher. Immer wieder verwies er auf die mögliche Not hungernder Dorfbewohnern an den Rändern der Schutzgebiete.

Bei der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA, der Rechsteiner Land für ihr neues Hauptquartier schenkte und ohne deren Einwilligung er als Privatperson oder FSS-Afrikadelegierter in den Schutzgebieten nichts unternahm, genoss der Verstorbene trotz oder gerade wegen seiner zuweilen unbequemen Geradlinigkeit und langjährigen Erfahrung grossen Respekt.

Doch trotz aller Afrika-Faszination: das Ehepaar Rechsteiner, Eltern der Söhne Daniel und Alex, hatten den Kontakt zur Schweiz nie abgebrochen. Es betrieb lange Zeit im Zürcher Oberland eine Apfelplantage. 

Arbeiten, reisen und lesen

Überdies waren die beiden leidenschaftliche Weltenbummler, deren Reisen nach Asien und Lateinamerika führen oder sie mit dem Geländewagen die Einsamkeit der Sahara oder den Süden Afrikas entdecken lassen. Aber auch gedanklich war man unterwegs. Was sich in der Schweiz und in der Welt abspielte, wurde vorab mit Zeitungen und Magazinen, später auch am Fernseher wahrgenommen. David las gerne, seine Frau Lilian liest immer noch gerne und viel.

Bei seinen letzten Besuchen auf der «Valhalla»-Farm in Usa River bei Arusha suchte «Mzee» Rechsteiner immer wieder den Blickkontakt zum alten Krokodil, dem letzten Wildtier eines einst bunten Privatzoos. Zwischen den beiden schien ein lautloses Zwiegespräch stattzufinden.

Die letzten Jahre

David Rechsteiners letzten Jahre waren von einem dauernden Kampf um die Gesundheit geprägt. Die jahrelange Sonnenbelastung führte zu heimtückischen Hautkrebsen. Und er, der stets mit einem ausgezeichneten Gedächtnis verblüffte, konnte sich am Schluss kaum mehr erinnern, was in seinem bewegten Leben war.

Lilian Rechsteiner half ihm in bewundernswerter Weise bis zur letzten Minute. Am 31. März 2019 hat nun «Dave», der Kämpfer, in Bubikon seine letzte für uns wahrnehmbare Reise angetreten. Ruedi Suter


Eine persönliche Erinnerung

Der nachdenkliche Buschläufer

Etwas Sinnloseres schien es nicht zu geben – so, wie der Mann mit dem abgeschnittenen Busch auf die überall züngelnden Flammen eindrosch. Die abgelegene Ebene stand in Flammen, überall frass sich das Buschfeuer durch das strohgelbe Gras einer viel zu dürren Serengeti, eine qualmende, tiefschwarz verkohlte Landschaft hinter sich lassend.

Und dieser Wahnsinnige versuchte mit wuchtigen Schlägen das Feuer wenigstens dort auszulöschen, wo er gerade stand, weil in seinem Rücken eine unsichtbare Welt hilfloser Insekten, Schildkröten, Vogelnester und Kleintiere elendiglich zu verbrennen drohte. «Schau nicht einfach zu! Hol einen Ast und hilf mit !», keuchte mir der Verschwitzte zu, und bald drosch auch ich ebenfalls auf das Gezüngel ein.

Tatsächlich schafften wir es, einen breiten Streifen zu löschen. Wenigstens hier würde sich das Feuer nicht mehr weiter fressen, wenigstens hier schien die Katastrophe verzögert, vielleicht ja sogar ganz verhindert worden zu sein.

Nachts jeweils, nach den Patrouillenfahrten mit den Rangern, dem Aufspüren und Verhaften von Wilderern, dem Leeren ihrer randvoll mit Fleisch gefüllten Verstecke, dem Loslösen von den in Schlingen verhedderten Tieren, oder nach der Bestandesaufnahme zu reparierender Fahrzeuge, Furten und Häuser und nach dem Befragen der Wildhüter über ihre aktuellen Bedürfnisse, diskutierten wir über das knisternde Lagerfeuer hinweg den Sinn unseres Engagements.

Ein intensiver Gedankenaustausch, nur unterbrochen von den Stimmen der Löwen, Hyänen, Buschbabys oder der im nahen Grumeti-Fluss lärmenden Flusspferde. Das war zu Beginn der neunziger Jahres des letzten Jahrhunderts. Es gab es noch keine Schnellstrassen in die Serengeti, noch keinen Massentourismus, noch keine Mobiltelefone, die das Konzert der tierischen Nachtstimmen störte. Und jede Reise hatte noch den Charakter einer gut vorzubereitenden Expedition.

David Rechsteiner, der in der Serengeti aufgrund seines langjährigen Engagements Sonderrechte genoss, lernte mir zusammen mit den Rangern das Gehen in der tierreichen Wildnis. Anstelle der von Furcht geprägten Fantasien plötzlich angreifenden Büffel, Elefanten oder Löwen traten Respekt sowie angstfreie Aufmerksamkeit.

Und ich lernte hinter der rauen Schale meines Afrika-Lehrers einen sensiblen, belesenen und selbstkritischen Menschen kennen.

Ihn beelendete die Not armer Völker und die globale Zerstörung der Tier- und Pflanzenwelt. Vor allem bedrückte ihn aber, dass er selbst immer auch aktiver Teil dieser Zerstörung war – als Konsument, als Reisender, als Berufsmann. 

Unweigerlich landeten wir bei der Sinnfrage: «Können wir überhaupt etwas ausrichten? Sind nicht alle Anstrengungen letzten Endes sinnlos?» Klar, dass da auch die Aktivitäten der Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) angesprochen wurden. Wir trösteten uns mit der Feststellung, dass alles, was wir tun, eine Wirkung haben müsse. Und sei es auch nur eine aufschiebende.

Denn hätten sich Bernhard Grzimek und Julius Nyerere oder später Organisationen wie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt oder der FSS und viele engagierte EinzelkämpferInnen nicht für das Wildparadies Serengeti eingesetzt, gäbe es dieses heute kaum mehr.

Sollte also unser Leben einen Sinn haben, so können wir alle auf unsere Weise mit Arbeit, mit Vernetzung, mit Ideen oder mit Geld etwas bewirken. Wie beispielsweise das Ehepaar Rechsteiner. Weil es nichts anbrennen und nichts abbrennen liess – so lange die Wahrscheinlichkeit bestand, wenigstens ein Stückchen ihrer lieb gewonnenen Welt vor dem Verschwinden zu bewahren. Ruedi Suter

Titelbild: David Rechsteiner | © Foto by Ruedi Suter

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Scheinheilig: «WWF-Gräuel» waren bekannt

Ruedi R. Suter

Jetzt sieht sich der Umweltkonzern WWF weltweit mit schlimmsten Vorwürfen konfrontiert. Er habe toleriert, dass in seinem Wirkungsbereich gemordet, gefoltert, vergewaltigt und geprügelt wurde.

Thomas Vellacott, Direktor des WWF Schweiz, versicherte am 7. März dem Schweizer Radio SRF: «Wir sind erschüttert!» Warum, das ist unklar: Der WWF weiss spätestens seit 2004, dass im Kongobecken von der Panda Organisation bezahlte Ranger Menschenrechtsverletzungen an den Baka-«Pygmäen» verüben.

Von Ruedi Suter – FSS

So können zumindest einige der schweren Vorwürfe gegen den World Wide Fund for Nature (WWF) für die Konzernverantwortlichen weder neu noch überraschend sein. Der Umweltschutzgigant sieht sich schon seit Beginn des Jahrtausends mit Vorwürfen zu Menschenrechtsvergehen von Mitarbeitern im Kongobecken konfrontiert.

Das Basler Newsportal OnlineReports machte 2004 in einer Kamerun-Urwaldreportage und in einem Interview mit dem Schweizer Investigativ-Journalisten und Filmer Karl Ammann auf Misshandlungen von Baka-«Pygmäen» in Kamerun durch Wildhüter aufmerksam, welche vom WWF finanziert wurden.

Auch die Umweltorganisationen Greenpeace Schweiz und Rettet den Regenwald Deutschland wiesen auf die problematischen Zustände im Kongobecken hin. Die Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) berichteten in ihrem Magazin «Habari» regelmässig über die teils gut belegten Vorwürfe, die später von der Menschenrechtsorganisation Survival International (SI) noch ergänzt wurden.

Sie reichten von Vertreibungen und Schikanen über körperliche Misshandlungen bis zur aktiven Unterstützung von Wilderern durch die kamerunischen und vom WWF besoldeten Rangern.

Keine Antworten auf konkrete Fragen

Schriftliche Anfragen beim WWF International im schweizerischen Gland wurden mit umfangreichen Briefen beantwortet. Doch die konkret angesprochenen und belegten Fälle von Misshandlungen blieben ebenso unbeantwortet wie die Frage, weshalb Wildhüter angestellt seien, welche offensichtlich mit den Wilderern zusammenarbeiteten, wie uns damals ein Ranger während eines Interviews an einem geheimen Ort berichtete. Hartnäckiges Nachfragen beim WWF International führte schliesslich zu einem Informationsembargo.

Der WWF Schweiz beantwortete In den folgenden Jahren Anfragen zu neuen Vorwürfen, welche vor allem die Menschenrechtsorganisation Survival International vorbrachte. Die Antworten hatten stets den gleichen Tenor: Der WWF arbeite in einem schwierigen Gebiet, er sei sich der Probleme bewusst, toleriere aber keinesfalls Korruption und Menschenrechtsverletzungen.

Beissend: So sieht BuzzFeed das WWF-Maskottchen | Screenshot

Beissend: So sieht BuzzFeed das WWF-Maskottchen | Screenshot

OECD nimmt WWF unter die Lupe

Auf konkrete Missbrauchsfälle wurde wiederum nicht eingetreten, obwohl sich anfangs 2017 auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit den Menschenrechtsverletzungsvorwürfen befasste, welche den Konzern in Kamerun belasteten.

Heute nun sieht sich der WWF plötzlich auf breiter Front mit diesen und ähnlichen Vorwürfen konfrontiert. Grund: Das amerikanische Medienunternehmen mit seiner Webseite BuzzFeed.News hatte zwei Journalisten auf den WWF angesetzt. Sie recherchierten ein Jahr lang. Jetzt publizierten sie unter der Rubrik «WWFs Geheimer Krieg» eine erste Tranche ihrer offensichtlich erschütternden Recherchenergebnisse.

WWF-Vergehen: Erst der Anfang ist bekannt

Diesmal nahm auch die Neue Zürcher Zeitung das Thema auf. Sie thematisierte den Bericht der Journalisten Tsering D. Gurung (Kathmandu Post), Tom Warren und Katie Baker (BuzzFeed.News). Das Trio vermeldete den Fall des zu Tode geprügelten Bauern Shikharam Chaudhary in Nepal. Er sei von Rangern des Chitwan National Parks. umgebracht worden. Diese stünden im Sold des WWF, der den gewaltsamen Tod Chaudharys habe versanden lassen wollen.

Mehr noch: Dem Umweltkonzern wird auch die Tolerierung von Mord, Folter, Vergewaltigung und Schlägen vorgeworfen. Schliesslich verspricht BuzzFeed.News weitere schwerwiegende Enthüllungen im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen an indigenen Völkern in den WWF-Einsatzgebieten von weiteren sechs Ländern in Asien und Afrika.

Wachsende Probleme in den Urwäldern des Kongobeckens

Zahlreiche der «neuen» Vorwürfe sind alt, und sie sind teils vom WWF selbst untersucht worden. Aber die Panda-Organisation hat aus journalistischer Wahrnehmung lieber gemauert anstatt öffentlich aktiv über die immer brisanter werdende Konfrontation zwischen den verschiedenen Interessensgruppen beispielsweise in den Wäldern des Kongobeckens zu informieren.

Dort sehen sich Indigene und Wildtiere von eindringenden Rohstoffkonzernen, Bantu-Siedlern, Wilderern , Bushmeat-Händlern, Soldaten und korrupten Beamten zusehends eingekesselt und in ihrer Existenz bedroht.

Der WWF stellte sich bislang auf den Standpunkt, bei Konflikten besser zu schweigen als sich über die Probleme seiner zweifellos schwierigen Arbeit in den Tropen und dem stets heikler werdenden Balanceakt zwischen Wirtschaftsinteressen, Artenschutz und Menschenrechten auszulassen.

«Wird der WWF das Problem endlich angehen?»

Stephen Corry, Menschenrechtler und Direktor von Survival International, sowie Afrikakenner Karl Amman sehen sich jetzt bestätigt. Der WWF vertusche seit Jahren seine Skandale. Besonders stossend: das Geld seiner Unterstützer und Unterstützerinnen finanziere somit auch gewalttätige Wildhüter.

Für Stephen Corry ist klar: «Macht der WWF nach diesen wirklich schockierenden Enthüllungen weiter <Business as usual> oder wird er das Problem endlich angehen? Sein Name und sein Logo sind für viele Indigene gleichbedeutend mit Gewalt, Verfolgung und Angst.»

Eine Ironie der Geschichte, denn damit sieht sich der WWF wieder mit einem Vorwurf aus seinen Anfangszeiten konfrontiert. Damals und lange danach wurde ihm vorgeworfen, er kümmere sich zwar um Tiere und Bäume, vernachlässige aber die Menschen.

Konkrete Vorwürfe an den WWF

> Nepal 2006: Tod nach mutmasslicher Folterung eines Bauern durch Wildhüter des Chitwan-Nationalparks. Der Mann wurde verdächtigt, seinem Sohn beim Verstecken eines Rhino-Nasenhorns geholfen zu haben.

> Nepal: Der WWF habe über Jahre durch Ranger und Soldaten begangene Menschenrechtsverletzungen bei der Wilderei-Bekämpfung in Chitwan-Nationalpark toleriert und teils verschärft. Angeführt werden Folter, systematische Gewalt, sexueller Missbrauch und andere Erniedrigungen.

> Kamerun: Billigung oder Unterstützung von Attacken durch vom WWF besoldete und ausgerüstete Wildhüter auf Urwalddörfer um den Lobéké- Nationalpark.

> Kamerun: Enge, vom WWF lange abgestrittene Zusammenarbeit mit unzimperlichen Regierungstruppen wie etwa die schnelle Eingreiftruppe BIR, der auch schon vorgeworfen wurde, unbewaffnete Zivilisten getötet zu haben.

> Kamerun 2017: Misshandlung eines Elfjährigen durch Wildhüter vor dessen Eltern. Der Fall sei von den Dorfbewohnern dem WWF gemeldet worden. Die Umweltorganisation habe nie darauf reagiert.

> Zentralafrikanische Republik: WWF-Mitarbeiter sollen gegen die eigenen Richtlinien versucht haben, von der wegen Gräueltaten verrufenen Armee Gewehre zu kaufen. Ein Vorwurf, der allerdings schlecht belegt ist.

Alle diese Fälle wurden von den beiden BuzzFeed News-Reportern in einem Jahr zusammengetragen und veröffentlicht.

Erste Reaktionen des WWF

Von einer proaktiven offiziellen Stellungnahme ist dem FSS nichts bekannt. Angeschlossen an die Medienverteiler von WWF International, dem Dachverband, und WWF Schweiz ist von diesen Stellen bis heute jedenfalls keine Stellungnahme eingetroffen.

Dies entspricht der jahrelangen Informationspolitik des Umweltkonzerns: Von sich aus wird zu Problemfällen aktiv nichts kommuniziert. Man konzentriert sich auf allgemeine Warnungen oder Erfolgsmeldungen. Bei Problemen haben Medien anzufragen, selbst bei einem GAU wie den Vorwürfen, mit der BuzzFeed News den teils sehr guten Ruf der grössten internationalen Umweltschutzorganisation (40 Länder) jetzt konkret in Zweifel zieht.

Medien, welche den WWF International aufgrund der Publikationen von BuzzFeed News anfragten, erhielten den Bescheid, man sei betroffen und werde handeln – mit einer unabhängigen Untersuchung unter der Führung von Menschenrechtsexperten. In seiner Reaktion sagt der WWF-International: «Wir sehen es als unsere dringende Verantwortung an, den Anschuldigungen durch BuzzFeed bis auf den Grund nachzugehen.»

Bleibt die Frage: Warum erst jetzt?

Titelbild: BuzzFeed.News: Bewaffneter Panda, Screenshot

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«Ivory Queen»: Zu milde Haftstrafe

Ruedi R. Suter

Jubel löste in Februar 2019 die Verurteilung der schwerreichen Geschäftsfrau Yang Feng Glan in Tansania aus. Die chinesische Drahtzieherin eines effizienten Elfenbein-Schmuggelrings hatte weltweit Aufmerksamkeit erregt. Selbst die Regierungen Tansanias und Chinas lobten wortreich das Verdikt.

Doch warum bekommt eine notorische Elefantentöterin eine Strafe von nur 15 Jahren, derweil beispielsweise ein Schweizer Geschäftsmann letzten Herbst 20 Jahre Gefängnis erhielt, weil er zwei gefundene Flusspferdzähne im Koffer hatte? Spielte die Politik eine Rolle beim Urteil? Weshalb standen keine hohen Beamten vor Gericht, ohne welche die «Queen» nie «Königin» geworden wäre? Versuch einer Klärung.

Von Ruedi Suter – FSS

Jetzt sitzt die rüstige Oma hinter Gittern. Und zwar in der tansanischen Hafenstadt Dar es Salaam. Ob in einer sauberen Einzelzelle oder in einem der üblichen, stickigen, mit Malariamücken bevölkerten Grossraum zusammen mit Dutzenden anderen Verurteilten, das ist uns nicht bekannt.

Der Gefängnisalltag einer Frau, die den Tod Hunderter, wenn nicht Tausender Elefanten mit auf dem Gewissen hat, scheint zurzeit wenig relevant. Hauptsache, die gebürtige Chinesin kann als kaltblütige Drahtzieherin eines effizienten Elfenbein-Schmugglerrings keinen Schaden mehr anrichten. So hoffen jedenfalls Artenschützerinnen und Naturverteidiger auf der ganzen Welt.

Huruma Shaidi, Hauptrichter am Gerichtshof von Kisutu, hatte die 69 Jahre alte Yang Feng Glan am 19. Februar 2019 zusammen mit den tansanischen Komplizen Apia Philemon und Silvanus Matembo zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Nachgewiesen: 430 abgeschlachtete Elefanten

Die fliessend Kiswahili sprechende Yang Fen Glan, eine an der Universtität von Beijing ausgebildete Wirtschaftsfachfrau, war u.a. wegen Schmuggels und Verkaufs von 860 Elfenbeinstücken von 430 Elefanten im Wert von über 6,45 Millionen Dollar angeklagt worden. Das Elfenbein landete zwischen 2000 und 2014 über geheime Routen in China.

Oberrichter Shaidi sah es als erwiesen an, was ihm vier Staatsanwälte gegen das Trio vorgelegt hatten. Millionärin Yang Feng Glan, seit ihrer Schlagzeilen machenden Festnahme im Oktober 2015 von den Medien zur «Elfenbeinkönigin» (Ivory Queen) erkürt, muss überdies eine Geldbusse von rund 5 Millionen Euro zahlen.

Eine «Elfenbeinkönigin» vor Gericht: Google zeigt Berichte |  Sceenshot

Eine «Elfenbeinkönigin» vor Gericht: Google zeigt Berichte | Sceenshot

Verurteilt: «Strippenzieher statt kleine Fische»

Medien und Artenschutzorganisationen empfanden Gerichtsverfahren und Urteil als kompromisslos. Entsprechend wurde es kommentiert und begrüsst, wovon international die zahlreichen positiven Reaktionen zeugten.

Endlich ein wegweisender Erfolg gegen das illegale Umbringen von Elefanten in Ostafrika, endlich ein klares juristisches Zeichen gegen den kriminellen Handel mit dem Elfenbein.

«Sehr gut», freute sich etwa der WWF Deutschland über das Urteil von Dar es Salaam, dass es diesmal «statt der kleinen Fische» die «Strippenzieher» getroffen habe. Mit einem Verweis auf die unsäglichen Elefantenmassaker zwischen 2007 und 2016 in Tansania – von den rund 110'000 Tieren sollen nur 50'000 überlebt haben – meinte WWF-Sprecherin Katharina Trump: «Der illegale Artenhandel muss strafrechtlich härter verfolgt und die Wilderei als organisiertes Verbrechen ernst genommen werden, wie es hier in Tansania nun geschehen ist.»

China: Staatsbürgerin wird fallen gelassen

Selbst die Volksrepublik China, immer noch verrufen als Supermagnet für illegales Elfenbein, liess sich mit einem Kommentar gegen das verheerende Treiben ihrer Staatsbürgerin vernehmen. So begrüsste Geng Shuang, Sprecher des Aussenministeriums laut dem chinesischen Newsportal «China.org.cn» ausdrücklich die Entscheidung des Gerichts.

Seine Regierung, so Shuang entschieden, zeige «keine Toleranz gegenüber illegalem Handel mit gefährdeten Tieren und ihren Produkten». Und Tansania werde in diesem Zusammenhang voll unterstützt, zumal China Ende 2017 den Handel mit Elfenbein- und Elfenbeinprodukten verboten habe.

Elfenbeinschitzereien in China: Tausende Afrikanische Elefanten zahlen mit ihrem Leben |  Screenshot

Elfenbeinschitzereien in China: Tausende Afrikanische Elefanten zahlen mit ihrem Leben | Screenshot

Bemerkenswert ist die Reaktion des offiziellen Chinas auch deswegen, weil die Verurteilte mit ihrem noblen Restaurant in Dar es Salaam und als Geschäftsführerin des «Tansanischen China-Afrika- Wirtschaftsrats» (Tanzania China-Africa Business Council) eine wichtige Scharnierfunktion wahrnahm – zwischen bedeutenden Geschäftsleuten aus China und Mitgliedern der tansanischen Behörden und Businesswelt.

Die clevere, in den 1970er-Jahren eingewanderte und mit einem Tansanier verheiratete Yang Feng Glan war alles andere als eine harmlose Grossmutter. Mit dem offensichtlichen Fallenlassen von Yang Feng Glan untermauert Beijing seine 2015 von Staatsführer Xi Xingping angekündigten Anstrengungen, den illegalen Elfenbeinschmuggel nicht mehr zu tolerieren.

Tansania: «Riesiger Erfolg der Regierung»

Ungewöhnlich laut gefeiert wurde das Verdikt gegen die «Ivory Queen» aber auch von der tansanischen Regierung. Hamis Kigwangalla, Direktor der Staatsanwaltschaft und Minister für Naturressourcen und Tourismus, begrüsste auf Twitter den «riesigen Erfolg der Regierung». Er sei «eine klare Botschaft an alle, dass sich Wilderei nicht mehr lohnt».

Euphorisch blickte Minister Kigwangalla gleich auch noch in die Zukunft des Landes. Bis 2022 gebe es keine Wilderei mehr in Tansania, verkündete er zur Verblüffung all jener KennerInnen, welche das Ende jeder Wilderei erst mit dem Verschwinden des letzten Wildtiers für realistisch halten. Bereits heute, so begründete der Minister, könne man im Busch auf tote Elefanten stossen, deren Geld bringenden Stosszähne niemand mitnehmen wollte.

Strafmass I: Verdächtig viele offene Fragen

Bei genauem Hinsehen werfen aber Urteil und Strafmass Fragen auf. Weshalb erhielt die einflussreiche Grosskriminelle Yang Feng Glan nur 15 Jahre Haft, derweil letzten Herbst beispielsweise ein Schweizer Staatsbürger zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil man in seinem Gepäck zwei im Busch gefundene Flusspferdzähne fand?

Warum wird eine Drahtzieherin, die mindestens 500 Elefanten auf dem Gewissen hat, milder behandelt als ein regelmässiger Tansania-Besucher, dem bislang nie ein Vergehen angelastet wurde?

Oder warum erhielt der tansanische Fahrer Emmanuel Richard ebenfalls 20 Jahre Haft für den Besitz von fünf Flusspferd-Zähnen, für die er keine Genehmigung hatte? Warum wird ein kleiner Wilderer aus Mahenge zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er einen Elefanten umgebracht hat?

Professioneller Elefanten-Wilderer: Boniface Matthew Maliango |  © FB

Professioneller Elefanten-Wilderer: Boniface Matthew Maliango | © FB

Überhaupt: Weshalb sitzen im ostafrikanischen Land weitere Menschen im Knast, die für vergleichsweise geringe Vergehen gegen das Gesetz (Wildlife Act) jahrelange Strafen erhielten, welche jene der chinesischen Geschäftsfrau weit übertreffen?

Und warum erhielt Boniface Matthew Maliango (Bild oben) – im Volksmund «Shetani», der Teufel, genannt – ein «Berufskollege» der Elfenbeinkönigin und Töter tausender Elefanten, als Elfenbeinschmuggler und Chef eines weit verzweigten Verbrechersyndikats nur gerade 12 Jahre Knast? Und schliesslich und vor allem: Weshalb standen keine hohen Staatsbeamten vor Gericht, ohne welche die «Ivory Queen» es nie in den Adel geschafft hätte?

Strafmass II: Ein Verdikt mit politischen Rücksichten?

Es sind Fragen, die wir hier nicht schlüssig beantworten können. Sie müssten aber zumindest von Medien, Artenschutz- und Menschenrechtsorganisationen gestellt werden. Und zwar bevor das Urteil gegen die «Ivory Queen» als «Durchbruch» und «wegweisend» bejubelt werden kann.

Ebenso bleibt zu fragen, weshalb die tansanische wie auch die chinesische Regierung dieses vergleichsweise milde Urteil derart laut und zustimmend kommentieren. Dass sich die beiden Länder derzeit in allen Belangen rasant näher kommen, ist ein offenes Geheimnis. Chinas geschicktes Vorgehen untergräbt zusehends das Verhältnis Tansanias zu seinen alten Geschäftspartnern und Sponsoren im Westen, die sich jetzt trotz jahrzehntelanger Milliardenhilfe in die historische Ecke ausbeuterischer Kolonisten gestellt sehen.

Schliesslich bleibt auch die gewichtige Frage, weshalb es um die Ermordung des in Ostafrika erfolgreichen Artenschützers und Direktors der investigativen US-Stiftung PAMS so still geworden ist? Wayne Lotter und sein Team sollen wesentlich am Auffliegen der «Ivory Queen» beteiligt gewesen sein. Wurde Wayne Lotter auch deswegen in Dar es Salaam erschossen?

Ist seine Ermordung bis heute nicht aufgeklärt worden, weil die Auftraggeber möglicherweise Regierungsleute mit guten Beziehungen zur chinesischen Wilderei-Mafia sind? Dies trotz des amtierenden Präsidenten John Magufuli, der sich einerseits mit Worten und Taten auch energisch für den Wildtierschutz einsetzt, anderseits die Wirtschaftsentwicklung favorisiert und das Weltnaturerbe Selous für Rohstoff- und Energiekonzerne öffnet?

Rückschau: So ging die Elfenbeinkönigin in die Falle

Kurzum: Es fehlt nicht an Fragen und Widersprüchlichkeiten im heutigen Tansania. Dass die Verhaftung und Verurteilung der «Elfenbeinkönigin» aber insgesamt ein grossartiger Erfolg ist, kann nicht angezweifelt werden.

Es begann alles im Oktober 2015, als sich die alte Dame mit der Brille als «Queen of Ivory» mühelos in die Schlagzeilen der internationalen Medien katapultierte. Die steinreiche Chinesin war in Dar es Salaam verhaftet worden – von der neuen, verblüffend erfolgreichen Spezialeinheit National and Transnational Serious Crimes Investigation Unit (NTSCIU).

Der Verdacht, dass die fürchterlichen Elefanten-Massaker der letzten Zeit mit der wachsenden Präsenz Chinas zu tun haben muss, wurde mit der Verhaftung der chinesischen Businessfrau erhärtet. Yang Feng Glan war laut Medienberichten in den 1980-er Jahren aus Beijing nach Tansania gereist, um als Übersetzerin zu arbeiten und für die Regierung den Export von Früchten abzuklären.

Spätestens ab 2006 habe sich die Frau eines Tansaniers aus der Küstenstadt Tanga und Mutter einer Tochter dann Einträglicherem zugewandt – dem Elfenbeinhandel, der teils über das von ihr eröffnete Restaurant abgewickelt wurde.

Bekanntmachung des Urteils: Verdikt mit grosser Breitenwirkung |  Screenshot

Bekanntmachung des Urteils: Verdikt mit grosser Breitenwirkung | Screenshot

Neue Erkenntnisse: Über Netzwerke des internationalen Elfenbeinschmuggels

Bald verkehrte die Ökonomin in den besseren Kreisen und machte einträgliche Geschäfte über die Landesgrenzen hinweg. Tonnen von Elfenbein waren ersten Ermittlungen zufolge via chinesische Firmen, Fischerboote und Transportschiffe voller Seegurken in Richtung Asien geschmuggelt worden. Dar es Salaam und später Sansibar dienten als Ausgangsort und Häfen.

Die Festnahme der «Elfenbeinkönigin»  erfolgte nach längerer Observierung und wurde weltweit gelobt und gefeiert. «Auf diese Verhaftung haben wir seit Jahren gewartet», freute sich Andrea Crosta, Mitbegründer von WildLeaks und der Elephant Action League. Und ein Sprecher der Elite-Einheit NTSCIU versicherte: «Die Verhaftung von  Mrs Glan ermöglicht es uns, die Verbindungen und Netzwerke des internationalen Elfenbeinschmuggels zu erkennen.»

Schmuggelrouten: Durch verschiedene Länder an den Indischen Ozean

Klar sei jedenfalls, dass Elfenbein auch über Burundi, Ruanda, Uganda und Kenia via Mombasa auf die Transportschiffe gelangte. Auch gebe es eine Südroute durch Malawi, Mosambik und Sambia.

Die verhaftete «Ivory Queen» wurde zunächst angeklagt, zusammen mit den beiden Tansaniern Manase Philemon und Salivius Matembo zwischen 2000 und 2014 total 706 Elfenbeinzähne im Wert von über 2,5 Millionen Franken geschmuggelt zu haben. Doch die verhaftete Chinesin liess damals über ihren Anwalt ausrichten, sie wisse von nichts und sei völlig unschuldig.

Erst im Februar 2019, nach der Anhörung von 11 Zeugen, welche die vier Staatsanwälte Faraja Nchimbi, Paul Kadushi, Wankyo Simon und Salim Msemo einbestellt hatten, wurde der Öffentlichkeit die Dimension der illegalen Geschäfte der Chinesin klar. Unter anderem versteckte die Frau das Elfenbein vor dem illegalen Transport in ihrer Farm nahe der Küstenstadt Tanga.

Die Frage, warum die Verhaftung der Chinesin nicht schon längst und erst knapp vor der Wahl des neuen Präsidenten John Magufuli erfolgte, und weshalb keine Namen von Zulieferern und weiteren Hintermännern genannt wurden, blieb bis heute unbeantwortet.

Weitere Verhaftung: «Satan und Elefantenkiller» Mariango

Die begründete Vermutung, die dunklen Geschäftsverbindungen der Dame reichten bis in tansanische Regierungskreise, blieb unwidersprochen.  Immerhin konnte wenig später Tansanias «Elefantenkiller No 1» gefasst werden:  Boniface Matthew Mariango (45) wurde nach einer über einjährigen Jagd Ende Oktober in einem Vorort Dar es Salaams während einer wilden Verfolgung durch die NTSCIU aufgespürt und dingfest gemacht.

Lebensfreude: Spielende Elefanten, Süd-Tansania | © Foto Beni Arnet

Lebensfreude: Spielende Elefanten, Süd-Tansania | © Foto Beni Arnet

Damit war der offensichtlich zu allem entschlossenen Profitruppe in kurzer Zeit nach der Chinesin ein zweiter grosser Erfolg beschieden. Mariango hat sich im Lauf der Jahre den Übernamen «Shetani» (Teufel) erworben.

Er wird als «schwerer Junge» beschrieben, der sich schliesslich zum «most wanted» Elefantenwilderer und Elfenbeinhändler Ostafrikas mauserte. Tausende von Elefanten sollen in den letzten Jahren seinetwegen ihr Leben verloren haben.

Grosser Erfolg: Schlag gegen Wilderer-Mafia

Der «Teufel» ist laut der Wildtierorganisation Elephant Action League auch ein Organisationstalent: Als Manager von «über 15 Wilderer-Syndikaten» soll er neben Tansania auch noch in Kenia, Burundi, Sambia und Mosambik die Fäden gezogen haben.

Dieses Netz belieferte der clevere Gangster mit Waffen, Munition, Kommunikationsmitteln und Geländewagen. Und seine Verbindungen ermöglichten es ihm auch, mindestens sieben Mal vor dem Zugriff der Polizei das Weite zu suchen.

Rückgang Elefantenwilderei: Hoffnungen erfüllt

Mit der Verhaftung von Boniface Matthew Mariango und von Yang Feng Glan sind in Sachen Elefantenwilderei und Elfenbeinhandel zwei zentrale Personen gefasst worden. Von einer Truppe, die laut unbestätigten Berichten von den USA und der EU aufgerüstet und mit Geheimdienstinformationen beliefert wurde.

Die Neutralisierung der «Ivory Queen» und des «Teufels» liessen vor drei Jahren erstmals berechtigt hoffen, dass in nächster Zeit den schlimmsten Wilderer- und Verbrechersyndikaten Ost- und Zentralafrikas das Handwerk gelegt wird – und die hoch sensiblen Elefanten endlich wieder etwas zur Ruhe kommen können. Eine Hoffnung, die wenigstens im ehemals besonders heimgesuchten Tansania bis heute grösstenteils erfüllt wurde.

Titelbild: «Ivory Queen» Yang Feng Glan, Elefanten © Gian Schachenmann / Fotomontage FSS

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«Wir wilderten neben den Touristen»

Ruedi R. Suter

Täglich wird gewildert, täglich sterben unzählige Wildtiere durch die Hand von Wilderern. Auch im berühmten Serengeti-Nationalpark in Tansania. Höchste Zeit, einmal einem Wilderer zuzuhören, der die Seite gewechselt hat: Ronald Mochomba hilft heute den Wildhütern und Wildhüterinnen bei der Suche nach Drahtschlingen, in denen unzählige Wildtiere jeder Grösse erbärmlich verenden.

Von Ruedi Suter – FSS

Wilderer! Sie rotten die Nashörner aus, metzeln Elefanten nieder, leeren die Urwälder und Savannen Afrikas. Sie sind ein Dauerthema, eine unablässige Bedrohung für die Artenvielfalt. Und sie sind die Feinde des Wildes und aller tierliebenden Menschen.

Aber sie haben kein Gesicht, sind anonym, wirken so um so dämonischer. Kaum je ein Medienbeitrag, der differenziert, der zwischen Trophäen- und Fleischwilderern unterscheidet, der vor allem etwas aus ihrer Perspektive zu zeigen versucht. Sind Wilderer nur immer blutrünstige, skrupellose Gesellen, die schnell Geld machen wollen?

HABARI: Ronald, wann haben Sie das erste Tier gewildert?

Ronald Mochomba: Als 15-Jähriger. Wir jagten mit Hunden ein Warzenschwein – ein Ngiri, wie wir es auf Suaheli nennen.

Was haben Sie mit dem Ngiri gemacht?

Wir holten die Innereien heraus und schnitten es auseinander. Die grossen Stücke verkauften wir, um Geld zu machen.

Musste das sein?

Wir verdienten zu wenig, konnten uns keine Sachen für den Alltag kaufen. Den Rest des Warzenschweins assen wir in der Familie.

Wo leben Sie?

Wir leben bei Mugumu, dem Hauptort des Serengeti-Distrikts an der Ostgrenze des Nationalparks und der Tagora-Ebene.

Warum wurden Sie Berufswilderer?

Als ich zur Schule ging, wurde es noch schwieriger für meine Eltern. Sie hatten kein Einkommen. So begann ich, mit der Schlingenjagd das nötige Geld zu beschaffen. Die Wilderei wurde zum Geschäft, ich zum Berufswilderer.

Wie sollen wir uns das vorstellen?

In der Regel schlichen wir einmal im Monat in den Serengeti-Nationalpark. Und zwar für 10 bis 14 Tage. Gab es viel Wild, kam die Migration durch, blieben wir länger. Dann gingen auch noch weitere Gruppen raus. Jede Gruppe umfasste vier Mann. Waren viele Tiere in den Schlingen, mussten wir mehr rein und raus. Nachts schafften wir in Kolonnen die Beute raus, das Fleisch durfte ja nicht verderben.

Was haben Sie mit den Tieren in den Schlingen gemacht?

Wir töteten sie, wenn sie noch lebten. Dann weideten wir sie aus. Wir schnitten die Kadaver in Stücke und versuchten, das Fleisch innerhalb des Parks in Buschverstecken zu trocknen. Wir mussten schnell arbeiten, weil das Fleisch Hyänen anzog. Oder Geier, die am Himmel kreisten und so unsere Verstecke verraten konnten.

Wann haben Sie gearbeitet — am Tag, in der Nacht?

Niemand sollte etwas bemerken. Auch die Nachbarn und Dorfbewohner nicht. Wir schlichen nachts in den Park. Die Schlingen legten wir bei Vollmond oder im Taschenlampenlicht an Flussläufen, Wildwechseln oder Schattenbäumen. Wir lösten gefangene Tiere aus den Drahtschlingen und verschwanden tagsüber in unsere Verstecke. Wir präparierten das Fleisch und legten es wo möglich zum Trocknen aus. Wir assen zum Fleisch den mitgebrachten Ugali, tranken Wasser und schliefen bis zum Einbruch der Nacht.

Wie haben Sie die schweren Kadaverteile aus dem Park geschafft?

Das Fleisch schleppten wir auf den Schultern. Ein Mann vorne, einer hinten und dazwischen ein Ast oder ein dünner Stamm, an dem die Brocken hingen. Gingen viele Tiere in die Fallen, benutzten wir für den Transport auch Esel.

Welche Wildtiere geraten am häufigsten in die Schlingen?

Das kommt auf die Saison an. Während der Migration mit ihren Regen vor allem Gnus und Zebras. Während der Trockenheit auch alle anderen. Büffel fingen wir mit besonders dickem Draht. Oder Giraffen, für die wir in den Baumkronen Drahtschlaufen befestigten. Eine begehrte Beute für den Markt waren Zebras.

Und Leoparden, Löwen oder Geparde?

Wir fingen auch Löwen. Für diese gibt es ebenfalls einen Markt. Die traditionelle Medizin verwendet für Behandlungen gerne Löwenfett. Die Heiler zahlen hervorragende Preise für Löwenteile. Wir waren immer glücklich, wenn wir einen Löwen hatten.

«Ich musste meine Familie ernähren»:  Ex-Wilderer Roland Mochomba beim Interview in der Serengeti

«Ich musste meine Familie ernähren»: Ex-Wilderer Roland Mochomba beim Interview in der Serengeti

Wie haben Sie sie getötet, wenn sie in der Schlingenfalle noch lebten?

Mit Bogen und Giftpfeil.

Keine Gewehre?

Nein, wir achteten auf eine leise Jagd. Wir jagten ja auch in nächster Nähe zu den Lodges und Rangerposten. Ein Gewehrschuss ist viel zu laut. Giftpfeile, Lanzen oder Buschmesser töten leise. Noch lebende Büffel, Flusspferde oder Grossantilopen erledigten wir mit Speeren.

Was haben Sie daheim mit dem Fleisch gemacht?

Wir hatten nie Probleme, die Beute los zu werden. Unsere Kunden warteten ja, und wir brachten unser Fleisch rasch an den Mann. Aber nie alles, denn ein Teil fiel immer für unsere Familien ab.

Wer kaufte?

Wir verkauften an Kunden, die teils aus weit entfernten Gemeinden anreisten. Die hatten Kontakte zu verschiedenen Wilderergruppen. Mit dem Mobiltelefon ist das heute kein Problem mehr. Wir telefonierten ihnen oder schickten eine SMS-Meldung mit Angaben zu Beute und Treffpunkt. Aus den Städten kamen die Käufer per Auto. Aus den benachbarten Gemeinden mit Eseln oder Motorrädern. Früher brauchten sie Fahrräder.

Wie lange machten Sie diesen Job?

Ich war zehn Jahre lang Berufswilderer.

Alle Achtung!

Ronald Mochomba wirkt sympathisch, seine Antworten sind überlegt und ausführlich. Die Uniform steht ihm gut, sie ist ein krasser Gegensatz zu den zerrissenen Lumpen, die er als Wildfrevler trug. Ein Mann, der aus Not wilderte und so gar nicht ins dominierende Bild des schwer bewaffneten Tierkillers passt, der schnell schiesst und schnell reich werden möchte. Eric Winberg sagt: «Es ist ausserordentlich lehrreich mit diesen Jungs im Busch zu sein. Sie haben ein riesiges Wissen und unglaubliche Augen. Sie sehen Tiere und Schlingen in der Ferne, die wir nie sehen, selbst mit einem Fernglas nicht.»

Ronald, wurden Sie je verhaftet?

Ja, einmal. Wir mussten vielen Rangerpatrouillen ausweichen. Wir wussten genau, wo die Wildhüter durchkamen. Wir versteckten uns im Gras, in Senken, hinter Büschen, Felsen, Bäumen, was auch immer.

Wie kam es zur Verhaftung?

Wir gerieten in einen Hinterhalt, als wir während der Migration mit Fleisch beladen den Park verlassen wollten. Das war 1995. Plötzlich waren wir von Rangern umzingelt. Ich zahlte dem Gericht eine Strafe, deshalb musste ich nicht ins Gefängnis.

Ronald, Sie sind heute Schlingenspezialist und Ranger-Helfer. Warum dieser Seitenwechsel?

Ich wilderte, weil ich Geld für unseren Lebensunterhalt benötigte. Das war der Hauptgrund. Wir mussten von etwas leben. Eines Tages kamen Ranger der Nationalparkbehörde Tanapa und Leute der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt ins Dorf. (Red: Dies im Rahmen des Cocoba Outreach Programms, das u.a. die umliegenden Gemeinden der Serengeti an den Einnahmen des Nationalparks teilhaben lässt.) Es gab ein Treffen. Man versprach uns Geld, damit wir ein kleines Geschäft aufbauen konnten. Im Gegenzug mussten wir für den Kredit einen Vertrag unterschreiben. Und wir mussten versprechen, die Wilderei aufzugeben ...

… Sie versprachen wirklich, das Jagen abzubrechen?

Ja, wir vier aus unserer Wilderergruppe unterzeichneten alle das Abkommen. Es wurde von Leuten im Dorf überwacht. Wir arbeiten heute vor allem als Bauern und Handwerker. Einer wurde gar Lehrer. So schaffte auch ich den Ausstieg, ich musste nicht mehr in den Busch, konnte meine Familie ernähren und musste keine Angst mehr haben, gefasst zu werden.

Und warum sitzen Sie heute hier, im Hauptquartier der Serengeti-Ranger?

Im April 2017 wurden wir von Cocoba für das Programm «Schlingenfreie Serengeti» rekrutiert. Man unterstellte uns zwei alt gedienten Rangern, um von nun an Schlingenfallen zu finden. Wir kennen ja das Gebiet, kennen alle Tricks der Wilderei. Wir können nun unsere Erfahrungen weitergeben, ohne unsere Geschäfte daheim aufgeben zu müssen. Im Gegenzug erhalten wir Schlingenspezialisten einen zusätzlichen Lohn.

Ist die Serengeti also demnächst schlingenfrei?

Wir müssen das Entfernen der Schlingenfallen verstärken, um den Park richtig zu schützen. Wir brauchen auch mehr ehemalige Wilderer in der Truppe. Das ist durchaus möglich, weil die Leute eine Chance erhalten, ihren verbotenen Beruf mit einer legalen Arbeit zu tauschen.

Kann man denn um den Park ohne Wilderei überleben?

Wir sind nicht in der Lage, die Wilderei zu stoppen. Aber wir können sie stark reduzieren. Es ist ja so, dass Bushmeat viel billiger ist als jenes unserer Kühe oder Ziegen. Steigen auf dem Markt die Preise, wird alles noch teurer.

Haben Sie eine Familie?

Ich habe eine Frau und sechs Kinder.

Und was sagt Ihre Frau dazu, dass Sie mit der Wilderei aufgehört haben?

Sie ist glücklich. Ich muss nicht mehr in den Busch, aus dem ich manchmal fast nackt und mit gar nichts mehr heimkam, weil wir von Rangern entdeckt wurden und Hals über Kopf alles zurück lassen mussten — Nahrung, Kleider, Geschirr und Waffen. Heute komme ich sauber heim und ich bringe immer etwas mit – Geld, Nahrung, Kleider, Medikamente. Wir haben genügend zu essen, ein regelmässiges Einkommen, die Kinder können zur Schule und niemand hat mehr Angst, dass die Ranger ins Dorf kommen, um uns festzunehmen. Ja, unser Leben ist sicherer geworden – und einfacher.

Ronald Mochomba, wir danken Ihnen für dieses offene Gespräch.

Titelbild: Roland Mochomba 2018 | © Fotos by Ruedi Suter

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«Darum wildere ich Tiere» - Viele Gründe führen zur Ausrottung der afrikanischen Tierwelt

Afrikas Wildtierschutz beginnt – in der Schweiz

Ruedi R. Suter

Überall auf dem Globus sind Wildtiere durch menschliche Tätigkeiten vom Aussterben oder von der Ausrottung bedroht. Wo Interessen der Menschen auf dem Spiel stehen, sind Wildtiere die grossen Verlierer.

Dies betrifft keineswegs nur die Fauna Afrikas, dies spielt sich in der reichen Schweiz genauso ab. Dabei hätten wir hier alle Mittel, der Natur umfassend Sorge zu tragen. Doch davon sind wir weit entfernt. Dafür fordern wir forsch von Völkern in den Tropen mehr Rücksicht, obwohl diese oft um das Überleben kämpfen müssen.

Von Matthias Brunner

Besser geschützte Nationalparks und Wildschutzgebiete sollen helfen, die Wildtiere vor der Ausrottung durch die Menschen zu bewahren. Dafür ist – das haben unterdessen die meisten Umweltschutzorganisationen kapiert – eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung die wichtigste Voraussetzung.

Denn ohne das Verständnis der Einheimischen, ohne ihren Willen, die Fauna schützen zu helfen und den wandernden Tieren Korridore offen zu lassen, ist jede Schutzbemühung zum Scheitern verurteilt. Ein Grund, weshalb die Freunde der Serengeti Schweiz (FSS) als NGO in Ostafrika auf diesen Grundsatz seit ihrer Gründung 1984 grössten Wert legte.

Hier der Schutzgedanke, dort der Überlebenskampf

Doch immer weniger stossen die Tier- und Artenschützenden aus dem Westen auf Verständnis. Faktoren wie Klimakrisen, Kriege, menschliche Überbevölkerung, Siedlungsdruck, Industrialisierung oder auch einfach Hunger erschweren die Umsetzung naturerhaltender Projekte.

Manchmal werden Schutzmassnahmen sogar sabotiert. So dringen beispielsweise Massai mit ihren Viehherden und Siedlungen in Schutzgebiete ein, um ihre von der Dürre geplagten Tiere vor dem Hungertod zu retten. Oder sie, die sonst nicht jagen, bringen aus Protest gezielt Elefanten um, weil ihre Gebiete ohne wirtschaftliche Kompensation von Touristenunternehmen benutzt werden. Solche und andere Probleme sind immer auch Ausdruck schwer zu überwindender Interessenkonflikte.

Praktisch chancenlos in der Schweiz: Wilde Bären. Tierpark Dählhölzli |  © Foto by Ruedi Suter

Praktisch chancenlos in der Schweiz: Wilde Bären. Tierpark Dählhölzli | © Foto by Ruedi Suter

Erinnerungen an helvetische Löwen, Bären und Adler

In einem technisch hochzivilisierten und reichen Land wie der Schweiz sollte der Schutz der Wildtiere vergleichsweise einfach und selbstverständlich sein. Fast in jedem Dorf findet sich ein Restaurant mit dem Namen «Bären», «zum Hirschen», «Greifen», «Löwen» oder ähnlich. Manche Schweizer Kantone haben einen Bären, Steinbock, Adler oder Löwen in ihrem Wappen.

Bern hat seinem Wappentier sogar nach dem tristen Bärengraben einen eigenen Bärenpark an der Aare gewidmet. Es scheint so auf den ersten Blick, als lebten die Eidgenossen und Eidgenossinnen im Einklang mit ihrer heimischen Fauna. Doch stimmt dieser Eindruck mit der Realität tatsächlich überrein?

Im «schönen» Garten verhungern Insekten und Vögel

Aus der Vogelperspektive betrachtet ist das Mittelland geprägt durch eine Vielzahl an Einfamilienhaus-Siedlungen, streng abgetrennte Ackerflächen und durchschnitten von Autobahnen. Abgesehen von einigen Waldstücken ist kaum mehr natürlicher Lebensraum für Tiere vorhanden. Eine Landschaft, wie sie typisch ist für die heutige Schweiz.

Verhungernde Insekten dank herausgeputzte Gärten und öden Wiesen |  © Foto Ruedi Suter

Verhungernde Insekten dank herausgeputzte Gärten und öden Wiesen | © Foto Ruedi Suter

Rund ums Einfamilienhaus erstreckt sich ein eintöniger, kurz getrimmter englischer Rasen – aus Sicht der Insekten die reine Wüste. Zudem werden die «schönen», doch eigentlich toten Gärten oft abgegrenzt von einer für viele Lebewesen giftigen Thuja-Hecke. Weder Insekten, Igel noch Vögel können in einem derart sterilen Umfeld Unterschlupf finden!

Kein Platz mehr für wilde Tiere

Die industrialisierte Landwirtschaft präsentiert sich durchrationalisiert und optimiert. Da ist kein Platz mehr für Lebendhecken, Brachen, Moore oder gesäumte Waldränder – alles Lebensräume, von denen unzählige Tierarten abhängig sind. Ein Opfer dieser Entwicklung ist beispielsweise der Feldhase, der schon beinahe ausgestorben wäre. Und bei den Vogelarten sollen seit 1950 drei Viertel verschwunden sein!

Wildfeindliche Schweiz: Siedlungen, Schienen, Strassen und Verkehr |  © Foto Ruedi Suter

Wildfeindliche Schweiz: Siedlungen, Schienen, Strassen und Verkehr | © Foto Ruedi Suter

Mit viel Aufwand wird von Naturschützenden versucht, wieder Buntbrachen anzulegen und Hecken zu pflanzen. Dies bringt auch Lebensräume für andere Tiere wie Bienen, Schmetterlinge und Vögel. Die Bauern werden für den Verlust an rentablem Ackerboden entschädigt und erhalten zudem für die Pflege dieser ökologischen Ausgleichsflächen Subventionen.

Kaum sind Luchs und Biber zurück sollen sie wieder verschwinden

Auch andere Tierarten, die in der Schweiz bereits ausgerottet waren, versucht man wieder anzusiedeln. So wurden Projekte für Luchs, Bartgeier, Biber oder Fledermäuse lanciert. Doch kaum hat sich beispielsweise irgendwo ein Biberpaar in einem Revier installiert, folgen rasch Reklamationen. Sei es, weil die Nager zu viele Bäume fällen oder durch ihre Tätigkeit einen benachbarten Golfplatz unter Wasser setzen.

Bereits werden in gewissen Regionen Rufe laut, der Biberbestand müsse reguliert und störende Einzeltiere aus einem betroffenen Gebiet «entnommen» werden. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass Flüsse und Bäche zuvor künstlich begradigt wurden und Bauten sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen viel zu nah ans Ufer reichen.

«Störenfriede» im Visier: Kormorane, Schwäne und Krähen

Derweil beklagen sich Fischer über zu viele Kormorane, die ihnen ihren Fang streitig machten. Deshalb fordern sie den Abschuss der Vögel. Nicht besser ergeht es Schwänen am Seeufer oder Krähen, die auf Bäumen in der Stadt brüten, wodurch sich gewisse «sensible» Menschen gestört fühlen.

Sündenbock Kormoran, der «alles» leer fischen soll |  © Foto Ruedi Suter

Sündenbock Kormoran, der «alles» leer fischen soll | © Foto Ruedi Suter

Nicht nur bei Menschen in den Ballungszentren und Agglomerationen ist die Toleranzgrenze schnell erreicht, bis Wildtiere als störend empfunden werden. Auch die Bergbevölkerung hat sich von der sie umgebenden Natur entfremdet, die je länger je mehr nur noch als folkloristische Kulisse für die Touristen und die Freizeitindustrie dient.

Schauermärchen über den «bösen» Wolf

Seit 1995 Wölfe von Italien her in die Schweiz einwandern und inzwischen vier Rudel entstanden sind, blühen alte Schauermärchen von der blutrünstigen Bestie auf, als habe es die Epoche der Aufklärung nie gegeben.

Dabei gehört der Wolf grundsätzlich zu den streng geschützten Tieren gemäss der «Berner Konvention», einem internationalen Artenschutzabkommen. Vergreift sich ein Wolf jedoch wiederholt an ein paar Schafen einer ungeschützten Herde, wird er mit behördlicher Genehmigung umgehend zum Abschuss frei gegeben.

Hysterie beim Auftauchen eines Bären

Währenddessen kommen jährlich bei der Sömmerung rund 4000 Schafe durch Abstürze, Verletzungen und Krankheiten ums Leben. Denn die meisten Herden leben sich selbst überlassen, ohne Hirt. Wenn sich zufällig einmal ein einzelner Bär in unser Land verirrt, bricht schon fast eine öffentliche Panik aus, oft noch angefeuert durch die Boulevard-Medien. «Besorgte» Bürgerinnen und Bürger haben sogar eigens einen Verein «Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere» gegründet.

Das Sekretariat ist bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) untergebracht, die vorwiegend von den Kantonen finanziert wird. Noch bevor der Wolf hierzulande überhaupt nur eine überlebensfähige Population bilden konnte, soll er also erneut ausgerottet werden.

«Angstmacher» und «Schädling» Wolf, Zoo Zürich |  © Foto Ruedi Suter

«Angstmacher» und «Schädling» Wolf, Zoo Zürich | © Foto Ruedi Suter

Noch in diesem Jahr entscheidet das eidgenössische Parlament darüber, ob der Schutz des Wolfes markant abgewertet werden soll. Gemäss dem aktuellen Entwurf der Umweltkommission des Nationalrates könnte der Wolf faktisch während fünf Monaten im Jahr bejagt werden. Dabei könnten die Kantone einfach die Bejagung bewilligen – ohne Billigung durch den Bund. Für den Fall, dass dieser Vorschlag tatsächlich angenommen wird, haben zahlreiche Natur- und Tierschutzorganisationen bereits ein Referendum angekündigt.

Die panische Angst im Wallis vor Luchs und Wolf

Untersuchungen der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) haben ergeben, dass vermehrt Luchse in jenen Gebieten vorkommen, in denen gleichzeitig ihre Akzeptanz in der Bevölkerung am grössten ist. Während beispielsweise im Jura etliche Luchse gezählt wurden, waren im Wallis kaum welche nachweisbar.

Im Wallis stösst auch der Wolf landesweit auf die grösste Ablehnung, während in anderen Kantonen diese Grossraubtiere nicht gross zu Diskussionen führen. Massgebend für das Überleben der Wildtiere ist also in der Schweiz wie überall auf diesem Planeten, ob sie von der einheimischen Bevölkerung akzeptiert werden oder nicht.

Ach die Schweiz - sie könnte leuchtendes Vorbild sein

Dabei ist die Schweiz das bislang einzige Land der Welt, das die Würde des Tieres sogar im Gesetz verankert hat. Das bedeutet, dass ein Tier einen Eigenwert besitzt und eine Daseinsberechtigung hat, die es zu schützen gilt. Trotzdem haben es Wildtiere hierzulande offensichtlich schwer, in einer von Menschen dominierten Umwelt zu überleben.

Weissstörche: Von der Schweiz in die Serengeti und zurück |  © Foto Ruedi Suter

Weissstörche: Von der Schweiz in die Serengeti und zurück | © Foto Ruedi Suter

Tiere kennen keine Landesgrenzen. Denselben Storch, den wir heute in einer Parkanlage mitten in der Stadt beobachten, könnten wir im Winter irgendwo in der Savanne Tansanias wieder begegnen. Deswegen müssen Tiere rund um den Globus geschützt werden! Und deswegen ist die Arbeit von Organisationen wie dem FSS so dringend notwendig. Und zwar ohne beim Artenschutz mit mit dem Finger auf die «zerstörerischen» Afrikanerinnen und Afrikaner zu zeigen.

Denn der Einsatz für die bedrohten Tiere und ihre überall angegriffenen Lebensräume beginnt bereits bei uns – in unseren Köpfen, vor unseren Türen, in unseren Gärten, bei unseren Reisen ebenso wie bei unseren täglichen Einkäufen. Wer zum Beispiel etwas mehr für ein zertifiziertes Bio-Produkt bezahlt, der konsumiert nicht nur weniger Pestizide, er und sie helfen damit auch den Bauern und Bäuerinnen, die entschlossen Rücksicht auf überlebenswichtige Tiere wie zum Beispiel Vögel, Insekten und Würmer nehmen. Eine gute Tat mit grosser Wirkung– für alle nachfolgenden Menschen- und Tiergenerationen dieser Erde!

Titelbild: Löwenfigur einer Wirtschaft | © Foto by Ruedi Suter


Tansania prunkt jetzt neu mit 22 Nationalparks

Ruedi R. Suter

Tansania hat neuerdings 22 Nationalparks – fünf mehr als 2018. Der Umwandlung von fünf Wildschutzgebieten zu Nationalparks hat das tansanische  Parlament am 9. Februar zugestimmt.  Doch bei Naturschützenden hält sich die Freude in Grenzen.

Dodoma, 10. Februar 2019 – Ein «weiterer Meilenstein» sei gesetzt im Zusammenhang mit den grossen Schutzanstrengungen des ostafrikanischen Landes, freute sich Job Ndugai, Sprecher der Nationalversammlung, gemäss Medienberichten am 9. Februar in der Landeshauptstadt Dodoma. 

Zuvor waren die neuen Nationalparks so genannte Game Reserves, in denen auch gejagt werden konnte und die allgemein einen geringeren Schutzstatus haben als Nationalparks. Von einem «Upgrade» profitieren die fünf Gebiete Rumanyika, Biharamuro, Burigi, Kimisi, und Ibanda.

Wie alle Parks unterstehen auch sie von nun an der Tanzania National Parks Authority (Tanapa). Diese Behörde ist auch für berühmte Parks wie Serengeti, Kilimanjaro, Tarangire oder Ruaha verantwortlich. 

Hier der Schutz, dort die Zerstörung

Tansania galt in Afrika in Sachen Naturschutz  und mit seinen grossen Schutzgebieten lange Zeit als vorbildlich. Erheblichen Schaden erlitt der gute Ruf durch die anhaltenden Massaker zehntausender von Elefanten im südlichen Selous Game Reserve. Sie seien nur möglich gewesen, weil unter den letzten Präsidenten Kikwete  selbst hohe Politiker und Beamte die Hände mit im Spiel gehabt hätten, meinen Kenner des Landes.  

Unterdessen hat sich die Situation etwas beruhigt, doch sieht sich das Weltnaturerbe Selous heute von anderer Seite bedroht. Die Regierung von John Magufuli ist zum Entsetzen der UNESCO daran, einen Staudamm zu bauen und  das Abholzen von Wäldern und den Abbau von Uran im Schutzgebiet zu fördern.

In diesem Kontext wirft die Schaffung neuer Nationalparks zum jetzigen Zeitpunkt eher Fragen auf als dass sie zu grosser Freude Anlass gäbe. fss

Titelbild: Brauchen dringend Schutz: Löwin | © Foto by Hans Trüb

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Übervölkerung: Schutzgebiete Tansanias in Frage gestellt

Ruedi R. Suter

Eine für Tansania und die Welt folgenschwere Entscheidung hat Staatspräsident John Magufuli getroffen: Der Status der Schutzgebiete und ihre Existenzberechtigung sollen überprüft werden, um der schnell wachsenden Bevölkerung und ihren Rinderherden mehr Lebensraum zu schaffen. Für Tierwelt und Tourismus ein denkbar schlechtes Omen, meint auch unser Kommentar.

Die vielen Schutzgebiete Tansanias geraten weiter unter Druck. Staatspräsident John Magufuli hat bei einem Ministertreffen von gestern Dienstag in Dar es Salaam den sofortigen Stopp der Vertreibung illegaler Siedler in Naturschutzgebieten angeordnet. Überdies gab er neue Richtlinien bekannt. Diese sollen dem schnellen Bevölkerungswachstum entgegenkommen – das zu Lasten der Schutzgebiete.

So sollen Nationalparks und Wildreservate jetzt genau unter die Lupe genommen werden, so melden heute tansanische Medien. Dort, wo «keine Wildtiere» mehr zu sehen seien, soll der Boden landlosen Bauern und Hirten zur Verfügung gestellt werden.

«Ich bin nicht glücklich»: John Magufuli gibt seine Anweisungen |  © Screenshot von «The Guardian»

«Ich bin nicht glücklich»: John Magufuli gibt seine Anweisungen | © Screenshot von «The Guardian»

«Ich bin nicht glücklich darüber, dass Viehzüchter überall abgelehnt werden» zitiert «The Guardian» John Magufuli im Zusammenhang mit dem Vertreiben der Rinderherden aus den Schutzzonen. «Gibt es ein Naturschutzgebiet, das nicht genutzt wird, werden wir das Gesetz ändern und es an Viehzüchter und Bauern verteilen.»

Dasselbe gelte für Waldschutzgebiete mit fruchtbarem Boden und ohne nennenswerten Baumbestand, die Landwirten für den Anbau von Pflanzen übergeben werden sollen. Zu prüfen sei überdies der womöglich übertriebene Schutz der Wasserquellen. Der an den Flüssen lebenden Bevölkerung solle so das Leben erleichtert werden.

Die neuen Vorgaben aus Dar es Salaam lassen Alex Rechsteiner, Afrikadelegierter der Nichtregierungsorganisation «Freunde der Serengeti Schweiz (FSS)», Schlimmes befürchten: «Das ist vor allem für einige der abgelegenen Schutzgebiete der Anfang vom Ende.»

«Weises» Vorgehen gefordert

Das Ministerium für Naturressourcen und Tourismus wurde angewiesen, bei der Überprüfung der Schutzgebiete «weise» vorzugehen – und die weniger wichtigen Zonen den Menschen zur Nutzung zu überlassen. Gestoppt ist nun auch der Rauswurf von 366 Dörfern, die sich illegal in Schutzgebieten breit gemacht haben. Innert eines Monats soll dem Parlament eine neue Beurteilung unterbreitet werden.

Staatsoberhaupt Magufuli begründete die ins Auge gefassten Änderungen im Beisein von Hamisi Kigwangalla, dem Minister für Naturressourcen und Tourismus, von Generalsekretär John Kijazi, Abdallah Ulega, stellvertretender Minister für Vieh und Fischerei, Dorothy Mwanyika, Staatssekretär im Ministerium für Land, Wohnen und Siedlungen sowie weiteren hohen Beamten.

Futterkonkurrenz der Wildtiere: 10 Millionen Rinder |  © Foto by Gian Schachenmann

Futterkonkurrenz der Wildtiere: 10 Millionen Rinder | © Foto by Gian Schachenmann

Mehr Menschen, mehr Rinder brauchen mehr Land

John Magufuli, der sich kürzlich entschieden gegen die Schwangerschaftsverhütung ausgesprochen hat, verteidigte sein Vorgehen mit dem Argument, die Zahl der Menschen und Tiere in Tansania sei massiv angestiegen.

Tatsächlich bevölkerten 1961 beim Erreichen der Unabhängigkeit etwa 9 Millionen Menschen und 10 Millionen Rinder das Land. Heute sind es über 55 Millionen Menschen und 35 Millionen Rinder – und Tansania hat mit rund fünf Kindern pro Frau eine der höchsten Geburtenraten der Welt.

Doch dem starken Bevölkerungswachstum werden keine Grenzen gesetzt. Im Gegenteil, der Präsident verteufelt die Geburtenkontrolle. Den Bürgern und Bürgerinnen, von denen schätzungsweise die Hälfte unter der Armutsgrenze leben, befahl er letzten September 2018, jeder Empfängnisverhütung zu entsagen. fss

Kommentar

Weniger Naturschutz, mehr «Entwicklung»

Das neue Vorgehen des Präsidenten ist noch schwer zu beurteilen. Denn in jüngster Vergangenheit ging die Regierung noch mit harter Hand gegen illegale Siedler und Rinderherden in Nationalparks wie die Serengeti vor.

Dörfer innerhalb der Parkgrenzen wurden abgefackelt, Rinderherden konfisziert, Strafen verhängt. In Schutzgebieten wie Moyowosi, Kigose und Makere sollen sich überdies «Ausländer» niedergelassen haben, die jetzt zu weichen haben.

Präsident Magufulis Regierungsstil wird unterdessen oft als widersprüchlich, autokratisch und radikal kritisiert – zu wenig durchdacht und auf die Schnelle nicht umsetzbar, auch wenn vieles gut gemeint und sinnvoll sei.

Verwundert nimmt man etwa zur Kenntnis, dass die Regierung eben gerade die Schaffung des 26 Quadratkilometer grossen Magombera-Waldschutzgebiets im Kilombero-Distrikt beim Selous-Weltnaturerbe umgesetzt hat. Seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhundert wurde versucht, diesen artenreichen Wald zu schützen.

Magufuli wirkt widersprüchlich, bekannte er sich doch auch zur einheimischen Fauna: «Wir sind auch auf die Wildtiere angewiesen. Ich meine auch nicht, dass wir alle Nationalparks unseres Landes neu definieren sollen. Wir müssen die aktiven Schutzgebiete erhalten.»

Über einen fatalen Trend mag dies aber nicht hinwegzutäuschen: Das Staatsoberhaupt mit dem Übernahmen «Bulldozer» will den Naturschutz zurückbinden. Er legt sein Hauptgewicht auf die schnelle Wirtschaftsentwicklung des Landes – bislang ein globaler Champion im Naturschutz, weil fast ein Drittel seiner Fläche unter Schutz steht.

Diese zumeist rohstoffreichen Naturreserven sind jedoch längst schon im Visier internationaler Konzerne, zunehmend chinesischer Herkunft. Das scheint Magufuli als ehemaliger Bauminister mehr zu faszinieren als die Zukunftssicherung des für das Land bislang lebenswichtigen Tourismus, der ohne Fauna einbrechen wird.

Wie es weitergehen könnte, zeigt das älteste Wildschutzreservat Afrikas – der Selous. Ungeachtet weltweiter Proteste ist die Regierung entschlossen, in diesem Unesco-Weltnaturerbe Uran abzubauen, Wälder abzuholzen und einen gigantischen Staudamm hochzuziehen ­– mit unabsehbaren Folgen für die Wildtiere und das Ökosystem.

Die Zeiten des breitflächigen Naturschutzes in Tansania scheinen gezählt – vor allem nach den neusten Ankündigungen seines populistischen Präsidenten, dem weiteres Bevölkerungswachstum und Industrialisierung am Herzen liegen. Es ist auch ein fatales Signal an andere afrikanische Staaten, die mit der Öffnung ihrer letzten Schutzgebiete schnelles Geld machen wollen. Verlierer wird – einmal mehr – die Artenvielfalt mit ihren Tieren und Pflanzen sein. rs

Titelbild: Flamingos über Tansania |  © Foto by Gian Schachenmann

Weiterführende Themen

Afrikas Schutzgebiete in Gefahr – das Beispiel Weltnaturerbe Selous